Was macht man, wenn man einen Brief
bekommt, der einem nüchtern, kühl und am Wochenende mitteilt, dass man nicht
nur ab dem nächsten Monat kein Geld hat, sondern auch noch nicht versichert
ist?
Ich war erstmal sprachlos, gehirnlos
und ganz schön am Ende. Eigentlich bin ich es immer noch, gerade weil ich
einfach nicht weiß wieso eigentlich.
An sich bin ich Rentnerin (ich
weiß, das hört sich schräg an), bis ich meine Ausbildung abgeschlossen habe,
oder aber mein 27. Lebensjahr überschritten habe. Ich bin mir ganz sicher, dass
beides noch nicht passiert ist, aber vielleicht sollte ich mich nochmals
informieren um mir dann die Kugel zu geben. Bis dahin muss Schokolade reichen.
04.03.2006 um 21:14 Uhr
04.03.2006 um 19:17 Uhr
„I have to lose to make it right“ II
03.03.2006 um 16:59 Uhr
„I need to lose to make it right“
An mir rauscht die Zeit vorbei. Ich
habe das Gefühl, wie ein Beifahrer mit dem Kopf gegen den Anschnallgurt zu
lehnen, die Stirn hat sicher schon einen Fettfleck an der Scheibe hinterlassen.
Aber was soll’s, von der anderen Seite werden die Tropfen weggetrieben,
manchmal folgt mein Finger einen, versucht von innen den Druck zu spüren. Mein
Blick von unten, leicht verzerrt, achtet auf die Monokulturen von schlaffen
Kiefern, die schon viel zu früh harte Borke bekommen haben, weil alle anderen Bäume
genauso alt sind wie sie. Die kahlen Stämme treiben, peitschen dahin. Ich sehe
an den Stämmen die Zeit.
„40 miles from the sun“
(Für Löwenzahn ist da eigentlich
keine Zeit)
02.03.2006 um 18:43 Uhr
Heute im Fernsehen
Oder aber auch hier (dann auf 'Video: Forscher: Selbstbewusstesein stürzt ab klicken) zu bewundern
Ja, Brot und Spiele, Fußball ist wichtig für die Wirtschaft. Klinsmann streng dich also bitte an, denn sonst gehen wir, Deutschland, der Papst, die Wirtschaft und was weiß ich nicht noch alles vor die Hunde. Der Trendforscher Peter Wippermann rät zu mehr Optimismus.
Ja gut, ich kann manchmal nur noch staunen…
02.03.2006 um 18:16 Uhr
Weil ich eigentlich arbeiten muss
Während ich meiner Mutter über
das Telefon versuche zu erklären wie sie Word bedient krame ich weiter nach
Anfangssätzen.
Ich verwirre meine Mutter, als
ich bei dem ersten Satz lachen muss. Die weiß ja nicht, dass ich
zwischenzeitlich noch lese und mit Sorge auf meine kunstgeschichtliche
Methodenarbeit schiele.
„Genau genommen gibt es >die Kunst< gar nicht“[1]
Aufgrund des zweiten Satzes ticke ich aber nahezu ganz irre aus, denn da
schreibt doch der gute Gombrich, dass es nur Künstler gäbe. Hallo! Und ich
schreibe gerade über zwei Vertreter der Kunst nach Aufgaben, Kunstgeschichte
ohne Künstler, Kunsteinteilung in Epochen… Aber ich beruhige mich auch wieder (meine
Mutter sagt mir gerade, dass sie kein Blatt vor sich sieht…).
„Als Peter Glück zehn Jahre alt war, sagten ihm die Erwachsenen
manchmal, er sei ein >>schwieriges<< Kind.“[2] Da
mein Bruder schwieriger war, sagte man mir das nicht. Vielleicht würde meine
Mutter mich dann heute nicht mit dem Schreibprogramm löchern.
Bei dem nächsten Satz komme ich
von den Erinnerungen ins Schmunzeln. Ein guter Anfang.
„Manche Dinge beginnen vor anderen.“[3] Was
mich gleich auf das nächste Buch vorbereitete, welches mit einer Vorbemerkung
des Autors beginnt: „Dieses Buch ist
entstanden, weil ich hungrig war.“[4] Der Roman selber
beginnt zwar auch mit einer Selbsterkenntnis, aber doch von anderer Art: „Ich hatte so viel gelitten, ich war ein
finsterer und trauriger Mensch geworden.“[5] Schwere Worte für
jemanden, der Hunger hat. Meine Mutter ist wütend, wenn sie Hunger hat. Jetzt
anscheinend nicht. Obwohl sie mich nicht versteht ist sie ganz ausgelassen…
„Der Künstler ist der Schöpfer schöner Dinge“[6] Ahhhh, haben sich
die Bücher gegen mich verschworen? Schon wieder der Künstler im Mittelpunkt von
Kunstbetrachtung! Na ja, Wilde war vor Wölfflin. Mich schockt also auch gar
nicht mal mehr der nächste Anfangssatz. Ich empfinde ihn sogar als unheimlich
schön fürsorglich: „Wenn du gern
Geschichten mit Happy End liest, solltest du lieber zu einem anderen Buch
greifen.“[7] Ähnlich
betrüblich, aber weitaus beklemmender griff meine Hand nach dem nächsten Buch.
Das Buch, welches mich tatsächlich in einen Zustand von Nervenfieber gestürzt
hat (um mal romantisch zu sprechen). „Der
Schnee in den Bergen schmolz schon, und Bunny war seit ein paar Wochen tot, ehe
uns der Ernst unserer Lage allmählich dämmerte.“[8]
Ich beruhigte mich also erstmal
wider mit dem Satz: „In unserer Familie
gab es keine klare Trennungslinie zwischen Religion und Fliegenfischen.“[9] Nachdem ich das
Buch wiederholt nach langer zeit wieder gelesen hatte, habe ich es gleich dem
Fanatiker vorgelesen. Ich wusste, dass es ihm gefallen würde. Es hat Humor,
weil es gelebt erscheint, aber eben auch Tiefe, weil es gelebt erscheint.
Meine Mutter hat es tatsächlich
geschafft den Text auszudrucken, er sieht sogar so aus, wie sie es sich
vorstellt… Ich will vergessen.
[1] Gombrich, E. H.: Die Geschichte der Kunst, überarbeitete, erweiterte und neu gestaltete 16. Ausgabe Berlin: Phaidon 2001, S. 15.
[2] McEwan: Der Tagträumer. Erzählung, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Zürich: Diogenes 2000, S. 9.
01.03.2006 um 13:07 Uhr
Wer sagt hier was gegen diese Lippen?

Monica Belucci, also vom Aussehen und Ausstrahlung ist das die Frau überhaupt, mit der ich körperlich werden würde. Ich meine so von Leuten, die man aus den Medien kennt.
Also von wegen "die lippen sehen so..zusammengepuzzlet aus!?", das ist doch gar nicht wahr...
Und wenn jemand mehr Ausschnitt oder Augen will, dann klicke bitte hier.
01.03.2006 um 12:43 Uhr
1010 Besucher
Juchuu! Was für eine schöne Zahl. Und dann auch noch sooo viele Leute (hm, bestimmt war ich selbst mehr als die Hälfte… hach….) (Na ja, dann bin ich eben mein größter Fan!).
Ich sag mal, gut so Leute, Danke. Und nachdem wir das geschafft haben, ist die Weltherrschaft nicht mehr fern.
Hä, was hast Du gesagt Pinky?
01.03.2006 um 01:44 Uhr
Mal ohne Schlafes Bruder
Weil bisher meine Tipps zu
Literatur, Musik und bildende Kunst am Besten aufgenommen wurde nochmals ein
Griff in mein Bücherregal. Ein Schriftsteller welchen ich bei einem der
wichtigen Lehrer meines Lebens kennen lernte. Nicht, dass er mir viel
Unterrichtsstoff nahe gebracht hätte, wahrscheinlich weniger als manch anderer…
Aber durch ihn habe ich so Dinge gesehen, wie es sich Wölfflin nur wünschen
konnte... Außer der Kunst in der Toskana, richtigen Kaffee und wundervollen
Bäckereien und gutem Eis in Florenz, hat er mir eben auch Dylan Thomas vorgesetzt. Angefangen von den Geschichten, die so
traurig und humorvoll zugleich sind und dabei von der Sprachidee auf poetische
Weise mit Arno Schmidt zu
vergleichen sind. Er hat Worte wie „bibelschwarz“[1] oder
Formulierungen wie „Die Sonne summt nieder, durch die Baumwollblumen auf ihrem
Kleid schnurstracks in ihre Herzglocke[.]“[2]
Er hat auch schöne Anfänge
geschrieben. „Anfangen, wo es anfängt.“[3]
Aber anstatt weiter unter dem Milchwald zu lustwandeln,
werde ich das Gedicht bringen, welches ich als erste von ihm gelernt habe.
Zuerst wollte ich And Death shall have no
dominion nehmen, weil es mich so sehr an John Donne’s Death, be not proud, aber heute mal
etwas mit Kindheitsschmelz und Erinnerung. Nicht zartrosa, aber eben
erinnerungsvoll.
Fern Hill
Now as I was young and easy under the apple boughs
About the lilting house and happy as the grass was green,
The night above the dingle starry,
Time let me hail and climb
Golden in the heydays of his eyes,
And honoured among wagons I was prince of the apple towns
And once below a time I lordly had the trees and leaves
Trail with daisies and barley
Down the rivers of the windfall light.
And as I was green and carefree, famous among the barns
About the happy yard and singing as the farm was home,
In the sun that is young once only,
Time let me play and be
Golden in the mercy of his means,
And green and golden I was huntsman and herdsman, the calves
Sang to my horn, the foxes on the hills barked clear and cold,
And the sabbath rang slowly
In the pebbles of the holy streams.
All the sun long it was running, it was lovely, the hay
Fields high as the house, the tunes from the chimneys, it was air
And playing, lovely and watery
And fire green as grass.
And nightly under the simple stars
As I rode to sleep the owls were bearing the farm away,
All the moon long I heard, blessed among stables, the nightjars
Flying with the ricks, and the horses
Flashing into the dark.
And then to awake, and the farm, like a wanderer white
With the dew, come back, the cock on his shoulder: it was all
Shining, it was Adam and maiden,
The sky gathered again
And the sun grew round that very day.
So it must have been after the birth of the simple light
In the first, spinning place, the spellbound horses walking warm
Out of the whinnying green stable
On to the fields of praise.
And honoured among foxes and pheasants by the gay house
Under the new made clouds and happy as the heart was long,
In the sun born over and over,
I ran my heedless ways,
My wishes raced through the house high hay
And nothing I cared, at my sky blue trades, that time allows
In all his tuneful turning so few and such morning songs
Before the children green and golden
Follow him out of grace.
Nothing I cared, in the lamb white days, that time would take me
Up to the swallow thronged loft by the shadow of my hand,
In the moon that is always rising,
Nor that riding to sleep
I should hear him fly with the high fields
And wake to the farm forever fled from the childless land.
Oh as I was young and easy in the mercy of his means,
Time held me green and dying
Though I sang in my chains like the sea.[4]
Nicht once upon a time, nein "once below a time". Die Zeit ist schon da, aber irgendwie eben unter ihr...
[1] Thomas, Dylan: Unter dem
Milchwald. Ein Spiel für Stimmen., auf deutsch nachgedichtet von Erich Fried.
Stuttgart: Reclam 1998, S. 3.
[2] Thomas 1998, S. 69.
[3] Thomas 1998, S. 3.
[4] Thomas, Dylan:
Windabgeworfenes Licht. Gedichte, Englisch/Deutsch, aus dem Englischen von
Reinhard Paul Becker, Ewald Brahms, Jutta Ernst u. v. m. Frankfurt a. M.:
Taschenbuch 1996, S.337.

