Lösch mir die Augen aus

02.10.2006 um 06:51 Uhr

Gedanken am Morgen

von: AiHua

Nachdem ich die eine oder andere Nacht an den Bildern für den Geburtstag meiner Mutter saß steht also genau eine Woche danach der Geburtstag meines Bruders an. Nachdem ich den Fehler begangen habe ihn zu erzählen, dass ich in Nächten von Schlaflosigkeit zu stricken angefangen habe, fing er wenig unterschwellig an zu erzählen, dass er gar keine selbst gestrickten Socken mehr hat. Dabei  hat er das meiner Mutter doch schon so oft gesagt, dass er sich gar nichts Besonderes wünscht, sondern eben nur mal ein paar schöner selbst gestrickter Socken.
Nee klar.
Gut, kriegt er eben Socken und die CD’s, die ich ihn schon immer schicken wollte. Wenigstens muss ich mir bei ihm kaum den Kopf zerbrechen was ihn denn so gefallen würde. In den zwei Wochen zuvor habe ich schließlich die ganzen Nächte vor dem weißen Blatt gesessen hin und wieder was skizziert und dann wieder verworfen. Ich sag nur, die Ideen waren wahre Geniestreiche (jedenfalls nahm ich es ohne Schlaf an), aber meiner Mutter gefällt nichts Geniales… es soll ja schließlich auch zu den Fliesen passen.
Nicht das ich mich jetzt vergleichen will, aber über meinen Mühen musste ich doch mal wieder daran denken, dass unser Kunstverständnis meistens ganz von der Wirklichkeit ab geht. Ab einer gewissen Zeit kommt es natürlich vor, aber in der gesamten Kunstgeschichte überwiegen die Werke, die nach Auftrag gearbeitet wurden. Ich meine, so ein Künstler setzt sich ja nicht mal ein Jahr an ein Bild mit teuren Materialien ohne dass er da nicht schon mal einen Käufer hat. Ist heute übrigens auch nicht ganz so untypisch wie man denken möchte. Ich denke nur an das Memento Mori vom Hai, welches in den letzten Monaten so oft in der Presse stand. Der Hai wurde schließlich extra erlegt wegen dem ganzen Brimborium und das Kunstwerk schon für eine Sammlung gekauft.
Was ich eigentlich sagen wollte: Warum muss meine Familie eigentlich so dicht aufeinander Geburtstag haben. Mein Stiefvater tanzt aus der Reihe und ehemals auch mein Vater, aber das hat sich ziemlich erübrigt; aber dann kommen sie alle Schlag auf Schlag. Irgendwie unheimlich.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. sjAlfur schreibt am 02.10.2006 um 14:59 Uhr:oder der künstler weiß schon während des kunstwerkens, dass er sein kunstwerk verkauft. genau in diesem augenblick. und er ist teil des kunstwerks. und er braucht auch selten länger als zwanzig minuten für ein bild. was bedeutet das: bob ross ist aktionskunst.

    und eigentlich ist damit auch bereits die gesamte freie marktwirtschaft aktionskunst.

    bidde, bidde!!! reine aktionskunst!
  2. asa schreibt am 02.10.2006 um 16:20 Uhr:Die langen Winternächte, u know...?

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