Lösch mir die Augen aus

16.04.2006 um 06:13 Uhr

Kaffee mit Milch hat eine schöne Farbe

von: AiHua

Es ist früher Mittag, das Lokal ist noch nicht voll, aber so langsam kommen mehr Leute um zu essen. Bei mir am Tisch trinken sie Cola, ich Kaffee. Sie besprechen ihren Stoff durch, diskutieren wieso eine Formel so lautet und wie man sie herleitet, so dass man sie nicht auswendig lernen muss. Ich weiß, egal wie ich es kapieren würde, ich würde die Formel auswendig lernen. Ich bin kein Mathegenie, auch wenn der IQ-Test meint ich würde mathematisch-analytisch sein. Oh Mann, wie war das mit der Transferleistung bei der Vektorrechnung in meinem Abitur? Ein schrecklich Kapitell und es ist unwiederbringlich vorbei, auch wenn ich tatsächlich noch davon träume und es sind Alpträume. Aber hier ist das egal. Ich bin nicht dabei um zu verstehen, ich habe meinen eigenen Stoff, der zwar nicht konträr läuft, aber noch nicht mal eine Passante zu sein scheint. Aber er ist interessant, ich habe genug zu tun.
Trotzdem höre ich nicht nur dem Gespräch an meinem Tisch zu, sondern auch dem am Tisch gegenüber. Auch wenn ich nicht wollte, ich kann es nicht ausblenden wie meine Begleiter, die angeregt in ihren Zeichnungen verbessern. Zwei, ein Mann mit unheimlich lauter Stimme und eine Frau, die sich herausgeputzt hat. In den 80er, die Zeit, aus der ihr türkises Kleid stammt, war sie längst nicht mehr jung gewesen, trotzdem hat sie außer dem Kleid noch goldene Ohrringe und Schminke den 80ern entnommen. Sie isst Nudeln, sie sollte noch mehr essen, vielleicht würde sich die dünne Haut dann etwas entknittern, sie ist sehr dünn. Der Mann ist relativ dick und mindestens halb so alt wie sie. Es macht ihn nicht sympathischer. Er redet darüber, dass alle ja nicht Mozart singen könnten, weil sie nur Bach gelernt hätten.
Aha, Chor und dann noch Mozartjahr. Ich nehme einen Schluck von meinem Kaffee, er ist gut.
„Mozart hat eine ganz andere Qualität!“
Ach wirklich?
Sie nickt bestätigend: „Er ist viel lustiger.“
Er wieder: „Ja, viel verspielter. Bach ist viel ernster.“
Ich muss lachen, bitte aber gleichzeitig um Taubheit. „Der Geist ist ein Wühler“, lese ich zum wiederholten Male und muss nicken.
An meinem Tisch unterhalten sie sich wie Spulen gewickelt sind…

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Marcolein schreibt am 16.04.2006 um 16:46 Uhr:---

    frohe Ostern ^^
  2. AiHua schreibt am 16.04.2006 um 20:55 Uhr:Danke gleichfalls, aber von wegen Ostern habe ich schon einen Eintrag vorher was.
  3. Marcolein schreibt am 16.04.2006 um 22:01 Uhr:jaja ^^

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