Kinokritiker

14.02.2005 um 15:58 Uhr

Berlinale- "PANORAMA"





Im Programm des Panorama werden neue Filme renommierter Regisseure und Regisseurinnen neben Debütfilmen und spannenden Neu-Entdeckungen präsentiert. Die Filmauswahl versteht sich als ein Ausblick auf die Tendenzen des Arthouse-Kinos und versucht eine Brücke zu schlagen zwischen künstlerischen Visionen und kommerziellen Interessen.
Quelle:berlinale.de

Das zum offiziellen Teil, der den Panorama-Wettbewerb erklärt und schon hier kommen die Filme , die im Schatten des Wettbewerbes stehen, von denen aber einige um längen besser sind als die Wettbewerbskandidaten.

Forty Shades Of Blue
Ira Sachs zeigt in ihrem Drama eine ganz besondere Freiecksbeziehung zwischen ganz besonderen Menschen.Alan James ist eine Legende in Memphis. In den 60er und 70er Jahren, als der Memphis-Soul künstlerisch wie geschäftlich auf dem Höhepunkt war, produzierte er als einer von wenigen Weißen schwarze Musik.Jetzt wo die glorreichen Jahre vorbei sind, wurde es zwar Karrieremäßig ruhig um Alan James doch Privat ist er noch ordentlich im Geschäft.Alan hat einen erwachsenen Sohn – Michael. Das Verhältnis zwischen den beiden Männern ist nicht unkompliziert. Als Michael zum ersten Mal seit Jahren wieder in Memphis vorbeischaut, entwickelt sich die spontane Feindseligkeit, die er dem „neuen Mädchen“ seines Vaters (eine Russin mit Kind) zunächst entgegenbringt, rasch in etwas ganz anderes. Bald beginnen die beiden eine prekäre Affäre…
Ein wunderbar insziniertes Kammerspiel mit wirklich überaus großartigen Schauspielern bekommt man geboten wenn man seine 6€ für diesen Panorama-Wettbewerbsteilnehmer ausgegeben hat.Denn schließlich bewundert man hier den diesjährigen Sundance Festival Gewinner und das will schon etwas heißen! Einfühlsames , emotional gewaltiges Kino.


Va, vis et deviens| Live And Become
Eines vorweg: Auch wenn der Titel etwas dumm gewählt handelt es sich bei dieser französisch-israelischen Produktion um ein Kinoerlebnis der Extraklasse, nein noch viel mehr nur leider fehlen mir die Superlativen.
Äthiopien Mitte der 80er Jahre. Als es um die Jahreswende 1984/85 zu einer Hungerkatastrophe kommt, gelangen mit Hilfe Israels und der Vereinigten Staaten im Zuge der „Operation Moses“ mehrere Tausend äthiopischer Juden nach Israel – schwarze „Falashas“, die sich selbst als „Bet Israel“ bezeichnen. Genau in dieser Zeit gibt eine christliche Mutter ihr Kind unter der Lüge er sei auch Jude in die Obhut einer jüdischen Familie um ihn vom Hungertod zu retten. Dass muss man sich mal vorstellen, einmal in der Geschichte , mussten sich die Menschen als Juden ausgeben um zu überleben , dies war weiß Gott sonst immer anders. Wir begleiten diesen Jungen nach Israel, wo er neben ignoranz auch auf verstärkten Ausländer hass trifft. Der afroamerikanische Junge kämpft sich durch und erlebt neben des Krieges noch so einige andere tragische Wendungen, dabei vergisst er nie: Er ist ein Äthiopier, der überlebt hat.
Kino at it's best. Intelligent, emotional, clever und bewegend, ach! noch viel mehr als das. In ein politisches Festival, als was sich die Berlinale ja immer sieht, mit dem Schwerpunkt Afrika ist dies bisher der mit abstand beste Beitrag. Obwohl er so prikäre Themen in seinen Filmen behandelt sagt Regiesseur Radu Mihaileanu: „Die Menschen werden allzu oft nach alten und überholten Stereotypen beurteilt: Araber, Juden, Rumänen, Franzosen, Deutsche… Solche Identitäten sind restriktiv und grob. Sie sind einfach falsch."
Applaus bitte jetzt!!!!!

The Ballad Of Jack and Rose

Kommunensterben Ende der 80. Jack (einfach nur spitze: Daniel Day Lewis) versteckt sich und seine 16 Jahre alte Tochter Rose (herzerweichend:Camilla Belle) in einem Gebäude, dass früher als Kummunenhochburg galt. Darüber hinaus lebt Jack streng nach den Regeln und Ideologien der Hippiezeiten, wie Love, Peace & Happiness. Doch eine anscheinend immer ernster werdenede Krankheit zwingt Jack zurück in die Realität. Die Konfrontation der beiden mit der Außenwelt bringt so allerhand Probleme und Streitigkeiten mit sich, da überrascht es nur wenig, dass sich die Probleme bald bedrohliche Ausmaße annehmen.
Die mehrmalige Preisträgerin Rebecca Miller (“Angela,” “Personal Velocity”) erschafft hier kräftiges nahezu poetisches Werk, mit kraftvollen Bildern und einem grandiosen Esembel in dem wir Zeugen des Konfliktes eines Mannes werden, der an seinen Ideologien noch dann festhält, wenn alle Stricke reißen und einem Mädchen dessen Phase des Erwachsenwerdens durch seinen Vater eine ganz andere Richtungen nimmt als bei normalen Coming-of-age-Teens.

Willenbrock
Bernd Willenbrock ist Gebrauchtwagenhändler. Die Geschäfte laufen gut. Er hat eine schöne Frau, eine Geliebte, ein Haus in einem Neubaugebiet und einen Landsitz. Sein einziger Angestellter ist Jurek, ein erfahrener Mechaniker aus Polen, der die Autos für den Verkauf zurechtmacht.Sein Erflogsmotto "Hilf dir selbst" bekommt schließlich risse.
Wirklich guter deutscher Film über die Suche nach einem erfüllten Leben.





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