Lösch mir die Augen aus

02.02.2006 um 13:03 Uhr

Wunder über Wunder

von: AiHua

Donnertag ist Märchentag mit verzweifelten Versuchen in die Wissenschaftlichkeit zurück zu kehren. Der Weg über die Milchstraße ist aber erschreckend schwer. Nach manchen Mythen wurde die Milchstraße sowieso als trennender Fluss gespannt. Da stehe ich also auf der einen Seite und Sternenstaub setzt sich auf meinen Fußknöcheln ab, umspült schon meine Schuhe. Was mich erwartet ist völlig ungewiss, aber die Straußen- und Bärenjäger ziehen an mir vorbei, hinter der schillernden Götterbeute hinterher, und ich denke nur an meine nassen Füße.

02.02.2006 um 01:30 Uhr

Aus dem Leben eines Fauns

von: AiHua

Heute habe ich ziellos in eines meiner Regal gegriffen und dabei Arno Schmidt wieder gefunden. Schon nur die erste Seite ist begeisternd. Sicher, man kann sagen, dass das eine protzendes Art ist mit Sprache um zu gehen, aber ganz anders als die auskotzende Intellektualität von Umberto Eco in Das Foucaultsche Pendel. Ich finde ihn ja ansonsten ganz toll, aber ich konnte dieses Buch echt nur mit Mühe lesen. Aber zurück zu Schmidt und das als Auszug der ersten Seite:

"Auf die Sterne soll man nicht mit Fingern zeigen; in den Schnee nicht schreiben; beim Donner die Erde berühren :
also spitzte ich eine Hand nach oben, splitterte mit umsponnenem Finger das "K" in den Silberschorf neben mir, (Gewitter fand grade keins statt, sonst hätt ich schon was gefunden!) (In der Aktentasche knistert das Butterbrotpapier).
Der kahle Mongolenschädel des Mondes schob sich mir näher. (Diskussionen haben lediglich diesen Wert : dass einem gute Gedanken hinterher einfallen.)
Die Chaussee (zum Bahnhof) mit Silberstreifen belegt; am Rande mit Rauschnee  hochzementiert, diamonddiamond (macadamisiert; - warn Schwager Coopers nebenbei). Die Bäume standen riesenstramm und mein Schritt rührte sich dienstfertig unter mir. (Gleich wird der Wald links zurückweichen und Felder ankommen). Auch der Mond musste mir noch im Rücken hantieren, denn manchmal zwitschten merkwürdig scharfe Strahlen durchs Nadelschwarz. Weit vorn stach ein kleines Auto die aufgeschwollenen Augen in die Morgennacht, sah sich langsam zitternd um und wandte mir dann schwerfällig den rotglühenden Affensteiß her: gut, dass es wegfährt!“

Ein wahrer „Sprachzertrümmerer“ und „Wortfinder“.