erstaunlich großer Mensch
Gestern war ich einkaufen, nicht
meine Lieblingsbeschäftigung, aber ich esse gerne, so dass das Einkaufen eine
Notwendigkeit darstellt. Ich schiebe meinen schwer lenkbaren Einkaufswagen
durch die Gänge, mutlos schmeiße ich Nudeln, Nudeln und Reis in den
Einkaufswagen und sehe erstaunt einem schneidigen Mittdreißiger dabei zu, wie
er mich eilig zur Seite schiebt um an die Spirelli zu kommen. In die
Mehlpalette geschubst überlege ich, ob ich die paar Cent mehr in Kauf nehme und
anstatt der Spagetti auch Spirelli kaufe. Ich meine, die scheinen
einem wirklich das Leben retten zu können, denn der Mann sieht danach glücklich
aus und hält die Spirelli fest in der rechten Hand und widmet sich jetzt ruhig
dem Müsli. Ich bleibe aber standfest bei meiner Wahl und rette mich an den Keksen
vorbei. In letzter Zeit trinke ich zu viel Kaffee. Wenn ich keine Kekse habe,
trinke ich auch zu Hause keinen Kaffee, so einfach ist das bei mir. Tee und
Kekse passen nicht ganz so toll zusammen wie Kaffee und Kekse. Und Kaffe allein…
bewahre!!!
In der Kühl-„abteilung“ geht ein
junger Mann an mir vorbei. Mit der Milch in der Hand sehe ich ihn hinterher und
bleibe sogar stehen, als er zurückkommt um sich eine Müllermilch zu kaufen. So
vor mich her, stelle ich fest: „Herje, der ist aber groß…“
An der Kasse ist eine lange
Schlange, ich kann den Einkaufswagen gerade so noch daran hindern in den Mann
vor mir zu rasen. Damit erstmal beschäftigt merke ich nicht, dass sich hinter
mir die Schlange ausweitet. Na ja, bis ich genau über meinem Hinterkopf so ein
Schütteln höre. Über meinem Kopf schüttelt der Riese seine Müllermilch, er
scheint daran Spaß zu haben. Ohne in sein Gesicht zu gucken, man will ihn ja nicht
unhöflich anstarren, stelle ich fest, dass er von den obersten Weinregalen ohne
Mühe die hinteren Flaschen greifen kann. Der kann den Dreck von Jahrzehnten
wahrnehmen!
Während der Typ vor mir laut zu telefonieren
beginnt überlege ich mir wie ätzend es sein muss so groß zu sein. Er lebt wie
in eigener Welt, schließlich guckt ihn keiner direkt ins Gesicht, denn wenn man
das macht, dann nur mit Absicht und nicht „zufällig“. Wer macht das denn bitte
schön im Großstadtgewimmel? Weil der vor mir die Kasse besetzt, kann ich nichts
auf das Fließband legen, bis ich eigentlich schon dran bin, etwas gehetzt fällt
mir eine Tomatendose runter, die der Riese für mich aufhebt. Ja, sieht
ganz nett aus. Es tut mir leid, dass er sich so weit runter bücken muss.
Kurzzeitig guckt er mich von unten an, dann schnurrt er wie ein Fahrstuhl
wieder nach oben und schüttelt die Müllermilch glücklich weiter. Mann ist
dieser Mensch groß. Und ich habe wirklich große Menschen in meiner
Stiefvaterfamilie. Mein Stiefvater ist 1,96 und mein Stiefvetter ist einiges
über die zwei Meter Marke geschossen, aber so einen großen Menschen habe ich
noch nie gesehen. Wir müssen zusammen in der Schlange, auf so engen Raum
gedrängt witzig ausgesehen haben und dabei bin ich so gerade nicht deutscher
Durchschnitt (liegt etwa bei Frauen bei 1,65, mir fehlen nur fünf cm).
Der war echt groß!


