Zumindest ist die Menschheit immer noch total bekloppt
Habe mich gestern in der StaBi
fast verlaufen, seit langer Zeit war ich nämlich wieder im Ausleihbereich, war
sonst immer nur im Lesesaal. Es hätte mir für den Tag schon zu Denken geben
müssen: Alles was folgte musste sich schließlich übertreffen. Aber was soll’s…
Mit meinen etwa zehn Kilo Büchern
noch zum Supermarkt meines Vertrauens, ich habe zu Hause nur noch Kaffee und
Tee und ich erinnere mich gut an das Zitat einer Romanfigur, eine alte, herzogliche
Frau, die von ihrem Enkel doch tatsächlich ein äußerst nettes Kompliment bekommt
„Sie sind eine grobe und brutale alte Frau, aber ich hoffe, Sie werden noch hundert
Jahre alt, denn Sie sind mir so vieles lieber als alle meine anderen Verwandten.“[1]… ach ja,
ich wollte eigentlich schreiben, was sie bezüglich „meiner“ Getränke sagt, dafür
aber noch ein kurzer Abriss, was sie gerade tut.
„[Ihr Enkel] fand sie dabei, wie sie
ihre Nahrung zu sich nahm, indem sie Toast in den Tee stippte und dabei mit ihrer
unverheirateten Tochter […] zankte.“[2] Nachdem
sie sich während ihres Gesprächs mit ihrem Enkel weiterhin sich „durchtränkten Toast“[3] in den
Mund schob meint sie zu ihre Tochter, dass sie jetzt was Richtiges benötige, ein
guter Madeira. (Und jetzt endlich das Zitat, auf was ich verquer die ganze Zeit
hin arbeite): „Da, tu diesen Papp weg […]. Dass man sich innerlich mit Tee
ausschwemmt, hat noch niemanden gut getan und wird es auch in Zukunft nicht
sein.“[4]
Ich nehme mir diesen Rat sehr zu
Herzen und kaufe noch ordentlich verschiedene Getränke ein. Von ungesund bis zu
widerlich gesund. Vorher werde ich aber noch bei den Einkaufwagen von einer
alten und brutalen Frau mit ihrem Gehstock aufgehalten. Sie ist es gewohnt,
dass man für sie auch hinten Augen entwickelt und ihr immer den Vortritt lässt.
Durch die nette Erinnerung ihrerseits mit dem Stock, wäre ich mit meinen
Büchern fast zu Fall gegangen, überlege beim Abfangen noch, ob ich nicht eine
kunstvolle Schwalbe aufs Parkett legen sollte, damit die Dame noch länger auf ihren
Einkaufswagen warten muss, aber ich sehe mehrere Überreste von der
Gemüseabteilung auf dem Boden liegen und humpele lieber schnell weg. „Ja der
Darwinismus“, denke ich mit einem Gedanken an einen Zeitungsartikel, der über
alte Studenten in meiner Stadt handelt.
Nachher, in meiner Wohnung mache
ich den Fernseher an und das erste Programm ist gleich so einer Sender durch
den man nur zappt. Bevor ich aber noch die Fernbedienung in der Hand habe, sehe
ich, dass man diesmal ganz schwer das Wort Kassette erraten soll, es fehlen das
K, ein s und ein t, aber mein Gott, das ist ja wahnsinnig schwer, darum helfen
wir den Deppen zu Hause und geben ihnen ein Bild worauf das Wort steht. Bei
Orten Ortsschilder und ja, bei diesem Begriff tatsächlich eine Darstellung
einer Kassette. Fernseher also erstmal wieder aus. Ich muss das erstmal
verarbeiten. Der Tag ging dann dementsprechend weiter…

