Die Belästigung
Neulich....
.... war ich bei meiner Cousine Barbara zu Besuch. Sie wohnt in einem ganz reizenden Haus in einer wirklich reizenden Gegend. Ziemlich nah an ihrem Haus verläuft eine reizende Landstraße. Das Wort „reizend“ ist eines der Wörter, die positiv wie negativ behaftet sein können. Was Haus und Landschaft betrifft, ist es positiv gemeint. Was die Landstraße betrifft, ist das ganz und gar nicht so. Die ist nämlich sehr stark frequentiert – unter der Woche morgens und abends vom Berufsverkehr und dazwischen von Menschen, die irgendwo hin müssen oder wollen. Am Wochenende von sehr vielen Menschen, die die reizende Landschaft genießen wollen.
Jetzt, wo der Frühling ins Land gezogen ist, gesellt sich – vor allem an den Wochenenden und Feiertagen - eine weitere Spezies der Landstraßenbenutzer hinzu: die meist belederten Männer und Frauen auf ihren Fortbewegungsmitteln mit 2 Rädern. Und bei aller Liebe – sagt Barbara – die nerven!!!! Gut 80 % dieser FahrerInnen fährt deutlich sehr viel schneller als erlaubt. Und das macht einen Höllenlärm. Wir haben uns gefragt, ob diese Motorradfahrer wissen, was sie den Anwohnern der Straßen, durch die sie donnern, antun und ob sie das mit Absicht machen.
Barbara sagte, neulich sei einer tatsächlich mit den vorgeschriebenen 50 vorbeigefahren und sie war so begeistert, dass sie ihren Autoschlüssel geschnappt hat und ins Auto springen wollte um ihm nachzufahren und ihn bei der nächsten Gelegenheit anzuhalten, ihn zu küssen und sich zu bedanken.
Sie hat es nicht getan! Sie meinte, nachher wäre er womöglich die nächsten Male mit 150 am Haus vorbeigefahren, vor lauter Angst, sie könnte ihn sonst wieder küssen!
Während wir auf der Terrasse saßen, eingehüllt in teils ohrenbetäubende Straßengeräusche, haben wir uns überlegt, was man tun könnte.
Der erste Gedanke: einfach diese rotweißen Schranken auf die Straße stellen mit dem Schild „Gesperrt“. Unsere Vermutung war aber, dass das sehr schnell durchschaut wird.
Der zweite Gedanke: ein Schild „Vorsicht – riesige Ölspur“ , aber auch hier ist ein schnelles Durchschauen wahrscheinlich.
Der dritte Gedanke schien mir der pädagogisch wertvollste: ein Schild mit folgendem Text: "Liebe Motorradfahrer - hier wohnen Menschen, die sich an Sonn- und Feiertagen erholen möchten. Bitte nehmen Sie Rücksicht und fahren Sie die vorgeschriebene Geschwindigkeit!"
Barbara sagt allerdings, das bringt nix, denn mehr als max. das "L" von "Liebe" sehen die gar nicht bei dem Tempo mit dem die hier durchjagen.
Unsere Gedanken wurden allmählich deutlich unfreundlicher: „Einen unsichtbaren Draht über die Straße spannen“ war das daraus resultierende Ergebnis.
Wieder etwas humaner wollten wir ein Rohr über die Straße legen und darüber Holzbretter, wie das offiziell bei Baustellen gemacht wird. Darüber kann man ja nur ganz langsam fahren.
Aber: siehe Gedanke eins und zwei: das wird durchschaut.
Nachdem wir feststellen mussten, dass das alles nichts helfen wird, hatten wir beim nächsten Motorrad, das locker mit 120 am Haus vorbei bretterte, einen sehr unschönen Gedanken; All die, die so rücksichtslos fahren, müssten hinter der nächsten Kurve so dermaßen auf die Schnauze fallen, dass ihnen selbst außer ein paar blauen Flecken nichts passiert, die Maschine dafür aber komplett im A.... ist. Gar nicht nett – ist klar. Aber was diese Fahrer machen, ist auch gar nicht nett - ist auch klar!
Man könnte die Fahrer auch anhalten und bitten, mal 20
Minuten mit auf der Terrasse zu sitzen und sich anzuhören, wie sich das anhört,
wenn Motorräder vorbeirasen. Das würde sicher helfen. Aber womöglich würden sie dann gar nicht mehr Motorrad fahren wollen wegen des Lärms und säßen einem dann ewig auf der Terrasse rum!
Ich habe dann beschlossen, zunächst mal diese Kolumne zu schreiben. Vielleicht liest sie ja der ein oder andere der Motorradfahrer und denkt beim nächsten Mal zwischen Ortseingang und -ausgang an die „50“!
Barbara und ich überlegen derweilen weiter.......
