hide and seek
“Where are we?
what the hell is going on?
the dust has only
just begun to fall
Crop circles in the carpet
Sinking feeling”
Ich bin genervt, das Telefon klingelt und obwohl ich Kopfhörer auf den Ohren habe, damit ich nicht abgelenkt werde, hilft das nur bei den ersten sechs Ringtönen. Meine Mutter klingelt aber weiter. Meine Mutter oder aber mein Bruder. Da es aber noch nicht Abend ist, wird es meine Mutter sein. Ich versuche den Satz fertig zu bekommen, dabei meine linke Hand auf dem Buch liegend, damit das eine Buch nicht zuschlägt, das andere wird durch meinen Salzstreuer offen gehalten (was macht der eigentlich auf meinem Schreibtisch?). Im Geiste sage ich gerade meiner Mutter, dass ich sie zurück rufe, ich habe gerade zu tun. So viel zu tun, wie ich es ihr ja auch schon die anderen Male gesagt habe, wenn ich nicht an das Telefon gegangen bin.
„Spin me round again
and rub my eyes
this can't be happening
when busy streets a mess with people
would stop to hold their heads heavy”
Ich fluche und schreibe dabei, aber nach einer Ewigkeit hört das Klingeln auf. Ich denke an Kaffee und Zigaretten und das, obwohl ich nicht rauche. Und bedanke mich bei egal wen. Wie sich kurz darauf herausstellen sollte zu früh. Wem ich da auch immer gedankt habe, kann das wieder vergessen! Denn nach sehr kurzer Pause klingelte es wieder. Mir schlug die Seite zu.
Ich seh’ rot und stürze zum Telefon, meine Mutter mit allerlei Störgeräuschen im Hintergrund begrüßt mich. Bevor ich ein Telefonamok der besonderen Art beginnen kann, tut das irgendwer am anderen Ende der Leitung. Meine Mutter kann nicht den Hörer weg legen, wenn sie eines der Kinder oder aber den Hund und was da gerade sonst noch so rumläuft zur Schnecke macht. Mir platzt fast das Trommelfell, aber ansonsten ist alles toll. Im Hintergrund höre ich meinen Stiefvater in seinem Musikzimmer sich einschließen, er will üben, die Kleinste in diesem Haushalt tröstet ihre Puppe und meint zu meiner Mutter: „Sophie ist traurig.“ Mein Pflegebruder schreit vom Badezimmer meiner Mutter zu, dass er gar nichts gemacht hat.
„Hide and seek
Trains aren't solving machines
All those years
They were here first”
Wenn ich Teil dieser Familie sein wollen würde, dann wäre ich nicht fast 1000 km weit weg gezogen. Aber seitdem ich meiner Mutter nach dem ersten Weinachten zusammen nach meinem Umzug gesagt habe, dass ich froh bin wieder zu meinem zu Hause zu kommen, sind sie so nett zu mir. Mein Stiefvater hat für mich ein großes Bücherregal ins Gästezimmer gebaut und meine Mutter bezieht mir immer vorher das Bett, damit ich mich ja zu Hause fühle…
“oily marks appear on walls
where pleasure moments hung before
the takeover
the sweeping insensitivity
of this
still life
Hide and seek
trains and sewing machines (you won't catch me around here)
Blood and tears
They were here first”
Die Nettigkeit ist mir aber in dem Moment so was von egal, als sie mich fragt, ob denn mal endlich meine Semesterferien zu Ende sind, weil es doch nicht sein kann, dass ich monatelang nur faul herumliege. AHHHHHHrgHHHHHHHHHHHHHAAAAAAAAARGHhh!!!!!
“mm what d'cha say?
mm that you only meant well, well of course you did
mm what d'cha say?
mm that it's all for the best, of course it is
mm what d'cha say?
hmmm that it's just what we need, you decided this?
ooh what d'cha say?
mmmm what did she say?”
Ich bringe sie um, ich bringe sie einfach um. Ich schmeiße mein Telefon gegen die Wand, ich sage ihr endlich, dass nicht die Maus schuld ist, wenn Sachen auf ihrem Desktop verschoben sind, sondern sie zu blöde ist! Ich will wissenschaftlich bestätigt haben, dass ich nicht mit ihr verwandt bin. Ich will meine Ruhe vor diesen Monstern haben! Ich will meine Ruhe haben. Ich will meine Arbeiten machen! Ich fange vor Wut fast zu sabbern an.
Nachdem das Telefonat abgewickelt ist, mache ich mir einen Tee. Auf der Packung steht, dass man mit ihm besser seine innere Mitte findet. Na dann.
“Ransom notes keep falling out your mouth
Mid sweet talk newspaper word cut outs
Have no feeling no I don't believe you
you don't care a bit
you don't care a bit
Hide and Seek”


What d´cha say?
Du bist ein Nordlicht?
\"Herr Seether, sie müssen sich entscheiden. Es gibt ein Leben mit ihrer Familie. Das leben sie derzeit und es passt ihnen nicht.
Und es gibt ein Leben ohne diese Menschen. Alles was sie tun müssen ist, es ihnen sagen. Wenn sie das nicht können oder wollen, müssen sie die erste Alternative nehmen...\"
Es ist keineswegs bedauerlich das wir uns unsere Eltern nicht aussuchen können. Wir wäre nicht was wir sind, ohne sie. In meinem (und einigen anderen Fällen) mag ich mich bei dieser Theorie aber täuschen...
Den Kopf oben behalten. Und heraus finden was zum Henker der Salzstreuer auf deinem Schreibtisch treibt! *g*
Der Salzstreuer wird es mir also kaum sagen können.
Auch so ein geschenk meiner Mutter, vielleicht soll mich das Ding aus spionieren! Allerdings kann das Ding bei seiner Zertreutheit sowieso nichts berichten.
Ansonsten habe ich meine Familie sehr gerne, ich bin aber wirklich glücklich von allen weiter weg zu wohnen, das ist der Sicherheitsabstand den wir voneinander benötigen.