Erniedrigung des Alltags II
Nachdem ich also schon in meiner Nachbarschaft als verunglückte Schildkröte bekannt geworden bin hat sich mein Unterbewusstsein wieder zu wahren Höhenflügen aufgeschwungen um meinem Bewusstsein mal wieder zu zeigen wer hier eigentlich Herr im Haus ist.
Nachdem ich von verschiedener Seite darauf hingewiesen wurde, dass man überall Berliner kaufen kann und ich die doch so gerne esse, habe ich mich mal von meiner Schreibarbeit abgeseilt und bin zum Bäcker. Kurz bevor ich rein bin, habe ich meine Rede geplant: „Ai Hua, denk’ daran, hier heißt das Krapfen… Krapfen, nicht Berliner. Streiche das Wort mal, die Leute denken hier noch immer nicht gerne an die Preußen. War nach ihren Maßstäben auch ungerechtfertigt, der Krieg damals… welcher auch immer.“
Während ich das noch denke stehe ich schon vor der Theke, die Verkäuferin blickt mich fragend an. Das mit den Berliner… äh Krapfen meistere ich so gerade. Überglücklich laufe ich mit meiner Tüte nach Hause vor den heimischen Rechner. Genüsslich beiße ich in den Schokoberliner (ich bin zu Hause, das ist nicht Bayern) und was ist, mein eingebauter Haselnusstest (Lunge und Speiseröhre scheinen begeisterte Hobbychemiker zu sein) schlägt Alarm!
Tagelang träume ich von einem Gebäck wie die Schwangere von den Rapunzeln und was ist? Ich muss es wieder auf den Teller legen und warten, dass es der Fanatiker isst. Das Leben ist so himmelschreiend ungerecht!!! Ich verlange Satisfaktion!!!

