Zu gut für diese Welt?
Oder einfach nur dumm?
Ich bin seit ein paar Tagen nicht so ganz auf der Höhe. Mich hat der Schnief erwischt. Und ich hab mich auf ein ruhiges Wochenende zum auskurieren gefreut. Ja, so war der Stand am Freitag. Zumindest als ich noch auf Arbeit war.
Dann fuhr ich los. Tralala, an nichts Böses denkend.
Auf dem Weg zum Hort seh ich eine bekannte Figur die Straße in gleiche Richtung langlaufen. Ha! Den kennste doch?
Hach,
kleines Zwischenspiel: ich habe gerade eine Freisprechanlage für mein
Handy ersteigert - zu einem echt günstigen Preis! Cool!
Weiter: mein Zweitsohn. Den hatte ich zufallig am morgen auch schon getroffen, als er, wie häufig, zu spät zur Schule marschierte. Also ich ihn angehupt: wo willste denn hin? Na zu Max. (mein Sohn). Ich wieder: Der ist doch bei Alpa (seinem Freund). Ja ich weiß. Häääääääääää? Er weiß, dass sein Kumpel nicht da ist, aber latscht trotzdem zu uns? Was ist er? Langeweilesüchtig? Wieder scharf auf stundenlanges warten vor der Tür? Sowas macht er nämlich öfters. Ich frag ihn also, ob er mitkommen will. Er will. Langer Rede kurzer Sinn: wenn Markus am Freitag bei uns ist, heißt das eigentlich schon automatisch, dass er bei uns übernachtet. Und eigentlich hatte ich ja nicht damit gerechnet, weil ja Max gar nicht zu hause ist und somit Markus gar nicht bei uns sein dürfte ... erstens anders, und zweitens als man denkt. Also schon mal nichts mit Samstag ohne fremde Kinder früh am morgen.
Später am Abend ruft meine Freundin Gudrun an. Sie fragt mich, ob ich Vanessa am Samstag vorbeibringen könne, denn da wäre Kindertag in der Kirche und Dana (ihre Tochter) würde da nur mit meiner Tochter hingehen wollen. Ach Gott, Kindertag in der Kirche, wann geht denn das los? Das klingt doch nach Stress schon am frühen morgen. Also nichts mit lange schlafen und ausruhen und auskurieren? Grübel, grübel, will ich das? Da kommt mein innerer guter Engel und tippt mir auf die Schulter und sagt: meine Liebe, geht es denn da nur um dich? Für wen ist das denn? Okay, sag ich, ja, es geht da nicht um mich, es geht um meine Tochter. Und wenn es was Schönes ist, dann will ich ihr das gönnen. Also frag ich mein Töchterlein: möchtest du mit Dana zum Kindertag gehen? Au ja! Okay, denk ich, Entscheidung gefallen, könnte ja Kind abliefern, und dann wieder ins Bettchen gehen und auskurieren, schlafen, lesen, gutgehen lassen, bis ich sie wieder abholen darf. Also sag ich zu.
Samstag früh ist meine Tochter unruhig, denn wir könnten ja verschlafen, nicht wahr? Also wird sie schon vor 8.00 Uhr wach, was eher selten vorkommt. Damit macht sie mich auch wach und das ist definitiv nicht die Zeit, die ich unter "ausschlafen" verstehen würde. Meine Söhne (leiblicher und Zweit-) schlafen noch seelenruhig. Und ich, die ich doch ausschlafen wollte, bin wach - argl.
Um viertel vor zehn bin ich bei Gudrun (früh genug war ich ja wach, um pünktlich aufschlagen zu können). Wir bringen die Kinder rüber und gehen wieder zurück in die Wohnung: ach, könntest Du mich nachher vielleicht noch bei einer Freundin vorbeifahren, du weißt ja, mein Auto ist kaputt. Und die hat heute Geburtstag ... und ich muss noch das Geschenk einpacken. Mein Teufelchen müht sich nach vorne und tippt mir auf die Schulter: jaja, so ist sie, wenn sie dich erst mal da hat, dann kann sie vielleicht noch das eine oder andere mitnehmen. Warum sind Engel eigentlich immer stärker??? Sei doch nicht so, sie hat doch gerade kein Auto, sie meint es doch nicht böse. Du kennst doch Gudrun, sie ist immer ein bisschen fern von dieser Welt. Du bist doch die Starke, das kannst du doch locker stemmen. Hallooooooo, Engelchen, ich fühl mich grad nicht so dolle! Einwand mit den wunderschönen weißen Flügeln weggewischt! Sie ist deine Freundin, und sie denkt immer an dich! Ja, ich weiß, sie hat mich richtig lieb und überhaupt. Blablabla
Na klar, mach ich das, Gudrun. Kein Problem. Oh, das ist ja so lieb von Dir. Danke, danke, danke.
Wir
also hoch und sie packt das Geschenk ein. Wenn wir aufeinander treffen,
dann plaudern wir aber auch ganz gerne. Und irgendwann fragt sie mich,
ob ich es denn eilig hätte. Nö, wieso? Hab nichts vor. Ach, sie hätte
da noch ein großes Paket zu packen, dass will sie an ihren Papa senden
und da, wo die Freundin wohnt, da wäre doch ein Laden, wo sie das Paket
abgeben könnte ...
Tralala ... okay, auch das mach ich, denn mein Engelchen sitzt schon auf meiner Schulter und lächelt mich strahlend an, dass einem das Gold schon aus den Augen träufelt. Ja, nun ist mein Engelchen mittlerweile richtig warmgelaufen und hat noch klasse eigene Ideen: Lad sie doch zum Mittag ein, du kochst ja eh für die Bande, da fällt auch noch was für Gudrun ab, die bestimmt wieder ungeplant und vergesslich ins Wochenende gerauscht ist. Und Timon (Gudruns Sohn und auch ein Freund meines Sohnes - was für Verbindungen, nicht wahr?) ist auch noch da, und den kannste gleich mitnehmen, dann freut sich Max und Timon bestimmt auch und Markus sowieso - der ja auch noch da ist. Vorschlag wird angenommen. Aber nur zum Teil, Gudrun hat doch tatsächlich einen Plan für diesen Tag und an dem hält sie auch tatsächlich fest: sie will eine ihrer Pflanzen von Ungeziefer befreien und das passiert heute. Also nehme ich Timon mit auf in mein Gebet.
Ach, könnte ich nachher Dana bei dir lassen? Du weißt doch, Samstags möcht ich doch immer gern zur Brücke (spiritueller Verein). Das wäre ganz lieb von dir. Und wenn du dann aber Timon hast, ich hätte ja Kelvin (noch ein Sohn von Gudrun) und Timon zuhause gelassen und nur Dana bei dir geparkt ... Mein Engelchen forsch voraus: na klar kein Problem, der fällt dann auch nicht mehr auf. Geht schon klar, geh man zu deiner Brücke.
Ja, so war dann mein Samstag länger und kinderreicher als geplant. Denn Gudrun ist dann erst gegen 22.00 Uhr wieder aufgetaucht. Habe sämtliche Übernachtungsanfragen abgeschmettert und mein Zweitsohn war da echt sehr anhänglich und hat ständig gefragt, warum er denn nicht übernachten darf, seine Mutter hätte es doch erlaubt! Also ehrlich! Wie kann ich denn nur: Er hat's dann nochmal im Auto probiert und ich habe ihm gesagt, dass es zwei Mütter sein müssen, die es erlauben. Aber ich hatte echt Schwierigkeiten mit meinem Engelchen. Das saß auf meiner Schulter und zog eine Schnute, weil ich doch tatsächlich auf mein Teufelchen gehört habe, dass gesagt hat: Schluss mit lustig, jetzt reichts, du warst nett genug, für die ganze nächste Woche schon im voraus. Aber ich hab immer verstohlen zu meinem Engelchen geschielt, und das guckte immer so traurig.
Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Gudrun zu sagen, ob es denn noch ginge? Sie weiß, dass ich krank bin und mich nicht gut fühle und dann schlägt sie erst um zehn Uhr bei mir auf. Aber was war? Na? Schon erraten? Da war ich meinem Engelchen hilflos ausgeliefert. Hab meine Klappe gehalten und meine Ruhe gehabt. Zumindest was dieses Thema betrifft. Und sie war doch so nett, zu erkennen, dass ich doch jetzt bestimmt meine Ruhe haben will und hat ihre Kinder dann genommen und ist gegangen. Nicht, ohne mir noch ein Küßchen aufzudrücken und noch mal ganz lieb danke zu sagen. Was mein Engelchen zum strahlen gebracht hat!
