Lösch mir die Augen aus

16.06.2006 um 16:15 Uhr

Erinnerung

von: AiHua

Von draußen kommt das Kindergeschrei von der Dorste-Hülshoff-Schule durch die Balkontür. Ich muss seufzend an ein Freibaderlebnis denken. Es ist genauso heiß, die Kinder schreien ausgelassen ihren Kameraden ins Ohr und spritzen sich das chlorverseuchte Wasser in die Gesichter. Hier würde auch Dreiwettertafft nichts mehr retten. Darum schwimmen auch die Frauen mit steifen Nacken und perfekt gezogenem Lippenstift in sicherer Entfernung ihre drei Bahnen pro Stunde. Es riecht nach Süßigkeiten, im Hintergrund schwirren Wespen und  alles ist klebrig von der von Mama eingesteckten Sonnencreme.
Ich bin mit einer Freundin da, hänge an einem der Springblöcke, die Füße treiben entspannt im Wasser. Wir sind Kinder.
Dann paddeln etwa fünf Mädchen auf uns zu, sie kennen meine Freundin von der Schule. Eine von ihnen zeigt auf mich und fragt meine Freundin: „Und woher hast du deine Austauschschülerin?“
Ich kam mir vor wie ein Panninibildchen, wenigstsnes haben sie die Werte zu dem Mädchen aus Frankreich nicht verglichen… Und das in einer Stadt in der ich bis dahin mein Leben lang lebte und auch noch mehrere Jahre es machen sollte.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. rollblau schreibt am 17.06.2006 um 02:20 Uhr:Ich kenn da immer nur die Frage : Bist Du krank? oder als Variation : Wieso hast Du so komische Hände?... Aber die Kids fragen wenigstens... LG rollblau
  2. AiHua schreibt am 17.06.2006 um 02:32 Uhr:Besser sie fragen Dich, als nur zu gaffen, oder zwanghaft weg zu gucken. Und am Besten sie fragen Dich und nicht einen Menschen neben Dir.

    Ich bin mal mit einem Rollstuhlfahrer unterwegs gewesen, da hat mich jemand gefragt was der Rollstuhlfahrer denn habe. Ich meine, er lag nicht im Wachkoma, er war einfach nur gelämt... Das nenne ich einfach bitter. Und das liegt vor allem daran, dass \"wir\" einfach nicht gewöhnt sind mit Menschen mit behinderungen um zu gehen.
  3. rollblau schreibt am 17.06.2006 um 02:46 Uhr:Das bitterste Erlebnis war, daß ein Junge in der U - Bahn seine Mutter fragte, was ich denn habe, und seine Mutter ihm eine feuerte... Solche bitteren Erfahrungen halten sich aber in Grenzen, denn meist ist die Akzeptanz recht groß, schon weil ich immer recht selbstbewußt wirke. Allerdings vermute ich ab und an auch nicht artikulierte Vorbehalte, sobald man bestimmte Grenzen überschreiten wollte - etwa arbeiten oder im Bereich Liebesleben. Es fällt mir schwer, da zwischen Paranoia und Wirklichkeit zu unterscheiden, ehrlich gesagt. Aber es kommt selten zu krisenhaften Zuspitzungen, denn ich setze die Begrenzung der menschlichen Natur inzwischen als vorhanden voraus. LG rollblau
  4. AiHua schreibt am 18.06.2006 um 01:10 Uhr:Das hört sich wirklich bitter an, also das mit dem Jungen, das andere kann ich ja nicht nachvollziehen...

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