Lösch mir die Augen aus

04.09.2006 um 00:34 Uhr

der Kunstgeschichtler macht sich kein Bild

von: AiHua

Damals, als der Brandschutz in unserem Institut noch nicht zugeschlagen hatte, war der Flur mit gestohlenen Kunstwerken zu gepflastert. Wenn wir eine Pause hatten, sahen wir uns die Werke an und stellten uns vor in welchem Keller sie gerade zwischen lagerten, oder aber, in welcher bürgerlichen Küche sie gerade mit Nudelwasserdampf bestäubt würde. Bei bekannten Werken gingen wir vor allem von Auftragsdiebstählen aus,  in meinen privaten, abgeschotteten Räumen hätte ich auch gerne einen Turner, oder die Schleifenbilder von Pollock… oder das Selbstporträt Dürers aus der Münchner alten Pinakothek. Klar wussten wir, dass ein Großteil der Werke „Artnapping“-Opfer waren. Schließlich kennt jeder die Geschichte der Mona Lisa.
Wie extrem dieses Geschäft allerdings ist, wusste ich nicht. Ich wurde also von Peter Dittmar in der Welt aufgeklärt (weiterhin als Quelle). Auch wenn das jeweilige Museum womöglich unbestechlich ist, die Versicherung könnte gerne einen Bruchteil davon locker machen, was sie sonst dem Museum zahlen müsste. Von den sieben Werken, die pro Tag in Deutschland gestohlen werden, sind die meisten wohl offenbar nicht für den heimlichen, reichen Kunstsammler gedacht, sondern vielmehr Opfer von Erpressungen, danach kommen dann die Bilder, die in Hand von Terroristen gefallen sind (im Falle von Salzfässchens von Benvenuto waren es ja einfach Idiotie, angetrunkene „Jugend“ oder so). Eine schöne Untergruppe des Artnappings, sind die Fälle, in den Kunstwerke auf „Halde“ gestohlen wurden. So berichtet Dittmar, dass „[b]ereits 2004 […] der Leiter der Spezialabteilung für Kunstdiebstahl bei Scotland Yard in einem Interview mit dem "Independent" darauf hingewiesen [hatte], dass manches wertvolle Gemälde als "get out of jail free card" gestohlen werde.
Kriminelle bunkern Werke bei sich ein, falls sie mal geschnappt werden um dann einen Deal herbeizuführen, der ihnen Straferlass ermöglicht. Ein bekannter Fall soll beispielsweise der von David Toska sein, der einem Raubüberfall geschnappt wurde bei dem ein Polizist erschossen wurde und als einziger von 13 Angeklagten in Berufung gegangen ist.
Durch manche Hände geht Kunst und andere machen damit Geld. Nachdem ich von Auktionshäusern berichtet habe, zu eindeutig kriminellen Handlungen…

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. To01 schreibt am 04.09.2006 um 07:25 Uhr:klingt nach einem haltbaren investitionsvolumen, diese get out of jail free card; also für den fall der fälle...
  2. AiHua schreibt am 04.09.2006 um 08:36 Uhr:ja, ich gucke auch schon danach aus, was ich so auf die Seite legen kann...

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