Ameisenhaltung im privaten Bereich - www.Ameisenreich.de

25.08.2007 um 22:21 Uhr

Sie leben noch.

von: anthrax   Kategorie: Messor Kolonie

Woche 2, Donnerstag, 05.Juli 2007: Nun haben sie sich die Fliege doch noch geschnappt. Leider in der Zeit in der ich nicht anwesend war, ich hätte mir die Aktion zu gerne betrachtet. Dann eben beim nächsten mal. Der Eingang wurde wieder weiter umgebaut, wobei zur Baumaterialbeschaffung ja kein weiter Weg zurückgelegt werden musste. Die Bauschicht dauerte ungefähr eine Stunde, danach wurde keine Ameise mehr ausserhalb des Nestes gesehen. -Aber dafür konnte ich nun 10 Ameisen zählen.

Woche 2, Freitag, 06.Juli 2007: Nachdem ich noch gestern den grösseren Ameisenbestand feiern durfte kam heute ein ernüchternder Rückschlag: Ein Todesfall! Traurig Da stellt sich dem noch blutigen Anfänger sofort die Frage: War ich das, war es Gottes Fügung, oder doch nur der Zahn der Zeit? Es ist unglaublich dass der Tod eines derart winzigen Wesens einen Menschen so beschäftigen kann. Das wäre mir noch vor zwei Monaten nicht im Traum eingefallen. Ich habe mich nach der Entfernung der sterblichen Ameisenhülle sofort auf die Suche nach Futter gemacht, nicht dass es noch ein von mir verschuldeter Hungertod war. Sterben ist keine Beschäftigung mit der sich meine Lieben aufhalten sollen. Es gibt Besseres zu tun. Eine dieser besseren Beschäftigungen ist beispielsweise die Anlage eines vernünftigen Müllhaufens. Seit ich davon hörte dass Ameisen so etwas machen will ich das sehen. Und siehe da: Meine Mädels (zumindestens eine davon) taten mir Gefallen. Vermutlich um mir über den Schicksalsschlag hinweg zu helfen. Sind sie nicht süss?

Woche 2, Samstag, 07. Juli 2007: Heute wurde mal richtig am Eingang weitergebaut. Mittlerweile ist das Reagenzglas zur Hälfte verschlossen (Eingangsdurchmesser). Zwei meiner Mediaarbeiterinnen teilten sich hierbei die Arbeit. Fleissig, fleissig die Emsen, da geht gleich was vorwärts. Vier Mandibeln schaffen eben mehr als zwei. Eine meiner Minor hat ein defektes mittleres linkes Bein. Ich befürchte fast dass ich ihr das gebrochen haben könnte. Falls das die Kleine ist die ich damals beim Ausbruchsversuch gestört habe, dann habe sie warscheinlich beim Einfangen mit dem Pinsel verletzt. interessanterweise ist das die Ameise die am meisten herumrennt. Sie inspiziert alles, kontrolliert alles, sieht und riecht alles. Sie scheint das Verbindungselement vom Nest zu Aussenwelt zu sein. Ausgerechnet die Ameise mit dem kaputten Bein. Aber sie ist hart wie Kruppstahl, die Südeuropäerin.^^ Sie zieht es voll durch, und lässt sich nichts von der Behinderung anmerken.

Woche 2, Sonntag, 08.Juli 2007: Eigentlich gabs nicht Besonderes, alle Ameisen blieben im Nest. Scheinbar sind sie nach der zweiten Fliege vollgefressen. Das einzig auffällige war dass die Emsen fast dauernd an der Watte klebten und tranken. Soll es ihnen zu trocken sein, oder rutscht die Fliege nicht richtig runter...?

06.07.2007 um 14:19 Uhr

Mehr von dem Damen

von: anthrax   Kategorie: Messor Kolonie

Am Samstag, 30.06.07 kam das erste mal die Mediaarbeiterin vor das Nest. Sie trappelte jedoch lediglich zwei Zentimeter vom Eingang weg, um schlagartig kehrt zu machen und wieder im Nest zu verschwinden. Ich schätze mal sie hat sich entweder verlaufen, oder sie erschrak vor ihrer eigenen Courage, die sie bei diesem Ausgang an den Tag legte. Die Grossen müssen nicht zwangsläufig die Mutigsten sein... Dafür waren an diesem Tag die Minor richtig aktiv. Grossputz und Umbau war angesagt. Gleich drei der winzigen Subjekte rannten den ganzen Tag am Eingang umeinander, und bewegten dabei ordentlich Steinchen und Nadeln. Dabei ist mir tatsächlich eine meiner Minor ausgebüchst. Ich hatte den Deckel des Provisoriums offen um eine Haferflocke und ein Stück Cornflake anzubieten. Eine Minor lief unten im Gehege herum. Ich schaute nur ein mal kurz weg, um die Pinzette zu greifen, und bereits im nächsten moment sah ich die Minor nicht mehr. Als ich meinen Blick etwas schweifen lies, war sie auf meinem Tisch unterwegs, und gerade dabei sich unter die Tastatur zu verkrümeln. Ich konnte sie gerade noch mit einem Pinsel einfangen. Das kleine Biest hat genau gemerkt, dass oben der Deckel offen war, und ist genau ab diesem Moment geradeaus die Wand hoch gelaufen. Wenn der Deckel zu ist, interessieren sie sich eigentlich kaum für die Scheiben.....

Am Sonntag 01.07.07 Am wöchentlichen Ruhetag haben mir meine Kleinen gezeigt dass sie davon so wenig halten wie ich: Es waren wieder meist drei Minor draussen bei der Arbeit. Sie schafften eifrigst Steinchen und Nadelmaterial herbei, und begannen den Eingang des Nests zuzubauen. Überall im Provisorium wurde umgebaut, Steinchen verschoben, Nadeln herumgetragen. Ausserdem hatten sie sich nun für die Position ihres Abfallhaufens entschieden. Wie eigentlich nicht wirklich anders zu erwarten haben sie ihn am gegenüberliegenden Eck des Provisoriums angelegt. So weit weg vom Nesteingang wie möglich. Abends konnte ich miterleben wie einer dieser wirklich winzigen Minorarbeiterinnen eine komplette Haferflocke ins Nest schleifte. Das Ding war ein Vielfaches grösser als sie, und sie hatte extreme Schwierigkeiten mit diesem Transport, aber sie hat es letztendlich geschafft. Meine Güte, das sind wirklich kleine Kampfsäue. Inzwischen weis ich, dass sie noch viel mehr bewegen können...

(Umbauarbeiten am Nesteingang. Zwei Minor [leider etwas unscharf] schaffen Steinchen in den Eingangsbereich.)

Montag 02.07.07: Heute blieb es ruhig. Keine Ameise bewegte ihren Hintern vor die Tür. Sie schienen sich von den grossen Umbauarbeiten der letzten Tage auszuruhen. Oder sie waren von der "Riesen"-Haferflocke vollgefressen. Letztendlich glaube ich es war ihnen einfach zu kühl. Denn als ich Die rote Heizlampe anschaltete und es in einer Ecke des Nestes wärmer wurde schafften sie schlagartig den kompletten Nachwuchs in diesen Nestbereich. Dabei hielten sie nach und nach die gesamte Brut an die Reagenzglasscheibe. Der nette Nebeneffekt war, dass ich mir dabei gleich mal den Zustand des Nachwuchses anschauen konnte. So konnte ich nun auch Puppen entdecken, die ich bisher noch gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. Allerdings sagte mir das auch dass es höchste Zeit wird den Temperaturhaushalt im Formicarium unter Kontrolle zu bekommen.

Am Dienstag 03.07.07: Wieder ein ruhiger Tag, eine Minor baute, meiner Meinung nach etwas plan- und lustlos, am Eingangverbau. Drinnen wurden die Larven und der übrige Nachwuchs herumgewurstelt. Abends dann plötzlich eine kleine Sensation: Die Königin lief aus dem Nest! Sie schaute sich den kompletten Vorbereich des Nesteingangs an, nahm jeden Zentimeter genau unter die Lupe. Und dann setzte das Ferkel einen Haufen in die Ecke neben den Eingang. Bäh. Frau Scheinmonarchin glaubt sich wohl alles erlauben zu dürfen. Naja, ich hoffe mal das ist Reviermarkierungsverhalten, und kommt nicht all zu oft vor. Der Abfallhaufen ist nämlich wo anders.

Am Mittwoch 04.07.07: Heute war den Damen wieder mal zu kalt. Es gab das alte Spiel mit dem Puppen-an-die-Scheibe-halten. Ist ja eigentlich klar, dass die Kolonie friert. Es sind ja Mädels. Wir kennen das doch, -immer frieren, immer kalte Füsse... Aber gut, wenn die Diven so auf die Temperatur schielen, dann werde ich ihnen eben einheizen. Ich habe noch einen weiteren Beweis erhalten, dass die Kolonie nur aus Frauen besteht: Heute wurde nämlich das gesamte Sammelwerk der letzten Tage wieder aus dem Nest befördert. Alle Steinchen, all die Nadeln. So viel Unentschlossenheit kann doch nur in einer weiblich geführten Gemeinschaft vorkommen. ^^ Ich habe eine wunderschöne frische Fliege gefangen, sie mit Hingabe und Liebe überbrüht, und den Bestien zum Frass vorgeworfen. Aber die Kleinen machen scheinbar Diät, und haben das Leckerli nicht angerührt.

03.07.2007 um 04:36 Uhr

Meine Mädels

von: anthrax   Kategorie: Messor Kolonie

Am Montag, 25.06.07 war es also soweit: Neben dem Starterset von Antstore wurden auch meine Mädels angeliefert. Ein sehr spannender Moment, Eine kleine Kolonie sollte es sein, mit einer Königin, etwas Brut, und einer ungewissen Anzahl (Laut Bescheibung <10) Arbeiterinnen. Ich öffnete die Verpackung und siehe da: 8 (!) Arbeiterinnen umwuselten die Königin Mutter meiner Ameisenkolonie! 7 Minorarbeiterinnen (welche diese Beschreibung wirklich verdienen, die sind wahrlich winzig [~3mm]) und eine grössere Arbeiterin [~5mm]. Ich kann diese noch nicht einsortieren, es gibt wohl noch zwei grössere Arbeiterinnenarten: Media- und Majorarbeiterinnen. Eine davon habe ich also schon, bin gespannt welche es sein wird. Auf alle Fälle war ich begeistert von meinen neun Tierchen. Seit diesem Moment bin ich Ziehvater einer richtigen Kleinfamilie. Ich nahm das Reagenzglas und legte es schön dunkel und sanft gelagert in einen Schrank, damit sie sich vom Stress der Reise erholen konnten. Aus diesem Grund habe ich auch keine Bilder von der Gruppe. Jetzt kann ich keine Bilder machen, weil die rote Folie um das Reagenzglas keine Fotos zulässt.

Am Dienstag, 26.06 07 habe ich sie nicht angerührt, ich habe mich nicht mal getraut in den Schrank zu spicken, da ich sie schonen wollte.

Am Mittwoch, 27.06.07 erkannte ich dass ich das Formicarium nicht innerhalb der nächsten paar Tage  bezugsfertig machen konnte und dass ich nun doch Grösseres vorhatte. Auf der anderen Seite befürchtete ich dass meine Kleinen hungrig sein könnten (man soll bei einer neugegründeten Kolonie ab drei fertigen Arbeiterinnen das Reagenzglas öffnen, und Futter anbieten) und ich ihnen etwas Nahrhaftes anbieten sollte. Schliesslich waren es bereits wesentlich mehr als drei. Also bastelte ich mir das "Provisorium". Hier hinein wurde dann das (nun mit roter Folie umwickelte) Reagenzglas gelegt und der Stopfen abgenommen. In das Futtergläschen in der Arena gab ich etwas Honigwasser und eine Haferflocke. Zuerst rannten alle vor Schreck wild durcheinander, beruhigten sich aber überraschend schnell wieder, als das Reagenzglas einen Moment ruhig in der Arena lag. Nach ungefähr einer Minute tastete sich dann eine Minor an den Reagenzglasausgang. Sehr niedlich, wie sie schüchtern Millimeter um Millimeter an das neu zu erschliessende Territorium heranrobbte und dabei nervös mit den Fühlern zuckte. Sie ging aber nicht hinaus, sondern verschwand recht schnell wieder im Reagenzglas. Ich beobachtete weiter, aber Niemand zeigte mehr Interesse am Ausgang. Am nächsten morgen fehlte jedoch ein Stückchen der Haferflocke, und fand sich im Reagenzglas wieder. Es gab also doch noch nächtliche Exkursionen.

Am Donnerstag, 28.06.07 waren dann zwei Arbeiterinnen auf grosser Entdeckungstour. Sie liefen den ganzen Tag immer wieder durch die Arena. Zwischendurch verschwanden sie kurz im Nest, um bald darauf wieder durch das Provisorium zu schlendern. Drinnen im Nest lief immer das Gleiche ab: Die übrigen Arbeiterinnen und die Gyne machten irgendwelche Sachen mit dem Nachwuchs (eine kleine Ansammlung von Larven). Da wird von links nach rechts gestapelt, dann wieder zurück, und so weiter. Nun, ich denke mal sie werden schon wissen was sie tun. Ich kann dabei hoffentlich auf ihre Instinkte bauen, denn die Kleinen haben schliesslich ebenso viel Erfahrung im Ameisenstammaufzug wie ich.

(28.06.07: Die zwei Minor on Tour)

Am Freitag, 29.06.07 war eine der Minor fast den ganzen Tag im Provisorium unterwegs. Sie lief von einer Ecke in die nächste, und inspizierte jeden Winkel. Sie fand zwei weitere Haferflocken und die zwei Stückchen Cornflake, die ich mittlerweile in den Auslauf gelegt hatte. Sie transportierte jedoch nichts ab, sie nahm wohl nur eine Bestandsaufnahme auf. Sie kontrollierte die Quarzsandsteinchen und die kleinen Zimmertannennadeln, die ich als Zierrat und Baumaterial gesponsort hatte. Diese Minor fand scheinbar auch das erste mal den Tunnelschlauch. Ich hatte zumindests bis dato noch nie gesehen, dass eine Ameise auch nur in die Nähe des Schlauchs gekommen war. Sie rannte den Schlauch einmal bis zum Ende, und kam ziemlich schnell wieder zurück. Danach war diese Ecke für sie vollkommen uninteressant. 

27.06.2007 um 01:27 Uhr

Messor barbarus

von: anthrax   Kategorie: Messor Kolonie   Stichwörter: Messor, barbarus, Ernteameise, Körnerfresser

Messor barbarus, eine der Ernteameisen, gehört zur Unterfamilie Myrmicinae. Die Königinnen sind 15-18 mm, die Arbeiterinnen 3-10 mm und die Männchen 7-8 mm groß. Die Art bildet Minor- und Majorarbeiterinnen in allen Übergangsformen aus. Die Ameisen sind glänzend schwarz gefärbt, die Majorarbeiterinnen sowie die Königin besitzen einen roten Kopf. M. barbarus sammelt Körner, welche in vielen Kornkammern des Nestes für die kalte Jahreszeit gelagert werden. Durch ständiges zerkleinern und einspeicheln der Körner wird das sogenannte Ameisenbrot hergestellt. Es dient als Nahrung für die kalte Jahreszeit. M. barbarus lebt in Südeuropa (Sandgebiete im Mittelmeerraum). Als Nahrung dienen, wie gesagt, hauptsächlich Körner verschiedener Wildpflanzen, aber auch tote Insekten, süße Früchte und Vogelkot. Messor barbarus ist monogyn und gründet claustral. Ihre Winterruhe hält die Art von Anfang November bis Anfang März.

Quelle: AmeisenWiki