Neulich.......

02.05.2011 um 23:23 Uhr

Die Belästigung

                         Neulich....

 

.... war ich bei meiner Cousine Barbara zu Besuch. Sie wohnt in einem ganz reizenden Haus in einer wirklich reizenden Gegend. Ziemlich nah an ihrem Haus verläuft eine reizende Landstraße. Das Wort „reizend“ ist eines der Wörter, die positiv wie negativ behaftet sein können. Was Haus und Landschaft betrifft, ist es positiv gemeint. Was die Landstraße betrifft, ist das ganz und gar nicht so. Die ist nämlich sehr stark frequentiert – unter der Woche morgens und abends vom Berufsverkehr und dazwischen von Menschen, die irgendwo hin müssen oder wollen. Am Wochenende von sehr vielen Menschen, die die reizende Landschaft genießen wollen.

Jetzt, wo der Frühling ins Land gezogen ist, gesellt sich – vor allem an den Wochenenden und Feiertagen - eine weitere Spezies der Landstraßenbenutzer hinzu: die meist belederten Männer und Frauen auf ihren Fortbewegungsmitteln mit 2 Rädern. Und bei aller Liebe – sagt Barbara – die nerven!!!! Gut 80 % dieser FahrerInnen fährt deutlich sehr viel schneller als erlaubt. Und das macht einen Höllenlärm. Wir haben uns gefragt, ob diese Motorradfahrer wissen, was sie den Anwohnern der Straßen, durch die sie donnern, antun und ob sie das mit Absicht machen.

Barbara sagte, neulich sei einer tatsächlich mit den vorgeschriebenen 50 vorbeigefahren und sie war so begeistert, dass sie ihren Autoschlüssel geschnappt hat und ins Auto springen wollte um ihm nachzufahren und ihn bei der nächsten Gelegenheit anzuhalten, ihn zu küssen und sich zu bedanken.

Sie hat es nicht getan! Sie meinte, nachher wäre er womöglich die nächsten Male mit 150 am Haus vorbeigefahren, vor lauter Angst, sie könnte ihn sonst wieder küssen!

Während wir auf der Terrasse saßen, eingehüllt in teils ohrenbetäubende Straßengeräusche, haben wir uns überlegt, was man tun könnte.

Der erste Gedanke: einfach diese rotweißen Schranken auf die Straße stellen mit dem Schild „Gesperrt“. Unsere Vermutung war aber, dass das sehr schnell durchschaut wird.

Der zweite Gedanke: ein Schild „Vorsicht – riesige Ölspur“ , aber auch hier ist ein schnelles Durchschauen wahrscheinlich.

Der dritte Gedanke schien mir der pädagogisch wertvollste: ein Schild mit folgendem Text: "Liebe Motorradfahrer - hier wohnen Menschen, die sich an Sonn- und Feiertagen erholen möchten. Bitte nehmen Sie Rücksicht und fahren Sie die vorgeschriebene Geschwindigkeit!"

Barbara sagt allerdings, das bringt nix, denn mehr als max. das "L" von "Liebe" sehen die gar nicht bei dem Tempo mit dem die hier durchjagen.

Unsere Gedanken wurden allmählich deutlich unfreundlicher: „Einen unsichtbaren Draht über die Straße spannen“ war das daraus resultierende  Ergebnis.

Wieder etwas humaner wollten wir ein Rohr über die Straße legen und darüber Holzbretter, wie das offiziell bei Baustellen gemacht wird. Darüber kann man ja nur ganz langsam fahren.

Aber: siehe Gedanke eins und zwei: das wird durchschaut.

Nachdem wir feststellen mussten, dass das alles nichts helfen wird, hatten wir beim nächsten Motorrad, das locker mit 120 am Haus vorbei bretterte, einen sehr unschönen Gedanken; All die, die so rücksichtslos fahren, müssten hinter der nächsten Kurve so dermaßen auf die Schnauze fallen, dass ihnen selbst außer ein paar blauen Flecken nichts passiert, die Maschine dafür aber komplett im A.... ist. Gar nicht nett – ist klar. Aber was diese Fahrer machen, ist auch gar nicht nett - ist auch klar!

Man könnte die Fahrer auch anhalten und bitten, mal 20 Minuten mit auf der Terrasse zu sitzen und sich anzuhören, wie sich das anhört, wenn Motorräder vorbeirasen. Das würde sicher helfen. Aber womöglich würden sie dann gar nicht mehr Motorrad fahren wollen wegen des Lärms und säßen einem dann ewig auf der Terrasse rum!

Ich habe dann beschlossen, zunächst mal diese Kolumne zu schreiben. Vielleicht liest sie ja der ein oder andere der Motorradfahrer und denkt beim nächsten Mal zwischen Ortseingang und -ausgang an die „50“!

Barbara und ich überlegen derweilen weiter.......

02.05.2011 um 23:10 Uhr

Die Auffrischfrage

                                Neulich....

 

.... war das Thema bei einem der vielen intensiven, aufschlussreichen, intellektuellen und den Geist bereichernden Telefongesprächen, die ich mit meiner Freundin Regina sehr oft führe, „alte Bekanntschaften auffrischen“. (Nebenbei bemerkt sind alle Gespräche, die Frauen mit ihren Freundinnen führen intensiv.... s.o.).

Wir haben uns gefragt, ob es gut oder schlecht, falsch oder richtig ist, den Kontakt zu Menschen, mit denen man sich einmal sehr gut verstanden hat, die man aber seit vielen Jahren aus den Augen verloren hat, aufzufrischen.

Vor 26 Jahren haben Regina und ich uns kennen gelernt - über eine Anzeige, die sie damals aufgegeben hat und auf die ich mich bei ihr gemeldet habe. Auch Conny hatte sich bei ihr gemeldet und über einige Jahre waren wir Drei fast unzertrennlich. Der Kontakt zu Conny ging irgendwann verloren, sie ist weggezogen aber Regina und ich haben immer wieder an sie gedacht.

Vor knapp 2 Jahren kam dann eine Nachricht über wer-kennt-wen bei mir an: von Conny. Wir haben telefoniert, uns getroffen und es war eigentlich alles wie früher. Es ist schön, Conny „wieder zu haben.“

Gerade über wkw ist es ja recht einfach, Menschen von früher wieder zu finden und hier merkt man auch, dass sich die anfängliche Begeisterung sehr oft sehr rasch legt und man sich außer dem Abfragen und Erzählen der Erlebnisse der letzten Jahre nicht mehr viel zu sagen hat.

Man sieht das auch bei Klassentreffen: Es ist schön, die alten Weggefährten zu sehen, aber oft geht es über das heimliche Wundern „Ist der alt geworden!“ „Die war doch früher nicht so dick!“ oder die späten Bestätigungen „Das war ja abzusehen, dass aus dem nix wird!“ „Wusste ich es doch, dass diese Ehe in die Brüche gehen wird!“ nicht hinaus.

Regina und ich kamen auf dieses Thema, weil ich in letzter Zeit öfter an einen Kollegen von früher aus den guten alten Fernmeldeamt-Zeiten denke. Und mich frage, ob ich ihn mal anrufen soll. Aber mich dann doch nicht traue. Es ist ein netter alter Kollege – wobei das „alt“ sich natürlich nicht auf ihn oder mich sondern nur auf  die „alten“ Zeiten bezieht. Ich bin ja noch nicht alt! Er auch nicht – nur älter als ich ;-)!

Ein guter Freund, der diesen Kollegen ebenfalls von früher kennt, meinte: „Ruf ihn an! Der ist doch ein ganz Lieber! Wovor hast Du Angst?“ Ja, wovor? Davor, dass er womöglich Alzheimer hat und mich gar nicht mehr kennt! Oder, dass er sagt: „Ach Du liebe Zeit, wieso rufen Sie mich denn an?“

Heute habe ich mich getraut! Ich habe angerufen! Und ihn gefragt, ob er sich noch an mich erinnert. Und was hat er gesagt: „Natürlich, ich lese doch alle 4 Wochen Ihre Kolumne!“

Keine Spur von Alzheimer! Es geht ihm supergut! Er ist noch genau so wie früher! Herr Sch....., ich hab mich gefreut, von Ihnen zu hören! Und ich bin begeistert, dass auch Männer Kolumnen lesen!

                                           

26.01.2011 um 18:25 Uhr

Der Sammelmodus

Neulich....

.... kam meine Tochter mit einer Freundin und deren Freundin zu Besuch. Letztere sagte nach einem Blick auf meine beiden alten Küchenbuffets: „Oh, hier sammelt jemand Kaffeekannen!“  Angesichts der 64 Kannen auf den Buffets drängt sich dieser Gedanke natürlich auf. Dabei war das nie geplant. Ich habe nur mehrere Kaffeeservices und die passten zwar in die Schränke, aber die zugehörigen Kannen leider nicht. Also hab ich irgendwann beschlossen, die Kannen einfach statt in den Schrank auf den Schrank zu stellen. Ein Entschluss mit weitreichenden Folgen. Eines Tages kam ein Freund meiner Tochter und überreichte mir mit den Worten „Sie sammeln doch Kaffeekannen – die hab ich auf dem Flohmarkt entdeckt!“ eine Kaffeekanne! Auf meinen fragenden Blick hin meinte er: „Da oben stehen doch welche!“ Achso, ja klar! Freudig nahm ich die Kanne und stellte sie dazu.
Nicht lange danach kam meine Freundin mit einer Kaffeekanne und erklärte mir, dass ihre Mutter die nicht mehr brauche, weil sie immer nur die der Kaffeemaschine nimmt und bei mir sei die Kanne doch gut aufgehoben.
So ging das immer weiter – sobald irgendwo ein Haushalt aufgelöst wurde oder eine Kaffeekanne nicht mehr gebraucht wurde, fand sie auf meinem Küchenbuffet eine neue Heimat. Es sind wunderschöne Stücke dabei aber auch einige, die dieses Adjektiv absolut nicht verdienen. Die werden dann einfach hintendran gestellt. Es führt kein Weg daran vorbei: Ich sammle Kaffeekannen!
Vor einiger Zeit habe ich Joghurt gekauft. Dazu gab es einen Spielzeugtruck. Der war schön. Dann gab es beim Kauf einer Margarine ebenfalls einen Truck. Und kurz danach beim Kauf eines Kastens der bekannten braunen Limonade. Somit hatte ich in kurzer Zeit drei Trucks und prompt schaltete mein Gehirn in den Sammelmodus. Mittlerweile habe ich 27 Trucks. Ich sammle Trucks!
Vor einigen Jahren fand ich Porzellanpuppen wunderschön. Vier Stück hatte ich in meinem Wohnzimmer stehen. Bei einem Besuch sagte meine Freundin zu mir: „Du hast zuviel Dekozeugs rumstehen. Das sind z. B. zu viele Puppen!“ Ich beschloss, dass sie Recht hatte und schaffte es, den Sammelmodus abzuschalten. Und dann kam zum nächsten Geburtstag genau diese Freundin und schenkte mir was? Richtig: EINE PORZELLANPUPPE! Nein, ich sammle keine Porzellanpuppen. Mittlerweile stehen sie im Keller und einige davon haben bei einer netten Nachbarin meiner Tochter ein neues Zuhause gefunden. Ich habe sie ihr weitergegeben, denn ich habe bei ihr 2 Porzellanpuppen stehen sehen – folglich sammelt sie Porzellanpuppen.......
   

10.03.2010 um 20:37 Uhr

Der Mustergatte

Neulich.......

....... zeigte mir meine Waage beim morgendlichen Wiegen 100 Gramm mehr an, als am Tag zuvor. „Naja, 100 Gramm“, dachte ich mir, „macht ja nix!“ Vier oder fünf Tage später wiederholte sich das und dann plötzlich wurden die Abstände kürzer. Das fand ich jetzt schon etwas dreist von meiner Waage. Und dann wurde sie richtig unverschämt! Sie dachte wohl, nur weil ich sie nicht gerügt habe, ob dieser 100 Gramm mehr, könnte sie nun machen, was sie will! Ich habe diese Waage schon längere Zeit immer mal wieder im Verdacht, dass sie ein perfides Spiel mit mir spielt! Peu à peu zeigt sie mir immer öfter 100 Gramm mehr an und wenn ich nicht energisch Einhalt gebiete, „erhöht“ sie sofort! Aber ich will sie ja nicht verprellen! Schließlich hat mein morgendlicher Kontakt mit ihr einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, wie meine Stimmung für den Rest des Tages ist. Außerdem: wenn ich - wie schon vorgekommen, ich gebe es rückhaltlos zu - sie anschreie: „Blöde Waage, spinnst Du? Du hast ja wohl einen an der Waffel!“, verfällt sie womöglich in tiefe Depression? Oder motzt? Und welche Frau will schon eine Waage zum Feind haben? Und wenn man mal genau darüber nachdenkt: so eine Waage an sich hat es wirklich nicht leicht in ihrem Leben: jeder trampelt auf ihr herum!!!!
Vielleicht verweigert sie dann ihren Dienst und ich muss mit meiner Körperanalyse-Waage zum Psychoanalyse-Kundendienst!
Also beschloss ich, zunächst mal den Fehler bei mir zu suchen und nahrungsaufnahmemäßig etwas kürzer zu treten. Sofort rief ich meinen Mann auf der Arbeit an und bat ihn, mittags im Imbiss nebenan eine Mahlzeit einzunehmen, damit ich abends nicht kochen muss, sondern mir lediglich einen Eiweiß-Drink zubereiten kann.
Als mein Gatte von der Arbeit nach Hause kam, meinte er voller Verständnis: „Schatzi, ich habe schon einen Speiseplan für mich für die ganze Woche (es war Montag) aufgestellt. Heute Abend esse ich den leckeren Sauerbraten aus der Gefriertruhe (eismann sei Dank!).
Morgen hole ich mir Pizza und übermorgen was von Burger King. Am Donnerstag mache ich eine Brotzeit mit Wurst und Käse und am Freitag hole ich mir ein halbes Hähnchen! Ist das nicht toll? Dann hast Du keine Arbeit und musst nicht kochen, obwohl Du selbst nix essen willst!“ Ich war gerührt! Einen so verständnisvollen Mann kann sich doch jede Frau nur wünschen, oder? Viele Männer würden sicher sagen: „Das ist mir doch egal, ob Du abnehmen willst, aber Du kochst mir gefälligst was!“ Und ich habe einen, der mich unterstützt, der mir beisteht, der versteht, um was es mir geht! Was bin ich doch gut dran mit meinem Mann. „Schatzi, ich fahre grad noch mal zum Edeka“, rief der Mustergatte da gerade und verschwand.
Dann kam er zurück! Und überreichte mir mit der Bemerkung  „Die magst Du doch so gerne“ stolz und freudestrahlend eine große Packung mit 24 Vollmilch- und Zartbitter-Ostereiern, gefüllt mit 4 verschiedenen Obstbränden.......


26.02.2010 um 15:06 Uhr

Der Frühjahrsputz

Neulich.......

... erreichten endlich einige Sonnenstrahlen Mainz-Laubenheim und fielen durch mein Fenster! Endlich??? Als ich sah, worauf sie fielen, war ich mir nicht mehr sicher, ob mir nicht der sonnenlose Winter oder ein verregneter Frühling lieber ist. Ihr Einfall zeigte nämlich gnadenlos, dass in meiner Wohnung Staub lag! Und da, wo kein Staub zu sehen war, lag es nur daran, dass das Fenster so beschlagen war, dass ihr Einfall gebremst wurde. Das brachte  mich notgedrungen auf den Einfall, die Fenster zu putzen - mit dem Ergebnis, dass der Staub nun überall sichtbar war. „Darüber muss ich mal eine Kolumne schreiben“, dachte ich bei mir. „Vielleicht meldet sich jemand, bei dem das auch so ist und bringt mich von dem sich mir stark aufdrängenden Gedanken ab, dass ich keine gute Hausfrau bin!“
Ich ging nach oben an den PC, um das sofort zu tun. Ohweia! Auf dem dunklen Schreibtisch: Staub! Also ab in den Keller, Staubwedel holen! Im Keller angekommen begrüßte mich der Trockner mit lautem Piepen. Ich räumte ihn aus, legte die Wäsche zusammen und ging nach oben, um sie einzuräumen. Im Schlafzimmer angekommen, fiel mir auf, dass die Betten noch nicht gemacht sind. Also schnell Betten gemacht. Und fix die Papierchen der 14 Sahnebonbons, die mein Mann abends als Betthupferl genascht hat, vom Nachttisch in den Mülleimer! Oh, Mülleimer voll! Ich brachte ihn in die Mülltonne in den Keller. „Pieppieppiep“ – begrüßte mich nun die Waschmaschine. Wäsche schnell in den Trockner – ups: Wasserbehälter voll! Stimmt, das Flusensieb muss auch mal wieder durchgespült werden. Ich ging damit nach oben und spülte es in der Badewanne aus. Und putzte auch gleich das Waschbecken. So, jetzt wieder runter an den Trockner und anstellen. Irgendwie sind ein paar Flusen auf der Treppe gelandet. Also hab ich schnell die Treppe gesaugt und wo ich  mit dem Sauger schon mal im Erdgeschoss war, hab ich hier weitergemacht! Als ich dabei in die Küche kam, sah ich, dass die Spülmaschine fertig war. Ich räumte sie aus und stellte die Gläser in den Schrank. Was war denn das an der Schranktür hier? Irgendwer hat die wohl mit klebrigen Fingern angefasst! Ich nahm ein Tuch, wischte die Tür sauber und wo ich schon mal dabei war, machte ich das gleich mit allen Türen und Schubladen. „So“, dachte ich, „jetzt hab ich mir aber einen Kaffee verdient!“ Ich stellte die Kaffeemaschine an und was „sagte“ sie mir: „Wasser füllen“. Der Wasserkanister in der Küche war natürlich leer. Also runter in den Keller, um Nachschub zu holen. „Pieppieppiep“ begrüßte mich freudig der Trockner. Ich räumte ihn schnell aus und ging mit der Wäsche nach oben. Nach oben gehen? Wollte ich das nicht irgendwie vor Stunden? Hatte ich nicht einen Gedanken, der mich nach oben gehen ließ? Was wollte ich da? Ich hoffe, es fällt mir wieder ein...