Kinokritiker

08.10.2004 um 14:09 Uhr

Open Water



Ein Blick auf den Globus zeigt, dass über 70 % der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, doch handelt es sich dabei um das für die menschliche Nutzung nur schwer zu verwendende Salzwasser der Meere. Von den gesamten Wasservorräten der Erde entfallen 97,2 % auf Meerwasser. (Quelle: wissen.de)

Ein Fakt, welcher Daniel (Daniel Travis) und Susan (Blanchard Ryan) herzlich wenig interessieren wird. Die beiden sind einfach nur heilfroh, dass ihr spontaner Karibik-Trip so gut funktioniert. Beide sind extrem beschäftigte Menschen und schaffen es nicht mal im Urlaub den Laptop oder das Handy auszumachen. Entspannung erhoffen sich die beiden bei einem Tauchgang. Doch die passionierten Tiefseetaucher , sind von der Ruhe unter Wasser so angetan , dass sie die Zeit vergessen und als sie auftauchen, passiert wohl das, was man als schlimmsten Alptraum bezeichnen kann: Das Boot ist weg. Ja, allein gelassen auf hoher See und weit und breit keine Rettung zu erkennen.



Ein Lost-in-Sea-Erlebnis wie es im Buche steht. Je weiter die Menschheit expandiert, desto lauter werden Rufe nach den ersten Marskolonien. Dabei vergessen wir alzu schnell, dass wir 80% unserer Meere noch nicht erforscht haben. Kein wunder , dass es zu den Urängsten der Menschheit gehört , sich den dunklen kalten Tiefen der Ozeane zu nähern. Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann Chris Kentis (für "Open Water" auf dem Sundance Film Festival hochgelobt) bringt das erste mal seit der "Der Weiße Hai"-Reihe , wieder den Hai auf die Leinwand. Hatte man bei Spielberg noch die Möglichkeit auf dem Land einige Szenen zu verbringen und damit, zu 100 %  vor dem Monster geschützt zu sein, so entfällt diese Möglichkeit bei "Open Water".



In dieser Low-Buget-Produktion , bleibt der Computer ganz außen vor. Keine Szene ist Computergeneriert. Die Schauspieler mussten schon am ersten Tag in ein Haifischbecken steigen , um nur durch Kettenhemden geschützt, den späteren Ernstfall auf dem Meer zu üben. Außerdem wurde der ganze Film nur mit einer Digicam gedreht, was während der ganzen 74 Minuten Laufzeit ,den Zuschauer zum mittleiden zwingt. Keine Spezialeffekte, nur die Natur in ihrer äußersten Form wirkt auf den Zuschauer so bedrückend, dass man gar nicht wagt zu schlucken. Und dann stellt sich die Frage was wohl schlimmer sei, die über dem Pärchen kreisenden Geier oder die unter dem Pärchen kreisenden Haie.



Natur ist hier das Stichwort. Können wir uns vor der Natur fürchten oder gar angst haben? Natürlich können wir, wir müssen sogar. Wir sind ein Teil der Natur und nichts ist uns noch so unbekannt wie die Natur selbst.  Das merken Susan und Daniel schneller als ihnen lieb ist. Die beiden sind zwei höchst unterschiedliche Charaktere. Susan steht für den emotional denkenden Menschen und Daniel ist der rational denkende Part. Wer kann in dieser Außnahmesituation die Nerven behalten? Und als Daniel, wie Jack Nicholson in "The Shining", einen kompletten Auraster bekommt, fragt man sich: Wie lange kann das noch gut gehen? Was bedeut, dass immer weniger nach Hoffnung klingende "Ich liebe dich", was sich die beiden scheinbar jede Stunde zu flüstern?



Böse Zungen behaupten "Open Water" sei eine Art "Blair Witch Project" auf dem Wasser. Totaler Blödsinn. Über die cineastische Qualität von "Blair Witch Project" wurde schon genug gesagt. Ich fasse mal kurz zusammen: debiler hirnloser Quatsch.
Dagegen ist, "Open Water" ein Thriller, welcher dem Publikum keine Zeit zum Atmen gibt. Eine Reise mit ungewissem Ende und ein Porträt zweier Menschen die einfach nur Urlaub machen wollten und denen das Schicksal einen Schlag verpasst, von dem sie sich nicht so schnell erholen werden. Daniel sagt mal:"Diese Geschichte werden wir bis an unser Lebensende erzählen."
Es stellt sich die Frage ob sie überhaupt die Möglichkeit dazu bekommen werden.



Bewertung:

 
(9 von 10 Raben)