Lösch mir die Augen aus

31.01.2006 um 21:43 Uhr

Marienkäfer auf dem Rücken

von: AiHua

So wie Björk spielt auch Emilie Simon damit als Kindfrau aufzutreten. Vergleicht sie die SZ mit einem Mädchen aus einem Tim Burton Film, die ohne Argwohn in die Dunkelheit eines Kellers geht, obwohl sie genau weiß, dass die dunklen Schatten tatsächlich lange Männer sind, die sie erschrecken wollen, ein Mädchen, welches sich in einen Mann verlieben kann, der Scherenhände hat, und die Presse fotografiert sie innerhalb einer Wiese mit Glühwürmchen im Haar. Das alles, wie schließlich auch die „Islandmystik“, verzeiht man, nimmt sie als Stilmittel sogar völlig (und begeistert) ab, wenn man die Musik hört, die sie macht.
Da entstehen Klangwelten, die weich und zart beginnen, an obskurer Stärke gewinnen und bei aller Vergleichbarkeit zu Kate Bush und Björk doch auch immer die Nähe zum Chanson zeigen. Ja, und wenn er schon mal genannt wurde, Simon braucht nicht erst im Interview zu erzählen, dass sie sich mit Tim Burton verwandt fühlt, denn ihre Musik könnte ebenfalls zu seinen Filmen passen, oder anders, seine Bilder passen auch zu ihrer Musik.
Wobei man sich schwerlich vorstellen kann, dass Burton rote, kinderliebe Marienkäfer in seiner Bildsprache einsetzt. Mit denen hat sich aber Simon auf ihrem ersten Album emilie simon  fotografieren lassen.

30.01.2006 um 15:09 Uhr

Chacal, charogne, chaman, sachem

von: AiHua

Pourras-tu le faire I'M LOST
Pourras-tu le dire I'M LOST
Tu dois tout essayer I'M LOST
Tu dois revenir I'M LOST

Tu dois voir plus loin I'M LOST
Tu dois revenir I'M LOST
Egaré en chemin I'M LOST
Tu verras le pire I'M LOST

Pour trouver le sud I'M LOST
Sans perdre le nord I'M LOST
Après les certitudes I'M LOST
Au-delà des bords I'M LOST

I'm lost but I'm not stranded yet {x2}

Dans les yeux des femmes I'M LOST
Dans la marie-jeanne I'M LOST
Dans la techno-cité I'M LOST
Pour manipulés I'M LOST

Grand combat de chairs I'M LOST
Colline enflammée I'M LOST
Dans l'ombre ou la lumière I'M LOST
Pôle halluciné I'M LOST

Pour courir ventre à terre I'M LOST
Brouillard et fumée I'M LOST
Consommer consumer I'M LOST
Recracher de l'air I'M LOST

Dans le dérisoire I'M LOST
Dans les accessoires I'M LOST
Dans le feu des possibles I'M LOST
Au cœur de la cible I'M LOST

Dans la paranoïa I'M LOST
Dans la schizophrénia I'M LOST
Un maniacopéra I'M LOST
Pharmacopérave I'M LOST

I'm lost but I'm not stranded yet

Entre les dérapages
Entre les lignes d'orages
Entre temps entre nous
Et entre chien et loup
Au maximum du voltage
A peine est passé le message
Au fil du rasoir

Encore une fois c'est la vie qui s'entête
Acharnée au-delà des images qu'on reflète
Chacal, charogne, chaman, sachem
Magie noire ou blanche inscrite à la Sacem

Des poumons d'or
Belphégor
Ici, maintenant, à la vie, à la mort
N'oublie pas ton sourire pour ce soir si tu sors
Un jury t'attend n'injurie pas le sort

Entre les dérapages
Entre les lignes d'orages
Entre temps entre nous
Et entre chien et loup
Au maximum du voltage
A peine est passé le message
Au fil du rasoir

Dans les corridors I'M LOST
Sur les baies vitrées I'M LOST
Des insectes écrasés I'M LOST
Qui cherchaient de l'or I'M LOST

Dans les ministères I'M LOST
Dans les monastères I'M LOST
Dans les avalanches I'M LOST
Au bout de la planche I'M LOST

Des combats d'autorité I'M LOST
Des conflits d'intérêts I'M LOST
Des types ignifugés I'M LOST
Veulent ma fusée I'M LOST

Des désenchanteurs I'M LOST
Un train à quelle heure I'M LOST
Des pirates des corsaires I'M LOST
Sans aucun repaire I'M LOST

Tu dois voir plus loin I'M LOST
Tu dois revenir I'M LOST
Tu dois tout essayer I'M LOST
Tu dois devenir I'M LOST

I'm lost but I'm not stranded yet

(Noir Désir, 2001)

30.01.2006 um 03:51 Uhr

„Das Leben schlabbert vorbei…“

von: AiHua

Vor langer Zeit habe ich mich selbst vor der Menschheit ausgeschlossen und zerfloss vor Selbstmitleid. Langsam rann ich an der Bettkante entlang und suppte durch die Ritzen der Dielenbretter.

Auf dem Estrich blieb ich gefangen. Als letztes nahm ich wahr, wie die Reste von mir in mich hinein tropften. Eine staubige Lache.

Manchmal drang ein Lichtstrahl zu mir und wärmte mich, doch verlor ich mich dadurch. Im Sommer stieg ich als Dampf auf und spürte kein ich mehr, sondern wir.

30.01.2006 um 00:37 Uhr

Rat an mich selbst

von: AiHua

Mädchen, man müsste meinen, dass man die Vor- und Nachteile ausgelotet hat, ob man sich in bekannter Gesellschaft, oder sich unter vollkommen Fremden die Kante gibt. Freunde wissen meistens wo man wohnt, ob man wirklich auch Martini verträgt und ob man noch Aspirin zu Hause hat. Fremde hingegen sieht man meistens nie wieder, was wirklich ein großer Vorteil sein kann, wenn man sich im Rausch mal wieder zum Deppen gemacht hat…

Da ich mich an sich immer (wenn auch manchmal später) an alles erinnern kann, benötige ich auch keine Freunde, die mich süffisant an den vorigen Abend erinnern müssen. Ihr meint, ich könnte meinen Namen vergessen? Ach, dann denke ich mir eben einen neuen aus. Ich bin die Frau mit den unzähligen Namen. Junge, schau mir in die Augen, was willst du da Namen wissen?

Außerdem finden meine Hände auch ohne angeschaltetes Stammhirn das Röhrchen mit den Boxaxintabletten, die Tür kann man auch aufschließen, wenn man vor ihr kniet weil sich der Boden bewegt. Also Kleines, falls du mal wieder so dumm bist und dich überhaupt betrinkst, dann tue dies in einem gnädigen Inkognito.

27.01.2006 um 14:56 Uhr

Als kurzer Zusatz

von: AiHua

Hier das Bild, welches im Beitrag vorher erwähnt wurde


Lotto, Lorenzo: Ritratto di giovane gentil’uomo. Ca. 1527, wahrscheinlich Öl auf Holz, Gallerie dell’ Academia, Venedig.

27.01.2006 um 03:24 Uhr

Blut, Schleim, gelbe - und schwarze Galle

von: AiHua

Habe mich gerade versucht im schwarzen Gallensaft zu ertränken. Hat natürlich nicht geklappt, weil es die Plörre nicht gibt. Memo an mich selbst, die humoralpathologische Lehre ist zwar interessant, aber ist nicht gerade up to date, auf dem Gipfel der Zeit und so. Melaine chole… hm, ich habe aber fast das Gefühl ich könnte den Kardinalsaft finden, würde ich danach suchen. Doch natürlich bin ich dafür zu träge, soll es jemand anderes in Angriff nehmen, oder wenn ich meine Galle wieder in die richtige Temperatur gebracht habe. So wie bei einem Schwarzgalligen doch ein Salamander mit auf sein Porträt gegeben wurde, damit dem Betrachter klar wird, dass es sich zwar um einem „Kranken“ handelt, er aber so gut eingestellt ist, dass er einer der aristotelischen großen Männer ist…

25.01.2006 um 01:40 Uhr

Rentner und was Darwin dazu sagt

von: AiHua

Gerade bin ich auf einen Blogeintrag gestoßen, der an anderer Situation zeigt, was geisteswissenschaftliche Studenten andauernd ertragen müssen und warum sie so langsam im Hörsaal aussterben, weil sie dort nämlich durch Platzmangel und Unfreundlichkeit keine Grundlage zum Studium haben und ausweichen müssen. Keine Ahnung wieso es kaum gemeinsame Grundlagen gibt, ich meine man wird doch nicht einfach alt und ein anderer Mensch… Zu meinem besonderen Fall ein Link, der das vielleicht verdeutlicht.

24.01.2006 um 22:49 Uhr

Blogigo wir haben dir was mitgebracht: HASS, HASS, HASS!!!

von: AiHua

Das ist echt zum Ausflippen, entweder man kommt stundenlang nicht mal auf den eigenen Blog, die Kommentare sind sowieso mindestens jedes zweite Mal (wenn nicht sogar öfter) für die Katz und selbst die eigenen Beiträge sind hin und wieder einfach weg.

Und dabei haben wir uns doch erst vor kurzen gefunden, sind erst seit kurzem ein Paar. Und bevor wir uns noch aneinander gewöhnen konnten, die Macken des anderen erstmal so richtig schätzen lernen, da zickst Du nur noch rum. Ich bitte Dich, Du hast nicht nur mal die Socken liegen lassen, meine Zahnpasta benutzt ohne den Deckel wieder zu zuschrauben, Du bist monströs. So geht das einfach nicht, das sage nicht nur ich, das meinen auch andere: Too1, sjAlfur, um nur zwei zu nennen.

24.01.2006 um 18:00 Uhr

Komm mir nicht zu nah, aber lass mich gucken (und hören)

von: AiHua

Ich hasse Männer mit Bärten, uninspirierte Matten, die blöde in Gesicht hängen auch und das schlimmste sind wohl Jeansoutfits, die aus speckigen Jacken bestehen und Hosen, die einen großen Schlag haben, aber am Knöcheln enden. Man, ätzende Prolls.

Aber ich liebe Kings of Leon!

Gut, das jetzt nur noch einer einen Bart hat, und die anderen sogar richtige Attitüdenfrisuren  haben kann ich jetzt anfügen. Aber das macht die Sache weder besser noch schlechter. Gut sehen die nämlich trotzdem irgendwie nicht aus. Trotzdem zählen da nicht nur die inneren Werte (verdammt ist die Musik toll und die Texte einfach… -ach trau dich- geil), nein, ich kann mir Stunden lang die Typen angucken. Nicht nur die Videos, nein, selbst Konzertmitschnitte…

 

Wer sich überzeigen lassen will, hier der Link  zu ihrer offiziellen Seite.

23.01.2006 um 15:29 Uhr

Wenn wir schon von Dirk reden

von: AiHua

Aus einem Kommentar von Too1 und seinem Blog meine ich leicht heraus zu hören, dass er ein Tocotronic –Fan ist. Und da fällt mir ein, dass es ein Hörbuch gibt, welches von Dirk von Lowtzow gelesen wurde. Er liest zwei Geschichten von Lovcraft und zeigt, dass er auf jeden Fall lesen kann. Wie man sich denken kann, liest er ruhig, eigentlich kaum mit Emotionen, aber das erstärkt den Horror von Lovcraft nur noch mehr. Mit den einfachsten Mitteln also die größte Wirkung.

Also hört mal rein: H.P. Lovecraft: Pickman`s Modell, gelesen von Dirk von Lowtzow.

(keine Ahnung wann und unter wem erscheinen)

22.01.2006 um 17:37 Uhr

Es gibt Begebenheiten…

von: AiHua

Für die man immer ein Nudelholz oder etwas anderes schmerzhaftes in der Hand halten sollte. Ich stehe doch gerade in der Küche, ahne überhaupt nichts böses und gucke zu, wie der Fanatiker nach dem Auflauf guckt. Nach einem Blick zu mir, steht er auf und mustert mich dann weiterhin stehend.
„Also eben sahst du imposanter aus“, ich gucke ihn perplex an.
Er geht wieder in die Hocke und mustert mich wieder mit Kennerblick. „Irgendwie bedrohlicher…“
Dann steht er wieder auf und guckt wieder stehend. „Von hier siehst du einfach klein aus.“

Hat man da Worte?

22.01.2006 um 14:06 Uhr

Aufmunterung

von: AiHua

Gut, die Welt ist nach dem Schneegestöber schon wieder mehr matschig als sauber weiß und bietet nur wenig Trost. Ich gucke mir also mein Aufmunsterrungsbild an, vielleicht hilft es euch ja auch.


Balla: Dinamismo  (di un cane al guinzaglio), 1912,  Öl auf Leinwand, New York: Museum of Modern Art.

22.01.2006 um 04:21 Uhr

real gone

von: AiHua

Jedenfalls bin ich gleich ganz wirklich weg, raus aus dem Netz, raus aus dem Tag…

 
Hoist that Rag

Well I learned the trade
From Piggy Knowles
Sing Sing Tommy Shay Boys
God used me as hammer boys
To beat his weary drum today

Hoist that rag [2x]

The sun is up the world is flat
Damn good address for a rat
The smell of blood
The Drone of flies
You know what to do if
The baby cries

Hoist that rag [2x]

Well we stick our fingers in
The ground, heave and
Turn the world around
Smoke is blacking out the sun
At night I pray and clean my gun
The cracked bell rings as
The ghost bird sings and the gods
Go beggin here
So just open fire
As you hit the shore
All is fair in love
And war

Hoist that rag [4x]

 

Tom Du sag’st es! Ja, mit diesen unheimlich berauschenden Klängen dann mal von der Bühne.

AiHua ab.

22.01.2006 um 04:09 Uhr

In Ordnung

von: AiHua

Jetzt sitze ich schon länger vor dem leeren Blatt, dass es hin und wieder leicht flimmert sagt mir, dass ich noch weiß, dass es nur virtuell ist. Hm, ich weiß auch noch, dass es ziemlich lange schon weiß ist…

Gut, ich sitze auch schon länger wie dahin gegossen auf meinem Stuhl… und das ganz real (hoffe ich mal).

Ich habe gerade das Kapitell Die fundamentale Rolle der Zirkumpolarregion durch gearbeitet. Vielleicht erinnert sich einer daran, ich bin zuerst mal Kunsthistorikerin, dann kommt erst mal lange gar nichts, bis dann noch meine anderen Fächer auftauchen… Ich werde jedenfalls nicht in orgiastische Zustände versetzt, wenn ich so was lese wie etwas zum Gnomonmeßverfahren.

Ich gehe lieber mal schlafen, morgen wird es mich wieder interessieren, aber ob ich dann viel mehr schreibe ist abzuwarten.

Hm, ich werde die Diss. Mal mit ins Bett nehmen, vielleicht geht’s ja dann rund. Wer sagt, dass das Bett zum schlafen ist… Lesen kann man darin auch.

22.01.2006 um 02:46 Uhr

Hilfe!

von: AiHua

Leute, ich will Geld!

Hey, Du da in der Ecke, ich seh’ es Dir doch an, da wie Du selbstgefällig von Deinem Bildschirm beleuchtet wirst und Dir denkst, dass ich aber noch nicht gepeilt habe, dass es im Leben auf andere Dinge ankommt. Ich sag Dir aber, hey, ich bin jung. Jedenfalls noch ein bisschen und Geld ist da gar nicht das schlechteste. Idealistisch kann ich immer noch werden, morgen, nächstes Jahr, oder nachdem ich das Geld in der Tasche habe.

Also wie sieht es aus? Wie kommt man zu Geld? Ich meine, ich will endlich meine Bildbände in dem lichtdurchfluteten Loft auf dem Tisch liegen lassen können und super belesen vor mich hinschwafeln, ohne das mir vor Augen geführt wird, wie blöde ich eigentlich bin, weil ein Knoten in meinem Hirn mich daran hindert meine Arbeiten zu schreiben.

In Ordnung, wenn ich jetzt meinen nächsten Unterpunkt hätte, dann würde ich auch erstmal auf etwas Geld verzichten.

Aber es steht mir zu!!! Also jetzt ganz ernst... Mann, hör' auf zu lachen, ich bin wirklich ernst zu nehmen. Mensch, wirklich...

22.01.2006 um 02:26 Uhr

Augen in der Großstadt

von: AiHua

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.

Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang, die
dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...
Vorbei, verweht, nie wieder.

Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber ...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

(Kurt Tucholsky)

Das kann man hier unter anderem sich auch vorlesen lassen, ganz ohne Lesemühe.

21.01.2006 um 15:54 Uhr

Ich bin das Maß einiger Dinge

von: AiHua

Vor wenigen Tagen war ich noch ein reiner Blogleser, selbst kommentiert habe ich selten. Seitdem ich selber schreibe denke ich darüber nach was denn eigentlich die Menschen lesen wollen, schließlich will ich irgendwie auch gelesen werden (Verdammt, habt mich doch auch wenigstens etwas gern!!!). Bei dieser Frage bin ich über Artikel von der SZ und was weiß ich wen noch gestrauchelt, habe darüber mit dem Fanatiker gesprochen und habe andere Blogeinträge gewälzt. Bin ich jetzt klüger? Nö.

Gut, manche sagen, dass es mehr Schreiber als Leser gibt, aber ich beispielsweise habe früher nur gelesen, jetzt schreibe ich, aber darum lese ich eigentlich sogar noch mehr. Es zieht noch nicht mal, dass ich nur kurze Einträge lesen würde. Wenn ich lese, lese ich gnadenlos weiter, selbst den letzten Schrott, Blogs, die ich nicht mag genauso, wie Blogs, die ich toll finde. Da sind Blogs, die tagebuchmäßig sind, genauso wie ein wissenschaftlicher zu Pflanzenarten im Himalaja (gibt es so was, ich habe nur mal einen gekannt, der das studiert hat).

Und ich erhebe mich in dieser Sache zum Maß aller Dinge.

21.01.2006 um 14:00 Uhr

"Ich kann ihnen sagen,…

von: AiHua

 …warum ich eine rote oder grüne Hose trage. Aber nicht, warum etwas so oder so passiert[…]", meinte Henryk Mikolaj Górecki auf die Frage hin, warum er den Coup der klassischen Musikgeschichte in Verkaufzahlen gelandet hat. Seine Symphonie Nr. 3 fand bei der Uraufführung nur wenig Anklang, dafür aber 16 Jahre später, denn 1993 schoss sie auf Platz sechs (in manchen Quellen findet man auch Platz eins) der [Pop]-Charts und das nachdem ein privater Klassikradiosender nach einer Ausstrahlung mit dem Wunsch der Hörer bestürmt wurde es immer wieder zu wiederholen, so dass sie über Wochen Fragmente der Symphonie täglich ausstrahlten. Seitdem wurden mehr als1,5 Millionen Kopien verkauft und das auch von Leuten, die bis dato nichts mit sog. Klassischer Musik am Hut hatten.

Der Untertitel der Symphonie kann mit Symphonie der Klagelieder übersetzt werden, und dieser Titel ist Programm. Górecki wandte sich in der Mitte der 60 von der polnischen Avantgarde ab und kehrte sozusagen zur Tradition (beispielsweise Volksweisen) zurück. Der noch lebende Künstler ist überzeugter Katholik und das zeigt sich samt alten Klangtraditionen nicht nur an den Texten, die er als Vorlage genommen hat. Die Symphonie ist in drei Sätze gegliedert, die sich nicht nur in ihrer Langsamkeit ähneln. Zentrum dieser Sätze ist immer der Solosopran und Górecki setzt neben ihr nur Streicher und ein Klavier, außerdem ist der Aufbau der Sätze ähnlich. Alle drei beginnen leise, steigern sich langsam zu einem Höhepunkt und kehren schließlich zum Ausgangspunkt zurück. Dabei ist das Moment der Repetition vor allem in Text wichtig, zieht sich aber konsequent durch alle anderen Kategorien. Die Texte sind historischen Quellen entnommen, immer von Frauen, so stammt der des ersten Satzes aus einem Gebet des 15. Jahrhundert aus einem Kloster („Geliebter, auserwählter Sohn, teile mit der Mutter deine Wunden..."), der nächste ist ein Text einer 18 jährigen, die 1944 an ihrer Gefängniswand im Keller des Gestapohauptquatiers ein Gebet mit Ansprache an die Mutter geschrieben hat, und schließlich ein Volkslied, in der eine Mutter den Tod ihres Sohnes beweint. Alle handeln vom Tod und die Trauer wegen ihm.

Nach meiner dilettantischen Analyse bleibt mir nur zu sagen, dass die Symphonie wirkt und einfach beim Hören überzeugt. Mögen Gegenstimmen sagen, dass es sich hier um „orchestrale Breitwand-Tristesse für Techno-Kids“ handelt, ich fühle mich von der einfachen, intensiven und (ja, das auch) melodiösen Art überzeugt und vollkommen eingenommen.

(Vom zweiten Satz gibt es übrigens eine komplette Hörprobe und zwar hier.)

20.01.2006 um 21:31 Uhr

Werbung, aber keine Rezension

von: AiHua

Der eine oder andere wird es schon mit bekommen haben, ich habe eine Vorliebe für Schafe entwickelt. Ja, ich habe auch schon früher Schafe gerne gehabt, in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin gab es Heidschnucken, aber auch Klischee - Schafe, die schön wollig waren, gutes Fleisch gaben und vor allem schön in Bilderbücher gepasst hätten.

Schafe sind im Großen und Ganzen lecker und eigentlich ganz nett anzuschauen. Ärgerlich wird es nur, wenn sie von der Weide abgehauen sind, weil die Esel (die da auch vor sich hin leben) das Gatter auf machen können und man die Biester im ganzen Dorf (meistens nennen sich die Dörfer dort Städte) wieder aus den Gemüse- und Ziergärten schleifen darf. Das Schlimmste dabei sind die Besitzer der Gärten…

Wie man sieht, ich komme vom Land, auch wenn man nicht will, man kommt mit Nutztieren in Kontakt. Meine Erinnerungen wurden letztens dann durch ein Buch angesprochen, aufgefrischt und komplettiert, und zwar in Form eines Buches. Glennkill von Leonie Swann! Wie noch auf dem Cover informiert wird, handelt es sich um einen Schafskrimi. Dieses Buch ist einfach genial. Es ist einfach nur gut und irgendwie einfach geschrieben. Ich habe noch nie so lange für ein Buch gebraucht und zwar nur weil ich mir Zeit lasse die Sätze sacken zu lassen. Dafür kann ich auch alle Sätze nahezu auswendig. Ich bin jetzt angefüllt mit Lebensweisheiten, die mir zwar wahrscheinlich nicht unbedingt etwas beim Studium helfen… wobei, auch da. Die Sätze sind in aller Banalität nicht banal. Sie sind einfach gut!

Und wer jetzt denkt: „Krimis mochte ich noch nie lesen“, dem sei gesagt, dass das vollkommen unwichtig ist. Ja, gut, es gibt gleich zu Anfang eine Leiche mit einem Spaten im Leib…, aber man muss ja nicht kleinlich sein. Egal was man für Vorteile haben könnte, das Buch kann sie sehr wahrscheinlich für unwichtig abtun. Gut, man sollte jetzt keine Phobie vor Schafen haben…, womöglich ist aber auch das zu überwinden.

Meine Begeisterung findet gar kein Ende, ich finde sogar das Autorinnenbild nett. Ich meine gibt es eigentlich etwas Schlimmeres als Autorenbilder auf dem Schutzumschlag? Aber nicht hier (verdammt, bin ich fanatisch!)!

Aber wenigstens stehe ich nicht allein mit meiner Begeisterung:

Ein anderes Opfer oder auch einfach nur ein Überzeugter.

20.01.2006 um 03:00 Uhr

Fanatismus...

von: AiHua

…färbt ab!

Schrecklicher noch, das ist eine Krankheit und ich habe mich angesteckt.

Ihr wisst es nicht, wie solltet ihr auch, aber ich lebe mit einem Fanatiker zusammen. Schrieb ich mit „einem“? Ich meine mit dem Fanatiker schlechthin. Glaubt mir, der Typ ist fanatisch. Ein Freund von uns behauptet sogar, dass der Fanatiker nur Französisch lernt, weil er eine französische Schauspielerin so toll findet. Aber jetzt zurück zu mir. Ich metamorphiere, mehr gesagt mutiere (das klingt negativer) zur Fanatikerin. Nicht nur, dass ich Schafe unheimlich entzückend finde (schrieb ich schon, dass dazu noch ein Eintrag kommt?), nein, ich kann mich zudem nur noch schwer bremsen, nicht alles Mögliche zu Piana zu schreiben (übrigens eine ganz tolle Künstlerin).

Muss ich nicht schon mit einer ewigen Regenwolke leben (der Fanatiker ist gleichzeitig der Erbe des Wetters…)? Das reicht doch schon. Nie werde ich braun, bleibe ewig nass und blass und jetzt auch noch fanatisch.