Erinnerung
Von draußen kommt das
Kindergeschrei von der Dorste-Hülshoff-Schule durch die Balkontür. Ich muss
seufzend an ein Freibaderlebnis denken. Es ist genauso heiß, die Kinder
schreien ausgelassen ihren Kameraden ins Ohr und spritzen sich das chlorverseuchte
Wasser in die Gesichter. Hier würde auch Dreiwettertafft nichts mehr retten.
Darum schwimmen auch die Frauen mit steifen Nacken und perfekt gezogenem
Lippenstift in sicherer Entfernung ihre drei Bahnen pro Stunde. Es riecht nach
Süßigkeiten, im Hintergrund schwirren Wespen und alles ist klebrig von der von Mama eingesteckten Sonnencreme.
Ich bin mit einer Freundin da,
hänge an einem der Springblöcke, die Füße treiben entspannt im Wasser. Wir sind
Kinder.
Dann paddeln etwa fünf Mädchen
auf uns zu, sie kennen meine Freundin von der Schule. Eine von ihnen zeigt auf
mich und fragt meine Freundin: „Und woher hast du deine Austauschschülerin?“
Ich kam mir vor wie ein Panninibildchen,
wenigstsnes haben sie die Werte zu dem Mädchen aus Frankreich nicht verglichen… Und
das in einer Stadt in der ich bis dahin mein Leben lang lebte und auch noch
mehrere Jahre es machen sollte.


Ich bin mal mit einem Rollstuhlfahrer unterwegs gewesen, da hat mich jemand gefragt was der Rollstuhlfahrer denn habe. Ich meine, er lag nicht im Wachkoma, er war einfach nur gelämt... Das nenne ich einfach bitter. Und das liegt vor allem daran, dass \"wir\" einfach nicht gewöhnt sind mit Menschen mit behinderungen um zu gehen.