Lösch mir die Augen aus

08.07.2006 um 02:03 Uhr

Benn und der Fortschritt

von: AiHua

Gedanken beim Lesen eines Zeitungsartikels:
Also Ich glaube nicht an den Fortschritt! Das ist ja nichts Neues. Ich habe ja schon mal angedeutet, dass ich nicht gerade ein Hegelianer bin. Und Gottfried Benn war es auch nicht. Womöglich könnte man ihn sogar mit der Krisentheorie von Burckhardt zusammen bringen (wenn er denn überhaupt mal so was gelesen hat, beschrieb er sich selbst doch als fernab jeglicher Kultur)… fragt sich dann eigentlich, wieso Benn zwar in Interviews immer sagte, dass er nicht daran glaube, dass die Dichtkunst die Welt bessern sollte, aber in seinem Leben durchaus mal einen Abstecher in die Weltverändererecke gemacht hat. Verbesserer aus unserer Sicht wohl nicht, aber dass er es nicht für schlecht hielt ergibt sich ja daraus, dass er es getan hat. Aufgewacht aus seinem Nationalsozialistischen Träumen ist er erst, als die ehemaligen Förderer ihn selbst abgesägt hatten… Aber aufgewacht ist er wohl.
Vielleicht hat er ja mal an den Fortschritt geglaubt, ist ja nicht verwerflich, falls Leute aber nach dem zweiten Weltkrieg noch an einen Fortschritt nach Hegel glauben, denen kann ich auch nicht mehr helfen…

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. rollblau schreibt am 08.07.2006 um 04:46 Uhr:Ich denke aber, eben diese Hoffnung auf eine Fortentwicklung ist dem Menschen immanent. Anders wären Utopien wie die \"Star Trek Gesellschaft\" / Föderation nicht zu erklären. Auch wenn ich mir immer bestätige, daß die Menschheit sich ethisch seit der Steinzeit kaum weiterentwickelt habe, will ich doch glauben, daß sie dereinst weiter sein wird... Aber ich bin andererseits realistisch genug, zu wissen, daß dieses nicht zu meinen Lebzeiten, und zu bezweifeln, daß es zu Lebzeiten meiner zehnjährigen Nichte passieren wird. Und ich weiß, daß die Welt nicht durch einen politischen Akt oder durch Kunst oder Appelle zu ändern wäre, schon gar nicht durch meine Person, sondern daß es sich dabei bestenfalls um eine schleichende Entwicklung handeln kann, die durch Problemstellungen und Bewußtseinsbildung am Laufen gehalten wird, insbesondere dann wenn Problemlösungen überlebenswichtig werden. Ich mag mich in meiner Hoffnung irren, aber ich werde die Bestätigung auch nicht erleben. Ich versuche, im kleinen Kreis Kleines zu bewirken - abhängig von meiner Tagesstimmung. ;) (Allerdings kenne ich die Schriften von Hegel nicht *aber sie stehen teilweise im Regal*). LG rollbblau
  2. AiHua schreibt am 08.07.2006 um 04:59 Uhr:ja, ich glaube schon, dass ein fortschritt möglich ist (im grunde genommen bin ich sehr idealitisch), aber ich glaube eben nicht an dieses fortschreitende, sich immer weiter ausbreitende gute, höher entwickelte. ich will nicht in stufen denken, mehr gesagt, wenn schon theoretisches modell, dann lieber sowas wie stilräume. es gibt rechts links und in gewisser weise rückschritte...
  3. rollblau schreibt am 08.07.2006 um 05:04 Uhr:Fortschritt ist evolutionär vermutlich unabdingbar, ansonsten spräche sich die Menschheit - wie ja nicht selten gemutmaßt in Zeiten von globalen Konflikten Umweltkatastrophen und verteilungsungerechtigkeiten und Bevölkerungsexplosion - ihr Todesurteil aus. Nein, nichts ist linear, da stimme ich Dir zu. Nicht einmal ich selbst oder mein Weblog. ;) Allerdings mag ich auch nicht behaupten, daß ich mich im Sinne von \"Wachsen\" weiterentwickle. Modifizieren träfe es vielleicht. LG rollblau

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