Animationsfilm
Gestern habe ich den
Animationsfilm Le Cid auf Arte gesehen und habe mir die ganze
Zeit überlegt darüber hier was zu schreiben. Ich meine, der Film ist wirklich
empfehlenswert, aber es ist ja auch nicht immer nett zu lesen, dass man etwas
sehen sollte was man schwer in die Hände bekommt. Doch heute wurde ich dann
doch von meinem Vorhaben überzeugt, denn ich habe herausgefunden, dass Arte
manchmal richtig toll ist. Der Sender hat nämlich eine durchaus ansprechende
Internetseite, auf ihr kann man sich auch ein paar Animationsfilme online angucken,
darunter eben auch Le Cid von Emmanuelle
Gorgiard. Einziger leiser Nachteil, der auf Arte so bekannte, meist gelbe Untertitel
ist hier leider nicht da, aber wenn man kein Französisch kann aber den Inhalt
kennt, dann ist der Film immer noch lohnenswert.
Vorlage für den Film ist die gleichnamige Tragikomödie
von Pierre Corneille , an sich ist das Stück sogar nicht nur Vorlage,
sondern einfach gekürzt (also immer noch in Alexandrinern) und anstatt
Schauspieler werden die Figuren von animierte Insekten dargestellt. Durch die Tatsache,
dass die Figuren in die Welt von Insekten (natürlich vermenschlicht) verschoben
wurden, ist auch ein anderes Ende dargestellt, vielleicht sogar nötig.
Der
Kurzfilm konzentriert sich auf die Geschichte von Chimène und Don Rodrigo (le
Cid), die beiden dem Adel entstammen. Zum Anfang gesteht Chimène ihre Liebe zu
Don Rodrigo ihrer Gouvernante (hier so was wie ein Marienkäfer). Alles könnte
so glücklich sein, denn auch Don Rodrigo ist verliebt, so dass der Hochzeit
eigentlich nichts im Wege steht, wenn da nicht ihre zwei streitbaren Väter
wären. Nach einer Beleidigung Chimènes Vater an den von Don Rodrigo fordert letztere
seinen Sohn diese Tat zu rächen. Don Rodrigo befindet sich in der Zwickmühle zwischen
Liebe und Rache. Heute würde man beides als Leidenschaften abtun, aber für
Corneille war es ganz im Sinne der Ethik von René Descartes die Frage
nach der Erfüllung der Leidenschaft oder der Pflicht, pflichtgetreu entscheidet
er sich gegen seine Liebe zu Chimène und für die Pflicht seinen Vater zu
rächen. Er tötet den Vater seiner Verlobten, was natürlich die Verbindung löst.
Chimène klagt beim König ihren
ehemaligen Verlobten an und fordert seinen Tod. Der Sieger bei einem Duell mit
ihm soll sie zur Frau bekommen, auch wenn Don Rodrigo der Gewinner sein sollte
(bei Corneille erklärt Chimène ihrer Gouvernante, dass sie selbst immer als
Verliererin dastehen würde, denn „falls Rodrigue gewinnt, heiratet sie den
Mörder ihres Vaters und falls Don Sanche gewinnt, heiratet sie den Mörder ihres
Geliebten.“[1]).
Im Duell gewinnt Don Rodrigo,
aber der Rivale Don Sanche bringt durch krumme Mittel das Schwert des anderen
in seine Gewalt und gaukelt Chimène vor, dass er sie nun heiraten dürfe. Aber
Don Rodrigo klärt die Sachlage auf, so dass er den Preis bekommt. Und jetzt
kommt es zu einem etwas anderen Ende. Die Hochzeit, nämlich im Film durch einen
Flamenco dargestellt wird abgehalten, aber Chimène kann sich anders als im
barocken Drama selbst entscheiden und ihren Willen umsetzen (sie tut etwas, was
bei Insekten öfter mal so vorkommen soll).
Die Puppen wurden extrem durch
die Anforderungen des Flamencos geprägt. Die Puppen haben 30 Gelenke, wobei
Fühler, Flügel und so was auch noch beweglich sind. Magnete in den Schuhen und
unter der Bühne/den Boden ermöglichen es, dass die Puppen frei aufrecht stehen
können.
Es gibt eine Szene in denen Don
Rodrigos Körper ganz zu sehen ist, in denen die Filmcrew zwei Stunden allein
für eine Sekunde Film gearbeitet hat. Beweis dafür, wie viel Arbeit in diesen
25-minüten Film steckt.

