I lost a friend
“Slow Journalism”, beschreibt es Serrao
„Brooding” beschreibt es der eine Herausgeber vom Freund, die Schreibart der Zeitschrift, die nach ihrem achten
Erscheinung wieder Geschichte ist. Irgendwo in Nepal, in der „irren Straße“
hatte sie ihren Hauptsitz und wollte unschuldig sein, was aber die Kollegen nie
abgenommen haben. Redet der eine von „Pop-DandySäue[n]“, schimpft der andere weitaus
böser: „Versuch einiger nicht mehr ganz junger, wohlhabender und ratloser
Männer, mit hochgezogenen Augenbrauen und abgespreiztem kleinen Finger von ganz
oben herab auf die Welt zu blicken“. Kracht und „seine Popfreunde“, urteilte
Martenstein, seien peinlich, eitel und für ihr Alter unsexy.“
Und tatsächlich haben sie
vielleicht wirklich die Ironie nie abstreifen können, die sie doch nie haben
wollten, die sie leugneten.
Jedenfalls hatte das Staunen, der
Versuch außergewöhnlich zu sein ohne gewollt witzig zu sein, etwas tatsächlich
Unschuldiges an sich. Erinnert mich an den Fanatiker, an Jónsis Attitüde und
überhaupt an den ganzen Elfenelektronikkram. Attitüde hört sich immer
konstruiert an, aber der Versuch zeigt die Unschuld, zeigt eine Arroganz einer
ganz anderen Art.
Der Freund gab nicht nur Platz für langsam, zeitaufwendige Texte
über das Bosseln, sondern auch die längsten Interviews, die man so kriegen
konnte mit 25 Seiten. Das letzte Interview wird mit David Lynch sein, dem sich
die Herausgeber des Freundes in ihrer Art verbunden fühlen.
In dem Interview mit Serrao im
Tagesspiegel (alle Zitate nach dieser Quelle) kündigt Kracht das Ende der
Zeitschrift an und sagt abschließend: „Letzten Endes ist ein Freund doch der
einzige Halt, den es auf der Welt gibt.“
Ist das Ironie oder Unschuld?

