Am 19. Juni diesen Jahres begann das "Projekt Ameise". Nachdem ich mich vor circa zwei Monaten mit einem Freund über Ameisen als Haustiere unterhalten hatte fand ich Robbsens Ant-Blog, der mich schlagartig in seinen Bann zog. Die Faszination Ameisenhaltung befiel mich wie ein Virus, gegen den man keinen Abwehrmechanismus hat. Ich durchforstete das Internet nach Informationen und bereits zwei Tage später orderte ich mein Starterpaket bei Antstore. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, ich stelle die gelieferte Farm und die Arena auf, befülle das Ganze, stopfe die Ameisen rein, und fertig.
Beim Aufbau wurden dann plötzlich unerwartete Fragen und Probleme laut, die ich mittels des Internets und verschiedener Foren beantworten konnte. Dabei wurden aber nicht nur die bestehenden Probleme gelöst, sondern zusätzliche dazugewonnen. Ich bemerkte, dass ich für den korrekten Betrieb meiner Anlage noch gar nicht das richtige Material hatte. Also bestellte ich kurzerhand weiteres Material nach. Jetzt ergab sich ein völlig neues Problem: Ich hatte in meiner grenzenlosen Unvernunft mein Formicarium und gleichzeitig meine Ameisenkolonie bestellt. Ich hatte nun also mein Formicarium und die Tiere bei mir zu Hause. Da ich keine Ausbruchsicherung vorgesehen hatte, nun aber einsah dass es ohne wohl nicht geht, konnte ich die Arena nicht fertigstellen. Ich möchte das PTFE (eine flüssige Teflonverbindung, die an die oberen Ränder des Beckens aufgetragen wird, und von den Ameisen nicht überwunden werden kann, weil sie sich nicht daran festhalten können) sauber auftragen, und dazu die Arena bewegen können. Sprich: Meine Ameisen dürfen vorher nicht einziehen. Meine Kolonie im Reagenzglas bestand zu dieser Zeit bereits aus neun Tieren: Meiner Königin, einer Majorarbeiterin, und sieben Minorarbeiterinnen. In den Foren hatte ich erfahren, dass man das Reagenzglas mit der Jungkolonie öffnen und den Ameisen Futter anbieten sollte, wenn drei Arbeiterinnen zu sehen seien. Nun, ich hatte davon Acht in meiner kleinen Glasröhre.
Ich befürchtete, dass es der Gruppe im Reagenzglas ohne Futter nicht lange gut gehen würde. Demnach sollte ich schnellstmöglich das Reagenzglas öffnen und zumindestens Nahrung anbieten, damit sie selbst entscheiden können, was sie wollen. Die Tiere mussten also bald raus, konnten aber die Arena noch nicht nutzen. Ich bastelte mir also kurzerhand eine Übergangslösung, das sogenannte "Provisorium", eine kleine Arena, die gerade das Reagenzglas aufnimmt, in der die Ameisen sich an Auslauf gewöhnen können und die später zum Umzug an die fertige Formicariumanlage angeschlossen werden kann, damit die Tierchen nicht umgesiedelt werden müssen. Messor barbarus sind gerade in der Gründungsphase sehr schreckhaft, was sogar im Tod der Kolonie enden kann, darum möchte ich sie so wenig wie möglich ärgern.
(Das "Provisorium": Reagenzglas mit der Kolonie, rechts oben die Futterschale, dazu Quarzsand und Zimmertannennadeln für die Mädels zum Basteln. Neben der Mitte des linken Hölzchens kann man den Ausgang zum Verbindungsschlauch erkennen)
In dieser kleinen Welt lebt nun mein Kleinstaat, bis ich mit dem eigentlichen Formicarium fertig bin. So kann ich mir nun Zeit lassen, und die Anlage richtig aufbauen, ohne durch Zeitdruck zu faulen Kompromissen genötigt zu werden. Ich kann nun am Formicarium basteln, ohne dass meine Tiere unnötig gestört und verängstigt werden.
Dies als Beispiel wie man die gleichzeitige Bestellung von Anlage und Kolonie umsetzen kann, ohne dass die Tiere besonders darunter leiden müssen. Ich möchte aber trotzdem dringend empfehlen erst die Anlage zu kaufen und sie bezugsfertig aufzubauen, und sich erst dann die Ameise(n) zuschicken zu lassen. Oder man bestellt anlage und eine einzelne Königin, maximal mit Brut. Dann hat man zum Aufbau die Zeit, die die Königin zur Gründung benötigt.