Frei vom Alkohol - So habe ich es geschafft

24.01.2013 um 15:08 Uhr

Mein schwieriger Weg weg vom Alkohol

von: Neubeginn   Stichwörter: Cut, down, drinking, Selbstentzug, Alkohol

Stimmung: euphorisch

Hallo Ihr Lieben,

 

ich möchte euch hier eine Plattform geben, um euch zum Thema Alkoholismus auszutauschen. Nun erstmal kurz zu mir. Ich bin weiblich, 29 Jahre alt und stehe mitten im Leben. Ich habe eine Ausbildung absolviert, einen Studienabschluss und studiere momentan auch wieder um einen höheren Abschluss zu bekommen. Privat läuft es auch gut. Ich habe einen lieben Freund, der immer für mich da ist. Bis hier klingt es alles recht idyllisch, doch so ist es nicht. Seit meinem 18. Lebensjahr habe ich mehr oder weniger viel und regelmäßig Alkohol konsumiert.

Einen ersichtlichen Grund dafür gab es bei mir nie und ich habe mein Leben bis vor ca 1 Jahr dennoch gut im Griff gehabt. Zwar war es auch da schon ein mehr als Maßvoller Alkoholkonsum aber ich habe es weiter ignoriert. Irgendwann vor 3 Jahren fing ich an, sogar häufiger tagsüber zu trinken, weil ich das leichte Gefühl mochte, dass ich dadurch für kurze Zeit hatte. Danach ging es mir immer schlecht und ich habe mich für mein Verhalten geschämt... Vor einem Jahr hatte es sich so stark gesteigert, dass ich nahezu den ganzen Tag angetrunken war. Immer nur soweit, dass ich mich noch kontrollieren konnte. Ich war an der Uni, schrieb Prüfungen, keiner hat etwas gemerkt. Mit den Monaten ging mir langsam die Kraft aus und ich beschloss, es zu stoppen. Ich wachte morgens auf mit dem festen Willen, aufzuhören doch nach einigen Stunden fing ich so stark an zu zittern, dass ich doch Alkohol trinken musste. Ich beschloss mit einem Arzt zu reden und vertraute mich an. Sie machte ein Blutbild und war schockiert. Sogar meine Leber hatte schon Schaden genommen. Sie überredete mich, einen stationären Entzug zu machen. Mein Freund bekam von alldem nichts mit. Ich sagte ihm, ich sei eine Woche im Urlaub und er glaubte mir. Ich war mir sicher, es allein zu schaffen und wollte nicht, dass er mich - auf die er immer so stolz ist, als Alkoholikerin sieht.

Der Entzug lief gut. Einzelzimmer, nette Pfleger, ich war euphorisch als ich das Krankenhaus verließ aber wie man mir sagte, scheint dass immer so zu sein und der Weg der vor mir lag würde noch nicht zu ende sein. Ich war überzeugt, dass ich nie wieder trinken würde. Falsch gedacht!! Bereits nach 2 Wochen fing ich wieder an zu trinken. Es war, als würde ich mir selbst von außen zusehen und nicht glauben können, was ich da tue. Auch diesmal steigerte es sich über 3 Monate immer mehr, bis ich wieder an dem Punkt angelangt war. Diesmal beschloss ich, es alleine durchzuziehen und machte mir einen Plan. Ich hatte einen Bericht gefunden über eine Studie, die die Methode des "Cut-Down-Drinking" als Basisansatz nutzte und sehr erfolgreich war. Ich habe also über einen Zeitraum von 5 Tagen die Trinkmenge reduziert, sodass kein körperlicher Schock oder Delirium oder sonstige Entzugserscheinungen auftreten konnten und ich am 6. Tag ohne Alkohol auskommen konnte. Diser Tag ist nun 45 Tage her und ich fühle mich super. Die Konzentration ist zurück, körperlich fühle ich mich auch viel fitter, habe wieder Lust, unter Menschen zu gehen,eben am Leben teilzunehmen. Ich bin froh, dass ich das alles ohne fremde Hilfe hinbekommen habe. Nun ist es an mir, dafür zu sorgen, dass ich nicht rückfällig werde. Ich überlege schon, mich ans Blaue Kreuz oder die Anonymen Alkoholiker zu wenden. Einen weiteren Rückfall könnte ich mir nicht verzeihen.

Vllt. konnte ich euch ja durch diesen Beitrag motivieren oder zumindest nachdenklich machen. Ihr könnt mir jederzeit gern Fragen stellen oder eure Meinung kundtun. Darüber würde ich mich sehr freuen.