Lösch mir die Augen aus

24.03.2006 um 20:22 Uhr

"Ich hatte das Gefühl, dass konventionelle Filmgewalt eine Lüge ist"

von: AiHua

Schon erstaunlich, wenn sich Craven und seine Kollegen des Horrorgenres so definiert: „Ich werde euch die absolute Wahrheit zeigen, soweit ich sie sehe, und sie ist blutig und scheußlich und gefährlich.“
Das hat nicht nur mich verwundert, sondern auch die Interviewpartnerin des Spiegels onlines (hier der Artikel), denn die fragt darauf: „Was hat denn ein Horrorfilm mit der Wahrheit zu tun?“
Ich lese gespannt die Antwort: „Es geht um Gewalt und ihr Wesen, ihre Erwiderung durch mehr oder minder unschuldige Menschen, und welche Veränderung das für diese Menschen bewirkt. Es geht darum, welche moralische Konstellation nötig ist, um sich gegen jemanden zur Wehr zu setzen, der entschlossen ist, dich umzubringen, der körperlich sehr mächtig ist und über keine moralischen oder ethischen Grenzen verfügt.“
Hm, aber ist das Wahrheit? Das erscheint doch irgendwie so schwarzweiß gezeichnet…. Na ja, es ist wohl seine Antwort. Und das muss man ihm wohl auch zu Gute halten. Er zeigt fast immer an, dass es seine subjektive Meinung ist. Er erzählt von den Filmen, die ihm zu brutal waren, weil er Folter nicht ertragen kann, gerade wenn er das Gefühl hat, dass der Regisseur Spaß daran hat… wie im Falle Tarantinos. Aber irgendwie kann ich ihm so gar nicht zu stimmen. Sicherlich, das Gefühl der Authenzität verstärkt einige Gefühle, aber ob ich nun zeige wie ein Huhn tatsächlich abgeschlachtet wird, oder aber es so verdammt realistisch wie möglich vortäusche… Die Moralvorstellung ist da etwas schwimmend. Genauso, wie die Vorstellung Cravens, wenn er meint, mit seinem Film nicht Spaß bringen zu wollen, sondern eben nur die brutale Wahrheit. Zwar spricht er an, dass viele solche Filme als Mutprobe sehen könnten, aber meint er es wirklich ernst, dass seine Filme gesehen werden, weil Menschen sich die Augen öffnen lassen möchten? Ich denke, da versteht ihn anscheinend sein Publikum nicht, aber auch die ganze Maschinerie nicht, die seine Filme verkauft, an den Mann bringt. Vielleicht sollte er seine Sicht von sich noch mal überdenken, denn ich finde, dass seine Stellung als moralischer Filmemacher nicht gerade realistisch wirkt…


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