Es geht mal wieder um Wirklichkeit
Eine Ausstellung. Meine
Erwartungshaltungen sind groß. click doubleclick – das
dokumentarische moment im Haus der Kunst in München. Meine Haare sind
nass, wenn ich nachher zu meinem Schließfach komme, wird aus ihm ein Rinnsal
seinen Weg zum Boden finden. Ich also nass wie ein Hund mit einem lächerlichen Pullunder
noch über meiner petrolfarbenen Strickjacke stehe ich vor einer blonden Frau
mit Lockenwickler. Sie sieht fluffig, leicht aus, ich schwer wie voll gesogenes
Mehl in dem die Klebewirkung schon eingesetzt hat. Ich bin blöd hierher zu
kommen, warum nicht morgen? Nein, ich bin einfach heute raus und hin, ohne zu
überlegen, nur mein Ausweis dabei, der mich zur Kunsthistorikerin abstempelt
und mir den Eintritt für lau gibt. Verdammt, ich merke vor dem Bild erst, dass
ich vergessen habe die Streifenkarte abzustempeln! Super, ich bin eine nasse,
kriminelle Kunsthistorikerin.
Die
Ausstellung hat trotzdem Spaß gemacht. Es ging um eine Darstellung von
Wirklichkeit, die in dem Sinne nicht dokumentarisch ist, mehr gesagt wahr ist,
wie sie in so vielen leicht verstaubten Hirnen noch rum geistert. Nein es geht um
subjektive Vorstellungen von Welt.Kann ich jetzt sagen, nachdem ich wieder zu
Hause bin, eigentlich hätte arbeiten müssen (ein bisschen ist ja schon
passiert, gleich kommt noch soo viel mehr). Ach ja, ich bin jetzt noch mehr
krimineller. Wer hätte mir das zugetraut? Und alles nur aus Vergesslichkeit.
Ich bin eben eigentlich ein Monatskartenfahrer.

