Sie leben noch.
Woche 2, Donnerstag, 05.Juli 2007: Nun haben sie sich die Fliege doch noch geschnappt. Leider in der Zeit in der ich nicht anwesend war, ich hätte mir die Aktion zu gerne betrachtet. Dann eben beim nächsten mal. Der Eingang wurde wieder weiter umgebaut, wobei zur Baumaterialbeschaffung ja kein weiter Weg zurückgelegt werden musste. Die Bauschicht dauerte ungefähr eine Stunde, danach wurde keine Ameise mehr ausserhalb des Nestes gesehen. -Aber dafür konnte ich nun 10 Ameisen zählen.
Woche 2, Freitag, 06.Juli 2007: Nachdem ich noch gestern den grösseren Ameisenbestand feiern durfte kam heute ein ernüchternder Rückschlag: Ein Todesfall!
Da stellt sich dem noch blutigen Anfänger sofort die Frage: War ich das, war es Gottes Fügung, oder doch nur der Zahn der Zeit? Es ist unglaublich dass der Tod eines derart winzigen Wesens einen Menschen so beschäftigen kann. Das wäre mir noch vor zwei Monaten nicht im Traum eingefallen. Ich habe mich nach der Entfernung der sterblichen Ameisenhülle sofort auf die Suche nach Futter gemacht, nicht dass es noch ein von mir verschuldeter Hungertod war. Sterben ist keine Beschäftigung mit der sich meine Lieben aufhalten sollen. Es gibt Besseres zu tun. Eine dieser besseren Beschäftigungen ist beispielsweise die Anlage eines vernünftigen Müllhaufens. Seit ich davon hörte dass Ameisen so etwas machen will ich das sehen. Und siehe da: Meine Mädels (zumindestens eine davon) taten mir Gefallen. Vermutlich um mir über den Schicksalsschlag hinweg zu helfen. Sind sie nicht süss?
Woche 2, Samstag, 07. Juli 2007: Heute wurde mal richtig am Eingang weitergebaut. Mittlerweile ist das Reagenzglas zur Hälfte verschlossen (Eingangsdurchmesser). Zwei meiner Mediaarbeiterinnen teilten sich hierbei die Arbeit. Fleissig, fleissig die Emsen, da geht gleich was vorwärts. Vier Mandibeln schaffen eben mehr als zwei. Eine meiner Minor hat ein defektes mittleres linkes Bein. Ich befürchte fast dass ich ihr das gebrochen haben könnte. Falls das die Kleine ist die ich damals beim Ausbruchsversuch gestört habe, dann habe sie warscheinlich beim Einfangen mit dem Pinsel verletzt. interessanterweise ist das die Ameise die am meisten herumrennt. Sie inspiziert alles, kontrolliert alles, sieht und riecht alles. Sie scheint das Verbindungselement vom Nest zu Aussenwelt zu sein. Ausgerechnet die Ameise mit dem kaputten Bein. Aber sie ist hart wie Kruppstahl, die Südeuropäerin.^^ Sie zieht es voll durch, und lässt sich nichts von der Behinderung anmerken.
Woche 2, Sonntag, 08.Juli 2007: Eigentlich gabs nicht Besonderes, alle Ameisen blieben im Nest. Scheinbar sind sie nach der zweiten Fliege vollgefressen. Das einzig auffällige war dass die Emsen fast dauernd an der Watte klebten und tranken. Soll es ihnen zu trocken sein, oder rutscht die Fliege nicht richtig runter...?
