Lösch mir die Augen aus

09.03.2006 um 12:43 Uhr

Nicht nur Schokolade kleidet sich in Lila

von: AiHua

So, und weil auch da mit dem Blick gespielt wird, ein Bild. Zufälligerweise mal wieder was in Lila, dabei mag ich Lila gar nicht so gerne, ich denke, darauf würde man jetzt wohl nicht sooo leicht kommen.



Das Bild ist eigentlich als Paar gedacht, bei dem Mann daneben (übrigens, vor allem in Gelb) geht es nicht um das Sehen, sondern eben um das Nichtsehen, wobei ja schon dieses Bild hier thematisiert, dass der Blick nicht ganz offen ist. Aber "Gelb" befindet sich noch in Arbeit.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. To01 schreibt am 09.03.2006 um 14:54 Uhr:gelb und lila ergänzen sich so unschlingend fein, prima! ich mag\' das bild und warte begierig auf den zweiten teil!
  2. AiHua schreibt am 09.03.2006 um 15:25 Uhr:das kann leider noch etwas länger dauern, ich habe nämlich vorher noch einge andere Arbeiten zu erledigen...leider.



    Freut mich aber, dass es Dir gefällt.
  3. Marcolein schreibt am 09.03.2006 um 18:25 Uhr:Wow , nicht nur , dass du hier in einer so adequaten Weise über die verschiedensten Themen außerst , nein , du bist auch noch künstlerisch begabt !

    Super , Kunst ist auch ein mir sehr zugewandtes Thema ...



    Nun zum Bild : Deine abstrakte Malweise macht aus deinem Werk ein Kunstwerk . Natürlich malen ist keine Kunst , das kann ein Fotoapparat viel besser . In der Kunst geht es um Neues , um seine Gedanken , Gefühle und Eindrücke festzuhalten und den Betrachtern mitzuteilen . Dazu ist ein neutrales , perfekt imitiertes Werk der Realität nicht in der Lage !

    \"Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen .\" (Johann Wolfgang von Goethe)

    Es sei erstmal dahingestellt , ob dieses Bild mir in der Farbwahl gefällt oder nicht , entscheidet ist , dass es eine Botschaft vermittelt . Diese Frau , stellvertretend für alle , soll das Nicht-Sehen symbolisieren . Nur durch einen verstohlenen Blick wird die Brücke zum Betrachter geschlagen und man wird dadurch in das Werk involviert .

    Ich hoffe ich liege damit richtig ... auf jeden Fall wird deine Intention deutlich , nämlich , dass viele (wenn nicht alle Menschen) ihr Sinne nicht ausschöpfen (hier der Seh-Sinn) und dass sie somit blind durch das Leben laufen .



    - Die Kunst , das ist der Mensch hinzugefügt zur Natur , die er entbindet , die Wirklichkeit , die Wahrheit und doch mit einer Bedeutsamkeit , die der Künstler darin zum Ausdruck bringt .

    \"Die Kunst ist das Mikroskop , das der Künstler auf die Geheimnisse seiner Seele einstellt , um diese allen Menschen gemeinsamen Geheimnisse allen zu zeigen .\" (Lex Polstoi)



    Du hast wirklich ein Bild geschaffen , welches zum Nachdenken anregt . Und darum geht es in der Kunst ...



    Liebe Grüße ,

    Marco
  4. AiHua schreibt am 10.03.2006 um 01:32 Uhr:Einen Fotoapparat als natürlich zu bezeichnen ist auch nur eine Sicht des Betrachters. Nicht nur, dass da wieder ein bestimmtes Sehen gelernt werden muss (Menschen, die noch nie Fotos gesehen haben, oder gar Filme, müssen das erst lernen \"richtig\" zu sehen), nein, die Kamera ist natürlich auch nie \"wahr\", wenn man wahr als objektiv bezeichnet. Objektivität gibt es nicht. Und so meine ich auch, dass manche Menschen verbrettert (oder halb von ihren Händen verdeckt) gucken, sondern alle. Jeder guckt von seiner Seite höchst subjektiv. Objektivität ist einfach nicht möglich. Egal ob im Empirischen, a priori oder was weiß ich. Keine Ahnung wo wir gerade sind, aber das ist jedenfalls das, was man sicherlich sinnvoll aus der Postmoderne lernen konnte. Sowas wie Fotorealismus ist eben auch nicht realer, als ein Künstler, der naiv, sureal oder was weiß ich malt...
  5. AiHua schreibt am 10.03.2006 um 01:40 Uhr:Ach ja, genau dass, greift auch wieder das mit der Begrifflichkeit auf. Kunst ist nicht gleich Kunst. Es gibt verscheidenen Definitionen zu einem Begriff wie Kunst. Manche sind historisch (also historisch begründet), andere wiederum anderer Art.

    Beispielsweise gibt es Kulturen, in denen es eigentlich keine Kunst gibt. Es ahndelt sich beispielsweise um Kultgegenstände etc. Aber auch bei uns, ist der Kunstgedanke eigentlich ein recht neuer. Wenn man sich beispielsweise eine Pieta von Micheangelo anguckt, spricht man heute von großer Kust, damals war es zum größten Teil wohl eben Andachtsbild (Wobei natürlich mit der Renaissance gerne der Punkt gesetzt wird, indem sich das ändert... ob es denn so ist, ist dann wieder eine andere Frage.)

    Die Sache bei allem scheint mir zu sein, dass ich flexibelo sein will (ohne komplett verloren zu gehen), dabei sind wir natürlich eben doch in Methoden, Denkstrukturen gefangen. Aber teilweise können wir sie benennen, sind uns wenigstens bewusst, dass egal was (und sei es Geschichte) wandelbar ist und dabei gar nicht mal falsch.
  6. Marcolein schreibt am 10.03.2006 um 14:52 Uhr:Um nochmal auf die Kunst einzugehen :

    Ich sage damit auch nicht , dass ein Foto real ist ! Ich sage ledigtlich , dass ein Foto die Auffassung der reellen Welt am ehesten entgegenkommt , wie auch immer man die reelle Welt definieren mag (der Baum , den wir sehen , ist nicht real , er ist in seiner Beschaffenheit und Farbe zwar unter den Menschen unbestreitbar , aber was sehen andere Tiere ? - es gibt also keinen Realismus und keine Wahrheit in dieser Definition) .

    Du sagst , dass es Kulturen gibt , in denen eigentlich keine Kunst gibt - das ist wirklich eine andere Definition von Kunst !

    Du definierst Kunst somit als eine gezielte Schaffensweise von etwas , dass unter vielen in einer bestimmten Epoche als ... ach , was weiß ich , habe mich verfranzt *lach*

    Will damit eigentlich nur sagen , dass der Begriff \"Kunst\" erstmal zu definieren ist .

    Kunst ist wirklich nicht gleich Kunst !

    Aber persönlich kann ich einem allgemeinen Zitat von Georg Wilhelm Friedrich Hegel zustimmen :

    \"Das allgemeine und absolute Bedürfnis , aus dem die Kunst [...] quillt , findet seinen Ursprung darin , daß der Mensch denkendes Bewußtsein ist , d.h. daß er , was er ist und was überhaupt ist , aus sich selbst für sich macht .\"



    Kunst ist demnach immer subjektiv

  7. AiHua schreibt am 10.03.2006 um 15:29 Uhr:Ja genau, ein Fotoapparat kommt den meisten unserer Kultur (immer noch) am ehesten an die Realität ran, wobei man ja selbst da Abstriche machen muss. Das menschliche Auge fokusiert, das Foto zumeist nicht.



    Und schon bei dem Hegelzitat wird klar, dass es eben nicht allgemein ist. Es gibt \"Kunstwerke\" auch in unserer Kultur, die nicht für einen Menschen gedacht sind. Ofpfergaben im Religiösen etc.



    Und auch wieder ja, ich bin auch der Meinung, auch ohne Hegel (denn seine Enwicklung der Geisteswissenschaft zweifle ich an, dieser Geist, der über allem wabert... vor ein paar Jahren war ich da noch ganz begesiert) das Kunst subjektiv ist, wie man auch immer Kunst definiert (denn es gibt schließlich auch Kunst für Menschen nicht von Menschen ->wenn man mal nicht darauf eingeht, dass irgendwann die Maschinen, auch wenn sie sich selbst weiterentwickeln von Menschen konstruiert wurden). Schließlich ist der Mensch subjektiv, alles von ihm muss auch subjektiv sein.
  8. Marcolein schreibt am 10.03.2006 um 19:08 Uhr:logische Schlussforlgerung !

    Punkt aus Ende *g*



    oder doch nicht ???



    In unserer Gesellschaft wird Objektivität in vielen Bereichen verlangt , auch wenn ich dir mit deiner Schlussfolgerung zustimmen würde ...

    Wenn Menschen andere Menschen - in der Schule Lehrer Schüler - beurteilen sollen , so muss subjektives Erkennen anderen Menschen gerecht werden . Somit müssen Subjekte zu objektivem Urteil fähig sein . Aber kann dies sein ?

    Die Definition von Objektivität ist : Eine Messung gilt dann als objektiv , wenn verschiedene Untersucher desselben Merkmals unabhängig voneinander zu demselben Messergebnis kommen . Anders gesagt : eine Messung ist dann objektiv , wenn subjektive Einflüsse der Untersucher möglichst ausgeschaltet werden können .

    ZB : Die Begriffe „reliability\" und „validity\" werden in der Fachsprache nicht einheitlich verwendet .

    Erst recht gilt das für deren Übertragung in die Begriffe „Zuverlässigkeit\" und „Gültigkeit\" .

    Sie sind nicht aus sich selbst verständlich ; also bedarf es für ihre Bedeutung und Verwendung einer Übereinkunft .



    Also die moral von der Geschicht\' :

    Du siehst alles im subjektiven Licht\'


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