Kinokritiker

30.01.2005 um 14:15 Uhr

House of Sand and Fog





drama, usa 2003
                     original: The House of Sand and Fog
      regie: Vadim Perelman
drehbuch
: Vadim Perelman,
                          Shawn Lawrence Otto
  cast: Ben Kingsley,
                  Jennifer Connelly,
                        Shohreh Aghdashloo,
             Ron Eldard u.a.

Einige Träume können nicht geteilt werden

Er arbeitet hart, Tag für Tag in der glühenden Sonne und auf dem heißen Asphalt, wie alle Anderen auch.Der Schweiss rennt ihm die Wangen herunter, wie allen Anderen auch. Und doch unterscheidet sich seine Gestalt von den Arbeitern.Alles was er tut wirkt stolz und so voller Kraft, dass man meinen könnte es handle sich um einen jungen Mann.Colonel Behrani (Ben Kinsley) ist aber schon über 40. Er hat einen Sohn und lebt mit ihm und seiner Frau in Amerika im Exil. Wenn wir den Iraner in seiner Uniform sehen, als er bei einer Hochzeit die Ansprache hält, erkennt man den Arbeiter nicht meh. Seine Augen funkeln wie Diamanten, wenn er von der Heimat erzählt.
Kathy (Jennifer Connely) hingegen hat ganz andere Probleme. Ihr Haus wird von der Bezirksverwaltung zwangsgeräumt und zur Versteigerung freigegeben. Verzweifelt und grundlos vor die Tür gesetzt ,findet sie trost bei dem lokalen Debuty Lester, der trotz Frau und Kindern, Kathys verletzter und hilfsbedürftiger Gestallt verfällt. Als Colonel Behrani Kathys Haus kauft, kommt es zur unvermeidlichen Konfrontation aller Charaktere,wobei die Ereignisse immer dramatischere Konturen annehmen.

Der Streit um Kathys Haus, steht im Mittelpunkt von "The House of Sand and Fog" und doch geht es hier mehr als nur um das Haus. Das Haus steht für die unerfüllten Träume und Hoffnungen der beiden Parteien.Für Kathy ist es der einzige Zufluchtsort den sie hat. Die Familie wohnt weit weg, und weiß nichts von ihrer mißlichen finanziellen Lage oder von der Trennung von ihrem Partner. Die Welt da draußen, die ihr so übel mitgespielt hat, vor der kann sich Kathy in ihrem Haus verstecken. Um so aufgeschmießener ist sie als sie es verliert.
Im Gegensatz dazu ist für Colonel Behrani und seine Familie das Haus ein Symbol für ihre Heimat, nach der sie sich so sehr sehnen. Es ist eine Erinnerung an jene gloreiche und vergangene Tage, an die sich Behrani immer voller Stolz zurückerinnert. Aber es ist dann doch viel mehr die Hoffnung der drei Einwanderer, sich in einer fremden Kultur einzuleben und von der noch ungewohnten und neuen Umwelt akzeptiert zuwerden. Ein Neuanfang also den sich wohl die meisten Immigranten wünschen.

Vadim Perelmans Hollywooddebüt funktioniert als knallharter psychologischer Thriller, aber auch als gesellschaftskritisches Drama. Perelman erstellt sein erstes Drehbuch auf der Grundlage des gleichnamigen Romans von Andre Dubus III. , der weltweit von Feullietonisten gefeiert wird. Als Perelman das Buch bei einem Flug von Rom nach L.A. las verliebte er sich sofort in den Stoff (Es sei angemerkt , dass auf eine ähnliche Weise Sam Ramini sich mit dem Stoff zu American Beautity angefreundet hat).Selbst mit seiner Mutter aus seiner Heimat Kiew nach Rom geflohen, musste Perelman oft sein zu Hause wechseln und konnte sich auf Anhieb in die Hauptpersonen des Romanes hineinversetzen. Als Ben Kinsley ihm zu sagte und auch Jeniffer Conelly , nach ihrem Oscargewinn (für "A Beautiful Mind")  ihre zuvor gegebene Zusage einhielt, hatte Perelman seine beiden Idealbesetzungen gefunden.

Und tatsächlich steht und fällt der Film mit seinen beiden Hauptdarstellern. Conelly beweist hier noch deutlicher als zuvor in "A Beautiful Mind" , dass sie eine außerordentlich begnadete Charakterdarstellrin ist, die es schafft auch ohne lange intelligente Dialoge zu glänzen. Es ist ihre Gestik und ihre Körpersprache die , die aufkommenden inneren Zweifel der Kathy so intensiv wirken lassen.Doch auch Conelly muss ihren Hut vor Altmeister Ben Kinsley ziehen, der durch die Bank durch von allen Kritikern zurecht das Lob ausgesprochen bekommt, seine beste Leistung seit Ghandi zu erbringen. Kinsley ist das Haus, groß, stur, mächtig und allgegenwärtig. Es ist ein wahrhaftiger Genuß und ein absolutes muss für jeden Kinofan Ben Kinsley in dieser Rolle zu sehen (vorallem in der Originalversion, denn sein antranierter iranischer Akzent ist mehr als nur glaubwürdig).

Nach den ganzen Superlativen fällt es oft schwer Kritikpunkte anzubringen. Die gibt es aber und man sollte sie wirklich benennen. So kommen einem angerissene Nebenhandlungen doch unnötig vor. Allen voran ist da die Beziehung zwischen Lester und seiner Familie zu nennen, die leider einige überflüssige Längen mit sich führt. Hier hätte man getrost mehr Zeit aufwenden können, um die kontroversen Charaktere näher zu durchleuchten. Denn einiges Handeln wird nicht so recht erklärt und somit bleiben einige Fragen auch gegen Ende hin offen. So ist der schnelle und unausgeführte Sinneswandel von Lester mehr als unglaubhaft und hinterlässt einen leisen unerfreulichen Beigeschmack, denn man hätte vermeiden können.

Doch man sollte sich von diesen Kritkpunkten wirklich nicht entmutigen.Perelsmans Debüt darf man als recht gut gelungen ansehen, auch im Hinblick darauf, dass es schon viel schlimmere Debüts gab, die Hollywood gerne vergessen würde. Es sei noch angemerkt, dass neben dem Duo Kinsley-Conelly , man durchaus ein Auge auf die Leistung der im Iran wohl bekanntesten Schauspielerin Shohreh Aghdashloo werfen kann. Dies taten die Mitglieder der Academy und beschenkten sie daraufhin mit einer Nomminierung als beste Nebendarstellerin.Somit ist "The House of Sand and Fog" exzellentes und hochklassiges Schauspielkino , dass seine 7€ Eintrittsgeld allemal wert ist.

Bewertung:
 
(8 von 10 Raben)

26.01.2005 um 20:26 Uhr

Closer





drama, usa 2004
    original: Closer
  regie
: Mike Nichols
drehbuch
: Patrick Mabler
           cast:
Natalie Portman,
               Julia Roberts,
            Clive Owen,
       Jude Law

"Sag die Wahrheit:Liebst du mich?"
Worte verletzen manchmal schlimmer als Waffen. Dies hat so ziemlich jeder einemal hautnah miterlebt. Und so funktioniert auch Mike Nichols neuer Film "Closer" (oder der meiner Meinung nach unnötig übersetzte deutsche Titel: "Hautnah")er ist nämlich, brutal ehrlich, eiskalt und verletzend zugleich. Der Fokus wird auf vier Personen gerichtet , die mehr oder minder durch absoluten Zufall sich verlieben. Zwei Männer und zwei Frauen in dem London von heute.  In kurzen Episoden werden jeweils die miteinander eng verknüpften Beziehungen der Päarchen offenbart. Mit der Zeit kristallisiert sich ein komplexes Liebesspiel heraus, welches mit klarer schärfe alle die Themen einer Beziehung anspricht und das schonungslos offen.

Ja, mit dieser Offenheit können vielleicht viele Kinobesucher so ihre Probleme bekommen, denn so dirket wurde im einem Hollywoodkinofilm selten über Sex , Liebe und Verrat gesprochen. Da wird keinen Blatt vor den Mund genommen und angesichts dessen , dass viele Menschen einfach nur bei dem Namen Julia Roberts schon ins Kino rennen und leichte Unterhalting a la "Pretty Woman" erwarten, wird es bei diesen Menschen eher zu Magenkrämpfen führen.
Genau deshalb ahndelt es sich bei "Closer um grandioses Kino und ein absolutes muss für jeden lebenden Kinofan. Denn wir haben hier das zweifellose Highlight des ersten Filmquartales 2005, keine Frage.

"Closer" ist eine andere Art Kino. Man kann es als verfilmtes Theaterstück ansehen ,was es auch ist. Patrick Marbel, feierte mit seinem Bühnenstück "Closer" seinen ersten Welterfolg und schrieb auch mit dieser Grundlage das gleichnamige Drehbuch.Dass sich Kultregiesseur Mike Nichols dessem annahm scheint schon kaum verwunderlich, wenn man seine Filmographie betrachtet. Mit der "Reifeprüfunge" und dem Beziehungsdrama "Wer hat angst vor Virgina Woolf" war Nichols quasi prädistiniert für diesen Job.

Der Film wird dominiert durch das hervoragend agierende Quartett Law, Roberts, Portman und Owen, wobei vorallem die letzten beiden die beste Leistung ihrer Karierre bringen. Portman spielt dabei die Rolle der jungen Stripperin so berauschend , dass sich vorallem dass männliche Publikum durch ihre freizügige Darbietung oft den Schweiß von der Stirn wischen wird. Überhaupt scheint dies , dass Portman-Jahr zu werden. Portman die bereits mit 13 in "Leon-Der Profi" ihr Filmdebüt gab, wird uns noch mit einer genialen Performance in Zach Braffs Regiedebüt "Garden State" beglücken (versprochen *.grins) und natürlich auch als Prinzessin Amidala in dem  ie Star Wars Saga" schließenden Teil "The Rivenge of the Sith".Damit ist der Golden Globe von letzter Woche in der Kathegorie beste Nebendarstellerin in einem Drama mehr als verdient.

Clive Owen gewann ebenfalls einen Globe letzte Woche und zwar in der Kathegorie bester männlicher Nebendarsteller.Und auch hier muss mangestehen verdient. Owen spielt in "Closer" wohl den wandlungsfähigsten Character, der sich vom unterdrückten Part zu dem Strippenzieher entwickelt. Allein für diese Leistung ist der Preis gerechtfertig.
In "Closer" dominieren die Dialoge. Es sind schonteilweise Wortschlachten die da gefühlt werden. Egal ob Mann gegen Frau oder Frau gegen Frau etc. der Schwächere wird in GRund und Boden getreten. Dabei verlässt den zuschauer nie das Gefühl im Theater und nicht im Kinosaal zu sitzten. Dafür sorgt das fast völlige Verzichten auf Hintergrundmusik zugunsten der Dialoge. Es läuft einem oft kalt deRÜcken runter,  wenn Owens Stimme laut wiederhalt wenn er Julia Roberts eine Hure nennt.Es ist ein unbeschreiblich seltsames Gefühl, dass man so noch nie im Kino gehabt hat.

Zweimal ertönt das musikalische Hauptthema, des Films und zwar am anfang und am Ende hören wir Damien Rice's Song "The Blower's Daughter", der wohl bei jedem Zuschauer zum absoluten Ohrwurm avanciert.Letztendlich muss man sagen, dass "Closer" kein "Gute-Laune-Film" ist. Man fühlt sich bedrückt und  es herrscht wahrscheinlich auch ratlosigkeit beim Zuschauer. Es ist ein Film darüber , dass "näher dran" meistes "weiter weg" bedeutet. Was soll man mit dem eben gesehenen bloß anfangen, was soll man nach Hause mitnehmen?
Vielleicht hilf ja folgendes Filmzitat:

"You don't know the first thing about love because you don't understand compromise."                                                   
    Larry (Clive Owen)


Bewertung:
 
(9 von 10 Raben)

23.01.2005 um 15:54 Uhr

I'am so soooooooorrrryy

Nun aus der Golden Globe Berichterstattung wurde aufgrund des Abistresses nichts aber jetzt und ich verspreche es hoch und heilig, geht es in die vollen, denn o wunder oh wunder die Oscars sthenn vor der Tür und ich habe mir in den letzten Tagen eine ultimative Drönung Cinema verpasst und kann nur sagen es gibt wirklich viel gutes zu berichten aber auch leider gottes einiges an mittelmaß.
Hier ein kleiner Ausblick auf kommende Highlights des ersten Quartales in diesem Jahr 2005.

-Hautnah
-The Aviator
-Mathilde
-Sideways
-Vera Drake
-Kinsey
-Garden State
-Mar Adentro
-Robots
-The House of Sand and Fog