Lösch mir die Augen aus

07.10.2006 um 23:07 Uhr

Animationsfilm

von: AiHua

Gestern habe ich den Animationsfilm Le Cid auf Arte gesehen und habe mir die ganze Zeit überlegt darüber hier was zu schreiben. Ich meine, der Film ist wirklich empfehlenswert, aber es ist ja auch nicht immer nett zu lesen, dass man etwas sehen sollte was man schwer in die Hände bekommt. Doch heute wurde ich dann doch von meinem Vorhaben überzeugt, denn ich habe herausgefunden, dass Arte manchmal richtig toll ist. Der Sender hat nämlich eine durchaus ansprechende Internetseite, auf ihr kann man sich auch ein paar Animationsfilme online angucken, darunter eben auch Le Cid von Emmanuelle Gorgiard. Einziger leiser Nachteil, der auf Arte so bekannte, meist gelbe Untertitel ist hier leider nicht da, aber wenn man kein Französisch kann aber den Inhalt kennt, dann ist der Film immer noch lohnenswert.
Vorlage für den Film ist die gleichnamige Tragikomödie von
Pierre Corneille , an sich ist das Stück sogar nicht nur Vorlage, sondern einfach gekürzt (also immer noch in Alexandrinern) und anstatt Schauspieler werden die Figuren von animierte Insekten dargestellt. Durch die Tatsache, dass die Figuren in die Welt von Insekten (natürlich vermenschlicht) verschoben wurden, ist auch ein anderes Ende dargestellt, vielleicht sogar nötig.
Der Kurzfilm konzentriert sich auf die Geschichte von Chimène und Don Rodrigo (le Cid), die beiden dem Adel entstammen. Zum Anfang gesteht Chimène ihre Liebe zu Don Rodrigo ihrer Gouvernante (hier so was wie ein Marienkäfer). Alles könnte so glücklich sein, denn auch Don Rodrigo ist verliebt, so dass der Hochzeit eigentlich nichts im Wege steht, wenn da nicht ihre zwei streitbaren Väter wären. Nach einer Beleidigung Chimènes Vater an den von Don Rodrigo fordert letztere seinen Sohn diese Tat zu rächen. Don Rodrigo befindet sich in der Zwickmühle zwischen Liebe und Rache. Heute würde man beides als Leidenschaften abtun, aber für Corneille war es
ganz im Sinne der Ethik von René Descartes die Frage nach der Erfüllung der Leidenschaft oder der Pflicht, pflichtgetreu entscheidet er sich gegen seine Liebe zu Chimène und für die Pflicht seinen Vater zu rächen. Er tötet den Vater seiner Verlobten, was natürlich die Verbindung löst.
Chimène klagt beim König ihren ehemaligen Verlobten an und fordert seinen Tod. Der Sieger bei einem Duell mit ihm soll sie zur Frau bekommen, auch wenn Don Rodrigo der Gewinner sein sollte (bei Corneille erklärt Chimène ihrer Gouvernante, dass sie selbst immer als Verliererin dastehen würde, denn „falls Rodrigue gewinnt, heiratet sie den Mörder ihres Vaters und falls Don Sanche gewinnt, heiratet sie den Mörder ihres Geliebten.“[1]).
Im Duell gewinnt Don Rodrigo, aber der Rivale Don Sanche bringt durch krumme Mittel das Schwert des anderen in seine Gewalt und gaukelt Chimène vor, dass er sie nun heiraten dürfe. Aber Don Rodrigo klärt die Sachlage auf, so dass er den Preis bekommt. Und jetzt kommt es zu einem etwas anderen Ende. Die Hochzeit, nämlich im Film durch einen Flamenco dargestellt wird abgehalten, aber Chimène kann sich anders als im barocken Drama selbst entscheiden und ihren Willen umsetzen (sie tut etwas, was bei Insekten öfter mal so vorkommen soll).
Die Puppen wurden extrem durch die Anforderungen des Flamencos geprägt. Die Puppen haben 30 Gelenke, wobei Fühler, Flügel und so was auch noch beweglich sind. Magnete in den Schuhen und unter der Bühne/den Boden ermöglichen es, dass die Puppen frei aufrecht stehen können.
Es gibt eine Szene in denen Don Rodrigos Körper ganz zu sehen ist, in denen die Filmcrew zwei Stunden allein für eine Sekunde Film gearbeitet hat. Beweis dafür, wie viel Arbeit in diesen 25-minüten Film steckt.



[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Le_Cid


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