Neulich.......

30.08.2008 um 20:15 Uhr

Das Kind zieht aus

Neulich.......

....... las ich auf dem Weblog meiner Tochter, dass sie von zuhause ausgezogen ist.
Der Titel lautete: „Das Kind zieht aus!“
Ich habe weiter gelesen und so erfahren, daß das Kind ausgezogen ist. So richtig aufgefallen war mir das nämlich noch gar nicht! Ich habe zwar bemerkt, daß es nicht mehr hier übernachtet und auch der PC weg ist - aber sonst.......

Das Kind stellt die These auf, daß die Tatsache, daß in unserer Familie ausziehende Kinder etwas zuhause zurücklassen, erblich bedingt ist.
Wenn dem so ist und es dieses "Zurücklaß-Gen" gibt, dann muß irgendwer unverzüglich die Politik und die Wissenschaft informieren, denn dann ist DIESES GEN UNGLAUBLICH MUTIERT!!!!!!!

Als  i c h  vor nicht allzulanger Zeit (.......Oh, Gott - das war vor über 34 Jahren!) von zuhause auszog, blieb allerhöchstens soviel von meinen Sachen zurück, wie locker in eine Streichholzschachtel passen würde - und ich spreche hier n i c h t von Kaminstreichhölzern!).
Mein Bruder hinterließ eine Kiste mit Cowboys und Indianern und ich glaube, im Keller stand noch eine Angel von ihm!
Zwischen unseren beiden Auszügen lagen knapp 12 Jahre - eine Genveränderung, die durchaus im Rahmen liegt.

Nun zum Kind: sowohl ich als auch der Onkel des Kindes zogen aus e i n e m Zimmer zuhause aus. Das Kind zieht aus d r e i Zimmern, einem Bad und zwei Speichern aus!
NICHT EINES DIESER ZIMMER IST LEER!!!!!!!!!
Das Kind erwähnt beiläufig Kinderbücher, Playmobil und Barbiepuppen! Mit dem, was das Kind an Spielsachen zurückgelassen hat, könnte man locker 5 Kinderheime und 18 Kindergärten versorgen!
Mit dem, was an Möbeln hier steht, könnte man mehrere Appartements möblieren!
Mit dem, was an Kosmetikartikeln hier ist, könnte man den ein oder anderen Kosmetiksalon einrichten!
Und mit dem Rest, der noch hier verblieben ist, könnte man 2 Wertstoffhöfe an die Grenze ihrer Aufnahmekapazität bringen!
Was dabei noch am Rande auffällt, wenn man das Alter der Mutter des Kindes hat: das Kind ist ausgezogen mit PC, TV, Videorekorder und DVD-Rekorder! Das alles hatte ich noch nicht mal, als ich schon Jahre ausgezogen war! Und ich habe auch den Mann, mit dem ich zusammengezogen bin, vorher geheiratet!
Jaja, ich weiß: die Zeiten....... blablablabla.......!

Wie mir zu Ohren gekommen ist, wurde von der ein oder anderen Seite der Freunde des Hauses vermutet, dass es mir doch sicher sehr schwerfallen würde, wenn das Kind nun auszieht. Es wurde sogar unterstellt, dass ich heimlich alle Kisten, die das Kind eingepackt hatte, wieder auspacken würde!
Welch ein Unsinn! Das Kind wird 25! Ich bin mit 19 von zuhause ausgezogen. Es wird Zeit, dass das Kind selbstständig wird und auszieht! Es wird Zeit, dass wir hier 3 Zimmer mehr zur Verfügung haben!

Allerdings besagt die Tatsache, dass der Kleiderschrank des Kindes erst zu zwei Dritteln vom Kind ausgeräumt worden war, als ich schon unsere Wintermäntel und -jacken dort hinein gehängt habe, auch wieder nicht, dass ich schon lange in den Startlöchern sitze und warte, dass der Auszug endlich erfolgt!


P.S.: Was ich noch sagen wollte/sollte/muss: Als am Samstag morgen Kind, Freund und Mann mit Möbeln und Krempel hier draußen waren (Nein! Mann hat nur geholfen, ist nicht mit ausgezogen), bin ich unter die Dusche gegangen und da hat das Duschwasser, das über mein Gesicht gelaufen ist, auf einmal ganz salzig geschmeckt. Keine Ahnung, woher das kam.......
(Aber das bleibt unter uns!)

30.08.2008 um 16:43 Uhr

Superfrau?

  Neulich.......

 

.......rief meine Mutter an. "Oh, gut, dass Du da bist", sagte sie, kaum, dass ich mich gemeldet hatte."Mein Kühlschrank ist kaputt, der Nachbar meint, es ist das Thermostat. Gell, Du kannst das - Du findest heraus, wo ich ein neues bekomme und Du beschaffst mir das! Und ich habe Post bekommen von der Krankenkasse, ich verstehe dieses Amtsdeutsch nicht. Wann kommst Du und schaust Dir den Brief an - Du weißt doch, was die meinen, Du bist doch total firm in solchen Sachen. Und ich habe eine Mieterhöhung bekommen. Das ist doch kein Problem für Dich, das mit dem Dauerauftrag ändern. Du machst das doch für mich?!

Kurz darauf rief meine Tochter an: "Hallo, ich wollte nur sagen, ich habe bei der Autofirma angerufen wegen dem Leasingvertrag  - Du musst das nicht mehr machen. Ich habe das schon alles geklärt mit dem Übernehmen des Autos.

Und es gibt da ein neues Anti-Viren-Programm. Aber mach besser nix - ich installiere Dir das, wenn ich wieder vorbeikomme.

Als ich aufgelegt hatte, fragte ich mich, wann das alles eigentlich passiert ist! Es muss langsam, still und heimlich geschehen sein. Und auf einmal war sie da! Die unglaubliche Veränderung, ja genaugenommen die "Mutation"!

Wann genau wurde ich für meine Mutter von der normalen Tochter zur alleswissenden und alleskönnenden Super- und Powerfrau und gleichzeitig für meine Tochter von der alleswissenden und alleskönnenden Mutter zur begriffsstutzigen und kaum noch zu was fähigen älteren Frau? Ist das der normale Lauf der Dinge? Ist das überall so? Und was von beidem bin ich nun wirklich? Superfrau oder hilflose Alte?

Nachdem ich mir einige tiefsinnige und philosophische Gedanken zu diesem Thema gemacht hatte, kam ich zu einem Ergebnis: Wenn ich mein Selbstbewusstsein stärken möchte, erkläre ich meiner Mutter einen in Amtsdeutsch verfassten Brief. Ich werde dann so gelobt, dass ich mir vorkomme, als hätte ich gerade eine einfache und funktionierende Methode entwickelt, wie die BRD ihre Staatsverschuldung gen Null fahren und zusätzlich noch die Lohn- und Einkommensteuer abschaffen kann.

Habe ich zu etwas mal absolut keine Lust, stelle ich mich dumm und hilflos und bitte meine Tochter, das für mich zu erledigen. Damit habe ich sogar ein gutes Werk getan, denn ich stärke das Selbstbewusstsein meiner Tochter,  so dass sie sich fühlen kann, als hätte sie gerade eine einfache und funktionierende Methode entwickelt, wie die BRD ihre Staatsverschuldung gen Null fahren und zusätzlich noch die Lohn- und Einkommensteuer abschaffen kann.

OHA!!!! 

Das könnte ja bedeuten, dass meine Mutter gar nicht so hilflos ist, wie sie vorgibt, sondern einfach nur mein Selbstbewusstsein stärken will. Und, dass ich gar nicht die Superfrau mit den tollen Ideen bin! 

Das wäre allerdings sehr schade. Denn ich hatte tatsächlich gerade eine einfache und funktionierende Methode entwickelt, wie die....... Aber ich will mich keinesfalls blamieren! Deswegen habe ich soeben die entsprechende Datei unwiderruflich gelöscht!

30.08.2008 um 12:27 Uhr

Capri-Hosen

Neulich.......

.....saß ich mit 2 weiteren Frauen auf einer Bank. Es war recht warm und wir trugen alle Drei Capri-Hosen.
Ein zu unserer Gruppe gehörender Mann stand vor der Bank meinte wohl, diesen Anblick auf einem Bild festhalten zu müssen. Er zückte seine Digitalkamera und machte eine Aufnahme.
Während es bis vor einigen Jahren noch so war, dass man solche Fotos zwar versprochen, aber nie tatsächlich bekam (Du hast doch vor 2 ½ Jahren mal Fotos von mir gemacht und wolltest mir Abzüge geben. Wann kriege ich die eigentlich?) ist es im Zeitalter der Digitalkameras (leider) anders. Bereits 2 Stunden später hatte ich das Foto als Anhang einer E-Mail auf meinem PC!

Meine Unterschenkel fand ich schon immer ausgesprochen unförmig und unschön. Auf diesem Bild jedenfalls sahen sie schrecklich aus - ich weiß nicht, ob es an der Kamera, am Stand der Sonne, am Blickwinkel des Fotografen, an der Qualität des Bildes, daran, dass die beiden anderen Frauen deutlich schlanker und größer waren als ich oder einfach an der Tatsache, dass meine Unterschenkel ausgesprochen unförmig und unschön sind, lag.

Dringend eines Trostes bedürftig, schickte ich das Foto an eine Freundin und schrieb dazu: „Sehen meine Beine nicht schrecklich aus?“
Prompt kam eine Mail zurück: „Deine Beine sehen aufgeschwemmt aus! Hast Du Probleme mit Wassereinlagerungen? Hast Du darüber schon mal mit Deinem Arzt gesprochen?“
Das war nun wirklich nicht das, was ich mir unter Trost vorstelle – ganz im Gegenteil.
Also schickte ich das Foto an eine zweite Freundin mit derselben Frage.
Prompt kam eine Mail zurück: „Mach` Dir nix draus. Von mir gibt es ein Foto, da sehe ich aus, als wäre ich im achten Monat schwanger.“
Ich versuchte es mit einer dritten Freundin und derselben Frage.
Prompt kam eine Mail zurück: „Was glaubst Du, wie meine Beine aussehen? Denkst Du, die wären schöner? Da musst Du drüberstehen! Es gibt wichtigeres im Leben!“
Da mir langsam die Freundinnen ausgingen, zog ich ein Resümee aus den Antworten:
alle hatten es sicher gut gemeint und wollten mich trösten – ABER KEINE HAT MIR WIDERSPROCHEN!!!!!!!!!!
Also   s i n d   meine Beine unförmig und unschön!

Solche Bemerkungen sind ähnlich hilfreich und aufbauend, wie die Antworten auf meinen Satz, dass ich nicht schwimmen gehe, weil ich im Badeanzug keine gute Figur mache. „Da laufen noch ganz andere `rum!“ „Dagegen bist Du schlank!“
Was ja auch wieder nicht meiner Auffassung, dass ich im Badeanzug keine Figur mache, widerspricht, sondern nur verdeutlichen soll, dass es noch schlimmere „Figuren in Badeanzügen“ gibt.

Ich habe eine Konsequenz aus der Geschichte gezogen: auch wenn es Capri-Hosen bis in Größe 50 gibt (was ich nicht brauche), heißt das noch nicht, dass frau sie auch unbedingt tragen muss, wenn sie diese Größe hat. Jedenfalls nicht, wenn die Beine nicht wohlgeformt sind oder das Selbstvertrauen nicht entsprechend groß genug ist.
Ich arbeite an Beidem.......

30.08.2008 um 12:26 Uhr

Graphiker

Neulich.........

.....telefonierte ich mit dem Sohn von Freunden, der sich gerade als Graphiker selbstständig gemacht hat. Unter anderem kamen wir auch darauf, dass ich ein paar Kolumnen geschrieben habe und nachdem er sie gelesen hatte, war er – wie auch ich – der Meinung, dass die Menschheit „unbedingt“ in den Genuss dieser Worte kommen müsse.
Er ist der Meinung, dass es noch das Ein oder Andere Sonstige gibt, was der Menschheit „unbedingt“ kundgetan werden müsse und hat zu diesem Zweck eine Website mit dem Namen www.unbedingt.com eingerichtet. Leider bis jetzt nur eingerichtet. Er versprach, die Website in den nächsten 4 – 6 Wochen soweit zu haben, dass ich meine Kolumnen darauf veröffentlichen könne.
Das war vor knapp 3 Monaten.......

Mittlerweile habe ich meiner Cousine von den Kolumnen erzählt und sie wollte sie unbedingt lesen.
Sie arbeitet in einem Altersheim und hat bei einem Seniorennachmittag eine davon vorgelesen. Die Senioren seien begeistert gewesen, berichtete sie mir und hätten unter frenetischem Beifall nach „Mehr davon“ verlangt.

Spontan keimte in mir der Gedanke auf, mit meinen Kolumnen auf eine Lesereise quer durch die Seniorenheime der Republik zu gehen. Ich hörte schon den Applaus in Form von auf den Boden klopfenden Gehstöcken und aufeinander klappernden Zahnprothesen!
Sah mich in der Adventszeit in weihnachtlich geschmückten Seniorenheimen unter mit künstlichen Kerzen reich bestückten Weihnachtsbäumen mit den Bewohnern stimmungsvolle Weihnachtslieder singen!
Schwelgte schon in Träumen.......  Doch halt!!!!!!!!!! Ich hatte ja schon meine Zustimmung für die Website gegeben. Beides ging nicht, oder? Musste ich hier rechtliche Dinge beachten?
Ich beschloss, dem Graphiker eine Frist zu setzen: entweder in 4 Wochen ist die Website fertig oder ich lese mich durch die diversen Seniorenheime.

Der Graphiker holte mich schnell aus meinen kühnen Träumen in die Realität zurück. Er meinte, ob ich wirklich von einem Erfolg zehren wolle, den ich von Menschen, die mehr oder weniger unfreiwillig meine Texte hören müssten, haben würde. Ich solle bedenken, dass diese Menschen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gar nicht in der Lage wären, rechtzeitig zu Beginn der Lesung das Weite zu suchen. Sei es, weil sie nicht gut laufen können oder weil sie sich sonst mit ihren Gehstöcken oder Gehwagen heftigst ins Gehege kämen.

Er meinte, der Erfolg, vor einem Publikum zu lesen, das freiwillig käme und auch noch freiwillig bliebe,  sei doch um ein vielfaches höher zu bewerten!

Jetzt frage ich mich, ob er Recht hat, oder ob hier wieder ein krasser Fall von Benachteiligung der Generation 50+ vorliegt!

Ich denke, ich werde die Seniorenheim-Lesereise im Auge behalten. Und wenn ich das mache, dann werde ich nach jeder Lesung einen Fragebogen verteilen, in dem die Senioren   beantworten müssen, ob sie wegen der Androhung von Essensentzug hier sind oder  nur nicht schnell genug aus dem Saal kamen oder ob sie freiwillig meine Geschichten angehört haben! (Ich denke, ich sollte mir einige günstige XXL-Lupen besorgen).

30.08.2008 um 12:23 Uhr

Lieblingscousine

Neulich.......

....bekam ich eine Mail von meiner Lieblingscousine. Da wir uns selten sehen, haben wir uns auf das Internet als Kommunikationsmittel verlegt.
In meiner vorangegangenen Mail schrieb ich - wie das bei Frauen nun mal so ist – vom Zu- und Abnehmen und meine Cousine antwortete nun, dass sie nicht mehr auf die Waage steige, weil sie ihre Depression erst später kriegen möchte.
Auch auf eine andere Bemerkung in meiner Mail antwortete sie mit dieser Begründung.
Meine Cousine ist 56 Jahre alt. Ich frage mich, w a n n  sie ihre Depression kriegen möchte. Was glaubt sie, wie lange sie wohl noch leben wird? Ich finde, sie sollte sicherheitshalber schon mal diesbezügliche Vorbereitungen treffen. Auf jeden Fall habe ich beschlossen, sie in diesem Vorhaben nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen! Schließlich ist sie meine Lieblingscousine!

Zur Zeit geht ihr etwas stark auf den Nerv – also ihr schmerzt ein Nerv. Vermutlich der Trigeminus, also ein Gesichtsnerv! Das verstehe ich: ich bin 54 und manchmal geht mir der Anblick meines Gesichtes im Spiegel auch gehörig auf den Nerv!
Auf jeden Fall musste sie zum Neurologen und da sie praktischerweise einen kennt, der in ihrem Seniorenheim tätig ist, fiel ihre Wahl auf ihn! (Ich muss dazu sagen, dass meine Cousine nicht in dem Seniorenheim lebt – also schon, aber sie übernachtet nicht dort. Sie arbeitet dort. Sie ist Heimleiterin! Ich persönlich bin mir da allerdings nicht so sicher! Hin und wieder kommt mir der Gedanke, dass das ein ganz perfider Trick ihrer Kinder ist, die Mutter ins Seniorenheim zu bringen, indem man ihr statt eines Zimmers ein Büro dort zur Verfügung stellt, sie ein bisschen am PC spielen und ein paar fingierte Telefongespräche führen lässt. So geht sie freiwillig und mit Freude dorthin und irgendwann werden ihr die Kinder dann wohl sagen, dass sie so wichtig und unersetzlich dort ist, dass sie künftig auch über Nacht bleiben muss.)

Womöglich ahnt sie von dieser Sache etwas, denn der Neurologe kam zu dem Ergebnis, dass sie eine Bissschiene benötigt. Folglich hat sie offensichtlich an irgendetwas schwer zu kauen!
I c h   kann das nicht sein, es muss etwas anderes dahinter stecken! Immerhin unterscheidet sie das von den meisten anderen Menschen in dem Seniorenheim, die eine Bissschiene nicht mehr brauchen, weil....... Lassen wir das!

30.08.2008 um 11:55 Uhr

Orthopäde

Neulich.........

.....beim Orthopäden. „Also Ihre Bauch- und Rückenmuskeln sind deutlich besser geworden. Aber Ihre Beinmuskeln.......! Sie sollten unbedingt mehr laufen!“
Laufen? Ich?????? Ich habe mir vor 6 Wochen ein neues Auto gekauft!
„Oder joggen!“
Joggen? Ich?????????????? Meine geliebte Lehrerin hat uns Mädchen früher gesagt: „Eine Dame rennt nicht!“ Und unsere Frage: „Aber wenn sie es eilig hat?“ wurde beantwortet mit: „Eine Dame hat es nicht eilig!“ Da stellt sich die Frage, ob ich dann jetzt rennen soll! (Eine andere Möglichkeit wäre die Frage, ob ich eine Dame bin, aber lassen wird das!).
„Sie können auch gehen!“ Wie jetzt? Wirft er mich aus der Praxis? Ach so! GEHEN!
Gehen? Ich???????? Naja....... das schon eher. Aber nicht mit angewinkelten Armen, als hätte man einen schlimmen Krampf drin. Dann schon eher Nordisches Gehen, auf deutsch „Nordic Walking“ genannt.
Das sieht immer so elegant aus, wenn man junge, schlanke Frauen mit diesen Stöcken so entspannt laufen sieht. Ob es allerdings auch mit 54 und 76 Kilo noch elegant aussieht.......
Aber ich habe mir Stöcke gekauft, eine Einführung beim Fachmann gemacht und los ging es!

Ich würde nicht sagen, dass es einen Riesenspaß macht, ich könnte ebenso wenig behaupten, dass ich nicht mehr ohne Nordic Walking sein kann, aber es hat was.
Das Leben verändert sich in manchen Bereichen. Man läuft und trifft andere, die ebenfalls laufen. Auch welche, die joggen. Das ist nett. Man grüßt sich höflich, wenn man aneinander vorbeiläuft. Da man meist die selben Leute trifft, „kennt“ man sich bald. Man lächelt schon von weitem, sagt „Hallo“ und läuft weiter – meist etwas beschwingter.

Aber dann trifft man noch andere Menschen regelmäßig und zwar die, die mit ihren Hunden Gassi gehen! Das ist eine ganz andere Gattung. Auch hier grüßt man sich freundlich und „kennt“ sich nach mehrmaligem Treffen, doch während ein Läufer nie beim einem Treffen stehen bleiben würde, um ein Schwätzchen zu halten, ist das für Hundeläufer selbstverständlich.
„Ach, Hallo, auch wieder unterwegs?“ (Soll man jetzt nickend weiterlaufen? Unhöflich!).
„Jetzt treffen wir uns ja wirklich täglich!“ (Soll man jetzt sagen „Messerscharfe Beobachtungsgabe“ und weiterlaufen?)
Trotzdem bleibe ich einsilbig und nicht stehen.

Gestern traf ich dann eine Nachbarin mit Hund. Sie stand am Wegesrand und beglückte ihren Hund mit Leckerlis! Als ich neben ihr war, meinte sie anerkennend: „Das nenne ich konsequent! Jeden Tag!“ Ich sage: „Ja, wenn man muß, macht man`s!“ „Ach,“ sagt sie, „ich müsste auch, aber ich mache es dann noch nicht. Aber ich gehe ja jeden Tag morgens eine Stunde mit dem Hund und mittags noch mal eine halbe Stunde. Das ist ja auch Bewegung!“
Mittlerweile stand auch ich und wir unterhielten uns über unsere Rückenprobleme. Derweil kam von hinten eine weitere Frau mit Hund, gesellte sich dazu und erzählte von ihren Rückenproblemen. Als von der anderen Seite eine dritte Frau mit Hund kam und von den beiden anderen Hundefrauen freudig begrüßt wurde, ergriff ich die Gelegenheit und nahm meine Runde wieder auf!
Als ich 30 Minuten später auf dem Rückweg wieder an die Stelle kam, an der ich die Nachbarin getroffen hatte, standen 4 Frauen mit ihren Hunden auf der Wiese. Die Hunde spielten und die Frauen unterhielten sich! Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass sie ihren Standort um 10 Schritte verlagert hatten.
Kurz kam mir der Satz der Nachbarin ins Gedächtnis „Ich gehe jeden Tag morgens eine Stunde mit dem Hund“ und ich fragte mich, ob ich sie wohl falsch verstanden habe und sie sagte: „Ich   s t e h e   jeden Tag morgens eine Stunde mit dem Hund!“ Womöglich sollte ich beim Ohrenarzt mal meine Hörfähigkeit überprüfen lassen. Das wäre dann sicher auch wieder Stoff für eine Kolumne.......

30.08.2008 um 11:51 Uhr

Apotheke

Neulich .......    

 

....... in der Apotheke. Nahezu jeder kennt es: man geht in eine Apotheke und löst ein Rezept ein oder kauft eines der vielen nützlichen, hilfreichen Dinge, die es dort so gibt.

Nach dem Bezahlen kommt die obligatorische Frage der Apothekerin/des Apothekers: „Geht das so oder möchten Sie ein Tütchen?“

Wer jetzt voreilig verneint, bringt sich in aller Regel um eine kostenlose „Zugabe“.  Sagt man freundlich: „Ach ja, bitte, das wäre nett!“, geschieht wohl in ziemlich jeder Apotheke das Gleiche: In leicht gebückter Haltung wird hinter dem Verkaufstresen eine Schublade  aufgezogen, das bekannte kleine, raschelnde Apothekentütchen herausgenommen, etwas wird hineingesteckt, der Einkauf dazugepackt und das ganze dann freundlich über den Tresen gereicht.

(Warum eigentlich wird das immer so geheimnisvoll und für den Kunden unsichtbar gemacht, dass man fast vermuten könnte, man würde gerade zum Drogenkurier erkoren oder bekäme geheime Staatsakten zugesteckt?)

 

Tatsächlich handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Päckchen der obligatorischen Papiertaschentücher! Kann man ja immer brauchen!

 

Oft zeigen die ApothekerInnen aber auch Kreativität und/oder scharfe Beobachtungsgabe. So kommt es vor, dass man, hustet man während des Einkaufs, einige Proben  Hustenbonbons in der Tüte entdeckt. Löst man mit krummem Rücken ein Rezept vom Orthopäden ein, findet man ein Pröbchen eines muskelentspannenden Badezusatzes.

Soweit – so gut!

Doch vor einigen Jahren geschah etwas Merkwürdiges: wie oben beschrieben löste ich ein Rezept in der Apotheke ein, die Apothekerin zog die Schublade auf, nahm das Tütchen heraus, griff nochmals in die Schublade und dann....... Dann warf sie einen kurzen, kritischen Blick auf mich, schob die Schublade zu, eine kleinere darüber auf, ließ etwas in das Tütchen fallen und reichte es mir.

Vor der Tür schaute ich neugierig in das Tütchen und fand 5 (!) Proben einer Creme für die reife, trockene Haut mit ersten Fältchen! Ich war 48 Jahre alt und geschockt!

Dann erklärte ich mir die Handlungsweise der Apothekerin aber damit, dass sie es mehr als gut mit mir gemeint hat und mir das alles einzig zur Vorbeugung eingetütet hatte.

 

Einige Monate ging alles gut was die Apothekenbesuche betrifft. Dann aber! Ich betrat (mittlerweile 49 Jahre geworden) eine Apotheke und da war es wieder, dieses „Schublade-auf-kritischer-Blick-auf-mich-Schublade-zu-und-andere-Schublade-auf“!

Mit zitternden Händen begutachtete ich vor der Tür meine Gratiszugabe und traute meinen Augen kaum: eine ganze Handvoll Tütchen mit Brausetabletten, versehen mit der Aufschrift „Vitamine und Mineralien 50+“!!!!!!!!! Unverzichtbar für alle über 50!!!!!!!

Über 50???????

Kurzfristig zog ich in Erwägung, nochmals in die Apotheke zu gehen und der Dame einen Besuch beim  ortsansässigen Augenoptiker vorzuschlagen und/oder ihr meinen Personalausweis unter die Nase zu halten!

 

Zuhause angekommen überfiel mich eine mittelschwere Depression und ich kam ins Grübeln!

Vielleicht sollte ich, solange Computer noch nicht mit automatischer Bildübertragung des Kunden arbeiten, künftig bei einer Internetapotheke einkaufen.......?