Aids and Communication

15.05.2005 um 22:39 Uhr

Zum Beispiel: Sikasso Mali 2000

Sidabana bε mɔgɔ faga an ka jε sidabana lajɔ

Aids tötet Menschen. Laßt uns gemeinsam gegen Aids kämpfen.

 

mɔgɔkelenfεjε yεrεminε manani

Monogamie – Selbstbeherrschung – Kondom

 

a’ye kunnafonni ɲini Sida kεlεlibaarada fε an’a bolofaraw

Informieren Sie sich beim Anti-Aids-Département oder seinen Zweigstellen!

Foto und Übersetzung: Raimund Kastenholz

 

Aber was genau "Selbstbeherrschung" meint, wie die Leute das selber verstehen, das können wir nur herausfinden, wenn wir die Leute dabei beobachten, wie sie selber darüber reden, jenseits der Beeinflussung durch westliche Befrager (nicht unbedingt westliche Forscher, ethnologische Methoden oder die Methoden der Ethnomethodologie könnten da weiterhelfen).

 

 

13.05.2005 um 15:14 Uhr

Zum Beispiel: Essen gehen

As an example, consider the many ways you can invite someone for lunch. The way you invite a person helps to establish what kind of invitation it is and what the options are for the recipient. If you issue an invitation with the inquiry 'Have you had lunch yet?', you allow the recipient to give information which would imply rejection (for example, 'Yes I have') whithout actually having to reject an invitiation. ...

Part of packaging an action involves selecting ways to refer to persons, objects, places, activities, etc. For example, when a speaker says 'Let's grab a bite', he or she may be referencing not only having lunch but also time constraints on one or both parties. The interactants may understand that in 'grabbing a bite', some but not other food places will be considered. Since the terms the speaker uses in part provide for the recipient's understanding, the terms selected may provide for the greater or lesser desirability of an offer, request, or invitation. A recipient with time constraints may agree to 'grab a bite' yet hesitate to 'go out to lunch'.

Pomerantz & Fehr 1997: 73

13.05.2005 um 14:36 Uhr

Kommunikation als soziales Handeln: Konversationsanalyse und Ethnomethodologie

The core analytic objective [of Conversation Analysis] is to illuminate how actions, events, objects, etc., are produced and understood rather than how language and talk are organized as analytically separable phenomena. (65)

One commonality [of various disciplines] is a shift away from the search for causes of human conduct and toward the explication of how conduct is produced and recognized as intelligible and sensible. (65)

C[onversation]A[nalysis] [... f]irst, ... rejects the use of investigator-stipulated theoretical and conceptual definitions of research questions. Instead, conversation analysts attempt to explicate the relevances of the parties to an interaction. .... Secondly, conversation analysis gives particular attention to the details of the temporal organization of, and the various interactional contingencies that arise in, the unfolding development of action and interaction. In important ways, the sense or intelligibility of an action is provided for by its location in an ongoing series of actions. ... Thirdly, the perspective taken by CA leads to a different understanding of the concept of rules than that held by other research traditions. Rather than a theoretically given form of explanation for human conduct, CA treats rules as situationally invoked standards that are a part of the activity they seek to explain. (66f)

Conversation analysis, like ethnomethodology, treats the conduct of everyday life as sensible, as meaningful, and as produced to be such. ...It is further assumed that meaningful conduct is produced and understood based on shared procedures or methods. .. CA’s goal is to explicate the shared methods interactants use to produce and recognize their own and other people’s conduct. (69)

Rather than treating the identities of the participants, the place, the occasion, etc., as givens, conversation analysts and ethnomethodologists recognize that there are multiple ways to identify parties, the occasion, etc. and that the identification must be shown to be relevant to the participants. (69)

Aus: Pomerantz, Anita & B.J. Fehr 1997. Conversation Analysis: An Approach to the Study of Social Action as Sense Making Practices. In: Discourse as Social Interaction, hrsg. v. Teun van Dijk. Thousand Oaks, London und New Delhi: Sage Publications. S. 64 – 91.

Mit anderen Worten: Wenn ich einen Vortrag halte, dann sind die Zuhörer genauso am Vortrag-Halten beteiligt, insofern sie mich bei meiner Tätigkeit nicht unterbrechen. Sie ratifizieren dadurch mein Verhalten als Vortragende, und machen es gleichzeitig erst möglich. Interessant wird es da, wo ich unterbrochen werde: Wer unterbricht, wieso? Habe ich einen Blödsinn geredet, oder etwas falsch gesagt, oder gibt es stark divergierende Ansichten? Will jemand meine Autorität untergraben? Hat da jemand einfach ein hitziges Temperament? Die lokalen Logiken solchen Handelns können mit konversationsanalytischen Methoden rekonstruiert werden.

Nochmals anders: bei der Analyse einer Aufnahme eines Gespräches, zum Beispiel zwischen Arzt und Patientin, gehe ich nicht direkt davon aus, dass dies ein Arzt und eine Patientin sind, sondern es muss aus diesem Gespräch hervorgehen, dass diese Tatsache eine Relevanz hat, z.B. indem der Arzt eine Frage stellt, die Patientin diese entsprechend beantwortet. Denn es gibt ja durchaus die Möglichkeit, dass Arzt und Patientin sich privat kennen und zu Beginn/Ende der Konsultation ein Schwätzchen halten, das aber nichts mit der professionellen Situation zu tun hat. Oder ich treffe einen Freund, der Arzt ist, und ich bin auch Patientin, aber das spielt in dieser Situation einfach keine Rolle.

Interessant ist diese Herangehensweise, weil sie mir erlaubt, den Loop zu durchbrechen, in dem der/die Befragte mir die Antwort gibt, die er/sie denkt, dass ich sie hören will (Partnerhypothesen 1. Grades) und ich denke, dass sie/er die Antwort gibt, von der ich denke, dass sie/er denkt, dass ich sie hören will. (2. Grades). Es ist eine Möglichikeit jenseits des Interviews Verhalten als von sinnstiftenden und lokal rationalen Beweggründen geleitet zu verstehen. Diese lokalen Rationalitäten, die Art und Weise, wie Sinn zustande kommt, das alles kann ich mit der CA/Ethnomethodologie rekonstruieren. Und da wird dann auch Forschung zu den Präventionskampagnen an der Basis interessant. Denn offensichtlich grenzen sich die Menschen in Afrika in ihrem Handeln vom dominanten Modell über HIV/AIDS ab. Meiner Meinung nach, könnte die CA/EM eine möglich Herangehensweise zu solchen lokalen Rationalitäten darstellen.

Das war es, was ich kürzlich meinte, als ich sagte, man muss "von unten" schauen.

13.05.2005 um 14:34 Uhr

Grundsätzliche Kritik am kybernetischen Kommunikationsmodell

Grundlage gängiger Auseinandersetzungen mit Kommunikation vor allem aus linguistischer, aber auch psychologischer und soziologischer Sicht ist das kybernetische Modell von Shannon und Weaver (1949), die sich mit mathematischer Informationstheorie beschäftigt haben. Kommunikation verläuft nach diesem Modell folgendermaßen:

Information - die Fähigkeit aus einem Set von Alternativen strukturierte Auswahlen zu treffen - wird auf der sendenden Seite (A) in physische Signale (einen Code) umgewandelt. Diese Signale werden durch einen Sendekanal zur empfangenden Seite (B) geschickt, wo sie de-codiert, d.h. von physischen Signalen in Information zurück-gewandelt werden. Der Code bildet dabei einen sog. „a priori gemeinsamen Kontext“, der vor dem Akt der Übermittlung an beiden Seiten als Voraussetzung vorhanden sein muss, da sonst die jeweilige Seite nicht en- bzw. decodieren kann. (Zusammenfassung nach Reddy 1979:303)

Der Einfluss dieses sytemtheoretischen Modells auf unsere Vorstellung von Kommunikation ist nach wie vor groß. Dies zeigt sich z.B. daran, daß die darin entwickelte Terminologie - Sender, Empfänger, Code, Kanal, senden, übermitteln usw. - nicht nur in die Umgangssprache Eingang gefunden hat, sondern daß auch Studien, die sich weit entfernt davon verorten (z.B. Bavelas et al. 1990, Burgoon et al. 1996, Anderson & Meyer 1988) deren Benutzung nicht vermeiden können, selbst wenn explizit andere Anknüpfungspunkte in der Soziologie oder Ethnomethodologie gewählt wurden. Reddy hat sich diesem Thema ausführlich gewidmet und weist darauf hin, wie schwerwiegend die Konsequenzen des Denkens in dieser Terminologie sind. Die aus der Kybernetik stammende „Leitungs-Metapher“ („conduit metaphor“), mit der im Englischen über Kommunikation gesprochen wird, impliziert folgende Sachverhalte:

„ ... that: (1) language functions like a conduit, transferring thoughts bodily from one person to another; (2) in writing and speaking, people insert their thoughts and feelings in the words; (3) words accomplish the transfer by containing the thoughts or feelings and conveying them to others; and (4) listening or reading, people extract the thoughts and feelings once again from the words.“ (Reddy 1979:290).

Darüber hinaus, so Reddy, entsteht der Eindruck, als hätten Worte und Gefühle ein Eigenleben, sie würden in einen „Ideenraum“ („idea space“) geschleudert und fänden irgendwie wieder einen Weg in das Innere der Menschen. (1979:291). Er spricht von einem Rahmen-Konflikt („frame-conflict“), bei dem die Metaphorik irreführend ist und den Blick auf menschliche Kommunikation verhindert. Verschiedene Modelle, die sich der kybernetischen Grundlage bedienen, erwecken den Eindruck, diese Materialität der Botschaft werde auf die Beteiligten des Kommunikationsaktes ausgedehnt, so daß die beiden (oder mehr) Parteien als im Kommunikationsgeschehen eigenständige oder unabhängig voneinander agierende kaum noch vorstellbar sind, sondern „irgendwie“ in und durch den Kommunikationsprozess selbst verbunden sind.

Reddy entwickelt ein alternatives Modell von Kommunikation, das „toolmakers paradigm“, in dem er eine radikale Subjektivität postuliert: seine Protagonisten leben in jeweils einem völlig isolierten Teil eines kreisförmig angeordneten Gartens und treten mit den jeweils anderen Protagonisten nur und ausschließlich durch Zeichnungen in Kontakt, die mittels einer Maschine in der Nabe des Gartenrades in die anderen isolierten Teile gesendet werden. Diese Zeichnungen sind auf Papier encodierte Abstraktionen ihrer Werkzeuge [tools], die sie produzieren, um damit ihre Umwelt bearbeiten zu können. (Reddy 1979:292f). Kommunikation wird Schwerstarbeit, da die Blaupausen der Werkzeuge („übersetzt“: die [sprachlichen] Symbole menschlicher Kommunikation) ausschließlich auf dem Hintergrund des eigenen Wissens (oder der eigenen „Bibliothek“, vgl. Ecker 1994) interpretiert werden müssen, bzw. erst über die interpretative Tätigkeit des/der Empfangenden Sinn ergeben. Im Laufe des Hin und Hers von jeweils modifizierten Blaupausen entwickeln sich bei Reddy so etwas wie sekundäre Symbole, nämlich ikonische Symbole (Reddy 1979:294), d.h. durch den Bezug der Kommunikation auf die jeweils vorangegangenen Ereignisse ergibt sich in der Verwendung von Symbolen ein qualitativer Sprung, der neue Ebenen von Kommunikation ermöglichen.  

Mit der Einführung des Begriffs der radikalen Subjektivität zeigt Reddy eine Möglichkeit, wie der Materialcharakter von Kommunikation zurückgewiesen werden kann, gleichzeitig verlagert er aber eine Sichtweise von außen auf eine Sichtweise, die die interpretative Tätigkeiten der Protagonisten von Kommunikation stärker ins Blickfeld rückt. Reddys Protagonisten kommunizieren über eine Harke, aber da es der einen Person (A) nicht einfällt, das Material, aus dem die Harke gebaut ist - nämlich Holz-, und seinen spezifischen Gebrauch zu erläutern, die andere Person (B) aber in einer steinigen Umgebung lebt, so dass er automatisch annimmt, das Instrument sei aus Stein um Stein irgendwie zu bearbeiten, kommt es zu Missverständnissen.

A and B, who have had profitable interchanges inthe past, and thus do not mind working quite hard at their communications, have been caught up in this rake problem for some time now. Their instructions simply will not agree. B has even had to abandon his original hypothesis that A is a huge man who has only small rocks to deal with. It just does not fit the instructions he is getting. A, on his side, is getting so frustrated that he is ready to quit.“ (Reddy 1979:294).

Interessant an dieser Erzählung ist , dass Kommunikation als harte Arbeit empfunden wird, entsprechend intensiv werden auch Erfolg und Misserfolg dieser Kommunikation erlebt. Wichtig erscheint mir auch die jeweilige Modifizierung von Partnerhypothesen, die nach den jeweiligen Kommunikationsakten als Fazite gezogen werden. Reddys Protagonisten sind auf die Interpretation der ihnen vermittelten Zeichen angewiesen, da keine weiteren Elemente, die zur Kommunikation beitragen oder sie ausdifferenzieren würden (z.B. Kontexte), vorhanden sind. Die interpretative Tätigkeit wird hier ins Zentrum gerückt, außerdem sind beide Protagonisten gleichermaßen daran beteiligt.

(rmb, ca 1998)

13.05.2005 um 12:08 Uhr

Hella von Sinnen und die Wirkungen

 

 Liebe RMB – zu deiner Frage „Gibt es denn eine Untersuchung zur Wirkung Hella von Sinnens Kondomwerbung wo man diesen Zusammenhang QUALITATIV .... nachvollziehen kann? „

 

Die BZGA (das sind sehr kompetente , professionell arbeitende Leute) betreibt diverse Web –S eiten  , u.a. :

 

BZGA

 

sowie bei "GIB AIDS KEINE CHANCE"

 

 

Da finden sich eine Fülle von Materialien und Medien, wegen Evaluierungsstudien kann man da sicher auch mal anfragen.