Kinokritiker

30.07.2004 um 17:28 Uhr

Ladykillers



Komödie, usa 2004
original: Ladykillers
  regie
: joel & etan coen
drehbuch
: joel & etan coen
cast:
tom hanks,
         irma p. hall,
              marlan wayans,
 tzi ma,
                  j.k simmons, u.a.


Die alte Dame muss sterben


"Oh brothers where are thou?" will man die Regisseure nach der Vorführung des Filmes "Ladykillers" fragen.Fehlen euch etwa die nötigen Ideen um wieder einmal einen guten Film zu drehen? Müsst ihr euer Geld scheffeln, indem ihr alte englische Komödien neuverfilmt?

"Ladykillers" ist nämlich ein Remake des Klassikers von 1955 , welcher in den berühmten Ealing Studios entstanden ist. Die neue Version ist immer noch , genauso wie der Vorgänger, sehr unterhaltsam, witzig und sogar intelligent. Aber es ist doch schon sehr Traurig , dass das durchaus talentierte Brüderduo sich dem hollywoodschen Kanibalismus übergibt und anfängt alte ideen zu klauen.



Tom Hanks mimt einen Philologie Professeur der krampfhaft versucht eine alte dicke farbige Lady (Dall) davon zu überzeugen, dass sie ihm ein Zimmer in ihrem Haus vermieten soll. Dabei spielt er die Rolle als äußerst gläubiger und ehrbarer englischer Gentleman ausgezeichnet und bekommt schließlich das Zimmer und was noch wichtiger ist, er darf den Keller benutzten. Der nette Getleman ist nämlich in wirlichkeit der Kopf einer Diebesbande, die es darauf angelegt hat, einen Banktresor zu knacken, indem sie einen Tunnel vom Keller der alten Lady bis zum Tresor buddeln. Während Hanks seine Truppe als Musiker ausgibt und mit ihnen im Keller "probt", fängt die alte Lady an zu schnüffeln und es sieht aus als ob sie dem Plan gefährlich werden könnte. Für die Diebe steht eines fest, die alte Lady muss aus dem Weg geräumt werden...



Eigentlich scheint der Film wirklich über große Strecken hin wirklich komisch und Hanks spielt seine Rolle als Shakespear zitierender Gentkeman wirklich gut und witzig (Wie immer der Shauspieler das auch macht. Hanks ist der beste.), aber von den Cohenbrüdern darf das Publikum mehr erwarten. Nur wirklich selten blitzt ihr wirklich ausgeprägter schwarzer Humor auf, der sie doch berühmt gemacht hat.

Hier wurde wieder versucht einen einfachen konventionellen Film zu drehen. Allein schon die Helfer von unserem Masterbrain sind ein so stereatypisch zusammen gewürfelter Haufen: Ein schwarzer Quatschkopf, ein schweigender
Asiate, ein alter General (Experte für explosive Materialien) und ein Mann für die Drecksarbeit - ein Vollidiot. Es wimmelt quasi nur so von stereaotypischen Chrakteren, die bei Weitem viel schlechter sind als die Gauner aus "Oceans Eleven".Überhaupt ist die Welt in dem scih "Ladykillers" abspielt wird sehr comicartig dargestellt und verleiht dem ganzen Film eine Athmophäre wie in einem Road Runner & Wile E. Coyote Trickfilm.



Es ist wirklich schade was die Cohenbrüder aus dem Klassiker gemacht haben. Dass soll nicht heißen, dass sie den Film verhuntzt hätten ,nein, es ist eine wirklich solide und witzige Komödie. Doch teilweise versteht man die Ideen und Witze der Regiesseure nicht. Von der einen Szene zur anderen, wird auf einmal ein Mensch getötet. Man weiß nicht , ob man lachen oder weinen soll. Wenn man dann begreift, dass es einfach nur ein Witz war wird diese Erkenntnis durch einen nächsten Mord in einen anderen Szene wieder zerfetzt und man weiß wieder nichts.



Wenn man sich "Ladykillers" im Kino angucken will, dann darf man nie vergessen wer auf dem Regiestuhl sitzt, sonst kann man vieles in den falschen Hals bekommen. Wer aber über Witze, die einen wirklich ekligen Durchfall zum Thema haben, herzlich lachen kann, kann und darf sich "Ladykillers" angucken. Achja und Tom Hanks sei dieser Ausrutscher verziehn ...

Bewertung:


(5 von 10 Raben)

28.07.2004 um 16:54 Uhr

King Arthur



heldenepos, usa 2004
  original: king arthur
          regie
: antoine fuqua
     drehbuch
: david franzoni
          cast:
clive owen,
                       keira knightley,
                      ioan gruffudd,
                      mads mikelsen,
                          til schweiger, u.a.
     fimstart: 19.08.2004

Eine Legende kehrt zurück

Die europäische Legende kommt zurück auf die Kinoleinwände. Die Geschichte um König Artur, der erst spät von seiner wahren königlichen Herkunft erfährt und mit seinen edlen Rittern der Tafelrunde in den Krieg für England zieht und sich auch auf die Suche nach dem Heiligen Graal macht, ist jedem Kind bekannt.

Der Film lockt den Zuschauer mit seiner angeblichen historischen einwandfreien Glaubwürdigkeit und der damit einhergehenden entmythologisierung der Legende. Er soll sich streng an die gegebene Fakten halten ,auch wenn sie wenig effektiv sein sollten. Aber unterm Strich haben wir hier wieder einmal einer Arthusverfilmung die überhaupt nicht besser ist als seine filmsichen oder literarischen Vorgänger. Und auch wenn Arthur wirklich, wie ein Normalsterblicher daher kommt und dabei wirklich keinen Platz für Magie und Zauber mehr lässt, haben wir hier kein historisches Spielfilmporträt. Nein! Es ist viel eher normales Mainstreamkino (welches doch eine Spezialität von Produzent Jerry Bruckheimer darstellt) als ein historisch stabiles Bild der Sage. Wenn das der Effekt der Entmythologisierung ist, dann will ich doch leiber die Legende.

Die Ritter "König Arthurs", (übrigens sind es sieben was keinesfalls ein Zufall ist, denn hier soll es einen zusammenhang zum bekannten Western "sieben" geben, den man unschwer erkennen kann) waren wohl durch das römische Imperium in Gefangenschaft genommene Männer eines osteuropäischen Stammes die eine 15 jährige Dienstzeit für das römische Heer in Großbritannien absolvieren mussten. Als die wirklich starken Sachsen (Die eine erstaunliche ähnlichkeit mit den Orks aus dem "Herr der Ringe" haben) in Großbritannien allmählich die Oberhand gewinnen, beschließt der Senat sich aus den unangenehmen Gefilden zurückzuziehen. Und genau in dieser Zeit endet die Dienstzeit unserer Helden. Bevor sie jedoch nach Hause reisen können, müssen sie sich noch auf eine gefährliche Mission begeben. Auf Befehl der römischen Legionen sollen sie ein Kind retten welches zudem ein Schützling des Papstes ist (der wahrscheinliche Nachfolger des Papstes). Der Junge ist von Sachsen umziengelt und wartet auf seine Befreiung. Nachdem diese beiden Missionen erstaunlich schnell erledigt werden, kommt es auf dem Rückweg zur Konfrotation mit den Pikten.Außerdem greifen wieder einmal die Sachsen an. Die mutigen Sieben nehmen den Kampf an.



Vielleicht war es wirklich so, vielleicht aber auch nicht. Ist diese Sicht der Dinge ebenbürtig mit der in der europäischen Kultur so fest eingestanden Legende? Die Antwort ist Kurz: Nein! Die Liste der fehlenden Sachen ist wirklich unheimlich lang: Keine Magie (Der Zauberer Merlin ist nur ein einfacher bärtiger und ungepflegter Piktenanführer), es gibt keinen heiligen Graal, Camalot fehlt auch, sowie das tragisch romantische Liebesdreieck Arthur - Ginevere - Lancelot wird mit keinem Wort erwähnt. (Die vielleicht einzige , vielleicht auch völlig ungewollte Spur sind die heimlichen Blicke die Lancelot Ginerwa während der Kämpfe zu wirft.). Die Tafelrunde ist nur ein Requisit, welches von den Rittern nie gemeinsam genutzt wird und Excalibur ist ein stinknormles Schwert mit sogut wie keiner Vergangenheit. Mit keinem Wort werden diese Dinge erwähnt die doch eine so große generationsübergreifende Faszination gebildet haben. Seitdem Wolfgang Petersen bei "Troja" auch schon auf jegliche göttlichen Fähigkeiten verzichtet hat und somit der Magie in den Sagen den Todesstoß versetzt hat, kann man schweren Herzens auch bei King Arthur auf sie verzichten, aber eine Zensur des Liebesaktes zwischen Arthur und Ginevere (die Hochzeit zwischen Christentum und Heidentum) ist schlicht und weg falsch und unnötig.



OK - es ist nicht wirklich fair einen Film immer nur nach seinen schlechten Seiten zu durchleuchten. Widmen wir uns also den gelungen Seiten des filmes obwohl diese wirklich klar in der Unterzahl sind (noch ein Beispiel: Der Film dauert gute 2 Stunden , aber wenn man alle unnötigen Einstellungen wegstreicht, kommt man mit einer Stunde ebenfalls wunderbar aus). Wir haben hier zwei große Schlachten, die wirklich gut vom Regisseur Antoine Fuqua in Szene gesetzt worden sind. Er hat wirklich den Großteil der Schlachten mit richtigen Menschen gedreht und auf "Vermehrungen" am Computer verzichten, das verleiht dem Film die nötige authentizität während der Kämpfe. Dabei gelang es ihm besonders gut dies bei der ersten Schlacht unter Beweis zu stellen. Diese spielt auf einer hauchdünnen Eisschicht über einem See. Da ja auf die Magie verzichtet worden ist, ist der Sieg der wenigen Ritter an Arthurs Seite, über die wirklich in sehr sehr großer Überzahl sich befindenten Sachsen mehr als ungalubwürdig. Außerdem zeigt die unblutige Schlacht, dass Herr Bruckheimer vielleicht doch angst hatte sein Film würde das junge Publikum nicht erreichen (Stichwort: Altersfreigabe).



Bei dieser ganzen Argumentation fehlt natürlich der Platz für die Schauspieler, die hier wirklich wenig glänzen und am aller wenigsten Til Schweiger der es immer wieder versucht in Hollywood zu schaffen aber mit der Rolle in King Arthur kommt der Druchbruch bestimmt nicht. K. Knightley ist wirklich schön und spielt auch mit allen ihr möglichen Fähigkeiten , doch aufgrund des sehr schwachen Drehbuchs kann sie kaum glänzen. Clive Owne als Arthur kann man durchaus akzeptieren und mehr auch nicht.



Doch das wirklich beunruhigende in dem Film ist nicht das was auf dem Schalchtfeld passiert (das ist nähmlich sowieso nichts) sondern dass was außerhalb des Feldes geschieht. Der Film soll die Entwicklung Arthurs von einem normalen Krieger zu einem disziplinierten und intelligeten Anführer zeigen, der den Mut und das nötige Charisma hat um alle wieder zu vereinigen und zu siegen. Doch leider sind seine gesprochenen Sätze nicht mehr als langweilige schon tausendmal gehörte Sprüche a la jeder Mensch wird frei geboren .. etc. An dieser Aussage lässt sich nichts aussetzen, sie aber leider ihrer Zeit vorraus und das viel zu weit, wie für die Zeit in der Arthur lebt. In dieser Zeit ist das mit dem Frei geboren werden nicht wahr und Arthur vergisst dabei, dass er selber in Gefangeschaft (nämlich der des römischen Imperiums) steht. Das schlimmst sind aber die Dialoge. Man spricht nicht miteinander man rezitiert (sogar in sehr intimen Situationen) fürchterliche Sprichwörter und philosophiert. Die dabei aufkommende Opernathmospähre ist nicht auszuhalten (Es fehlt nur noch das sie alle angefangen hätten zu singen).

Man kann sich "King Arthur" als nächsten Versuch Bruckheimers vorstellen einen soliden Mainstream zu produzieren aber dies würde dem Film nur schmiecheln. Es gibt so viele wirklich gelunge Verfilmungen der Arthussage wie z.B: "Excalibur" von John Boorman oder die wirklich gelungene Parodie von Monty Paython, "Monty Python und der heilige Graal". King Arthur ist einfaches Popcornkino ohne Höhepunkte und ohne hohes Niveau. Man kann sich also King Arthur ansehen aber warum?

Bewertung:

( 5 von 10 Raben)



28.07.2004 um 13:37 Uhr

Mindhunters



psycho-thriller, usa 2004
original: mindhunters
  regie
: renny harlin
drehbuch
: wayne kramer
          cast:
christian slater,
                                       james todd smith (ll cool j),
          val kilmer,
                  kathryn morris,
                          jonny lee miller, u.a.

Das Psycho-Thriller Genre hat es nicht leicht. Spätestens seit dem genialen und einzigartigen "Schweigen der Lämmer" fehlt in diesem Gebiet schlichtweg ein neues Konzept. Es mag vielleicht an den  Drehbuchautoren leigen, die nicht mehr im Stande sind eine Romanvorlage oder eine selbst konstruierte Geschichte cinematisch so umzusetzten, dass sich ein neues Kapitel für dieses Genre öffnet. Renny Harlin ist jedem FIlmfan bekann aus Actionklassikern wie der "Stirb langsam" Reihe. Doch seit dem hält sich der Regiesseur mit eher schlechten Produktionen über Wasser.Als er sich für Mindhunters in den Regiesessel warf konnte man nur schlimmes befürchten.  Was will man dann Mindhunters erwarten?



Diese Frage muss man genauso analysieren wie die Profiler des FBI. Um dese geht es nämlich in Mindhunters. Eine Gruppe von acht auszubildenden Profilern wird von ihrem Boss (Vel Kilmer) auf eine verlassene Insel gebracht, um ihren letzten Test zu bestehn. Ihre Aufgabe: Sie sollen ein gestelltes Mordsznenario lösen.Doch statt eines gestellten Mordszneraios finden sie sich schnell in der brutalen realität wieder und nur noch zu siebt. Eine rasante mörderische Jagd beginnt, bei der die Agents um jede Minute ihres Lebens kämpfen.



"Acht kleine Negerlein
die reisten bis nach drüben
Eines blieb für immer da
da warens nur noch sieben."

Dies schrieb die Meisterin des Krimis Agatha Christie in ihrem wohl besten Roman "Zehn kleine Negerlein". Und genau nach diesem Prinzip funktioniert "Mindhunters". Es beläuft sich hierbei nicht um einen Zufall, denn in den Produktionsnotizen vom Set steht, dass laut Jeff Silver von Outlaw alle Beteiligten Fans von dem Klassiker "Zehn kleine Negerlein" waren und wollten einen Film machen der abgeschottet von der Umwelt spielt.

Doch so löblich dieser Ansatz auch ist, ist die Verwirklichung auf der Leinwand eher schief gegangen. Dem Film fehlt das Analytische vom "Schweigen der Lämmer". Obwohl Acht Profiler auf der Insel sind, die das Profil des Mörders zusammen perfekt ausarbeiten hätten können, wird dieser Part der Story schmerzhaft vernachlässigt. Und das komischte dabei, es ist egal! Ja, denn aller fehlenden Logik zum trotz (die wirklich jedem Kritiker die Tränen in die Augen treiben lässt , wenn es z.B. um die düstere Geschichte der Insel geht werden die Lücken im Drehbuch überdeutlich), der Film wirkt. Und wie er wirkt.



Durch die enorme Geschwindigkeit, mit der die Morde geschehen, lässt erst gar nicht die Möglichkeit, sich als Zuschauer über mögliche Fehler und Ungereimtheiten den Kopf zu zerbrechen. Schnelle Schnitte,  eine Herzrasen verursachende Backgroundmusik und wirklich gut in Sznene gesetzte Spezialeffekte machen den Film über seine ganzen 100 Minuten Laufzeit wirklich zu einem spannenden Kinoerlebnis. Regisseur Renny Harlin hat auch den Schockmoment super in den Film integriet und somit ist es überaus löblich , dass während des Streifens das Publikum mehr als einmal in dem Kinosessel zuckt und sich die Schweißperlen von der Stirn wischt.Anders als beim wirklich sehr lauwarmen Thriller "Gothika", sollte man sich den Spaß nicht nehmen lassen den Film mit einer äußerst schreckhaften Begleitung zu sehen.
Da jeder Film ein Ende haben muss, kommt es auch bei Mindhunters unweigerlich zum großen Finale. Und genau hier bricht der Film ein weiteres Mal ein. Das für das Szenario gewählte Ende lässt wieder viele Fragen offen und versucht es nicht mal sie zu beantworten.Dies kann man auch hier nicht durch noch mehr Spezialeffekte oder diverse Schockmomente wieder wet machen. Das ist wirklich ärgerlich. Denn nun wirft sich der leise Verdacht auf , dass man sich doch eher mit viel Schießpulver als mit einem gut durchdachten Drehbuch den Kinosaal füllen wollte.
Hätte die Crew, um den Drehbuchautor Wayne Kramer ( Welcher ein brillantes Drehbuch zu "The Cooler" ablieferte) , das Buch welches als Vorbild für den Film galt wirklich gut gelesen , dann hätten sie gesehen wie man eine Mordserie abschotten von der Umwelt am besten Aufklärt.    
     


Denn keiner führt einen Mord so perfekt aus, wie die Mörder in Christies Romanen. So manch ein Rezensent wünscht sich insgeheim, dass die alte Dame ein paar Drehbücher geschrieben hätte. Was wäre das für ein Spaß gewesen.

Bewertung:

 

(Sieben von Zehn Raben)