Kinokritiker

07.02.2005 um 15:59 Uhr

Aviator






biopic, usa 2004
   original: The Aviator
               regie: Martin Scorsese
drehbuch: John Logan
                        cast: Leonardo DiCaprio,
                        Cate Blanchett,
                           Kate Backinsale,
                            John C Reilly u.a.


Adler ohne Flügel

Es ist schon erstaunlich wie schwer es ist einen Oscar zu bekommen. Martin Scorsese ist bisher der einzige Top-Regisseur in Hollywood , der auf den "Golden Knight" immer vezichten musste. Dabei steckt er doch immer so viel Energie und Arbeit in seine Werke, dass deren Fertigstellung meist mehrere Jahre brauchen. Weinige Leute zweifeln deshalb daran, dass es dieses Jahr schon fast sicher ist, dass Marty schon beginnen kann einen Platz auf dem Kamin für den Oscar freizumachen."Aviator" sein neuster Film, so tönen die meisten Kritiker, soll Scorseses unangefochtener Regiehöhepunkt sein. Vorsicht sage ich, es lohnr sich ein genauerer Blick, denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

Bei Howard Hughes handelt es sich sowohl um eine der schillernsten amerikanischen Persönlichkeiten, als auch um eine der tragischten. Sein Leben liest sich ja schon wie ein Drehbuch. Nach dem Tod beider Eltern lässt sich der junge Hughes , als volljährig erklären und war somit alleiniger Herr über das Millionenvermögen seiner Eltern. Er geht nach Hollywood und fängt an Filme zu drehen und zu produzieren. Dabei gelingen ihm einige der markantesten Filmwerke der Vorkriegszeit, wie z.B. "Hell's Angels" oder "Scarface". Hughs bekommt mit dem Durchbruch in Hollywood alles. Ruhm, Frauen und noch mehr Geld. Doch jede freie Minute widmet er seinem Hobby, dem Fliegen. Er ist aber kein Hobbyflieger, nein dafür ist Hughes zu ambitioniert, Er strebt nach Geschwindkeitsrekorden, dem Kick, der Gefahr, dem Todesthrill. Er riskiert viel, setzt oft alles auf eine Karte und akzeptiert kein nein. Hinter diesem Harakiriverhalten versteckt Howard sich in eine andere Welt, voller Neurosen ängste und Ticks. Q-u-a-r-a-n-t-ä-n-e halt es oft aus seinem Mund. Sauberkeit und der Ekel vor seiner Umgebeung werden für ihn zum FLuch und Alptraum zugleich,. Sein Leben entwickelt sich zu einem gefährlichen Spiel, dass Hughs aber spielen will.

Man merkt schon man kann über das Leben von Howard Hughes Bände schreiben und das macht Filmbiographien (oder wie das neuen Filmfachwort heißt: Biopic) so unglaublich anspruchsvoll. Anspruchsvoll für den Regisseur, die Schauspieler aber vorallem auch für den Drehbuchautor. Es ist klar, dass sich Logan bei dem Drahbuch zu "The Aviator" nur auf die Goldenen Jahre des Howard Hughes beschränkt, doch auch hier hat er entscheidende fehler gemacht. So ist der FIlm nicht als ein durchgängiges Ereignis zu betrachtet. Logan und Scorsese springen von Szene zu Szene ohne einen richtigen Bezug zur Gesamtheit zu nehmen.

Nun wäre es aber vermessen zu sagen, dass ein durchschnittlicher Kinofan dem Film nicht folgen kann. Man kann ihm folgen, zweifels ohne aber die Frage ist ob man das überhaupt will. Wie sehr kann man sich in Hughes leben hineinversetzen, was will man wissen was nicht? Es ist berechtigt zu fragen, ob das Leben von Howard Hughes überhaupt zu einer Verfilmung nützt. Denn "Aviator" kommt an großartige Biopics wie z.B. "Amadeus" oder "A Beautiful Mind" nicht ran. Außerdem ist die Überlänge des Films schlicht und einfach eine Qual. Manch einem mag dagegen "Herr der Ringe" als  Kurzfilm vorkommen. Es ist nämlich der Inhalt der die Überlänge vergessen lässt. Man will mehr Dialoge, mehr großartige Schauspieler, immer mehr. Doch bei Aviator ist dies nicht der Fall. Während der Vorführung wünscht man sich nicht nur ein mal, dass der nächste Absturtz Hughes der letzte ist.

Und doch ist nicht alles schlecht. Es ist sogar ziemlich viel gutes in dem über 3 Stunden langen Streifen. Da wäre zunächst einmal Leonardo DiCaprio. Als Howard Hughes erlebt der Zuschauer, den schauspielerischen Höhepunkt einer Kariere, die als Eisleiche in Titanic begann. Man spürrt förmlich wie sich DiCaprio in seiner Rolle eingelebt hat. Kein Wunder den es war seine Wunsch einen Film  über den Millionär zu drehen und somit war er auch maßgeblich an der Entstehung beteiligt. Aviator ist die DICaprio show, vergleichbar mit Charlize Theron in Monster lässt er nichts in Film nur an sich rankommen und dabei gibt es noch einige Glanzpunkte in der Besetzung. Da wäre zum einen Cate Blanchett die durch Performance als Katherine Hepburn, sich schon mal auf eine Dankesrede bei der diesjährigen Oscarverleihung vorbereiten kann. Wenn Blanchett als zickige und eingeschnappte Hepburn im Film auftaucht leuchtet die Leinwand auf, sie war eine wahre Bereicherng in Hughes Leben und sie ist es auch für das Publikum. Außerdem sind noch Ian Holm, John C Reilly und Alec baldwin zu nennen die in ihren kleinen Rollen neben DiCapio wirklich zur höchstform auflaufen, schade nur dass sie nicht noch mehr aus dem Schatten des mächtigen DiCaprio treten können.

Somit haben wir hier mit Aviator die erste kleine Enttäuschenung (oder ist es doch eine große Enttäuschung?) des Filmjahres und trotzdem wird uns dieser Film spätestens bis zum 27. Februar verfolgen, denn dann wird er wahrscheinlich (und das ist wirklich nicht gerecht), den Oscar für den besten Film bekommen.
Es bleibt festzuhalten, dass Scorsese auch wenn er den Oscar für Aviator gewinnen sollte, immer noch der Pechvogel Hollywoods bleibt. Für seine wirklich grandiosen Werke ungeehrt, würde er den golden Knight für einen eher mittelwertigen Film bekommen und dass kann wohl ganz und gar nicht in seinem ermessen liegen. Sorry Marty :-(


Bewertung:

(6 von 10 Raben)

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Kathleen schreibt am 08.02.2005 um 23:22 Uhr:Ich gebe Dir völlig recht mit der Behauptung, dass es schade wäre, wenn Scorsese ausgerechnet für diesen mittelmässigen Film einen Oscar bekommen würde.Dann lieber keinen Preis, und nochmal einen richtig guten Film machen. Denn drauf hat er\'s ja.



    Viel Spass auf der Berlinale und guck mal einen für mich mit ;)

Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.