Abenteuer Kunstkauf. 1. Teil
BeimKunstkauf eine Nasenlänge voraus zu sein, kann sich finanziell mehr als lohnen,wenn man das richtige Kunstwerk zur richtigen Zeit erwirbt. Jeder Mensch hatein ästhetisches Bedürfnis. Wie aber kommt ein Kunstliebhaber an das richtigeKunstwerk? Wer sagt: „Ich bin kein Kunstkenner, ich verstehe nichts davon“, beidem hat die „Kunstmafia“ schon ganze Arbeit geleistet, denn diese Aussagezeigt, dass man sich bereits den markttypischen Mechanismen der Kunstweltausgeliefert hat. Diese lebt davon, dass sie dem Kunden sagt, was Kunst ist undwas er dafür ausgeben soll, und dass ein Kunstwerk niemals zum Sofa passendürfe. Dann gibt es noch den Kunstinteressenten, der sagt: „Von Kunst habe ichkeine Ahnung – aber ich kaufe, was mir gefällt.“ Dieser Satz beweist schon mehrSelbstbewusstsein. Trotzdem wird die Haltung nicht automatisch zum Ziel führen.Wenn ein Kunstinteressent das richtige Kunstwerk finden will, dann gibt es nureinen Weg: dem eigenen Geschmack vertrauen, aber außerdem viele Kunstwerke –alte wie neue – anschauen. Vor allem gibt sich der erfolgreiche Kunstkäuferniemals zufrieden. Es hat keinen Sinn, nur nach dem Preis zu kaufen, egal wieverlockend das Angebot sein mag. Vielmehr kann sich jeder fragen: kann ich michnoch daran erinnern, welches Bild mir in letzter Zeit besonders gut gefallenhat und warum? Gute Kunst hält den Kriterien von Aktualität und Dauer stand.
Kunstist nicht kompliziert. Aber es wird kompliziert gemacht. Der Kunstmarkt isteine Welt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten, verborgenen Mechanismen undeigentümlichen wirtschaftlichen Gepflogenheiten. Wer eine Galerie oderKunstmesse besucht, reibt sich bisweilen verwundert die Augen. Zunächst fälltauf, dass es keine Preisauszeichnung gibt. Steigt das Interesse an einemKunstwerk, steigt manchmal auch der Preis. Oder es wird auf Nachfrage einePreisliste überreicht, von der niemand weiß, ob es nicht mehrere mitunterschiedlichen Preisen gibt. Vielleicht wird der Kunstkäufer als Masochisteingeschätzt, denn seiner Bereitschaft, möglicherweise viel Geld für Kunstauszugeben, wird nicht immer mit entsprechendem Service oder Wissen begegnet.Wie nähert man sich nun am besten dem Mythos Kunst? Zunächst: Es geht nicht direktums Kaufen. Nein, Kunst muss man haben. Es geht um das emotional gesteuerteHabenwollen. Nur die Markenbewussten meinen, Mythos sei käuflich. Deshalbglauben sie, je mehr Geld sie für ein Kunstwerk ausgeben, desto mehr bekämensie für ihr Geld. Über Kunst bestimmt der Kunstliebhaber. Wenn ihm einKunstwerk gefällt und er mit seinem aktuellen Wissen über Kunst darüberglücklich ist, dann können andere nichts an seinem Gefühl ändern. Weder einGalerist, ein Museumskurator oder ein Bekannter. In jedem Fall ist mehrSelbstbewusstsein beim Kunstkauf sinnvoll. Kunst ist ein Gefühl. Es wird anderssein, je nach guter oder weniger guter Stimmung, mit der man sein Kunstwerkbetrachtet. Gute Kunst spricht Geist und Auge an, und das jedes Mal auf neueWeise.
