Lösch mir die Augen aus

30.04.2006 um 19:13 Uhr

"But I want to be the real thing"

von: AiHua



Ihr habt es nicht anders gewollt, außer, ihr habt aus Versehen auf meinen Blog geklickt (wenn, dann tut es mir ja soooo leid!), jetzt zeige ich euch, was Augenschrubben so anrichten kann. Ohne, dass ich es gemerkt habe, bin ich uralt und faltig geworden. Dabei bin ich gar nicht die Niveauleiter aufgestiegen, das war alles anders gedacht.
Ach was, da schließ ich doch die Augen, dann ist alles wieder in Ordnung, wieso heißt mein Blog denn auch sonst so.

Das andere Auge schließ ich gefälligst auch!



30.04.2006 um 16:59 Uhr

Lieder, die die Welt nochmals braucht?

von: AiHua

Sagt mal, wenn ihr unheimlich tolle Musiker wäret, oder aber es sowieso schon seid, ihr aber ansonsten irgendwelche komischen moralischen Sperren überwinden würdet: Welche Lieder würdet ihr dann mal gerne covern? Ich meine Covern im weiteren Sinne, also einfach tatsächlich stur das Gleiche machen, oder aber etwas total Neues draus machen (co·vern
e-n bekannten älteren Popsong mit Elementen der neuesten Musikmode neu aufnehmen[1] -> ist nicht gerade das, wie ich es formulieren würde).
Des Öfteren stoße ich auf Lieder, bei denen ich denke dass das irgendwie coverwert wäre.  Und das aus verschiedenen Gründen. Weil die Lieder eigentlich schlecht sind, aber mir trotzdem irgendwie gefallen, weil sie einfach verdammt gut sind... weil sie gut sind, aber eigentlich gar nicht der Musik entsprechen die man eigentlich so machen würde… so was eben.
Ich werde darüber noch mal nachdenken, vielleicht werde ich eine Liste aufstellen.



[1] Microsoft® Encarta® Enzyklop䤩e Professional 2003 © 1993-2002 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

30.04.2006 um 16:09 Uhr

Es gibt Farben...

von: AiHua

Ich wurde früh zum eigenen Geschmack erzogen. Eigentlich ganz ungewollt. Jeder, der mit meiner Mutter einkauft muss irgendwann die Kurve kriegen, oder aber er ist mein Stiefvater.
Das Schlimmste ist wohl der Schuheinkauf, ich besitze immer noch Schuhe die mir nicht passen. Meine Mutter sagte zu meinem zwölfjährigen Ich, dass ich da noch Reinwachsen würde und man im Winter sowieso noch dicke Socken anhat. Mein Stiefvater und ich hassen einkaufen (ich glaube das liegt auch an meiner Mutter… bestimmt. Man soll die Schuld ja abgeben wo es nur geht), um schnell aus dem überheizten Laden zu kommen, lassen wir uns immer bequatschen und das, obwohl der Schuh nicht sitzt, die Farbe uns nicht behagt und auch wirklich alles daran schrecklich ist. Was soll ich sagen? Die Schuhe passen mir bis heute nicht, ich wachse schon seitdem ich elf bin einfach nicht mehr. Ja, meine Mutter hat sich das wohl noch gewünscht. Wie sie mal mir als kleines Mädchen erklärte, brauche ich mir keine Sorgen zu machen, dass ich dick bin, weil ich immer erst in die Breite und dann in die Höhe wachse… Ja, dazu sag ich jetzt auch mal nichts mehr.
Aber jetzt, nachdem ich ihren Klauen seit einigen Jahren fast ganz entflohen bin (es gibt ja immer noch Weinachten und Geburtstage) macht sie bei meinem Stiefvater weiter (er kann sich natürlich auf seine Art auch manchmal wehren). Seit Monaten geht er mit dem Gedanken schwanger (es passt kein anderer Ausdruck so gut) ob er nun seinen alten Wagen verkaufen soll oder nicht. Obwohl ich nicht ihm verwandt bin, sagt man, dass ich eine ähnliche Denkweise habe wie er. Er brütet also, ob es vertretbar ist den Wagen zu behalten oder aber ihn zu verkaufen. Im Kopf hat er eine Pro- und Contraliste, die wahrscheinlich die Welt öfter umspannen könnte. Er inseriert schon mal den Wagen um zu erfahren, wie viel er auf dem freien Markt für ihn kriegen würde, überall guckt er sich Gebrauchtwagen an, er redet kaum noch über etwas anderes, selbst wenn er in seinem Musikzimmer ist hört man ihn manchmal hin und her gehen bevor er zum nächsten Instrument greift. Macht er sich sonst Gedanken welche Gitarre jetzt besser geeignet ist, jetzt sind es ganz andere Sorgen. Schlafen kann er sowieso nicht. Er hat Bauchschmerzen…
Und was ist, er entscheidet sich nach mehreren Monaten sogar für einen Neuwagen, er will ihn in Metalic, in silbern, so was eben. Aber der Autohändler meint, auf den müssten sie zwei Wochen länger warten, schneller ginge –haltet euch fest- panna cotta!
Meine Mutter erzählt mir das gestern. Ich sage, das geht nicht, das ist… das ist ein kastriertes Auto. Das kann sie meinem Stiefvater nicht antun! Denn dass sie schuld ist, dass er dem zugestimmt hat wird aus dem Telefonat mit ihr klar.
„Nein, das sieht fast genauso aus wie Silber. Wirklich“
„Das ist eine Farbe, die erfunden wird, weil sie denken, dass es Frauen gibt, die auf so was stehen. Das ist wie Autos mit Kindchenschema, das ist so wie… Apricot!“, rede ich mich in Rage und als verspätete Rettung für meinen Stiefvater. Ich meine, da kauft er sich jetzt endlich einen neuen Wagen und er kriegt nicht die Farbe die er will!
„Das ist wirklich auch männlich!“ (Mein Stiefvater weigert sich mit einem Kleinhund sparzieren zu gehen, das wäre albern... er ist sehr groß.)
Ich schweige skeptisch und denke an süßen Désert.
„Wirklich, das sieht aus wie silbern, nur etwas cremig!“
„…“, sie weiß was das zu bedeuten hat.
„Wirklich“, schiebt sie nochmals nach. Im Geiste höre ich sie sagen: „Da wächst Du noch rein, mit dicken Socken ist das genau richtig“…

30.04.2006 um 03:01 Uhr

"I’ll do it fast!”

von: AiHua

Mir wurden ganz neue Möglichkeiten aufgetan!
Heute ein Glas, morgen die Weltherrschaft und alles ganz einfach, alles was man dazu tun muss ist sich zum Deppen machen. Ich bin begeistert!

„I’ll hunt you down
I’ll rock you sucker like 3 the hard way
a second life, a second change
all gone in a second”

Andere rackern sich ab, ich träume. Nachdem ich also als Geisteswissenschaftlerin keine Chancen habe, bleibt mir nur noch der Job der Bussfahrerin oder aber als eure Herrscherin! Glaubt mir, wenn ihr gut zu mir seid, dann bin ich netter als ihr denkt!

„free from pain, no more choices. my mind is a weapon!!!
solitude is just a headfuck
I paid my way before it stabbed by back
go ahead! Do your worst! I’ll take you down and I’ll do it fast!”

Gehirnwäsche auf die fiese Art, aber wenn ich wenigstens herrsche, dann hat sich das ja gelohnt.

„I wirte the message in blood, my own
there’s no turning around
I’m gonna bring you down!”[1]

(Verdammt, ich habe Alec Empire falsch einsortiert…, da geht die ganze erhabene Stimmung flöten. Wie war das mit dem Erhabenen und dem Sublimen?)



[1] Alec Empire: hunt you down (Auszug), auf: futurist. London: Digital Hardcore Records 2005.

30.04.2006 um 00:20 Uhr

120. Geburtstag, "ruhe sanft"

von: AiHua

Letztes, als ich in der Buchhandlung an den gesammelten Werkens Benns vorbeiging (wohlweislich vorbeiging, denn dafür habe ich kein Geld und auch keinen Platz) klangen mir die letzten Worte der kleine[n] Aster noch tagelang im Kopf herum.
Keine Ahnung wieso, aber unser Chemie- und Biologielehrer, ein bekehrter ehemaliger Krankenhausarzt mit Idealen, holte aus seiner alten, abgewrackten Tasche ein verlesenes Buch hervor, stellte sich mit seinen geschätzten drei Metern vor meiner Klasse auf und begann zu lesen. Er las uns schöne Jugend vor. Nach einer Pause sagte jemand beeindruckt, „Lesen Sie noch was.“ Der Lehrer guckte von oben (er konnte ja nicht anders) aus seinen überdicken Gläsern zu uns herunter und blätterte erst etwas vor, dann wieder zurück. Er hat eine schöne, kräftige Stimme. Nicht die Stimme eines Schönlings, die Stimme eines Mannes, dessen Stirn so aussieht, als hätte er dahinter eine Metalplatte anstatt Knochen. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dass er zu viele Menschen hat sterben sehen und jetzt sich zu Optimismus zwingen wollte, weshalb er Lehrer wurde. Das Prägen neuen Lebens…

„Kleine Aster“

Er ließ seinen Blick kurz über die anwesenden Personen streifen, seine Augen dabei wie immer seltsam vergrößert. Er sah eigentlich ganz schön gruselig aus.

„Ein ersoffener Bierfahrer wurde auf den Tisch gestemmt.
Irgendeiner hatte ihm eine dunkelhellila Aster
Zwischen die Zähne geklemmt.
Als ich von der Brust aus
Unter der Haut
Mit einem langen Messer
Zunge und Gaumen herausschnitt,
muss ich sie angestoßen haben, denn sie glitt
in das nebenliegende Gehirn.
Ich packte sie ihm in die Brusthöhle
Zwischen die Holzwolle,
als man zunähte.
Trinke dich satt in deiner Vase!
Ruhe sanft,
kleine Aster!“[1]

„Die Größe neben der Niedrigkeit zerreißt uns. Eben noch die denunziatorische Schändlichkeit "dumm sein und Arbeit haben: das ist das Glück" - und dann die tiefste existentielle Not“, schreibt Raddatz in der Welt (alle Zitate wenn nicht anders gekennzeichnet von dieser Quelle).
Benn lebt an der Kultur, an den Goldenen Zwanzigern vorbei, irgendwo in einer dunkeln Hinterhofwohnung, Militärarzt mit einer „Tripper“-Praxis er schreibt selbst „Was ist mit Bach? Wer ist das eigentlich? Für mich hätte er nicht zu existieren brauchen.“
Und trotzdem und/oder deshalb sprudelt, explodiert, schwappt stetig aus ihm Kunst heraus. Und da greift mal wieder der Gedanke, dass Kultur mit der Schwimmbewegung eines Ertrinkenden zu vergleichen ist. Kultur ist das, was uns vor dem Ertrinken rettet (jedenfalls eine Zeit lang).

„Schlachtet und klafft und brütet und verdickt euch:
Aufrauschung will geschehn: Mein Hirn!! Oh! Ich! –
[…]
Blut-über. Schamstill. Irdisch abgenabelt.
In sich. Der Kreis. Der Einsame. Das Glück.
Halbgöttisch prüft die Hand die kühle
Sterntraube. Schmale helle Luft die Lippe
Saugt sich ans Herz gedehnten Zuges, -

 
Geschlechtszersetzungen. Zerfall
Der Artbedienung: Augen aufgetrunken,
Ohren zerrauscht, verwehend Lippe:
Hirnscheitelsonne. Schattensteigung:
Ich!? -"[2]



[1] Benn, Gottfried: I Kleine Aster, aus Morgue, in: Gedichte. Stuttgart: Reclam 2000 (bibliographisch ergänzte Ausgabe), S. 9.
[2] Benn, Gottfried: Notturno (Auszug), in: Gedichte. Stuttgart: Reclam 2000 (bibliographisch ergänzte Ausgabe), S. 31.

29.04.2006 um 03:11 Uhr

Überraschungen!

von: AiHua

Auf einmal, ohne dass man damit rechnet hält man ein Stück Familiengeschichte in der Hand. Ein Foto aus alten Tagen, irgendwo in einem Haus in Amerika. Vier Jungen mit Krawatten und Fliegen, es muss ein besonderer Tag sein.
Es ist nicht meine Familie, niemand, den ich wirklich kenne. Ganz zufällig, so, als wäre es gar nicht für mich bestimmt ist es in meinen Besitz gekommen. In der CD-Hülle, hinter dem Einsatz, in dem die CD liegt ist das Bild versteckt. Ein Bild der Bandmitglieder als Kinder mit ihrer Danksagung.
Falls ihr die Aha Shake Heartbreak auch besitzt und das Bild sehen wollt, seid vorsichtig mit dem auseinanderfriemeln, oder nimmt lieber die Hülle ohne die CD und haltet sie gegen ein starkes Licht.

28.04.2006 um 23:27 Uhr

Ich mag Wolf Biermann nicht.

von: AiHua

Es ist einfach so. Ich mag seine unheimlich nahe Beschäftigung mit Brecht nicht, ich mag seine Attitüde nicht! Ich kann es nicht ausstehen, wie er das Leid seiner Familie ausarbeitet. Vielleicht ist es nicht so, aber diese Verbindung zum einfachen, malochenden Menschen, dieses furchtbare Gitarrenschrammeln ohne Sinn und Verstand, dass alles nervt mich an. Ich meine Ballade vom preußischen Ikarus, das hört sich schon genau so an, wie dass was lang und breit ausgetreten wird.

„[…]
da steht der preußische Ikarus
mit grauen Flügeln aus Eisenguß
dem tun seine Arme so weh
er fliegt nicht weg – und stürzt nicht ab
macht keinen Wind – und macht nicht schlapp
am Geländer über der Spree“[1]

Ist das wirklich große Kunst, muss ich das so unheimlich gut finden? Wolf Biermann, deine Kunst, deine Interviews kotzen mich an! Aber ich vergebe ja auch keine Preise, Ehrungen oder was weiß ich.



[1] Biermann, Wolf: (aus) Ballade vom preußischen Ikarus, in: Hundert Gedichte des Jahrhunderts. Mit Interpretationen, hg. v. Marcel Reich – Ranicki. Frankfurt a. M., Leipzig: Insel 2000, S. 407f.

28.04.2006 um 18:46 Uhr

Dinge, die man besser wissen sollte

von: AiHua

Der Fanatiker fragt mich, ob ich ihn zum hiesigen Plattenladen begleite. Mein Blick braucht gar nicht zum Fenster zu wandern, da er es schon weit geöffnet hat höre ich den Regen rauschen. Es ist also Fanatiker-Ausgehwetter! Ich nicke und meine, in Gedanken an die Aha Shake Heartbreak, vollkommen sinnlos mir selbst gegenüber: „Ich will aber kein Geld ausgeben…“ Ja genau, das hat mir noch nicht mal das Kind in mir geglaubt. Na ja, gerade dass hat wahrscheinlich schon nach Wegen gesucht meine geizige Art durch Schmeicheleien umzustimmen. Brauchte es gar nicht, erst vor ein paar Tagen habe ich mir aufgezählt welche Alben ich noch unbedingt haben möchte. Ein paar habe ich davon sogar. Eines habe ich ganz aus dem Blick verloren, aber der Fanatiker hat es mir geschenkt. Er wollte eigentlich gar nicht so viel Geld ausgegeben, deshalb hat er die emotive liegen lassen…, die ich ihm dann geschenkt habe…

Musik und Bücher sind wirklich unsere Laster. Der nächste Umzug wird der absolute Horror. Ich will den gar nicht miterleben! Aber wir können eindeutig mit Pauken und Trompeten und noch viel mehr untergehen! Das ist doch auch schon mal was.

28.04.2006 um 14:30 Uhr

Was habe ich mir dabei gedacht?

von: AiHua

Wir haben keinen richtigen Platz mehr, unsere CD-Vitrinen sind irgendwie von ganz schön groß auf zu klein geschrumpft und das ohne Waschgang! Wer hätte ihnen so eine Gemeinheit zugetraut. Mein Tisch vermüllt, der vom Fanatiker natürlich noch viel mehr, ein Grund bei mir sind die CD’s, die nicht mehr in die Regale passen( beim Fanatiker sind das eher andere Gründe). Ich kriege aber so langsam hier die Krise!
Da ich so langsam CD’s auch nicht mehr finde in unserer gefühlten Ordnung und Zuordnung bin ich doch wirklich so bescheuert gewesen anzufangen die CD’s nach Interpreten zu ordnen! Hilfe!
Ihr werdet euch vielleicht denken, warum ich das wegen dem Platz mache, ganz einfach, die Soundtracks werde ich einfach zu den Klassik-CD’s verfrachten, die Hörbücher über der Anlage im Schlafzimmer (über dem alphabetischen System gibt es also doch noch ein anderes… äh ja, sogar noch eines darunter…), dadurch sollten ein paar CD’s mehr doch noch ihren platz finden, außerdem werden so Reihen aufgebrochen, die vorher unwiederbringlich zusammengehörten, egal ob das Regalbrett zu Ende war oder nicht… (was tut man dann? QUETSCHEN!)
Ich habe gerade mit „D“ begonnen und bereue schon unendlich! Wirklich

(Aber ich habe jetzt schon CD’s wieder gefunden. Ich wusste gar nicht, dass wir die haben.)

28.04.2006 um 13:45 Uhr

Gedanken über Zitates des Tages

von: AiHua

Karl Kraus hätte das auch über viele Blogger (mich eingeschlossen) schreiben können. Und Wolfgang Neuss scheint seherische Fähigkeiten zu haben, denn das wünscht man sich ja auch öfter bei unserem Blogverhalten…

 
"Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können - das macht den Journalisten", meinte Karl Kraus, der heute vor 132 Jahren geboren wurde und am 12. Juni 1936 starb.

Anm. zum Zitat des Tages im heutigen Newsletter
"Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben. Man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken". Das Zitat stammt nicht von Karl Kraus; obwohl es immer wieder gern so kolportiert wird. - Es handelt sich um eine Parodie eines ähnlichen Kraus-Aphorismus von Wolfgang Neuss, der sie bei einem Abend mit Wolf Biermann 1965 zum Besten gab. Das richtige Kraus-Zitat stammt aus der Fackel vom 4. Juni.1909, Nr. 281/282, S. 29.

28.04.2006 um 01:48 Uhr

zu allem zu beschränkt

von: AiHua

Mir ist gerade erst wieder eingefallen, dass ich mit einem Stirnrunzeln aufgewacht bin. Ohne Übergang habe ich vom Schlafen in den Wachzustand über das gleiche nachgedacht. Keine Ahnung wie ich mir das jetzt genau visuell vorzustellen habe, aber ich habe geträumt, dass ich ein Glas bin. Ihr wisst schon, so ein banales Weinglas. Anstatt, dass ich jetzt im Traum mir gedacht habe, wie komme ich auf die blöde Idee im Traum ein Weinglas zu sein, habe ich mir das Glas mal angeguckt. Ich habe mich also mal genau betrachtet (dafür brauchte ich gar kein Spiegel…). Ich war ein gar nicht so hässliches Weinglas, ich war auch mehr ein Kelch, Leute, die es sich nicht so leisten können benutzen es für Weiß- und Rotwein. Es war dickes Glas, mit Lufteinschlüssen darin, also etwas rustikaler. Doch anstatt, dass ich jetzt denke, na toll, jetzt bin ich also ein Landweinglas, nicht wirklich elegant und überhaupt, nein ich sehe auch im Traum deutlich die Glaslinie, die anzeigt, dass ich ein Pressglas bin. Verdammt, ich bin noch nicht mal Mund geblasen! Ich bin billig gepresst!

Ja gut… habe ich im Leben nichts Besseres zu tun, als zu träumen, dass ich ein Glas bin? Und warum denke ich im Traum darüber nach, dass ich noch nicht mal Mund geblasen bin? Andere haben sexuelle Fantasien, planen ihre Kariere, entwerfen ihr Haus, schreiben sich Matthew Bellamy auf den Leib und sich dabei etwas schöner… und ich? Ich bin selbst in Träumen blöd.

27.04.2006 um 19:32 Uhr

Rinder, Explosionen und Zerstörung aus Forscherdrang

von: AiHua

So heute kein Gejammer, heute Erinnerungen ohne Erinnerung. Heute habe ich etwas über Versuche amerikanischer Bürger gelesen, die versuchen ihre Häuser zu dämmen. In den USA baut man häufig Häuser aus zwei dünnen Holzwänden, ein Nagel hält nicht und dazwischen ist nur Luft. Die Fenster sind schlecht isoliert, aber macht ja nichts, wären die toll würde die ganze Luft einfach durch die Wände zirkulieren. Steinhäuser sind unheimlich kostbar, kostspielig, eben teuer.
Ihr könntet euch fragen wieso ich so was lese, aber ich schiebe mal einfach mein Studium vor. Der Grund ist mir zwar erst später eingefallen, aber an sich stimmt es schon. Eigenartigerweise habe ich bisher schon viel zu Architektur gemacht, wobei solche Gebäude eigentlich nicht dazu gehörten… Passt schon, schließlich habe ich schon mal über die strada novissima gearbeitet, dass war noch weniger, einfach nur Schauarchitektur! Egal, ich komme ab, ich komm mal wider zurück.
Eigentlich wollte ich nämlich  erzählen, dass mir jetzt klar geworden ist, wie mein Cousin (ich denke dritten Grades) mit seinem Chemiebaukasten das Haupthaus seiner Familie in die Luft sprengen konnte. Ein Teil meiner Familie lebt in Northcarolina und züchtet Rinder, was man eben so als Rancher macht. Mein Großonkel ist irgendwann in den Wirrungen irgendeines Krieges oder so vor Ewigkeiten als Vietnamchinese nach Amerika gegangen und hat sich sein Leben da aufgebaut, so mit allem, europäischen Namen und Cowboyhut. Mein Großonkel heißt Henry (in seiner Generation gar nicht so üblich, die meines Vaters haben sich alle europäische Namen gegeben, manche benutzen ihn sogar als Hauptnamen), wie sein Sohn heißt weiß ich gar nicht, aber der hat als Zwölfjähriger jedenfalls das haus in die Luft gejagt. Nicht auszudenken, was ein Familienmitglied von mir mit dem Baukasten „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“ anstellen könnte. Vielleicht wird demnächst ein Familienmitglied von mir im Iran oder in einem anderen Land sich ein neues Leben aufbauen, ein Land jedenfalls was bisher noch keine Atombombe hat.
Im Gegensatz zu meinem Cousin bin ich ziemlich harmlos, ich habe mir eher selber Schaden zugefügt. Allein im Augenbereich habe ich sieben Narben, eine im Auge, die mir auch etwas die Sehkraft meines rechten Auges beeinträchtigt. Ja, Metalstangen können einiges anrichten… Ich wollte nur sehen was da in der Lampe so geklickt hatte... Ja, der Forschungsdrang meiner Familie ist nicht unbedingt mit viel Intelligenz gesegnet. Wir waren beide noch Kinder, ich sogar weit unter der Hälfte seines Alters.
Hat der Text hier eigentlich Sinn?

26.04.2006 um 19:31 Uhr

Fanatisch sein schmerzt so sehr!

von: AiHua

Mein Leben, ach herje… aber nö, ist schon klar…ach… Nee, alles in Ordnung. Nee wirklich, mir geht es gut.

 

 

Och nö! Das musste doch nicht sein.

26.04.2006 um 17:05 Uhr

banal, subordunal und Talare

von: AiHua




hm, ich habe ja shon Bedenken. Beweise ich mal wieder gegen meinen Willen meine Unzulänglichkeit und Blödheit? Es wird sich zeigen...

26.04.2006 um 14:38 Uhr

Spannung und etwas britische Literatur

von: AiHua

Das Herz geht über, und schlägt für beide. Tut weh, wenn man sich freut und traurig zugleich ist… Das Leben ist schon verdammt hart!
Dott und Robertson, der eine ist knochig wie nichts Gutes und man denkt der Kleine fängt gleich an zu weinen, weil er überhaupt keine Reserven hat. Der hat den Rassmussenanteil in sich! Und trotzdem hat er Nerven wie Steilseile und kämpfen tut er elegant aber wie ein Berserker. Er erinnert mich von Art und Aussehen an meine Pflegeschwester. Ein Frühchen, bei der das Leben nicht nur zu früh sondern auch verdammt hart bisher war und die trotzdem eine starke Persönlichkeit ist, zudem sieht man bei ihr und Dott durch die dünne Haut die Knochenplattennahtstellen am Schädel. Das sind doch schon mal Ähnlichkeiten!
Der andere, also Robertson ist auch jung, war noch nie bei einer Meisterschaft so weit und hat sich mal eben aus einer verdammt bremsligen Lage heraus gespielt. Er lag viele frames zurück und Dott brauchte nur noch einen. Aber der blonde Wuschelkopf mit den schielenden Augen ist eben auch toll. Helle, lange Wimpern betonen diese Augen noch, Shakespeare würde von „Augenfransenvorhang“ sprechen, eine Formulierung, die ihm wirklich total missglückt ist. Aber Schriftstellerhelden könne auch Scheiße bauen. Dabei ist der Sturm an sich ganz toll.

26.04.2006 um 14:11 Uhr

Filmzitatelösungen

von: AiHua

So meine Lieben, endlich die Auflösung der Filme. Toll, dass so viele mitgemacht haben! Bei den nicht gelösten Filmen werden sich bestimmt einige noch ärgern, dass sie nicht darauf gekommen sind. Ansonsten werde ich das vielleicht mal wieder machen, wer weiß.
Außerdem waren die Augsburgerpuppenkisteevergreens vielleicht gemein, allerdings hätte ich gedacht, dass sich einige aus ihrer Kinderzeit erinnern können, oder aber schon so weit sind mit ihren eigenen Kindern.

01.) „Ich bin geisteskrank und Ihr seid meine Geisteskrankheit.“ -> 12 Monkys
02.) „Meschirrrrrrrr!“ -> Schlupp vom grünen Stern
03.) „Was ist das?" - "Offensichtlich spielst Du kein Golf.“ -> The Big Lebowski
04.) „An unserem Hochzeitstag bringe ich niemanden um.“ -> Natural Born Killers
05.) „Zu gerne würde ich noch mit ihnen plaudern - aber ich habe noch ein Festessen mit einem  guten Freund.“ -> Schweigen der Lämmer
06.) „Ist das Leben immer so hart?“ – „Es wird immer so sein.“ ->  Léon der Profi
07.) „Glückwunsch! von allen Stationen der Klinik hat diese den geringsten Personalaufwand!“ -> Einer flog übers Kuckucksnest
08.) „Absolut inkonvensorabel!“ -> Bill und Ted verrückte Reise durch die Zeit
09.) „Das einzige, was vielleicht besonders an mir ist, bist du.“ ->  Große Erwartungen
10.) „Dr. Green! Wie können Sie bei jemand eine Zwangsneurose diagnostizieren und dann so tun, als hätte ich eine Wahl, ob ich irgendwo reinplatze oder nicht?!“ -> Besser geht’s nicht
11.) „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!“ -> Casablanca
12.) „Ihr sollt tun, was ich sage und nicht, was ich tue.“ ->  From dust til dawn
13.) „Ich wünscht ich wär’ ein Pinguin, dann ginge es auch ohne.“ -> Prinz von Pumpelonien
14.) „Der Tod ist Ansichtssache. Gott tötet willkürlich - das sollten wir auch tun!“ -> Interview mit einem Vampir
15.) „Oh Mann, ich hab Marvin ins Gesicht geschossen!“ – „Warum tust Du denn so was?!“ -> Pulp Fiction
16.) „Ich bin bereit bis zum Ende zu gehen“ – „Also gut, bis zur Hölle.“ -> Vidoq
17.) „Ich habe meinem Boss heute gesagt er soll sich ins Knie ficken und ihn anschließend um über 60.000 Dollar erpresst, reiche mir bitte mal die Bohnen.“ -> American Beauty
18.) [Schuss] „Oh Gott, er ist tot! Oh mein Gott! Du meine Güte... Moment Mal! Moment Mal, er ist nicht tot! Er lebt! [Schuss] Streichen sie das.“ -> Wag the dog
19.) „Wir werden heiraten. Ein Glück, dass sie uns so schnell verurteilt haben, sonst hätten wir bis nach dem Krieg warten müssen.“ -> Mathilde – eine große Liebe
20.) „Der Bazokoo-Circus ist das was die ganze Welt an einem Samstagabend tun würde, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten. Das hier war das 6. Reich.“ -> Fear and Loathing in Las Vegas
21.) „Ihr seid genauso verwesende Biomasse wie alles andere. Wir sind der singende und tanzende Abschaum der Welt. Wir sind alle Teil desselben Komposthaufens!“ -> Fight Club
22.) „Woher kommt all das Böse? Ist diese Dunkelheit auch in dir? Hast du diese Nacht schon durchschritten?“ -> Der schmale Grat
23.) „Du weißt, du kommst aus dem Nichts und gehst wieder ins Nichts zurück - was hast Du also verloren? Nichts!“ -> das Leben des Brian
24.) „Der größte Trick, den der Teufel je gebracht hat, war die Welt glauben zu lassen, es gäbe ihn nicht!“ -> die üblichen Verdächtigen
25.) „Ohne dich wären die Gefühle von heute nur die leere Hülle der Gefühle von damals.“  -> Die fabelhafte Welt der Amélie
26.) „Du hälst doch die Wolken nicht auf, indem du ein Schiff baust“ -> Dead Man
27.) „Nichts ist notwendiger als das Überflüssige.“ -> Das Leben ist schön
28.) „Ich würd’ dich ohne zu zögern überfahren.“ -> ganz oder gar nicht
29.) „Ich möchte dir ein Geheimnis erzählen: Geh mit mir fort.“ -> 2046
30.) „Wir treffen uns in Malkovichs Kopf.“ -> Being John Malkovichs
31.) „An dem selben Tage zwei von ihnen.“ -> Stalker
32.) „Sind Sie eventuell ein Verwandter von dem Mann, den sie ‚Horst’ nannten?“ -> Wilbur wants to kill himself

26.04.2006 um 01:47 Uhr

"it could take us higher”

von: AiHua

“I'm on a train
watching this fire
just like a plane
it could take us higher”

 

Vorbereitung auf eine lange Nacht: Pudding steht im Kühlschrank, Taschentücher liegen neben mir, mit Aloe Vera und Calendula (Ringelblume ist den Werbemenschen zu banal) versetzt, wenn ihr mich fragt, zu späte Einsicht von mir. Worauf warte ich? Womöglich, dass ich noch einen Satz (wenigstens noch einer, na komm!) an einer meiner Seminararbeiten schreibe oder aber, bis der Fanatiker eingeschlafen ist, so dass es nicht mehr so peinlich ist, wenn ich jammernd mich in der Gegend rum wälze. Ihr meint es ist wahr, dass Männer jammern, wenn sie Schnupfen haben? Ich bin eine Frau, für mich ganz eindeutig! Und trotzdem habe ich das Gefühl zu sterben oder es jedenfalls zu wollen. Und ich will nach stundenlangen Nichtschlafenkönnen, oder sich nach fünf Minuten wieder durch die asthmatische Atmung (wie eine Katze mit Schnupfen) wieder selber aufzuwecken, dass ich nicht allein leide!


“wish you were here
with me and this fire
we'd keep you warm
you'd never feel tired”

 

Letzteres würde ich jedenfalls versuchen! Ich meine, eigentlich will ich ja auch nett sein. Jedenfalls öfter mal. Öfter, als man annehmen könnte. Manchmal werde ich ganz gefühlsduselig und dann scheint für mich die Sonne und andere sind so unendlich liebenswert... Das sind bestimmt die Hormone, mein Intellekt gibt das eigentlich kaum her, aber wer weiß was so noch die Seele hergibt, die ist ja schwer fassbar.

 

“I'm on a train it's insane
I'm on a train

on a train watching these skies
that's where the plane took us high”

 

Seele und Himmel, jetzt werde ich ganz metaphysisch, dabei nervt mich Hegel gerade mordsmäßig an. Wahrscheinlich weil für mich so viel diffus bleibt. Aber von wegen diffus und schwer fassbar, manche denken ja, dass im Körper die Augen die Schlüssel zur Seele sind. Darum spenden die dann alle möglichen Organe von sich, aber nicht die Augen. Ich wüsste ja nicht. Ja, was meine Augen schon alles gesehen haben, dass war schon intim für mich, aber heute kann man auch die Hände anderer recyclen. Mir kann es ja egal sein, was ein anderer mit meinen Händen macht, aber die haben Dinge berührt, angefasst, davon hat der dann keine Ahnung. Meine Hände haben verdammt viele Narben.

“I'm saying
be a man take a stand
show me what you got in your hand
if you wanna be the one
show that girl what you're made of
take it from the start til end
but you just don't know where to stand
if you want to come aboard”

Ja, schließlich kommt es wohl nur darauf an, was man gegenwärtig und zukünftig in der Hand hält. Nicht, dass einem die Vergangenheit nichts gibt, prägt… Herje, das ist jetzt echt Meta und so’n Zeug. Aber passt schon, also auf Reise, von hier bis da, hü und hott, letzte Mal war’s geiler (irgendwas passt nicht in die Reihe).

 
”I'll be on a train it's insane
and the wind sand grains
and all entertainment fails
I'm on a train”[1]



[1] Eskobar: on a train, auf: `til we’re dead. V2 Records Scandinavia AB: Stockholm 2001.

26.04.2006 um 00:45 Uhr

zwei noch

von: AiHua

Du bist womöglich der

6666.

Besucher hier!

Was für eine Schnappszahl...

25.04.2006 um 14:16 Uhr

Suizid mal anders

von: AiHua

Ich habe seit einigen Tagen violette Tulpen in der Wohnung stehen. Ihnen geht es gut, sie kriegen frisches Wasser, wenden ihre Köpfe natürlich der Sonne zu und wachsen stark, so dass ich sie auch brav kürze. Außer, dass sich die Tulpe bei dem Fanatiker langsam fluchtartig ins Regal rettet/wächst, schien alles gut zu sein. Aber gerade stand ich vor eine der CD-Vitrinen und da fiel mein Blick auf eine der Vasen. Hilfe! Da hat sich eine der Tulpen doch tatsächlich einfallen lassen, einfach so sich zu zersetzen! Blüte ist noch toll, das meisten vom Stil auch, aber das untere Viertel ist nur noch fasriger Matsch… ich habe sie jetzt wieder gekürzt und das Wasser nochmals ausgetauscht. Mal sehen was sie sich jetzt einfallen lässt.

25.04.2006 um 13:43 Uhr

Respekt und so

von: AiHua

„In einem Interview spricht der Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel über seinen neuen Roman Un desir fou de danser (Seuil), sein Interesse am Wahnsinn und seinen Lebensweg als Holocaust-Überlebender. Auf die Frage, wo er in der gegenwärtigen Debatte über den Multikulturalismus stehe, antwortet er: "Ich finde, dass der Multikulturalismus eine Wohltat ist. Jede menschliche Gruppe hat das Recht zu sein, was sie ist, ihr Recht auf Kultur, Erinnerung und Respekt geltend zu machen. Ich bin Jude, aber ich meine, dass keine Religion, keine Tradition, kein Volk den anderen überlegen ist. Es ist mein Ziel, mich dafür einzusetzen, als Jude dazu beizutragen, die Anderen mehr zu respektieren - natürlich unter der Bedingung, dass sie mich respektieren."

Diese Art von Toleranz ist natürlich auch was kulturelles…
(ich habe tatsächlich zeit vertrödelt etwas über den originaltext zu schreiben, aber da ich die Zitate nicht übersetzt hatte -liegt nich in meiner Macht- hat das wahrscheinlich gar nicht so viel Sinn gemacht.)