der Kunstgeschichtler macht sich kein Bild
Damals, als der Brandschutz in
unserem Institut noch nicht zugeschlagen hatte, war der Flur mit gestohlenen
Kunstwerken zu gepflastert. Wenn wir eine Pause hatten, sahen wir uns die Werke
an und stellten uns vor in welchem Keller sie gerade zwischen lagerten, oder
aber, in welcher bürgerlichen Küche sie gerade mit Nudelwasserdampf bestäubt
würde. Bei bekannten Werken gingen wir vor allem von Auftragsdiebstählen
aus, in meinen privaten, abgeschotteten
Räumen hätte ich auch gerne einen Turner, oder die Schleifenbilder von Pollock…
oder das Selbstporträt Dürers aus der Münchner alten Pinakothek. Klar wussten
wir, dass ein Großteil der Werke „Artnapping“-Opfer waren. Schließlich kennt
jeder die Geschichte der Mona Lisa.
Wie extrem dieses Geschäft
allerdings ist, wusste ich nicht. Ich wurde also von Peter Dittmar in der Welt
aufgeklärt (weiterhin als Quelle). Auch wenn das jeweilige Museum womöglich
unbestechlich ist, die Versicherung könnte gerne einen Bruchteil davon locker
machen, was sie sonst dem Museum zahlen müsste. Von den sieben Werken, die pro
Tag in Deutschland gestohlen werden, sind die meisten wohl offenbar nicht für
den heimlichen, reichen Kunstsammler gedacht, sondern vielmehr Opfer von
Erpressungen, danach kommen dann die Bilder, die in Hand von Terroristen
gefallen sind (im Falle von Salzfässchens von Benvenuto waren es ja einfach
Idiotie, angetrunkene „Jugend“ oder so). Eine schöne Untergruppe des
Artnappings, sind die Fälle, in den Kunstwerke auf „Halde“ gestohlen wurden. So
berichtet Dittmar, dass „[b]ereits 2004 […] der Leiter der Spezialabteilung für
Kunstdiebstahl bei Scotland Yard in einem Interview mit dem
"Independent" darauf hingewiesen [hatte], dass manches wertvolle
Gemälde als "get out of jail free card" gestohlen werde.
Kriminelle bunkern Werke bei sich
ein, falls sie mal geschnappt werden um dann einen Deal herbeizuführen, der
ihnen Straferlass ermöglicht. Ein bekannter Fall soll beispielsweise der von
David Toska sein, der einem Raubüberfall geschnappt wurde bei dem ein Polizist
erschossen wurde und als einziger von 13 Angeklagten in Berufung gegangen ist.
Durch manche Hände geht Kunst und
andere machen damit Geld. Nachdem ich von Auktionshäusern berichtet habe, zu eindeutig
kriminellen Handlungen…

