Weil ich eigentlich arbeiten muss
Während ich meiner Mutter über
das Telefon versuche zu erklären wie sie Word bedient krame ich weiter nach
Anfangssätzen.
Ich verwirre meine Mutter, als
ich bei dem ersten Satz lachen muss. Die weiß ja nicht, dass ich
zwischenzeitlich noch lese und mit Sorge auf meine kunstgeschichtliche
Methodenarbeit schiele.
„Genau genommen gibt es >die Kunst< gar nicht“[1]
Aufgrund des zweiten Satzes ticke ich aber nahezu ganz irre aus, denn da
schreibt doch der gute Gombrich, dass es nur Künstler gäbe. Hallo! Und ich
schreibe gerade über zwei Vertreter der Kunst nach Aufgaben, Kunstgeschichte
ohne Künstler, Kunsteinteilung in Epochen… Aber ich beruhige mich auch wieder (meine
Mutter sagt mir gerade, dass sie kein Blatt vor sich sieht…).
„Als Peter Glück zehn Jahre alt war, sagten ihm die Erwachsenen
manchmal, er sei ein >>schwieriges<< Kind.“[2] Da
mein Bruder schwieriger war, sagte man mir das nicht. Vielleicht würde meine
Mutter mich dann heute nicht mit dem Schreibprogramm löchern.
Bei dem nächsten Satz komme ich
von den Erinnerungen ins Schmunzeln. Ein guter Anfang.
„Manche Dinge beginnen vor anderen.“[3] Was
mich gleich auf das nächste Buch vorbereitete, welches mit einer Vorbemerkung
des Autors beginnt: „Dieses Buch ist
entstanden, weil ich hungrig war.“[4] Der Roman selber
beginnt zwar auch mit einer Selbsterkenntnis, aber doch von anderer Art: „Ich hatte so viel gelitten, ich war ein
finsterer und trauriger Mensch geworden.“[5] Schwere Worte für
jemanden, der Hunger hat. Meine Mutter ist wütend, wenn sie Hunger hat. Jetzt
anscheinend nicht. Obwohl sie mich nicht versteht ist sie ganz ausgelassen…
„Der Künstler ist der Schöpfer schöner Dinge“[6] Ahhhh, haben sich
die Bücher gegen mich verschworen? Schon wieder der Künstler im Mittelpunkt von
Kunstbetrachtung! Na ja, Wilde war vor Wölfflin. Mich schockt also auch gar
nicht mal mehr der nächste Anfangssatz. Ich empfinde ihn sogar als unheimlich
schön fürsorglich: „Wenn du gern
Geschichten mit Happy End liest, solltest du lieber zu einem anderen Buch
greifen.“[7] Ähnlich
betrüblich, aber weitaus beklemmender griff meine Hand nach dem nächsten Buch.
Das Buch, welches mich tatsächlich in einen Zustand von Nervenfieber gestürzt
hat (um mal romantisch zu sprechen). „Der
Schnee in den Bergen schmolz schon, und Bunny war seit ein paar Wochen tot, ehe
uns der Ernst unserer Lage allmählich dämmerte.“[8]
Ich beruhigte mich also erstmal
wider mit dem Satz: „In unserer Familie
gab es keine klare Trennungslinie zwischen Religion und Fliegenfischen.“[9] Nachdem ich das
Buch wiederholt nach langer zeit wieder gelesen hatte, habe ich es gleich dem
Fanatiker vorgelesen. Ich wusste, dass es ihm gefallen würde. Es hat Humor,
weil es gelebt erscheint, aber eben auch Tiefe, weil es gelebt erscheint.
Meine Mutter hat es tatsächlich
geschafft den Text auszudrucken, er sieht sogar so aus, wie sie es sich
vorstellt… Ich will vergessen.
[1] Gombrich, E. H.: Die Geschichte der Kunst, überarbeitete, erweiterte und neu gestaltete 16. Ausgabe Berlin: Phaidon 2001, S. 15.
[2] McEwan: Der Tagträumer. Erzählung, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Zürich: Diogenes 2000, S. 9.


Dabei fällt mir aber ein, dass es tatsächlich so größenwahnsinnige Menschen gab. \"nec pluribus impar\", Ludwig XIV. als Sonne, der mehrere Planeten überstrahlen konnte mit seiner so wohltuenden Wärme... Äh, wie bin ich jetzt ach so...
To01, wenn Du schon kein Breitmaulforsch bist (der dreibeinig übrigens in der chineischen Mythologie im Mond wohnt oder es selber ist), dann bist Du wenigstens eine strahlende Sonne. Das ist doch auch was.
(Hm, ist cshon spät, da ist mir die Logik egal).