Neulich.......

14.03.2009 um 15:01 Uhr

Der Tanzschock

Neulich.......

....... kam meine Tochter zu Besuch. Mit bedeutungsschwangerem Blick sah sie mich an und meinte: „Dir ist aber schon klar, dass Du an meiner Hochzeit tanzen musst? Und zwar mehrmals: mit Deinem Mann, mit meinem Vater (diese beiden Männer sind nicht identisch), mit Deinem frisch gebackenen Schwiegersohn und mit dem Vater des Bräutigams!“

Ach du liebe Zeit! Ich hätte mir denken können, dass auch eine so schöne Sache wie eine Hochzeit irgendeinen Haken haben muss! Und da war er!!!!!!!!!!!! TANZEN! ICH!
Das Tanzen und ich sind in etwa so harmonisch zusammenpassend wie Tarzan auf dem Neujahrsempfang der Wirtschaft oder Tatjana Gsell im Vorstand der Mensa in Deutschland.  Obwohl noch nie sportlich, ging ich mit 14 in die Tanzschule. Es ließ sich ganz gut an, ich hatte einen recht netten Tanzpartner und das war nicht der 2 Köpfe kleinere, rothaarige, übergewichtige Junge, mit dem keine tanzen wollte!
Dann wurde ich leider krank und konnte zweimal hintereinander nicht zur Tanzstunde gehen. Exakt in einer dieser beiden Stunden wurden die Partner für den Abschlussball ausgesucht. Als ich wieder kam, hatte sich eine nette Mit-Tänzerin meinen Tanzpartner gekrallt – ich fürchte sogar, er hat nicht mal erkennbaren Widerstand geleistet – und es blieb nur noch ein Junge übrig. Sie ahnen sicher, welcher! Nun habe ich weder was gegen Kleinwüchsige, noch gegen Rothaarige noch gegen Übergewichtige – dennoch bin ich ab diesem Zeitpunkt weder weiter in die Tanzstunde noch auf den Abschlussball gegangen.
Somit sind meine Tanzkenntnisse und – künste eher rudimentärer Natur!   

Seit diesem Tag habe ich eine gewisse „Scheu“ vor jeder Party oder ähnlichen Festivität entwickelt. Fast wäre sogar der Ausdruck „Panik“ angebracht. Wusste ich im voraus, dass getanzt werden würde, ging ich schon mit Magenschmerzen hin! Sobald dann die Musik anfing, begann ich hektisch mit „Verhinderungsmaßnahmen“. Ganz oben ein sicheres Mittel: aufs Klo gehen! Kann man ja aber nicht ständig tun. Weiteres Mittel: schnell was zu Essen holen, möglichst was warmes (das könnte der Grund für meine heutigen Gewichtsprobleme sein).  Allen anwesenden Damen die Handtaschen wegnehmen und um mich herum aufbauen, war auch ganz gut. Eine muss ja drauf aufpassen, wenn alle anderen tanzen!
So tun, als sei man gerade umgeknickt war noch eine Möglichkeit und ab dann blieb nur noch, zu hoffen, dass die Party endlich zu Ende ist.

Dachte ich mal, es geht zu einer Feier, wo Tanzen nicht auf dem Programm steht, kam meist irgendwann ein tanzwütiger Hutsimpel auf die Idee, Musik anzudrehen und tanzen zu wollen. Dann musste wieder mein bewährtes Repertoire herhalten – immerhin war ich aber auf diese Feier gekommen, ohne vorher Magenschmerzen zu haben! ;-)

Und jetzt soll ich auf der Hochzeit meiner Lieblingstochter tanzen!?!? Die Mittelchen von früher will ich heute nicht mehr anwenden. Nicht hingehen ist völlig ausgeschlossen! Sich das schönste Ereignis entgehen zu lassen, wegen der dummen Tanzerei! Ein Schild umhängen: „Ich tanze nicht!“? Passt nicht zum Kleid!

Bleiben eigentlich nur noch 2 Möglichkeiten: ich kaufe mir eine Tanz-Lern-CD und übe die 2 gängigsten Tänze immer und immer wieder, so dass ich sie bis zur Hochzeit ohne größere Schäden anzurichten, bewältige!
Oder ich bitte meine Tochter, in alle Einladungskarten den Zusatz aufzunehmen: „Bitte beachten Sie, dass die Brautmutter nicht tanzt!“

Ganz ehrlich: ich tendiere zu Möglichkeit 2.......
                       

13.03.2009 um 16:42 Uhr

Der Ardennenschinken

Neulich.......

....... hatte mein Mann auf dem Heimweg von der Arbeit – wie meist – in einem Laden einen Zwischenstopp eingelegt, der Nahrungsmittel verkauft. Normalerweise ersteht er dann ein Kastenweißbrot mit 60 %igem Quark (Vernichtungsdauer 1,5 Tage) oder ein Rosinenbrot (Vernichtungsdauer 1,2 Tage) oder 2 Stücke Bienenstich (Vernichtungsdauer knappe 15 Minuten).

Dieses Mal war er bei Edeka und hatte eine Lage rohen Schinken und 2 knusprige Brötchen gekauft. Nach dem ersten Brötchen schwärmte er verzückt von dem leckeren Schinken. So einen guten Schinken habe er noch selten gegessen, verkündete er und den werde er gleich am nächsten Tag wieder kaufen. So geschah es auch.
2 Tage später wollte ich einkaufen gehen und fragte, wie denn der köstliche Schinken heißt, damit ich ihm welchen mitbringen könne. „Keine Ahnung“, sagte mein Mann. Und „Lass mal, ich fahre nach der Arbeit selbst vorbei!“ So geschah es auch.
Stolz kam er nach Hause und erklärte, er habe gefragt und der Schinken sei ein „Ardennenschinken“!

Am folgenden Wochenende war ich bei Edeka und wollte ihm seinen geliebten Ardennenschinken mitbringen. Die Fleischereifachverkäuferinnen dort sind alle sehr nett und wir kennen uns auch namentlich. Frau S. bediente mich und ich bat um Ardennenschinken. „Ardennenschinken???? Sowas ham wir nicht!“
„Doch“, sagte ich, „mein Mann hat ihn Anfang der Woche zweimal hier gekauft!“
Frau S. fragte ihre Kollegin Frau B., doch auch der war absolut kein Ardennenschinken bekannt.
Ich entschied mich dann für Schinkenspeck, der auch lecker ist und im übrigen nur ein Drittel des Preises der exklusiven Schinkensorten kostet.
Mein Mann überstand das Wochenende nur knapp und litt einer leichten Form der Depression. Gleich am Montag fuhr er nach der Arbeit zum Edeka und bekam seinen „Ardennenschinken“! Zufällig sah ich auf dem an der Ware angehefteten Zettel (an dieser Stelle ein großes Lob an die Erfindung der „Es bediente Sie.....“-Angabe auf selbigem), dass er den Schinken von Frau W. bekommen hatte.
Mitte der Woche holte mein Mann Nachschub und am Wochenende stand ich dann wieder vor der Wursttheke und verlangte siegessicher nach dem Ardennenschinken! Dieses Mal stand mir Frau G. gegenüber und erklärte ebenso standhaft, wie ihre Vorgängerinnen, dass es keinen Ardennenschinken gebe und auch noch nicht gegeben habe.
Ich sagte, dass mein Mann ihn aber immer hier kaufe und Frau W. ihn ihm verkauft habe.
Daraufhin öffnete Frau G. die Tür zum Kühlhaus und rief: „Frau W., komm mal bitte. Hier ist eine Kundin, die sagt, Du hättest Ardennenschinken verkauft!“ Aus den Tiefen des Kühlhauses hörte ich Frau W. rufen: „Ach, das kann nur die Frau F. sein!“ Dann kam sie und sagte zu mir: „Ich hab’ Ihrem Mann gesagt, dass das „Alemannenschinken“ ist, aber er sagt immer wieder „Ardennenschinken“. Nach dem dritten Mal hab ich nix mehr gesagt, sondern ihm den Schinken gegeben, den er wollte! Nehmen Sie den Alemannenschinken, das ist der Richtige!“

Mittlerweile wissen alle Damen der Wursttheke, welchen Schinken mein Mann gerne ist und er bekommt ihn – egal, welchen Namen er dafür angibt!

Und ich habe ein Argument dafür entdeckt, warum es doch von unschätzbarem Vorteil ist, wenn man Stammkunde ist und das Verkaufspersonal noch dazu weiß, mit wem man verheiratet ist!
                       

06.03.2009 um 17:29 Uhr

Der Friseurbesuch

Neulich.........

......... meinte meine Freundin Regina, ich könnte mal wieder zum Friseur gehen. Sie wurde sogar noch deutlicher. Sie sagte, es täte höchste Zeit werden, ich täte nämlich gar nicht gut aussehen auf dem Kopf. Haarfarbe straßenkötergrau und Frisur nicht vorhanden!

Man kann sagen, dass ihre zarten Andeutungen nicht von der Hand zu weisen waren. Deutlicher ausgedrückt: sie hatte absolut Recht. Mein letzter Friseurbesuch lag genau 12 Monate zurück. Damals hatte ich mir Kammsträhnchen machen lassen, damit einige der völlig die Oberhand (besser gesagt: den Oberkopf) gewonnen habenden grauen Haare nicht mehr so deutlich zu sehen waren. Meine Haarlänge ging bis dahin, wo ein typisch weibliches Bekleidungsstück im Rücken verschlossen wird.
Dieser Friseurbesuch war mein erster bei einem Mann! Er schlug vor, Kammsträhnchen zu machen, was er auch tat. Das Ergebnis war, dass es nun so aussah, als bekäme ich gerade eben  die ersten grauen Haare – der große Rest war schön dunkel. Super! Über die Haarlänge sagte er trotz meines Alters von immerhin 53 Jahren gar nix! Man sagt ja Männern nach, dass sie lange Haare sehr mögen – daran wird das wohl gelegen haben.
Meine Haare sind in den letzten 12 Monaten weiter gewachsen und die grauen haben sowohl die Oberhand als auch den Oberkopf zurückgewonnen! Und offensichtlich ist es  mit grauen Haaren wie mit Diäten : es scheint einen Jojo-Effekt zu geben, denn es sind viel, viel mehr graue Haare geworden, als vorher da waren!

„Lass sie abschneiden!“, verlangte Regina! „Lang steht Dir nicht!“, ergänzte sie wenig zartfühlend.
Und schon war ich um Jahrzehnte jünger und in meiner Kindheit angekommen. Immer, immer wollte ich lange Haare haben. Und immer, wenn sie endlich mal so waren, dass ich fast glücklich mit der Länge war, passierte das Gleiche: beim gemeinsamen Essen schaute mein Vater mich mit strengem Blick an und sagte die gefürchteten Worte: „Bis Samstag warst Du beim Friseur, sonst schneid’ ich sie Dir!“
Meist war das montags und meist (eigentlich immer) die Angst vor einem unprofessionellen Haarschnitt riesengroß, so dass ich dann notgedrungen und unglücklich zum Friseur ging. Da ich eine starke Naturkrause habe, war eine schöne Frisur sowieso schwierig und mit kurzen Haaren sah das gar nicht gut aus.
Auf meinen Vater hat das mit dem „lange-Haare-sehr-mögen“ wohl nicht zugetroffen. Oder Männer finden lange Haare sexy und wollen demzufolge keinesfalls, dass ihre Töchter lange Haare haben, weil sie sonst bei anderen Männern ..... (lassen wir das und überlassen wir das lieber den Psychologen).
Jedenfalls hat sich bei mir ein Haar-Friseur-Trauma entwickelt und ich habe einen Entschluss gefasst: sobald ich selbst Herr meiner Entscheidungen bin, werde ich meine Haare wachsen, wachsen, wachsen lassen!
Und dann sagt meine liebste Freundin so etwas! „Lang steht Dir nicht!“. Immerhin hat sie nicht gedroht, sie mir selbst zu schneiden, wenn ich nicht bis Samstag beim Friseur war! Aber ich glaube, sie war kurz davor.......

Da ich ein Mensch bin, der mit der Kritik seiner Mitmenschen durchaus umzugehen weiß und  auch in der Lage ist, sie anzunehmen, wenn sie gerechtfertigt ist, bin ich zu einer ortsansässigen Friseurmeisterin gegangen und habe gesagt: „Schauen Sie mich an und machen Sie, was Sie für richtig halten!“
Sie formulierte ihre Meinung etwas taktvoller als meine Freundin Regina, indem sie sagte: „Ab einem gewissen Alter sehen lange Haare einfach nicht mehr so gut aus!“
AHA!
Da sie mir dann die Haare auf etwas mehr als kinnlang geschnitten hat, kann ich folglich logisch schlussfolgern, dass ich in diesem „gewissen“ Alter bin!
(Und was ist mit Andie McDowell, Katherine Hepburn und meinen beiden Omas? Die haben/hatten bis ins hohe Alter lange Haare!). Und wann fängt dieses „gewisse“ Alter an?

Aber ich bin nicht nur ein Mensch, der Kritik annimmt, sondern auch ein Mensch, der einsieht, wenn er Unrecht hat! (Hüstel).
Und das hatte ich wohl, denn ich sehe richtig gut aus mit meiner neuen Frisur! Ich glaube, das diesbezügliche Trauma ist besiegt und ich kann mich nun der Beseitigung des ein oder anderen weiteren Traumas zuwenden!
Ich werde mal mit Regina sprechen, ob es da womöglich noch mehr gibt.......