Am Samstag, 30.06.07 kam das erste mal die Mediaarbeiterin vor das Nest. Sie trappelte jedoch lediglich zwei Zentimeter vom Eingang weg, um schlagartig kehrt zu machen und wieder im Nest zu verschwinden. Ich schätze mal sie hat sich entweder verlaufen, oder sie erschrak vor ihrer eigenen Courage, die sie bei diesem Ausgang an den Tag legte. Die Grossen müssen nicht zwangsläufig die Mutigsten sein... Dafür waren an diesem Tag die Minor richtig aktiv. Grossputz und Umbau war angesagt. Gleich drei der winzigen Subjekte rannten den ganzen Tag am Eingang umeinander, und bewegten dabei ordentlich Steinchen und Nadeln. Dabei ist mir tatsächlich eine meiner Minor ausgebüchst. Ich hatte den Deckel des Provisoriums offen um eine Haferflocke und ein Stück Cornflake anzubieten. Eine Minor lief unten im Gehege herum. Ich schaute nur ein mal kurz weg, um die Pinzette zu greifen, und bereits im nächsten moment sah ich die Minor nicht mehr. Als ich meinen Blick etwas schweifen lies, war sie auf meinem Tisch unterwegs, und gerade dabei sich unter die Tastatur zu verkrümeln. Ich konnte sie gerade noch mit einem Pinsel einfangen. Das kleine Biest hat genau gemerkt, dass oben der Deckel offen war, und ist genau ab diesem Moment geradeaus die Wand hoch gelaufen. Wenn der Deckel zu ist, interessieren sie sich eigentlich kaum für die Scheiben.....
Am Sonntag 01.07.07 Am wöchentlichen Ruhetag haben mir meine Kleinen gezeigt dass sie davon so wenig halten wie ich: Es waren wieder meist drei Minor draussen bei der Arbeit. Sie schafften eifrigst Steinchen und Nadelmaterial herbei, und begannen den Eingang des Nests zuzubauen. Überall im Provisorium wurde umgebaut, Steinchen verschoben, Nadeln herumgetragen. Ausserdem hatten sie sich nun für die Position ihres Abfallhaufens entschieden. Wie eigentlich nicht wirklich anders zu erwarten haben sie ihn am gegenüberliegenden Eck des Provisoriums angelegt. So weit weg vom Nesteingang wie möglich. Abends konnte ich miterleben wie einer dieser wirklich winzigen Minorarbeiterinnen eine komplette Haferflocke ins Nest schleifte. Das Ding war ein Vielfaches grösser als sie, und sie hatte extreme Schwierigkeiten mit diesem Transport, aber sie hat es letztendlich geschafft. Meine Güte, das sind wirklich kleine Kampfsäue. Inzwischen weis ich, dass sie noch viel mehr bewegen können...
(Umbauarbeiten am Nesteingang. Zwei Minor [leider etwas unscharf] schaffen Steinchen in den Eingangsbereich.)
Montag 02.07.07: Heute blieb es ruhig. Keine Ameise bewegte ihren Hintern vor die Tür. Sie schienen sich von den grossen Umbauarbeiten der letzten Tage auszuruhen. Oder sie waren von der "Riesen"-Haferflocke vollgefressen. Letztendlich glaube ich es war ihnen einfach zu kühl. Denn als ich Die rote Heizlampe anschaltete und es in einer Ecke des Nestes wärmer wurde schafften sie schlagartig den kompletten Nachwuchs in diesen Nestbereich. Dabei hielten sie nach und nach die gesamte Brut an die Reagenzglasscheibe. Der nette Nebeneffekt war, dass ich mir dabei gleich mal den Zustand des Nachwuchses anschauen konnte. So konnte ich nun auch Puppen entdecken, die ich bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. Allerdings sagte mir das auch dass es höchste Zeit wird den Temperaturhaushalt im Formicarium unter Kontrolle zu bekommen.
Am Dienstag 03.07.07: Wieder ein ruhiger Tag, eine Minor baute, meiner Meinung nach etwas plan- und lustlos, am Eingangverbau. Drinnen wurden die Larven und der übrige Nachwuchs herumgewurstelt. Abends dann plötzlich eine kleine Sensation: Die Königin lief aus dem Nest! Sie schaute sich den kompletten Vorbereich des Nesteingangs an, nahm jeden Zentimeter genau unter die Lupe. Und dann setzte das Ferkel einen Haufen in die Ecke neben den Eingang. Bäh. Frau Scheinmonarchin glaubt sich wohl alles erlauben zu dürfen. Naja, ich hoffe mal das ist Reviermarkierungsverhalten, und kommt nicht all zu oft vor. Der Abfallhaufen ist nämlich wo anders.
Am Mittwoch 04.07.07: Heute war den Damen wieder mal zu kalt. Es gab das alte Spiel mit dem Puppen-an-die-Scheibe-halten. Ist ja eigentlich klar, dass die Kolonie friert. Es sind ja Mädels. Wir kennen das doch, -immer frieren, immer kalte Füsse... Aber gut, wenn die Diven so auf die Temperatur schielen, dann werde ich ihnen eben einheizen. Ich habe noch einen weiteren Beweis erhalten, dass die Kolonie nur aus Frauen besteht: Heute wurde nämlich das gesamte Sammelwerk der letzten Tage wieder aus dem Nest befördert. Alle Steinchen, all die Nadeln. So viel Unentschlossenheit kann doch nur in einer weiblich geführten Gemeinschaft vorkommen. ^^ Ich habe eine wunderschöne frische Fliege gefangen, sie mit Hingabe und Liebe überbrüht, und den Bestien zum Frass vorgeworfen. Aber die Kleinen machen scheinbar Diät, und haben das Leckerli nicht angerührt.