St. Peter und Zwillinge im afrikanischen Urwald
In meinem Grundstudium besuchte
ich bei Schütze die Vorlesung Römischer
Barock. Da es sich um Schütz handelte und römischer Barock schon an sich
sprechend ist, wusste ich, dass es um Architektur ging. Es kann kaum um etwas
anderes gehen. Gut, darauf war ich also eingestellt, allerdings war ich nicht
die einzige, die sich im Laufe des Wintersemesters wunderte, dass wir kurz vor
Weinachten immer noch die Baugeschichte von St. Peter durchnahmen (ich weiß,
die ist lang und auch Bramante ist ganz entscheidend für die Entwicklung im
Barock). Eine Stunde nach Weinachten sagte dann Schütz zum Auditorium: „Sie
wissen es vielleicht, aber eigentlich heißt die Vorlesung St Peter und der Römische Barock. Wenn es mir nicht vorher klar war,
jetzt wusste ich auf jeden Fall, dass die ewige Stadt extrem geprägt durch den
Peters Dom war und ist. Und obwohl mir dort auch gesagt wurde, dass ein Kunsthistoriker
mindestens ein Mal im Jahr in Rom sein muss war ich noch nie dort. Vielleicht
sollte ich das machen, wobei ich ja auch in Florenz war und nicht gestorben
bin. Ich sag’ mal, vielleicht muss ich dann auch nicht nach Rom (auch wenn ich
ja schon mal will, wenn nicht schon wegen St. Peter, dann doch wegen Boromini,
und weil ich zum Trotz zu Schütz an Ort und Stelle sagen will, dass eine runde
Kuppel genauso spannend sein kann wie ein Oval [und kommt mir jetzt nicht mit
der Physik]).
Weshalb ich aber eigentlich
angefangen habe zu schreiben ist, dass Schütz am Ende der Vorlesung natürlich
wieder zu St. Peter zurückkehrte.
Anstatt aber die gewohnten Ansichten uns zu zeigen ließ er seinen Diaschieber zwei uns vollkommen unbekannte Ansichten auf die Wand projizieren. Und nach einiger zeit meinte er: „Es ist gut, dass ein paar die Stirn runzeln. Das ist nämlich nicht Rom.“
Zweifellos, Rom hat keine grünen Wiesen um St. Peter und erst recht keine Wellblechhütten. Der gute Witzbold (ich bin kein Schützling) hat sich den Scherz erlaubt uns Notre-Dame de la Paix zu zeigen. Das ist der irrsinnige Bau einer Basilika, die der Präsident der Elfenbeinküste dort hin klatschte. Übrigens mit italienischem Marmor und französischen Fenstern. Eine Zwillingsschwester von St. Peter, in Größe insgesamt etwas kleiner, dafür etwas höher und von 1986-89. Ein Wahnsinn. Abends hat übrigens die Stadt kein Strom, weil die Kirche beleuchtet wird. Nicht nur deswegen hat der Papst die Kirche lange nicht gesegnet. Ist ja schon bescheuert wenn die Weltkirche, die Mutter noch mal irgendwo in Afrika steht, aber der Petersplatz war dann doch nicht drin, hätte vielleicht inmitten des Grüns auch lächerlich gewirkt. Schon verrückt, dass solche Bauten noch realisiert werden können, wobei einige der heutigen Paläste von Diktatoren, Herrschern und was da sonst noch kreucht und fleucht sind auch nicht übel...

