Lösch mir die Augen aus

19.04.2006 um 02:32 Uhr

Fluggesellschaften und Religion

von: AiHua

Am Mittag sah ich einen Bericht über altgläubige Orthodoxen in Sibirien. Ihr ganzes Leben ist, war durch die Religiosität geregelt. Ihr Leben ist hart. Bauern, die zwar Traktoren benutzen es aber als Sünde ansehen. Lächelnd und guten Mutes erklärt der eine Bauer, der auch gleichzeitig Priester im Ort ist und eine achtköpfige Familie versorgt, das eigentlich alles eine Sünde ist. Die Traktoren, zu spät bei seiner Frau liegen, alles eben. Aber da sie dadurch ihre Kinder versorgen hebt es sich vielleicht auf. Er wischt sich über Haar und Bart, der Bart ist Pflicht (also jetzt wirklich).
Das Dörfchen ist nicht nur aufgeregt durch das Kamerateam, denn sie sind sich nicht sicher, wie groß die Sünde ist, wenn sie sich filmen lassen (dass es eine Sünde ist, ist ja wohl klar), nein, der Metropolit aus Moskau kommt auch noch zu Besuch. Eine Familie ist dabei heiliges Brot zu backen, sie kochen insgesamt viel. Viele Gäste sind erwartet, so um die 40, eine Frau erklärt, dass das bedeutet, dass schließlich um die 60 kommen werden (geile Zählung).
Vier Stunden reisen die Geistlichen (gleichzeitig immer auch Bauern und Väter großer Familien) zu dem Flughafen über Straßen, die Mondlandschaften sind aber keine Straßen. Mit ihren Haaren und Bärten sehen sie immer unordentlich aus und aufgeregt sind sie wie wir als Vierjährige vor der Tür, wenn das Christkind seine Gaben gerade in der Stube hinterlegt (wir haben wirklich nie durch das Schlüsselloch geblickt, das Licht, welches vom Kind ausging hätte uns schließlich geblendet und erblindet). Der Metropolit (so was wie ein Bischof) steigt aus dem Flugzeug, die Leute aus Sibirien nehmen ihn unten ehrerbietig in Empfang. Der Metropolit wird durch sein Gewand und seinem Stab genauso zum Metropolit wie der eine Bauer zum Priester, umso mehr muss ich lächeln, als ich sehe, dass die Flugzeuggesellschaft es sich nicht hat nehmen lassen so ein Gepäckschildchen an den Stab zu machen. Es wirkt so, als hätten sie es auch gleich an den grauen Rauschebart des Metropoliten kleben können.
Man kann alles Mögliche gegen Regeln und Religion sagen, aber die Menschen wirkten bei all den Sünden glücklich. Jedenfalls dachte ich sowas, als ich nach dem Beitrag auf die Straße ging und fast von Polizisten überfahren wurde.


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