König Nebukadnezar
Musik: Swans
Dieser deprimierend-selbstkritische Seufzer fasst mehr zusammen als die trockene Symptom-Schilderung der Psychiater und Psychologen je zu vermitteln vermag. Sie entspricht in etwa dem, was man heute als schizoide Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Und sie stammt von einem Schriftsteller, der gerade in dieser Hinsicht oft zitiert wird, nämlich Franz Kafka (wichtige Werke: Der Prozess, Das Schloss, Die Verwandlung u.a.) - wohl nicht zuletzt aus eigener seelischer Not heraus.
Was aber versteht man unter einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, ein Begriff, der schon zu Beginn und dann vor allem in der Mitte des 20. Jahrhunderts lebhaft diskutiert und verwendet wurde, wobei man heute nur noch einen Teil dieser Definitionen akzeptiert. Und zuvor: Was versteht man eigentlich unter einer Persönlichkeitsstörung?
Dazu Überempfindlichkeit gegenüber Kritik sowie Denk- und Kommunikationsstörungen (wenngleich der zwischenmenschliche Kontakt oft weniger belastet ist als beispielsweise bei der schizophrenen Psychose). Deshalb auch hier selten oder nur wenige Freunde, und wenn, dann eher distanziert, ambivalent (gefühlsmäßig hin- und hergerissen) bis misstrauisch. Als große, zwischenmenschliche und berufliche Belastung gilt auch das launenhaft wirkende bis exzentrische (überspanntes, fast verschrobenes) Verhalten.
Im Einzelnen:
* emotionale Kühle, Distanziertheit oder flache Affektivität (eingeschränkte gemütsmäßige Ansprechbarkeit)
# geringe Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle oder auch Ärger anderen gegenüber zu zeigen
# anscheinend Gleichgültigkeit gegenüber Lob oder Kritik
# wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit anderen
# übermäßige Vorliebe für einzelgängerische Beschäftigungen und Unternehmungen
# wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude oder Vergnügen
# keine engen Freunde oder Vertraute (oder höchstens wenige oder eine einzige Person) und dabei auch kein ausdrücklicher Wunsch nach solchen Beziehungen (außer vielleicht nahen Angehörigen, wobei sich aber auch der Wunsch, Teil einer Familie zu sein, in engen Grenzen hält)
# mangelnde Sensibilität im Erkennen und Befolgen gesellschaftlicher Regeln (beginnend mit Begrüßungen und endend mit vielleicht komplexeren, aber im Durchschnitt durchaus vertrauten sozialen Konventionen, also gesellschaftlichen Übereinkünften).
* Schizoid erscheinende Wesenszüge können sich aber auch ausbilden als Folge von Extrembelastungen und danach längerer körperlicher wie psychischer Erkrankung und durch längere Alkoholkrankheit, Medikamentenabhängigkeit und Rauschgiftsucht. Einzelheiten dazu siehe die entsprechenden Kapitel.
Dazu gehört vor allem ein depressives Zustandsbild. Deprimiert oder gar depressiv können schizoide Menschen werden, wenn ihnen ihre Sonderstellung ("Sonderling") langsam bewusst und die Konsequenzen zur Last werden. Wenn sie nicht in die Gesellschaft passen, keinen Freundeskreis, vielleicht nicht einmal einen einzelnen Freund haben, im beruflichen Umfeld ausgegrenzt werden und auch "zu Hause", bei ihren Angehörigen in der Regel zwar geduldet, aber offensichtlich nicht willkommen sind.
Und schließlich können sich auch Menschen mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung sozial zurückziehen, besitzen aber meist die Fähigkeit zu intimen Kontakten (und vereinsamen dadurch auch nicht so offensichtlich unkorrigierbar wie viele schizoid Erkrankte).



