Kaffee mit Milch hat eine schöne Farbe
Es ist früher Mittag, das Lokal
ist noch nicht voll, aber so langsam kommen mehr Leute um zu essen. Bei mir am
Tisch trinken sie Cola, ich Kaffee. Sie besprechen ihren Stoff durch,
diskutieren wieso eine Formel so lautet und wie man sie herleitet, so dass man
sie nicht auswendig lernen muss. Ich weiß, egal wie ich es kapieren würde, ich
würde die Formel auswendig lernen. Ich bin kein Mathegenie, auch wenn der
IQ-Test meint ich würde mathematisch-analytisch sein. Oh Mann, wie war das mit
der Transferleistung bei der Vektorrechnung in meinem Abitur? Ein schrecklich Kapitell
und es ist unwiederbringlich vorbei, auch wenn ich tatsächlich noch davon träume
und es sind Alpträume. Aber hier ist das egal. Ich bin nicht dabei um zu
verstehen, ich habe meinen eigenen Stoff, der zwar nicht konträr läuft, aber
noch nicht mal eine Passante zu sein scheint. Aber er ist interessant, ich habe
genug zu tun.
Trotzdem höre ich nicht nur dem
Gespräch an meinem Tisch zu, sondern auch dem am Tisch gegenüber. Auch wenn ich
nicht wollte, ich kann es nicht ausblenden wie meine Begleiter, die angeregt in
ihren Zeichnungen verbessern. Zwei, ein Mann mit unheimlich lauter Stimme und
eine Frau, die sich herausgeputzt hat. In den 80er, die Zeit, aus der ihr
türkises Kleid stammt, war sie längst nicht mehr jung gewesen, trotzdem hat sie
außer dem Kleid noch goldene Ohrringe und Schminke den 80ern entnommen. Sie
isst Nudeln, sie sollte noch mehr essen, vielleicht würde sich die dünne Haut
dann etwas entknittern, sie ist sehr dünn. Der Mann ist relativ dick und
mindestens halb so alt wie sie. Es macht ihn nicht sympathischer. Er redet
darüber, dass alle ja nicht Mozart singen könnten, weil sie nur Bach gelernt
hätten.
Aha, Chor und dann noch
Mozartjahr. Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee, er ist gut.
„Mozart hat eine ganz andere
Qualität!“
Ach wirklich?
Sie nickt bestätigend: „Er ist
viel lustiger.“
Er wieder: „Ja, viel verspielter.
Bach ist viel ernster.“
Ich muss lachen, bitte aber
gleichzeitig um Taubheit. „Der Geist ist ein Wühler“, lese ich zum wiederholten
Male und muss nicken.
An meinem Tisch unterhalten sie
sich wie Spulen gewickelt sind…


frohe Ostern ^^