Ad astra

16.03.2011 um 15:08 Uhr

Abgrund und ich fiel und fiel und fiel

von: adastra

Im ersten Moment konnte ich es nicht erfassen, nicht realisieren was ich dort in Händen hielt. Die Händen fingen anzuzittern und mir knickten die Beine weg. Hart setzte ich mich hin.

 

Abschiedsbrief, Abschiedsbrief.............

 

 

 

14.03.2011 um 23:38 Uhr

Nicht sehen wollen

von: adastra

So schnell wie möglich holte mein Vater sie nach Hause.  

Der Zustand meiner Mutter hatte sich wieder erwarten sogar bedeutend gebessert. Die Hände zitternden wohl, aber sie konnte sie benutzen, aber vor allem konnte sie wieder einige Schritte gehen und mit dem Rolator kam sie gut zurecht.

Mein Vater und mein Mann, hatten die Zeit genutzt und die Wohnung für sie sicherer gemacht. So das sie gut mit der Gehilfe durch die Räume fahren konnte.

Selten war ich so glücklich. Für mich stand einfach fest, dass sie ihre Krankheit aufgehalten und sogar ein wenig zurück gedrängt hatten.

Die Ärzte konnten uns nicht sagen wie lange es anhalten würde. Mir war es egal, ich sah nur was ich sehen wollte und verband den Rollstuhl kurzer Hand in den Keller, dort sollte er meinetwegen vermodern, meine Mutter würde ihn nicht mehr brauchen.

Einige Tage später, ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern ob  nun 2 oder 3 Wochen vergangen waren. Da fand ich ihn, beim Aufräumen fiel er mir in die Finger.

 

Ich  starrte nur noch auf das Ding in meinen Händen.

 

13.01.2011 um 22:05 Uhr

Das neue Jahr

von: adastra

Das neue Jahr brach an und der Zustand meiner Mutter nahm unaufhaltsam ihren Lauf.

Für mich, aus der heutigen Sicht, weiß ich nicht wie sie das überhaupt ertragen konnte. Nie war sie launisch, noch machte sie mir das Leben schwer.

Es war die Krankheit die ich hasste und das was sie in ihr auslöste. Diese Hilflosigkeit die mich oft erfasste und nur meine Kinder mir den Mut gaben nicht aufzugeben. Ihr lachen und ihre Lebendigkeit zog durch das gesamte Haus.

Gerade auch für meine Mutter, waren die geliebten Enkel, den Halt und Freude jeden Tag aufs Neue anzugehen.

Bis eines Tages, laut das Messer zu Boden polterte und ich entsetzt auf ihre Hand schaute.

Natürlich passiert uns das täglich oft hunderte Male, ohne dass wir uns darüber Gedanken machen müssten. Für sie hieß das, es ist so weit es greift auf die Hände über.

Wie sehr hatte ich diesen Tag gefürchtet und nicht annähernd gewusst, wie schnell er doch kommen würde.   

Für sie begann damit wieder einmal Tortur Krankenhaus. Wie sie sich davor fürchtete musste sie gar nicht aussprechen. Ihre Augen spiegelten die Qual wieder. Uns blieb doch keine andere Wahl, sie brauchte hoch dosierte Medikamente die dazu 24 Stunden  Überwacht werden mussten und das konnten wir zu Hause einfach nicht bewerkstelligen.

Trotz aller Prognosen, gaben wir die Hoffnung noch nicht auf.

 

Heute weiß ich, dass dies reines Wunschdenken war.

  

21.11.2010 um 22:23 Uhr

Ein Goldie zum Verlieben

von: adastra

Es war um diese Zeit, die Weihnachtszeit schon nah. Als meine Mutter einen selten gestellten Wunsch hegte. Einen Hund der ihr Gesellschaft leisten sollte und ich glaube auch heute noch, dass sie gedacht hat, mit ihm könnte sie das Laufen wieder erlernen.

Mein Vater schaffte es nicht ihr den Wunsch zu verwähren und noch vor dem Fest zog bei uns ein Golden Retriever ein.  Eine süßer Hundewelpen der die gesamte Familie in Verzückung setzte. Der Welpe war süß und meine Kinder lieben sie sehr, aber auch sie musste erzogen werden und brauchte Zeit. Zeit die ich eigentlich gar nicht hatte.

Mein Vater versprach, dass er die Welpenschule übernehmen würde und er versuchte es auch wirklich. Es klappte nur meistens auf Grund seiner Arbeit nicht und so übernahm ich also  die Welpenschule. Danach noch die Hundeschule bis zur Begleithundeschein. Was im Grunde auch besser war, denn ich war die Jenige auf die sie hören musste. Schließlich wer sollte denn mit ihr rausgehen?

Mein Mann war so lieb in dieser Zeit die Kinder zu übernehmen. Für mich war es auch eine Möglichkeit das Haus mal zu verlassen und andere Leute kennen zu lernen.

Luna tat meiner Mutter gut,  denn ihre Tollpatschigkeit und Lebensfreude war ansteckend. Auch wenn sie natürlich nicht wieder das Laufen erlernte, aber einen Ball werfen konnte sie durchaus und so verbrachten die Zwei viel Zeit mit spielen.

 

14.11.2010 um 22:18 Uhr

eigene Entscheidungen

von: adastra

Bei dem Kauf der Wolle, bemerkte ich erst später dass dies so gar keine gute Idee war. Es zeigte sich das ihre Augen, Finger, Gehirnkoordinierung nicht funktionierte. Sie verlor Maschen, also rippelte ich heimlich jeden Abend ihre Arbeit auf um die Fehler zu beheben. Ich weiß bis heute nicht ob sie es bemerkt hat und genau wie ich nichts sagte. Ich hatte Angst vor ihre Tränen, wenn ihr bewusst werden würde, das ihr einziger Zeitvertreib, der ihr immer so viel Freude gebracht hat, ihr im laufe der Zeit unaufhaltsam genommen werden würde. Ich hoffte so sehr das sich wenigstens dies noch hinauszögerte. Ich hatte nur nicht darüber nachgedacht wie sich meine Mutter wohl fühlen würde, wenn sie es denn je bemerken würde. Ich hatte nicht das Recht über ihren Kopf diese Entscheidung zu treffen, denn nahm ich ihr damit nicht das letzte bisschen Selbständigkeit?