verschobene Gesundheitsreformen sind auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, etwas spritzende Gischt vielleicht
Zurzeit träume ich recht gerne
vom Aussteigen. Nein, nicht aussteigen aus der Gesellschaft, ich bin zu wenig
idealistisch und zu wenig kreativ um ein Rebell zu sein. Ich bin da auch eher
burckhardtianisch oder so. Egal wie, ich glaube daran, dass beim gewaltigen/extremen
Umsturz auch immer viel Großartiges zerstört wird, also blicke ich lieber dem
Verfall entgegen und versuche zu restaurieren, auch wenn ich meine, dass die
Kirchenreformen ganz tolle Sachen gebracht haben, ist doch auch sehr viel
kaputt gegangen… naja und die Restauration, die sozusagen versuchter Rückgriff
war, hat auch wieder nur das Neue, nämlich den romantischen Gedanken hervor
gebracht… jedenfalls in Ansätzen… Hm, mein Geschwafel zeigt es vielleicht ganz
gut… Neuerungen sind also auch nicht schlecht, aber ich bin eher die Sorte
Mensch, die die Scherben zusammenkehrt und mal sieht, wie man ins Neue das Alte
rüber retten kann.
Also, um den Bogen jetzt total zu
überspannen, wenn ich aussteige, dann auf ausgetrampelten Pfaden. Ich wäre
Krabben- oder Heringsfischer vor der Küste von Skandinavien, oder auch in
Schottland, würde mit einer Nonne, in einem ansonsten verwaisten Kloster in der
Nähe von St. Petersburg gegen den
Verfall ankämpfen, als Eremit sich durch den eigenen Anbau selbst versorgen,
z.B. in einem dieser ausgestorbenen Bergdörfchen in den italienischen Alpen
(hat der Begriff des Eremiten eigentlich immer einen religiösen Aspekt, nö na?).
Aber von allen diesen
Vorstellungen, ist mir noch eine ungesagte die liebste. Seit fast zehn Jahren
hänge ich diesem Gedanken nach. Einen dieser noch mechanischen Leuchttürme zu
bedienen, nicht einen auf dem Land, sondern einen der nur mit diesen
Postschiffen erreicht wird, einmal die Woche vielleicht. In der Bretagne gibt
es noch den einen oder anderen…
Vielleicht wäre das eine meiner wahren Berufungen.
Vielleicht verschleppt sich das Scheitern dort auch nicht so, zieht sich nicht
in die Länge.


Das Eremitendasein läßt sich sicherlich auch aus einer psychischen Konstellation (Misanthropie / Beziehungsängste) oder aus philosophischen Einstellungen (Diogenes in der Tonne) heraus begründen.
Ich halte Revolutionen für unvermeidbar, denn es wird immer Parteien geben, die entgegen einer (vermeintlichen) Mehrheit am Althergebrachten festhalten wollen und keinerlei Neuerungen zulassen (und auf der anderen Seite Gruppierungen, die die herrschenden Zustände irgendwann für untragbar erachten werden). Aussteigen, ein Rückzug auf sich selbst oder das heutzutage in Mode gekommene Cocooning ist in meinen Augen weder revolutionär noch Rebellion, sondern - wenngleich durchaus politisch - eher eine Art der Resignation und vielleicht dadurch zu erklären, daß es derzeit eines politischen/ideologischen Fundamentes mangelt, das ein aktives Handeln ermöglichen könnte. Ich selbst würde evolutionäre Entwicklungen bevorzugen, bin aber kulturpessimistisch genug, um zu ahnen, daß diese allzu früh an ihre Grenzen gelangten und zudem nicht im geringsten der menschlichen Spezies entsprächen. LG DerGeist
@AiHua : Größere Defizite in der schriftlichen Ausarbeitung oder Ausformung habe ich bislang nicht feststellen können, und Du bist schon seit längerem unter meinen Lieblingsbloggern. Und das Siezen konnte ich Dir auch ausreden. Aber sicher gibt es Regeln für journalistische Texte, die Du - naturgemäß - eher nicht kennen kannst... Aber die lassen sich erlernen. ;) LG DerGeist