der alte Mann hätte Geburtstag und Kinder kommen
Mein kleiner Bruder ist jetzt
seit sechs Jahren in meiner Familie, dabei ist er jetzt so um die 11. Zum
Jubiläum hat irgendein Sack in der Schule ihm die Taschentrompete geklaut.
Mieses Schwein.
Genau am 30. Mai saß er mit
seiner Schwester und extrem vielen widerlichen Tieren in der Badewanne, der
Chemiecocktail sollte das ganze Krabbeln bald ein Ende machen. Das Krankenhaus
hatte sich geweigert die beiden zu entlausen. Wenigstens haben sie den beiden
Essen gegeben, denn davon hatten sie wirklich in den frühen Jahren ihres Lebens
nicht viel gesehen. In den ersten Monaten fing S. an zu weinen, wenn mein Stiefvater
sich das scheinbare letzte Stück Brot nahm. Und wenn man dann nicht aus
Solidarität mitheult, obwohl das ganze Haus voll gestopft ist mit Essen, dann
wird man sauer, weil das verdammte Jugendamt eine fette Mappe von dieser
Familie hat und nichts getan hat. Denn auf die Eltern kann man zwar auch wütend
sein, aber das ist komplett umsonst. Vergisst sie und lasst sie in ihrem
eigenen Dreck verrecken, denn helfen kannst du ihnen nicht mehr. Das hätte man
früher machen müssen. Aber man hat ja nichts in der Hand… Für die Schwester war
es schon lange zu spät, noch ein paar Jahre Quälerei und danach nur Scheitern
und das Schlimmste, gerade noch so viel zu wissen, dass man nicht glücklich
ist.
Nichts gegen Kinderkriegen, aber
ein fremdes Kind zu lieben und sich gleichzeitig um die Eltern kümmern müssen,
sich vor einem Amt rechtfertigen müssen. Das bewundere ich immer mehr. Meine
Mutter hat nicht viele Mühe gehabt mich zu lieben und großzuziehen, aber solche
Kinder saugen einen aus. Und das Schlimmste ist, wenn Du einem Kind ein zu
Hause geben musst, welches Du nicht lieben kannst. Denn es ist furchtbar und
wir haben es nicht gewusst, doch so was gibt es. Und man kann sie nicht lieben,
weil sie „ummauert“ sind.
Auf diese Erfahrung hätte ich
gerne in meinem Leben verzichtet.
Aber auf S. nicht. Er ist in
vielen Dingen verwöhnt wie Findus und genauso quirrelig und erinnern kann er
sich leider auch, aber über ein letztes Stück Brot weint er schon lange nicht
mehr.


Pflegekinder, deren leibliche Eltern und was leider manchmal aus Kinden, die nicht ernst genommen und nicht verstanden, im Gegenteil nur weitergereicht werden wird, war heute im Kreise meiner Familie und des Besuchs der anderen Familie ein heißes Thema. Der jüngste des Besuchs (8) wird von einem Jungen (7) bedroht, der mittlerweile in der 5. Pflegefamilie lebt von den leiblichen Eltern und den vielen Wechseln vor Allem eines mitbekommen hat: Hass und dieses \"Ummauert sein\". An diesen Jungen kommt niemand heran, er schlägt auf seine Lehrerin ein, droht, prügelt und spuckt sich durch sein armes Dasein. Die \"neuen\" Eltern ebenfalls überfordert fragt man sich ob so ein Kind jemals einen Zugang zu soetwas wie Vertrauen finden kann und sich wenigstens ein ganz klein wenig einzufügen und selbst andere zu akzeptieren lernt.
Die Geschichte Deines Bruders schockiert mich genauso, wie das, was ich heute dort gehört habe. Da wundere ich mich nicht über meinen Gedanken, dass es bei manchen Leuten einfach besser ist wenn sie keine Kinder bekommen.
Es ist einfach schrecklich, dass es wahr ist, dass in in bestimmten Altern einfach bestimmte Erfahrungen gemacht haben muss, damit man irgendwann einfach leben kann. Wenn das nicht gegeben ist, fehlt einfach die Basis, man kann nichts aufbauen. Meine Eltern sind fast (ich meine das ganz ehrlich) daran zu Grunde gegangen, weil sie das Mädchen innerhalb vier/fünf Jahren lebenfähig machen wollten.
Wenn man die Akten der beiden liest, dann wird einem echt schlecht. Da stehen so viele Dinge und trotzdem hatte das Jugendamt nichts in der Hand... das ist eo lachhaft.