"Ich hatte das Gefühl, dass konventionelle Filmgewalt eine Lüge ist"
Schon erstaunlich, wenn sich
Craven und seine Kollegen des Horrorgenres so definiert: „Ich werde euch die
absolute Wahrheit zeigen, soweit ich sie sehe, und sie ist blutig und scheußlich
und gefährlich.“
Das hat nicht nur mich
verwundert, sondern auch die Interviewpartnerin des Spiegels onlines (hier der Artikel), denn die
fragt darauf: „Was hat denn ein Horrorfilm mit der Wahrheit zu tun?“
Ich lese gespannt die Antwort: „Es
geht um Gewalt und ihr Wesen, ihre Erwiderung durch mehr oder minder
unschuldige Menschen, und welche Veränderung das für diese Menschen bewirkt. Es
geht darum, welche moralische Konstellation nötig ist, um sich gegen jemanden
zur Wehr zu setzen, der entschlossen ist, dich umzubringen, der körperlich sehr
mächtig ist und über keine moralischen oder ethischen Grenzen verfügt.“
Hm, aber ist das Wahrheit? Das
erscheint doch irgendwie so schwarzweiß gezeichnet…. Na ja, es ist wohl seine
Antwort. Und das muss man ihm wohl auch zu Gute halten. Er zeigt fast immer an,
dass es seine subjektive Meinung ist. Er erzählt von den Filmen, die ihm zu
brutal waren, weil er Folter nicht ertragen kann, gerade wenn er das Gefühl
hat, dass der Regisseur Spaß daran hat… wie im Falle Tarantinos. Aber irgendwie
kann ich ihm so gar nicht zu stimmen. Sicherlich, das Gefühl der Authenzität
verstärkt einige Gefühle, aber ob ich nun zeige wie ein Huhn tatsächlich
abgeschlachtet wird, oder aber es so verdammt realistisch wie möglich
vortäusche… Die Moralvorstellung ist da etwas schwimmend. Genauso, wie die
Vorstellung Cravens, wenn er meint, mit seinem Film nicht Spaß bringen zu
wollen, sondern eben nur die brutale Wahrheit. Zwar spricht er an, dass viele
solche Filme als Mutprobe sehen könnten, aber meint er es wirklich ernst, dass
seine Filme gesehen werden, weil Menschen sich die Augen öffnen lassen möchten?
Ich denke, da versteht ihn anscheinend sein Publikum nicht, aber auch die
ganze Maschinerie nicht, die seine Filme verkauft, an den Mann bringt.
Vielleicht sollte er seine Sicht von sich noch mal überdenken, denn ich finde,
dass seine Stellung als moralischer Filmemacher nicht gerade realistisch wirkt…

