Lösch mir die Augen aus

14.03.2006 um 02:50 Uhr

Verweigerung?

von: AiHua

Rilke hat keine Lust mehr. Man könnte meinen, dass er vor Glück nur so übertrieft, jedenfalls sieht er so aus. Aber ist jemand glücklich, der das Essen verweigert?
Vorgestern hat er noch gefressen, aber jetzt... (Mein Hirn ist durchweicht, ich seh' die Grenzen nicht mehr. Was ist wahr, real...) Er wird noch sterben (Rilke ist schon tot). Oje.

Der Auszug des verlorenen Sohnes

Nun fortzugehn von alledem Verworrnen,
das unser ist und uns doch nicht gehört,
das, wie das Wasser in den alten Bornen,
uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört;
von allem diesen, das sich wie mit Dornen
noch einmal an uns anhängt - fortzugehn
und Das und Den,
die man schon nicht mehr sah
(so täglich waren sie und so gewöhnlich),
auf einmal anzuschauen : sanft, versöhnlich
und wie an einem Anfang und von nah;
und ahnend einzusehn, wie unpersönlich,
wie über alle hin das Leid geschah,
von dem die Kindheit voll war bis zum Rand -:
als ob man ein Geheiltes neu zerrisse,
und fortzugehn: wohin? Ins Ungewisse,
weit in ein unverwandtes warmes Land,
das hinter allem Handeln wie Kulisse
gleichgültig sein wird: Garten oder Wand;
und forzugehn: warum? Aus Drang, aus Artung,
aus Unverständlichkeit und Unverstand:

Dies alles auf sich nehmen und vergebens
vielleicht Gehaltnes fallen lassen, um
allein zu sterben, wissend nicht warum -

Ist das der Eingang eines neuen Lebens?

(spricht Rilke eindringlich und leise zu mir in der Nacht. Und wenn man Stimmen hört, die nicht im realen Ort auszumachen sind, dann geht man am Besten schlafen.)

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