Lösch mir die Augen aus

11.03.2006 um 15:12 Uhr

Zumindest ist die Menschheit immer noch total bekloppt

von: AiHua

Habe mich gestern in der StaBi fast verlaufen, seit langer Zeit war ich nämlich wieder im Ausleihbereich, war sonst immer nur im Lesesaal. Es hätte mir für den Tag schon zu Denken geben müssen: Alles was folgte musste sich schließlich übertreffen. Aber was soll’s…
Mit meinen etwa zehn Kilo Büchern noch zum Supermarkt meines Vertrauens, ich habe zu Hause nur noch Kaffee und Tee und ich erinnere mich gut an das Zitat einer Romanfigur, eine alte, herzogliche Frau, die von ihrem Enkel doch tatsächlich ein äußerst nettes Kompliment bekommt „Sie sind eine grobe und brutale alte Frau, aber ich hoffe, Sie werden noch hundert Jahre alt, denn Sie sind mir so vieles lieber als alle meine anderen Verwandten.“[1]… ach ja, ich wollte eigentlich schreiben, was sie bezüglich „meiner“ Getränke sagt, dafür aber noch ein kurzer Abriss, was sie gerade tut.
„[Ihr Enkel] fand sie dabei, wie sie ihre Nahrung zu sich nahm, indem sie Toast in den Tee stippte und dabei mit ihrer unverheirateten Tochter […] zankte.“[2] Nachdem sie sich während ihres Gesprächs mit ihrem Enkel weiterhin sich „durchtränkten Toast“[3] in den Mund schob meint sie zu ihre Tochter, dass sie jetzt was Richtiges benötige, ein guter Madeira. (Und jetzt endlich das Zitat, auf was ich verquer die ganze Zeit hin arbeite): „Da, tu diesen Papp weg […]. Dass man sich innerlich mit Tee ausschwemmt, hat noch niemanden gut getan und wird es auch in Zukunft nicht sein.“[4]
Ich nehme mir diesen Rat sehr zu Herzen und kaufe noch ordentlich verschiedene Getränke ein. Von ungesund bis zu widerlich gesund. Vorher werde ich aber noch bei den Einkaufwagen von einer alten und brutalen Frau mit ihrem Gehstock aufgehalten. Sie ist es gewohnt, dass man für sie auch hinten Augen entwickelt und ihr immer den Vortritt lässt. Durch die nette Erinnerung ihrerseits mit dem Stock, wäre ich mit meinen Büchern fast zu Fall gegangen, überlege beim Abfangen noch, ob ich nicht eine kunstvolle Schwalbe aufs Parkett legen sollte, damit die Dame noch länger auf ihren Einkaufswagen warten muss, aber ich sehe mehrere Überreste von der Gemüseabteilung auf dem Boden liegen und humpele lieber schnell weg. „Ja der Darwinismus“, denke ich mit einem Gedanken an einen Zeitungsartikel, der über alte Studenten in meiner Stadt handelt.
Nachher, in meiner Wohnung mache ich den Fernseher an und das erste Programm ist gleich so einer Sender durch den man nur zappt. Bevor ich aber noch die Fernbedienung in der Hand habe, sehe ich, dass man diesmal ganz schwer das Wort Kassette erraten soll, es fehlen das K, ein s und ein t, aber mein Gott, das ist ja wahnsinnig schwer, darum helfen wir den Deppen zu Hause und geben ihnen ein Bild worauf das Wort steht. Bei Orten Ortsschilder und ja, bei diesem Begriff tatsächlich eine Darstellung einer Kassette. Fernseher also erstmal wieder aus. Ich muss das erstmal verarbeiten. Der Tag ging dann dementsprechend weiter…



[1] Heyer, Georgette: Die bezaubernde Arabella. Hamburg:  Rowohlt 1973, S. 153.
[2] Heyer 1973, S. 151.
[3] Heyer 1973, S. 151.
[4] Heyer 1973, S. 151.

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