Heute habe ich ziellos in eines
meiner Regal gegriffen und dabei Arno
Schmidt wieder gefunden. Schon nur die erste Seite ist begeisternd. Sicher,
man kann sagen, dass das eine protzendes Art ist mit Sprache um zu gehen, aber
ganz anders als die auskotzende Intellektualität von Umberto Eco in Das
Foucaultsche Pendel. Ich finde ihn ja ansonsten ganz toll, aber ich konnte
dieses Buch echt nur mit Mühe lesen. Aber zurück zu Schmidt und das als Auszug
der ersten Seite:
"Auf die Sterne soll man
nicht mit Fingern zeigen; in den Schnee nicht schreiben; beim Donner die Erde
berühren :
also spitzte ich eine Hand nach oben,
splitterte mit umsponnenem Finger das "K" in den Silberschorf neben
mir, (Gewitter fand grade keins statt, sonst hätt ich schon was gefunden!) (In
der Aktentasche knistert das Butterbrotpapier).
Der kahle Mongolenschädel des
Mondes schob sich mir näher. (Diskussionen haben lediglich diesen Wert :
dass einem gute Gedanken hinterher einfallen.)
Die Chaussee (zum Bahnhof)
mit Silberstreifen belegt; am Rande mit Rauschnee hochzementiert, diamonddiamond
(macadamisiert; - warn Schwager Coopers nebenbei). Die Bäume standen
riesenstramm und mein Schritt rührte sich dienstfertig unter mir. (Gleich wird
der Wald links zurückweichen und Felder ankommen). Auch der Mond musste mir
noch im Rücken hantieren, denn manchmal zwitschten merkwürdig scharfe Strahlen
durchs Nadelschwarz. Weit vorn stach ein kleines Auto die aufgeschwollenen
Augen in die Morgennacht, sah sich langsam zitternd um und wandte mir dann
schwerfällig den rotglühenden Affensteiß her: gut, dass es wegfährt!“
Ein wahrer „Sprachzertrümmerer“
und „Wortfinder“.