Berlinaletagebuch: 1.Tag

Berlin heißt seine Gäste mit einem miesen, kalten und nassen Wetter willkommen. Ein Omen? Nein sicher nicht. Berlin ist launisch ,wenn es ums Wetter geht. Wenn es regnen soll, dann regnet es, egal ob nun Hollywoodstars in der Stadt sind oder nicht. Doch auch ohne aufdringliche Plakate und Werbehinweise , merkt der Berliner ganz schnell, dass etwas großes im Anmarsch ist.
Wenn die Menschenschlangen zu kleinen Pappehäuschen größer sind als die bei "Starbucks" und wenn riesige Lastkraftfahrzeuge, mit bekannten Fernseh- und Radiologos die viel zu kleinen Straßen, die zum Marlene-Dietrich-Platz führen, versperren, so dass die Berliner Taxifahrer ihren ganzen Schimpfwortkatalog runterrattern können, weiß man es ist Berlinale-Zeit.
Und es ist seltsam, denn man stellt fest, dass auch in der meistens eher grauen Hauptstadt, tausende von Filmfans leben. Filmfans, Freaks, Cineasten und wie sie sich sonst nennen ( ich zähl mich jetzt mal auch dazu) sind schon ein seltsames Völkchen, aber sie heben sich deutlich vom "normalen" Berliner "Hotte" ab.
Sie lächeln, auch wenn es hart klingt, es ist so. Wenn sie in der Schlange stehen, um sich die heißersehnten Karten zu besorgen, stecken sie ihre Nasen tief in das Programmheft, um die langgestreckten Lippen und das Funkeln in den Augen zu verbergen.Bei nährerer Betrachtung könnte man sie fast mit Kindern verwechseln die in der Adventszeit durch die Kaufhäuser rauschen und sich in der "Kinderwelt" aufhalten.
Er mag es vielleicht leugnen, aber der Berliner mag es nicht lächelnd und fröhlich gesehen zu werden, es sind vielleicht noch die Überbleibsel der preussischen Tugend und Erziehung oder es ist einfach nur sein hauptstädtischer Stolz der es ihm nicht erlaubt, man weiß es nicht so genau.
Er trägt eine schwarze Jacke und dazu passende Jeans. Seinen Kopf bedeckt eine schwarze Basecap auf der prozig der Berlinale Bär seine Tatzen in den Himmel streckt. Er kniet auf dem roten Teppich und befästigt gerade einige Kabel mit einem Kabelbinder an einer silbrigen Stange. Dies ist der untere Teil des Berlinale-Eingangstores. Das Tor zum Berlinale-Palast. Hier durch werden alle die schreiten, die im Besitz einer Karte sind oder weltberühmt sind.
Doch jetzt um 12 ist noch nichts von dem zu erkennen, was hier um 18 Uhr los sein wird. Der rote Teppich wirkt unter der Plastikplane steril, erstickt und fast schon tod.
Er richtet sich wieder auf und ruft seinem Kollegen auf der Leiter zu, er solle sich beeilen. Der hantiert geschickt mit den letzten Fäden und Stricken die dem großen Eingangsposter sicheren halt geben.
Beobachtet werden die beiden von einer Gestalt am Rande des Eingangs. Wenn wir näher ranzoomen, erkennen wir ,dass ich es bin der unerlaubt über die Absperrung gesprungen ist. Mit großen Augen beobachte ich das ganze Szenario. Die goldüberzogene Bärenstatue ist 2,20 Meter groß und sieht ehrerbietig aber auch stolz aus. Hätte der Bär Augen würden sie wahrscheinlich genau so strahlen wie die, der FIlmfans, die immer noch in den Arkaden am Potsdamer Platz stehen und an ihrem Terminplan ordentlich pfeilen.
Ja, ich bin bereit für meine erste Berlinale, denke ich mir, als es unerwartet anfängt immer heftiger zu schütten.
Die Gestalt steigt über die Absperrung, schaut sich einen kleinen Augenblick um und fängt an zu rennen. Sie rennt an allem vorbei, bis sie schließlich im U-Bahneingang verschwindet.
