Fluggesellschaften und Religion
Am Mittag sah ich einen Bericht
über altgläubige Orthodoxen in Sibirien. Ihr ganzes Leben ist, war durch die Religiosität
geregelt. Ihr Leben ist hart. Bauern, die zwar Traktoren benutzen es aber als
Sünde ansehen. Lächelnd und guten Mutes erklärt der eine Bauer, der auch
gleichzeitig Priester im Ort ist und eine achtköpfige Familie versorgt, das
eigentlich alles eine Sünde ist. Die Traktoren, zu spät bei seiner Frau liegen,
alles eben. Aber da sie dadurch ihre Kinder versorgen hebt es sich vielleicht
auf. Er wischt sich über Haar und Bart, der Bart ist Pflicht (also jetzt
wirklich).
Das Dörfchen ist nicht nur
aufgeregt durch das Kamerateam, denn sie sind sich nicht sicher, wie groß die
Sünde ist, wenn sie sich filmen lassen (dass es eine Sünde ist, ist ja wohl
klar), nein, der Metropolit aus Moskau kommt auch noch zu Besuch. Eine Familie
ist dabei heiliges Brot zu backen, sie kochen insgesamt viel. Viele Gäste sind
erwartet, so um die 40, eine Frau erklärt, dass das bedeutet, dass schließlich
um die 60 kommen werden (geile Zählung).
Vier Stunden reisen die
Geistlichen (gleichzeitig immer auch Bauern und Väter großer Familien) zu dem
Flughafen über Straßen, die Mondlandschaften sind aber keine Straßen. Mit ihren
Haaren und Bärten sehen sie immer unordentlich aus und aufgeregt sind sie wie
wir als Vierjährige vor der Tür, wenn das Christkind seine Gaben gerade in der
Stube hinterlegt (wir haben wirklich nie durch das Schlüsselloch geblickt, das
Licht, welches vom Kind ausging hätte uns schließlich geblendet und erblindet).
Der Metropolit (so was wie ein Bischof) steigt aus dem Flugzeug, die Leute aus
Sibirien nehmen ihn unten ehrerbietig in Empfang. Der Metropolit wird durch
sein Gewand und seinem Stab genauso zum Metropolit wie der eine Bauer zum Priester,
umso mehr muss ich lächeln, als ich sehe, dass die Flugzeuggesellschaft es sich
nicht hat nehmen lassen so ein Gepäckschildchen an den Stab zu machen. Es wirkt
so, als hätten sie es auch gleich an den grauen Rauschebart des Metropoliten
kleben können.
Man kann alles Mögliche gegen
Regeln und Religion sagen, aber die Menschen wirkten bei all den Sünden
glücklich. Jedenfalls dachte ich sowas, als ich nach dem Beitrag auf die Straße ging und fast von Polizisten überfahren wurde.

