Wüste der Gedanken
Zuhören kann so anstrengend sein.
Das habe ich mal wieder gemerkt, als ich mich heute Morgen in einem Hörsaal wieder fand, der sinniger Weise total beheizt war.
Wieso war ich da, das habe ich mich schon nach einer Stunde gefragt? Und dabei hatte ich noch einige Stunden vor mir. An sich schnell gesagt, eine interdisziplinäre Tagung in Kunstgeschichte und Philosophie mit dem schönen Thema Bild und Zeit. Temporalisierung in der bildenden Kunst und Kunsttheorie um 1800 und seitdem. Ja, also an sich ganz nett, doch meine persönlichen interdisziplinären Erfahrungen hätten mich warnen sollen und vor allem meine Erfahrungen mit dem Fach Philosophie, welches ich nach drei Semester im Nebenfach aufgegeben habe. Als schließlich nach dem ersten, für mich verquasten Vortrag die Fragen kamen wusste ich auch wieso. Nur dass ich heute weiß, dass ich früher nicht zu blöde für die Fragen der Hörenden war, sondern einfach nicht mit der Subjektivität des Faches zu recht kam (wobei nicht auszuschließen ist, dass ich zudem auch noch zu blöde bin).
Aber beginnen wir mit dem ersten Vortrag: Die Referentin hat erstmal gleich versucht Gemeinsamkeiten der beiden Fächer zu finden. Ja, ich sag mal, das zeigte gleich auf, dass es da große Schwierigkeiten in der Auffassung gibt. Die gute Frau, bestimmt eine Kapazität ihres Faches, meinte, dass Philosophie und Kunst die Gemeinsamkeit hätten bildend, neu schaffend zu sein. Damit hat sie auch bestimmt recht, aber damit hat sie es geschafft eine Aussage über ihr eigenes Fach zu machen, nicht aber über die Kunstgeschichte, denn ein Kunsthistoriker bildet nicht, er bearbeitet nur die bildende Kunst. Der Philosoph hingegen kann und macht auch meistens beides. Was die Referentin auch gleich gezeigt hat. Dabei erschien mir das alles doch unwissenschaftlich. Nicht, dass ich es nicht toll finde, das ein universitäres Fach es sich herausnimmt auch sinnstiftend, bildend zu sein, aber es sollte doch eine klare Trennung vollziehen, wenn es wissenschaftlich arbeitet und da nicht die philosophischen Ansichten zu vermischen.
Nicht nur das hat die Annäherung zur Kunstgeschichte erschwert, die bestimmt irgendwie möglich ist, wenn man nur ganz fest daran glaubt, sondern eben noch solche Annahmen, dass es über die Zeit hinaus feste Ideen gibt. Ich glaube, dass würde an sich kein Kunsthistoriker mehr so richtig, total wissenschaftlich überzeugt, sagen. Nicht nur, dass das irgendwie schon in unserem Fach benannt ist (ich habe mich wohl gerade geoutet), nein, seit der Postmoderne sind da doch die Geisteswissenschaftler anderer Meinung. Gut, vielleicht etwas desillusioniert, aber nicht weniger idealistisch.
Ja, ich könnte noch mehr über meine Qual an diesem Tag schreiben, ich konnte mich nur schwer vom Einschlafen abhalten, aber ich glaube, dass so schon ein ermüdender Einblick geboten wurde.

