Lösch mir die Augen aus

11.03.2006 um 16:09 Uhr

In Erinnerung

von: AiHua

Man ist umgeben von Schlechtigkeit und vor allem schlechten Vorträgen. Eine meiner tollsten Referatserinnerungen in meinem Studium zählt ein Referat zu George Grosz: „Er war ein Menschenhasser“, sagt die Referentin gerne und fast ausschließlich, am Ende auf die Frage hin woran sie das festmache (übrigens nicht nur in Bezug seiner Biographie, sondern eben auch auf seine Werke hin) meint die Frau mit der unglaublich ekligen Stimme als Antwort. „Na ja, er war ein Misanthrop“!!! Blödheit in jeder Lebenslage.


George Grosz: Das Leichenbegräbnis (Widmung an O. Panizza). 1917/18. Öl auf Leinwand, 140 x 110 cm. Stuttgart: Stattsgalrie.

Na ja, vielleicht hat sie es mit Schwitters gehalten: „Mir tut der Unsinn leid, dass er bislang so selten künstlerisch geformt wurde.“[1]
Na ja, „[i]ch pfeife auf die Ideale,
Ich fraß den Apfel mit der Schale“[2]
Was bleibt einem beim Leben auch anderes übrig.



[1] Schwitter, Kurt: Das literarische Werk. Lyrik (erste Band), hg. v. Friedhelm Lach. Köln: Dumont 1998, S. 20.
[2] Schwitters 1998, S. 171.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Marcolein schreibt am 11.03.2006 um 17:19 Uhr:Das Bild ist sehr interessant und ich würde dieses sogar in die Wohnung hängen ... mag zwar eine negative Intention haben , aber das Bild spricht mich an ...



    Jakob van Hoddis

    Weltende

    \"Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

    In allen Lüften hallt es wie Geschrei,

    Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei

    Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.



    Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

    An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

    Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

    Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.\"





    Gesteigert wird diese Stimmung noch bei genau dem Werk von George Grosz . Sein Gemälde \"Das Leichenbegräbnis\" von 1917/18 , in dem er nach eigenem Bekunden ein „Gewimmel besessener Menschentiere\" abbildet , zeigt die Stadt als böse Fratze , als Moloch , der dem Untergang gewidmet ist . Grosz verbindet die Bildgegenstände durch ein Geflecht von sich überschneidenden Konturlinien und macht sie dadurch simultan . Diese Expression seiner Emotionen drückt er durch diese zeitgenössische Malweise aus !
  2. AiHua schreibt am 11.03.2006 um 17:39 Uhr:Neue Sachlichkeit, vielleicht auch Magischer Realismus eben. Soll ja Leute geben, die immer noch, mehr gesagt wieder von wegen Neo-mäßig arbeiten. Ja, so wie es ja auch weiterhin Symbolisten gibt.
  3. AiHua schreibt am 11.03.2006 um 17:48 Uhr:Von den Leuten der neuen Sachlichkeit gefallen mir persönlich vor allem Schaad und Dix, ganz persönlich mag ich die Bundstiftzeichnungen, oder die so wirkenden Bilder von Grozs beispielsweise weniger. Darum hier ja auch Öl in eher flächiger Textur (wenn man Grosz mit Grosz vergleicht).
  4. Marcolein schreibt am 11.03.2006 um 17:56 Uhr:Es gibt bei den Expressionisten schon wirklich sehr anregende , die wirklich einen bleibenden Eindruck auf einen lassen ... aber vieles ist auch nicht so mein Fall ...



    Eines meiner Lieblingsbilder ist von Munch \"Der Schrei\" , ich saß eine halbe Stunde davor und es ist nicht langweilig geworden ... perfekt !

    Ist ja auch in der Diebstahlsrate sehr hoch (ich glaube 7-8 mal wurde das schon geklaut ..., wenn da mal keine Fälschung im Museum hängt *lach*)
  5. AiHua schreibt am 11.03.2006 um 18:49 Uhr:Er hat den Schrei ja öfter gemalt und tatsächlich ist eine des bekanntesten seit einem Jahr schon von völligen Deppen einfach tagsüber gestoglen worden. Sie hatten überhaupt keine Ahnung, hatten selbst noch nicht mal einen Plan vom Museum im Kopf. Vielleicht kommst es ja wieder ans Licht wie das Salzfäschen in Wien.
  6. Marcolein schreibt am 11.03.2006 um 21:07 Uhr:Naja , die Typen haben auf jeden Fall einen Preis für besonders bescheuerte Leistung mit dem größten Erfolg verdient ....

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