Lösch mir die Augen aus

08.03.2006 um 16:20 Uhr

Mal wieder!

von: AiHua

Es schneit, da werfe ich doch mal ein Auge nach hinten. Ich sitze mit dem Rücken zum Fenster an meinem Schreibtisch. Heute Morgen schmolz ja schon einiges wieder weg, aber jetzt legt sich auf die meterhohen Schneeberge wieder jungfräuliche Weiße. Wieso muss ich eigentlich gerade an Maria denken. Na ja, unberührt und Gefäß des heiligen Geists. Wer denkt da nicht an die tollen kleinen Stillleben auf den Rückseiten von Mariendarstellungen, oder aber auf ihnen selbst. Die Vase, als Sinnbild für Maria als Gefäß Gottes, und in ihr die weiße Lilie dafür stehend, dass Maria eben unbefleckt empfangen hat. Und das alles wegen einem Übersetzungsfehler! Die junge Frau wurde mal eben zur Jungfrau und nach einigen Konzilen hat man Jesus menschlich und übermenschlich zugleich gemacht, als man entschied, dass er zwar als Mensch geboren wurde, aber göttlich empfangen. Dass dann Josephs Stammbaum später als Legitimierung für Jesus königliche Ansprüche diente, ist bestimmt nicht soooo wichtig.
Viel toller finde ich ja auch noch, dass Anna (die Mutter von Maria) ja auch jungfräulich empfangen musste, damit Maria schließlich wirklich ganz ohne Erbsünde ist und so auch in den Himmel auffahren konnte, na ja und es auch wert war jesus Mama zu sein! Mann, das hat Jahrhunderte gedauert, bis  das alles ausgetüftelt war.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Marcolein schreibt am 08.03.2006 um 21:09 Uhr:Ich finde es doch interessant , wie man von Schnee auf die jungfräuliche Maria kommt . Diese Überleitung hast du aber echt geschickt gesponnen ^^

    Man fragt sich immer , wie man das nur alles zurecht gelegt hat , damit es mit der Bibel vereinbar ist ...

    Ein altes Buch , voller Weisheiten und Vorschriften und davon gibt es bis heute keine Neuauflage ???

    Immer noch werden diese alten Erfahrungen gepredigt ?

    Sollte man es nicht auch an die Zeit anpassen ?

    Ich persönlich finde einen gesellschaftlichen Rahmen exentiell , dies auch das selbe mit dem religiösen . Würden die Menschen ohne diese nicht umherirren ?!

    Dem bist du ja schon in deinen letzten Comments nachgegangen ...

    Doch Kirche muss sich auch anpassen , auch wenn sie eine Tradition hat . Man darf Tradition nicht zum Rückstand kommen lassen ; genauso ist es mit der Ethik : eine Ethik ist in frühen Zeiten aufgestellt worden , die anthropozentrisch ist , also an Vernunftswesen gerichtet ist (Mensch zu Mensch) . Doch hat die Technik & Technologie nicht zu große Fortschritte gemacht , um an dieser alten Ethik festzuhalten ?

    Hans Jonas würde nun sagen , man müsse eine neue Ethik begründen , eine die auch biozentrisch (die Natur betreffend) ist , denn der Mensch hat die Biosphäre durch die Technik unterworfen und muss somit auch die Verantwortung dafür übernehmen . Deshalb gibt es nach seiner Überlegung nur eine Möglichkeit : er beruft sich auf Kant und seinen kathegorischen Imperativ und formt ihn um .........

    Die Technik ist vorangeschritten , darf die Ethik auf dem gleichen Stand bleiben oder ist es die Pflicht eines jeden einzelnen diese voranzutreiben , um die Hochtechnologie aufzufangen ?
  2. AiHua schreibt am 08.03.2006 um 21:48 Uhr:Es ist ja nicht so, als wäre die Kirche tatsächlich immer ehernd gelcih geblieben. Über die Jahrhunderte verformte sie sich und zwar vollkommen willentlich. Natürlich reagierten sie auf Entwicklungen, beispielsweise Frauenkult (wenn wir schon beim Thema Frau waren), was schließlich erstmals nicht vorgesehen war. Wie bindet man das also alles ein? Es hätte sich natürlich auch anders entwickeln können...

    Auf die schnelle Wandlung der Gesellschaft zu reagieren fällt dann natürlich Relegionen äußerst schwer, haben sie doch auch zum großen Teil gesellschaft geformt, das scheint jetzt in unserem Kulturkreis nicht mehr möglich.



    \"Neue\" Regeln also für unsere Kultur scheint die Ethik, vielleicht auch die Menschlichkeit zu bieten. Hört sich naiv an, ist es auch. Ich habe nicht sehr viel Angst darum, dass man an einer alten Ethik sich fest halten könnte, viel eher, dass man eine alte Ethik meint zu benutzen und dabei nicht bemerkt, dass sich die Bedeutung der begrifflichkeiten längst verschoben hat.
  3. Marcolein schreibt am 09.03.2006 um 18:43 Uhr:Du hast vollkommen recht , wenn du behauptest , dass sich die Bedeutung der Begrifflichkeit längst verschoben hat .

    Jedoch will ich noch einmal zu Blogge bringen , dass viele verschiedene Gruppen & Gruppierungen (meistens religiöse) noch an althergebrachten Traditionen mit den althergebrachten Ethiken und Gesetzen festhalten , obwohl eigentlich dies nur Schaden in der heutigen Zeit mit sich führt , auch wenn man dies nicht durch eine Modernisierung aufahlten kann ; deshalb will ich an einem Beispiel dies einmal differenziert erläutern :

    Das beste Beispiel dafür ist der Islamismus , oder wie es richtig heißt : der \"islamische Fundamentalismus\" .

    Dieser scheint vor allem mit seinen verheerenden Auswüchsen , heute überall gegenwärtig zu sein . Un doch ist er \"im Westen\" weitgehend unverstanden .

    Repräsentiert er nun den \"wahren\" Islam, wie er selbst behauptet , oder gerade nicht ?

    Will er wirklich Terror verbreiten und ausüben , nur um seine Ansicht herauszustellen ?

    Wie steht er wirklich zur westlichen Moderne und ist er als \"Antimodernismus\" korrekt beschrieben ?

    - Diese Fragen stellen sich , wenn man aus der westlichen Sicht nun an dieses heikle Thema rangeht und es auch nicht nur oberflächlich mit Vorurteilen abtut !

    Es gibt auch in der islamischen Welt viele Gelehrte und Kämpfer für eine moderne islamistische Ordnung , die Authentizität der Tradition mit der notwendigen Modernisierung verknüpfen wollen . Insbesondere wird auch die Frage nach einer Anwendung des islamischen Rechts auf die Moderne bedacht - dazu kann ich aber leider nicht mehr sagen , da ich mit diesen Gedanken und Volkstümlichkeiten , deren Tradition und Recht , nicht vertraut bin .

    Es kristallisiert sich jedoch deutlich heraus , dass bei allen Gemeinsamkeiten zwischen den Flügeln des Islamismus doch schon im Ansatz strukturelle Differenzen bestehen , die über rein taktische Fragen (etwa zur Gewaltanwendung) weit hinausreichen .

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