Lösch mir die Augen aus

18.09.2006 um 03:56 Uhr

mal wieder ein Film

von: AiHua

Ganz gegen ihre Gewohnheit verliebt sich Sissy in Bonanza Jellybean. Und dabei hat die von Geburt aus berufene Tramperin, sie hat zwei übergroße Daumen, die anfangen zu kribbeln, wenn sie zu lange an einem Ort weilt und die Autofahrer zu hypnotisieren scheinen, genug zu tun.

 


 

Wer nicht schon durch so eine liebevolle Geschichte, der gleichnamige Roman ist eines der Symbolwerke der Hppiegeneration, dazu angeregt wird den Film Even Cowgirls get the Blues zu sehen, der könnte dann davon überzeugt werden, dass Sissy von Uma Thurman gespielt wird, Keanu Reeves mit langen Kotletten auch interessant aussieht und zudem noch Rain und River Phoenix, sowie Lorraine Bracco und John Hurt mitspielen.

Wer also Interesse hat an den übergroßen Daumen und wie die Verfilmung von Tom Robbins Roman eigentlich aussieht, schließlich von Gus van Sant, der sollte sich Donnerstag den 21. September um 22:25 Uhr Zeit nehmen.

17.09.2006 um 21:23 Uhr

und gestern unterm Zeltdach

von: AiHua

Roger Wilhelmsen, den mag ich. Schon immer, darum nehme ich auch so einige nervige Intellektuellen Überdrehtheiten gerne in Kauf (und auch den Karnevall der Tiere, obwohl ich Fabeln und sowas meistens nicht mag) (Wind in den Weiden zählt nicht).
Deshalb habe ich ihm gestern auch begeistert beim Schwitzen und leicht hysterischem Sprechen zu gesehen und zu gehört. Und du so lautet sein Programm und ist stark autobiographisch, humoristisch und zeigt, dass seine Mutter und meine die gleiche Mutterausbildung gehabt haben. Denn auch meine Mutter war/ist Witwe (das wohl nur als Entsprechung, die Ausführung habe ich bei Roger nicht so ganz gerafft) und wählt gerne als Kleidung für die eigene Brut (Roger oder ich) übergroße Planen, Zelte oder wie auch immer in Scheißbrauntönen und hat den einfühlsamen Satz auf den Lippen: "Da wächst du noch rein!"
Ja und ich denke auch wie seine Putzfrau Berenice: "He's so sensetive."

15.09.2006 um 02:26 Uhr

"Verzeih!"

von: AiHua

Mal wieder nachts, mal wieder ein guter Film. Ganz unvorbereitet beginnt er, ich sitze gerade am Rechner und schreibe. Nach einem anstrengenden Satz schalte ich den Fernseher an. Das ist bei mir so, wie bei meinem Bruder die Zigarette, oder M. der Kaffee, oder für den Fanatiker die Cola. Ich schalte den Fernseher an und schaue. Und der Film beginnt gerade. Mon Homme. Mein Mann. Ich erinnere mich an die Aufregung bei der Berlinale. Es ist schon erstaunlich, dass Filme, die direkt sind und vor allem Sex auf eine bestimmt Art zeigen immer schockieren, obwohl es sich immer wieder wiederholt. Jedenfalls kann man bei diesem Film aber kaum sagen, dass es sich um Pornographie handelt (auch schon des Öfteren auf so tollen Filmfestivals vorgekommen). Auch wenn ich sagen muss, dass ich noch niemals so schmutzige Hände an dem weiblichen Geschlecht gesehen habe, aber es ging da ja nicht nur um Sex, sondern um die Liebe selbst.
zdf  klassifiziert Bertrands Bliers Film als Erotikkomödie, leider, denn das trifft so gut wie gar nichts an dem Film. Ja, man kann auch lachen, ja, es geht auch um viel Sex, aber ich würde nicht sagen, dass es darauf bei dem Film allein ankommt. Eigenartiger Weise kriegt im Text das zdf halbwegs noch die Kurve, auch wenn nur dadurch, dass es die Welt zitiert:
"Mein Mann" ist kein Melodram, sondern eine kleine, doppelbödige Satire über das Leben mit seinen Widersprüchen, auf das Verhältnis von Mann und Frau."
Wobei „doppelbödig“ anzeigt, dass es auch etwas von einem Melodram hat, nicht wahr?
Aber der Film lebt auch von allen möglichen Schauspielern,  wobei nicht nur in den Hauprollen, sondern auch in den ganz kleinen...

11.09.2006 um 17:15 Uhr

Und...

von: AiHua

außerdem finde ich die Frage,
          „Warum bläst mein Bruder Deinem Bruder unter den Rock?“
genauso schön wie die Feststellung,
          „Die Schulter ist auch Hand!“

11.09.2006 um 17:06 Uhr

Überlegung am Rande

von: AiHua

Ihr kennt doch bestimmt das neue Video von Billy Talent zu red flag. Sagt mal, bin ich die einzige, die dabei weniger an kommunistische Bildtraditionen denkt, sondern an eine Investmentwerbung? Da laufen Leute herum und überall fliegen rote, große, wallende Tücher durch die Gegend.
Und irgendwie lässt das alles so schön absurd erscheinen.

 

so sehen sie viellleicht in ein paar Jahrzehnten aus? 

 

11.09.2006 um 05:58 Uhr

"it's in the water baby"

von: AiHua

Während der eine oder andere Wecker im Haus missvergnügt gegen die Wand geworfen wurde, warte ich darauf, dass die Farbe trocknet und fische nach einen der herabgefallenen Pinsel. Nachdem der Fanatiker auf der Couch eingeschlafen ist, hat er sich in das andere Zimmer verzogen und ich setzte mich an eine ungeliebte Auftragsarbeit. Geburtstagsgeschenke, die nicht nur mir gefallen müssen sind nicht immer leicht zu erfüllen. Ich darf Bilder für ein Gästebadezimmer anfertigen... Großartig.
Noch bin ich nicht überzeugt, dass ich was Passendes habe, was die Arbeit an den Details nicht erfreulicher macht. Da müht man sich ab und ist sich noch nicht Mal sicher, dass das Ergebnis das Geschenk wird, aber so langsam muss ich ran. Bald muss ich es mit der Post aufgeben und hoffen.
Wobei es mir eigentlich egal sein kann. Es handelt sich eh nur um meine Mutter, das ist die Frau, die mich geboren hat. Diese Frau hat mich auch angerufen und hat mich nach meiner Meinung gefragt, ob ich bestimmte Kleidungsstücke zu meinem Geburtstag haben möchte. Als sie sie gesehen hatte, musste sie sofort an mich denken, sie waren genau mein Stil (aha). Als ich leise anmerkte, dass es für mich nicht gerade passend fände und anderes Kleidungsstück doch womöglich besser zu mir passen würde erwiderte sie: „Nee, das passt nicht zu Dir, das andere ist genau dein Stil, das finde ich viel schöner für dich.“
Ja dann.
Ich will ja jetzt nicht undankbar sein, aber warum fragt mich diese Frau, an sich eine ganz Nette, immer um meine Meinung, wenn diese Meinung sie sowieso nicht umstimmt? Und woher kennt diese Frau meinen Stil so viel besser als ich, obwohl sie mich seit fünf Jahren gerade zweimal pro Jahr sieht? (Das ist eine rhetorische Frage, ich will da gar keine Antwort)
Ansonsten war übrigens letzte Woche  gar nicht so unerfolgreich, wenigstens habe ich zwei Aufgaben recht gut bewältigt. Erstmal habe ich ein „Aufnahmegespräch“ erfolgreich für die Lange Nacht der Museen (ich werde richtig viel Geld verdienen) hinter mich gebracht (das Problem war das Telefon, ich hasse Telefone) und ich habe die ersten Bilder „abgeliefert“ für ein Opensource Spiel.
Ich darf also jetzt stolz vermelden, dass irgendwann ein Spiel zu spielen ist, in dem Bilder von mir als Vorlage dienen. Meine Bezahlung ist der Ruhm! Heißt so viel, dass mein Name da irgendwo veröffentlicht wird... da fällt mir auf, ich sollte dem netten Herren aus Australien vielleicht mal schreiben, dass ich nicht ausschließlich Ai Hua heiße... Aber noch ist es schließlich in Mache und hört sich zudem viel versprechend an.
So, meine Farbe ist trocken.

 

11.09.2006 um 04:04 Uhr

Dreh ich mich um?

von: AiHua

 
 
 
 
 
 
 

Wo geh ich hin wenn ich weg geh?
Wo geh ich hin?
Geh ich hin wo die Welt noch nicht schief hängt, wo alles neu anfängt?
Wo kann das sein, kann das sein?
Wo geh ich hin wenn ich weg... geh ich allein?
Wo geh ich hin?

 
Wo geh ich hin wenn ich weg geh?
Wo geh ich hin?
Wenn ich weg bin und immer noch da bin
Finde ich Glück?
Kommt es zu mir von allein oder geh ich zurück?

 
Wo geh ich hin?
Wo geh ich hin?
Wo geh ich hin?

 
Wo geh ich hin wenn ich weg geh?
Dreh ich mich um
Nur um besser zu sehen und nicht zu verstehen warum?
Wo geh hin wenn ich weg geh?
Wo geh ich hin?
Wenn ich doch wieder ankomm woanders
Hat das einen Sinn?

 
Wo geh ich hin?
Wo geh ich hin?
Wo geh ich hin?

 

            Wo geh ich hin?
Wo kann das sein?
Wo komm ich an?
            Geh ich allein?
            Wo geh ich hin?

 
Wo geh ich hin?
Finde ich Glück?
Dreh ich mich um?
Komm ich zurück?

 
Wo geh ich hin?
Wo geh ich hin?

Quarks: Wo geh ich hin, auf: Quarksland.

11.09.2006 um 03:46 Uhr

St. Peter und Zwillinge im afrikanischen Urwald

von: AiHua

In meinem Grundstudium besuchte ich bei Schütze die Vorlesung Römischer Barock. Da es sich um Schütz handelte und römischer Barock schon an sich sprechend ist, wusste ich, dass es um Architektur ging. Es kann kaum um etwas anderes gehen. Gut, darauf war ich also eingestellt, allerdings war ich nicht die einzige, die sich im Laufe des Wintersemesters wunderte, dass wir kurz vor Weinachten immer noch die Baugeschichte von St. Peter durchnahmen (ich weiß, die ist lang und auch Bramante ist ganz entscheidend für die Entwicklung im Barock). Eine Stunde nach Weinachten sagte dann Schütz zum Auditorium: „Sie wissen es vielleicht, aber eigentlich heißt die Vorlesung St Peter und der Römische Barock. Wenn es mir nicht vorher klar war, jetzt wusste ich auf jeden Fall, dass die ewige Stadt extrem geprägt durch den Peters Dom war und ist. Und obwohl mir dort auch gesagt wurde, dass ein Kunsthistoriker mindestens ein Mal im Jahr in Rom sein muss war ich noch nie dort. Vielleicht sollte ich das machen, wobei ich ja auch in Florenz war und nicht gestorben bin. Ich sag’ mal, vielleicht muss ich dann auch nicht nach Rom (auch wenn ich ja schon mal will, wenn nicht schon wegen St. Peter, dann doch wegen Boromini, und weil ich zum Trotz zu Schütz an Ort und Stelle sagen will, dass eine runde Kuppel genauso spannend sein kann wie ein Oval [und kommt mir jetzt nicht mit der Physik]).
Weshalb ich aber eigentlich angefangen habe zu schreiben ist, dass Schütz am Ende der Vorlesung natürlich wieder zu St. Peter zurückkehrte.

 

 

Anstatt aber die gewohnten Ansichten uns zu zeigen ließ er seinen Diaschieber zwei uns vollkommen unbekannte Ansichten auf die Wand projizieren. Und nach einiger zeit meinte er: „Es ist gut, dass ein paar die Stirn runzeln. Das ist nämlich nicht Rom.“

 

  

Zweifellos, Rom hat keine grünen Wiesen um St. Peter und erst recht keine Wellblechhütten. Der gute Witzbold (ich bin kein Schützling) hat sich den Scherz erlaubt uns Notre-Dame de la Paix zu zeigen. Das ist der irrsinnige Bau einer Basilika, die der Präsident der Elfenbeinküste dort hin klatschte. Übrigens mit italienischem Marmor und französischen Fenstern. Eine Zwillingsschwester von St. Peter, in Größe insgesamt etwas kleiner, dafür etwas höher und von 1986-89. Ein Wahnsinn. Abends hat übrigens die Stadt kein Strom, weil die Kirche beleuchtet wird. Nicht nur deswegen hat der Papst die Kirche lange nicht gesegnet. Ist ja schon bescheuert wenn die Weltkirche, die Mutter noch mal irgendwo in Afrika steht, aber der Petersplatz war dann doch nicht drin, hätte vielleicht inmitten des Grüns auch lächerlich gewirkt. Schon verrückt, dass solche Bauten noch realisiert werden können, wobei einige der heutigen Paläste von Diktatoren, Herrschern und was da sonst noch kreucht und fleucht sind auch nicht übel...

 

11.09.2006 um 03:13 Uhr

"endings are killing me slow"

von: AiHua

i feel the hope running low
we never found our way home
There is no more world
The land is gone


Und wieder ist eine Woche vergangen.
Eigentlich vergeht Zeit schneller, wenn man meint nichts zu tun. Zeit vergeht, ohne dass etwas passiert, mehr gesagt, überall passiert etwas, aber das Selbst ist stagniert. Da hilft auch keine gut gemeinte Gönnerhaftigkeit, vielleicht gerade die nicht.

water is all that survived that one
there are no escapes
gone are the days of mistakes
our mistakes

Da versagt ein Mensch in dieser Stagnation, in diesem nicht Können und so ein netter Bastard meint, dass er einem sagen kann, dass man doch weitaus mehr könne als man selbst in sich sieht. „Verrecke“, schreie ich ihm in sein nett lächelndes Gesicht. Und dann gehe ich nach Hause, schließe mich in mich selbst ein.

and did you see
the night wore on
and became the days that never begun
The disappearing day
You know where I'm from
Is the only place that forever stays young

 
“Verrecke, verrecke, verrecke...”, hört sich gut in der Wiederholung an und wird jedem passieren, da muss man gar keine Befehle für geben. Aber vorher muss man ja noch was erledigen, was auch immer, irgendwas ist immer, irgendwas muss immer gehen, irgendwas muss immer funktionieren. Und wenn’s die eigenen Wünsche sind.

Lost at sea
we're lost at sea
I wouldn't know my face if you all were me
All we have is all we see
There is no more hope
There are no dreams[1]



[1] John Frusciante: Hope, auf: Curtains. Warner 2005.

09.09.2006 um 17:33 Uhr

nach Seether ich eben auch

von: AiHua

Glückwunsch To01, hättest Du mir frühzeitig die orangene Wolle geschickt, dann hätte ich sogar ein Geschenk! So, habe ich aber gute Wünsche.

Ich werde auch keine tollen weisen Sprüche auspacken, wie jünger wirst’ nimmer, oder auch das Leben ist wie Erdbeermarmelade, süß aber klebrig (übrigens werden aus Erdbeeren Konfitüre gemacht, nur aus Zitrusfrüchten wird Marmelade… das ist eben so festgelegt, warum auch immer), ja aber für weise Sprüche bist Du jetzt zuständig, schließlich bist Du jetzt ein Jahr älter (diese Feststellung kann nur von einem Menschen getroffen werden, der vor langer Zeit mal gedacht hat, dass er irgendwann den vier Jahre älteren Bruder einholt. Der Fehler, dass nicht nur der Mensch, sondern auch der Bruder älter wird, hat dem dann einen Strich durch die Rechnung gemacht.)

Bei Wikipedia habe ich nach geguckt, wer und was denn Wichtiges außer Dir passiert ist, aber da war nichts. Ein bisschen früher und da wer ein schweres Erdbeben in den Alpen gewesen, so aber… alles hat sich eben auf Dich fokussiert, ist ja auch was…

Viel Spaß beim Kuchen esse, etwas die Sonne genießen, mit Tochter und Frau über den Holzboden krabbeln, angesabbertes Geschenkband aus den Händen von Marlene ziehen und und und

09.09.2006 um 15:37 Uhr

man hätte es sich denken können

von: AiHua

Diedrich Diederichsen ist Schuld!
Keine Ahnung ob es in anderen Ländern auch so ist (wobei ja hin und wieder geschrieben wird, dass es beispielsweise in Amerika anders ist), aber in Deutschland gibt eine ganz perfide und bescheuerte Trennung von authentischer und nicht authentischer Musik. Und wer hat das z.B. propagiert? Genau, Diedrich Diederichsen.
Er ist also daran Schuld, dass blöde Ponymädchen mit goldenen Ballerinas schnoddrig im Kuttnerstyle auf ihrem Blog schreiben, dass sie Indie hören und deshalb einen wahren Musikgeschmack hören, weil er nicht „Plastik" sei, weil sie „true" sind und nicht kommerziell.
Manch eine dieser Gören fällt dann auf einmal auf, dass the strokes auch schon als Werbemusik im Fernsehen Einzug gehalten haben und sind ganz verwirrt. Denn, ist Musik nicht automatisch schlecht, wenn sie eine Menge hört? Ist man nicht so schön elitär, wenn man eine kleine ausgewählte Gruppe ist, die den guten Geschmack hat?
Und Diedrich Diederichsen ist Schuld! Auch wenn er zugibt (nahezu wie die geschockten Indiemädchen), „[d]ass diese Trennung hinfällig geworden ist, ist ja der starting point von «Sexbeat». Heute ist die meiste neue Rockmusik Pop."
Vielleicht hätte man sich nicht darauf versteifen sollen, dass kommerziell erfolgreich authentisch ist.
Die Netzzeitung (im Beitrag danach immer zitiert, wenn nicht anders angegeben) fragt Diedrichsen dann auch: „Und damit spielt das Authentische auch keine Rolle mehr.
Und Diederichsen antwortet: „Genau. Das interessiert kaum noch jemanden, nicht mal mehr die Bands." Ja, das ist doch schon mal eine Erkenntnis, vielleicht ist es auch nicht wichtig.
Wobei man Diederichsen ja zu Gute halten muss, dass er eben nicht nur von Authentizität spricht, sondern eben auch von Innovation (allerdings nicht im Interview).
Was ich allerdings auch kritisch betrachte, ist die Aussage, dass Musik in Zukunft nur eine Mittelrolle spielt. „Auf lange Sicht könnte so was kommen wie eine digitale Outdoors-Kultur. [...] Das wird von der Jugend und den Gegenkulturen genutzt werden, und dabei kann Musik eine unterstützende Rolle spielen. Aber sie wird kein Leitmedium mehr sein."
Keine Ahnung... aber Musik ist eigentlich zu nah an der Empfindungswelt, so gut als Bedeutungsträger, als dass sie nur eine unterstützende Rolle sein kann, oder nicht?
Aber ganz davon abgesehen und auch davon abgesehen, dass Diederichsen Schuld ist, den Menschen, der den Begriff independent geprägt hat, den müsste man echt mal ordentlich Kiel holen lassen.

08.09.2006 um 22:21 Uhr

verschobene Gesundheitsreformen sind auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, etwas spritzende Gischt vielleicht

von: AiHua

Zurzeit träume ich recht gerne vom Aussteigen. Nein, nicht aussteigen aus der Gesellschaft, ich bin zu wenig idealistisch und zu wenig kreativ um ein Rebell zu sein. Ich bin da auch eher burckhardtianisch oder so. Egal wie, ich glaube daran, dass beim gewaltigen/extremen Umsturz auch immer viel Großartiges zerstört wird, also blicke ich lieber dem Verfall entgegen und versuche zu restaurieren, auch wenn ich meine, dass die Kirchenreformen ganz tolle Sachen gebracht haben, ist doch auch sehr viel kaputt gegangen… naja und die Restauration, die sozusagen versuchter Rückgriff war, hat auch wieder nur das Neue, nämlich den romantischen Gedanken hervor gebracht… jedenfalls in Ansätzen… Hm, mein Geschwafel zeigt es vielleicht ganz gut… Neuerungen sind also auch nicht schlecht, aber ich bin eher die Sorte Mensch, die die Scherben zusammenkehrt und mal sieht, wie man ins Neue das Alte rüber retten kann.
Also, um den Bogen jetzt total zu überspannen, wenn ich aussteige, dann auf ausgetrampelten Pfaden. Ich wäre Krabben- oder Heringsfischer vor der Küste von Skandinavien, oder auch in Schottland, würde mit einer Nonne, in einem ansonsten verwaisten Kloster in der Nähe von St. Petersburg gegen den Verfall ankämpfen, als Eremit sich durch den eigenen Anbau selbst versorgen, z.B. in einem dieser ausgestorbenen Bergdörfchen in den italienischen Alpen (hat der Begriff des Eremiten eigentlich immer einen religiösen Aspekt, nö na?).
Aber von allen diesen Vorstellungen, ist mir noch eine ungesagte die liebste. Seit fast zehn Jahren hänge ich diesem Gedanken nach. Einen dieser noch mechanischen Leuchttürme zu bedienen, nicht einen auf dem Land, sondern einen der nur mit diesen Postschiffen erreicht wird, einmal die Woche vielleicht. In der Bretagne gibt es noch den einen oder anderen…
Vielleicht wäre das eine meiner wahren Berufungen. Vielleicht verschleppt sich das Scheitern dort auch nicht so, zieht sich nicht in die Länge.

06.09.2006 um 14:48 Uhr

Beschäftigung

von: AiHua

Nachdem ich keine Lust mehr hatte zu lesen, ich aber nicht einschlafen konnte, suchte ich nach einer Beschäftigung. Die habe ich eindeutig gefunden.
Socken für den Fanatiker
für mich
Für zwei schlaflose Nächte eine gute "Ausbeute".

04.09.2006 um 20:58 Uhr

"But I can't remember now."

von: AiHua

I'm lying in the shade
Of my family tree
I'm a branch that broke off
What will become of me?
Dear Mom, I'm lying here
In this queen sized bed.
I'm thinking back
To all the stories you read to me
About those little animals
Who went to sea
In their beautiful pea green boat.
But I can't remember now.
What happened then?
Dear Mom, how does it end?
The owl and the pussycat went to sea
In a beautiful pea green boat.
They took some honey and lots of money
Wrapped in a five pound not.
The owl looked up to the stars above
And sang to a small guitar,
O lovely pussy! Pussy my love!
What a wonderful pussy you are.
Let us be married
Too long we've tarried
But what shall we do for a ring?
What shall we do for a ring? Hey! Hey!
They sailed away for a year and a day
To the land where the bong tree grows
And there in a wook a piggy wig stood
A ring at the end of his nose
A ring at the end of his nose.
And hand in hand at the edge of the sand
They danced by the light of the
By the light of the, by the light of the moon.
And hand in hand at the edge of the sand
They danced by the light of the
By the light of the, by the light of the moon.
The moon, the moon. Hey! Hey! Hey! Hey!

Laurie Anderson: Beautiful Pea Green Boat, auf: Bright Red/Tightrope. New York: Warner 1994.

 

04.09.2006 um 16:03 Uhr

Gedanken bei einem Abspann

von: AiHua

Namen sind etwas Interessantes. Ich meine, manche Namen erscheinen mir wirklich als große Last, Frauke Dawo Zwanck (in einem Abspann von einer Dokumentation gesehen) z.B. oder Dan Futtermann (ein Schauspieler). Eine Person aus der Familie eines mir nahstenden Menschens (wir waschen unsere Wäsche gegenseitig) (es handelt sich um seine Mutter), regt sich gerne über überambitionierte Namen auf, die einfach nicht zu den sehr durchschnittlichen nachnamen passen. Am liebsten würde ich ein Beispiel davon nennen, aber die Person existiert ja. Stellt euch einen Doppelnamen vor, der aus zwei opulenten, französischen Namen besteht, die im Barock sehr beliebt waren und dann sowas wie Mayer, Müller oder auch Gevers und Röhrs als Familiennamen.
Ich bin da nicht ganz so extrem, ich finde schon, dass man seinem Kind einen schönen Namen geben kann, auch wenn der Zuname unheimlich hässlich ist, aber es gibt wirklich extreme, vor allem extrem hässliche Namen. 

04.09.2006 um 00:34 Uhr

der Kunstgeschichtler macht sich kein Bild

von: AiHua

Damals, als der Brandschutz in unserem Institut noch nicht zugeschlagen hatte, war der Flur mit gestohlenen Kunstwerken zu gepflastert. Wenn wir eine Pause hatten, sahen wir uns die Werke an und stellten uns vor in welchem Keller sie gerade zwischen lagerten, oder aber, in welcher bürgerlichen Küche sie gerade mit Nudelwasserdampf bestäubt würde. Bei bekannten Werken gingen wir vor allem von Auftragsdiebstählen aus,  in meinen privaten, abgeschotteten Räumen hätte ich auch gerne einen Turner, oder die Schleifenbilder von Pollock… oder das Selbstporträt Dürers aus der Münchner alten Pinakothek. Klar wussten wir, dass ein Großteil der Werke „Artnapping“-Opfer waren. Schließlich kennt jeder die Geschichte der Mona Lisa.
Wie extrem dieses Geschäft allerdings ist, wusste ich nicht. Ich wurde also von Peter Dittmar in der Welt aufgeklärt (weiterhin als Quelle). Auch wenn das jeweilige Museum womöglich unbestechlich ist, die Versicherung könnte gerne einen Bruchteil davon locker machen, was sie sonst dem Museum zahlen müsste. Von den sieben Werken, die pro Tag in Deutschland gestohlen werden, sind die meisten wohl offenbar nicht für den heimlichen, reichen Kunstsammler gedacht, sondern vielmehr Opfer von Erpressungen, danach kommen dann die Bilder, die in Hand von Terroristen gefallen sind (im Falle von Salzfässchens von Benvenuto waren es ja einfach Idiotie, angetrunkene „Jugend“ oder so). Eine schöne Untergruppe des Artnappings, sind die Fälle, in den Kunstwerke auf „Halde“ gestohlen wurden. So berichtet Dittmar, dass „[b]ereits 2004 […] der Leiter der Spezialabteilung für Kunstdiebstahl bei Scotland Yard in einem Interview mit dem "Independent" darauf hingewiesen [hatte], dass manches wertvolle Gemälde als "get out of jail free card" gestohlen werde.
Kriminelle bunkern Werke bei sich ein, falls sie mal geschnappt werden um dann einen Deal herbeizuführen, der ihnen Straferlass ermöglicht. Ein bekannter Fall soll beispielsweise der von David Toska sein, der einem Raubüberfall geschnappt wurde bei dem ein Polizist erschossen wurde und als einziger von 13 Angeklagten in Berufung gegangen ist.
Durch manche Hände geht Kunst und andere machen damit Geld. Nachdem ich von Auktionshäusern berichtet habe, zu eindeutig kriminellen Handlungen…

03.09.2006 um 19:37 Uhr

"And became famous on that day in November"

von: AiHua

Last week I had the strangest dream
Where everything was exactly how it seemed
Where there was never any mystery of who shot John F. Kennedy
It was just a man with something to prove
Slightly bored and severely confused
He steadied his rifle with his target in the center
And became famous on that day in November

Es ist etwa eine Woche her, da bin ich aufgewacht. Mitten in der Nacht, was bei mir so viel bedeutet, dass ich erst kurz zuvor eingeschlafen bin. Ich war aber erstmal gar nicht verärgert, denn ich lauschte in die Nacht, nur leicht vom grünen Schimmerlicht meiner Anlage beleuchtet, die erst nach 120 Minuten nach dem Anschalten am Abend ausgeht. Während ich lauschte wusste ich also die ungefähre Zeit. Zuerst überlegte ich, was das für Schreie waren, die mich geweckt hatten, waren es wieder diese bescheuerten Katzenrudel?


Don't wake me I plan on sleeping
Don't wake me I plan on sleeping in
Don't wake me I plan on sleeping
Don't wake me I plan on sleeping in

Anders als in angenehmen Träumen, in denen so viel logisch erscheint, war ich gleich mit einem riesigen Fragezeichen aufgewacht. Denn das was ich hörte war irgendwo im Haus und es hörte sich auch nicht nach einem Katzenrudel an. Es war ein Quieken, mindestens von zwei Wesen und ich dachte erstmal an Mäuse oder Ratten.


Again last night I had that strange dream
Where everything was exactly how it seemed
Where concerns about the world getting warmer
The people thought they were just being rewarded
For treating others as they'd like to be treated
For obeying stop signs and curing diseases
For mailing letters with the address of the sender
Now we can swim any day in November 

Da ich mir sicher war, dass die Biester nicht in unmittelbarer Nähe waren, entschloss ich mich zum Weiterschlafen. Vielleicht würde mir im Schlaf eine bessere Idee kommen, dann könnte ich ja wieder aufwachen. Und wenn nicht, dann hätte ich wohl andere Sorgen.


Don't wake me I plan on sleeping
(now we can swim any day in November)
Don't wake me I plan on sleeping in
Don't wake me I plan on sleeping
Don't wake me I plan on sleeping in[1] 

Ja und was ist mir am nächsten Tag bewusst geworden? Ja, unsere Nachbarin hat Meerschweinchen. Unglaublich was die für ein Lärm die machen wenn sie gefüttert werden, aber nachts streiten sie sich auch gerne mal. Ja, schön. Also seitdem ich weiß was es ist kann ich damit auch schlafen, zusätzlich habe ich wegen meinem etwas gegen die Zeit gehenden Lebensrhythmus kein schlechtes Gewissen mehr. Ich meine, ich wasche vielleicht nachts ab, aber wenigstens quietsche ich nicht.



[1] The postal service: sleeping in, auf: give up. 2003

01.09.2006 um 21:47 Uhr

der alte Peter und der Wind

von: AiHua

Einmal groß sein, dabei erfreut feststellen, dass man locker die 306 Stufen schafft und dabei der Freund schnauft und etwas von einer schweren Tasche keucht. Dabei hat er mir mal von seinem workout berichtet. Tja, der Schmetterling wurde von der Raupe geschlagen, sinnbildlich hat die ja auch mehr Beine (bitte kommt jetzt nicht darauf, dass er Flügel hat).
Noch nicht die letzten Stufen erreicht wusste ich, dass es wirklich gut war, dass der Fanatiker nicht mitgekommen ist, denn dieser hat kein Vertrauen in hohe Bauten. ich bin da anders, ich streiche vertraunesvoll beim Aufstieg mit einer Hand an den mit Edding verschmierten, alten Wänden. Und sehe durch die Lamellenfenster die Tiefe noch ausgesperrt. Der alte Peter wird sicherlich nicht gerade dann zusammen brechen, wenn doch der papst kommt. Ich meine nicht er, schließlich weiß der Peter um seine Bedeutung für den Papst an sich.
Draußen scheint gerade etwas die Sonne, mit uns viele Kinder und Mütter, sowie ein Lehrer, der sein Wissen los werden muss. Ich orientiere mich an den Kirchen. Auf der windigsten Seite hat sich der Schmetterling soweit erholt, dass er ein Foto machen kann, in dr Wohnung hatte er es schönerweise vergessen (und ich verdrängt). Von oben mache ich einen Plan was wir uns angucken, dabei weht mir das Haar ins Gesicht und ich vermassel so bestimmt das Foto. Geforderte Führungen können wirklich schön sein.