Ancarions Wandel

13.11.2013 um 00:08 Uhr

Novembernacht

von: Ancarion   Kategorie: Allgemeines

Ich lag in der Wanne. Durch die dünnen Wände hindurch hörte ich das streitende Nachbars-Ehepaar, einen kläffenden Hund, ein kreischendes Kind, ein paar zu laut gedrehte Fernseher in der Nachbarschaft. Außerdem telefonierte eine Frau ziemlich lautstark. Normalerweise bade ich, um meine Ruhe zu haben. Ich genieße es, einige Minuten niemandem zur Verfügung stehen zu müssen, an kein Telefon gehen zu müssen, auf kein Türklingeln reagieren zu müssen. Außerdem ziehe ich es eigentlich vor, mir in der Wanne auch keine streitenden Ehepaare, kläffenden Hunde, kreischenden Kinder oder zu laut gedrehte Fernseher anhören zu müssen. Eigentlich. Ich wünschte, ich könnte es mir aussuchen.

Ich schloss die Augen. Ich sah den nächtlichen Waldrand wieder vor mir. Schatten, die durch das Laub huschten. Deutlich vernehmbarer Wind im Nacken, und die zerfurchte Rinde des Astes der knorrigen Eiche, auf den ich mich gesetzt hatte, drückte sich durch die Jeans in meine Beine. Ich hörte einen Schwarm Kraniche. Sehen konnte ich sie nicht, obwohl die Nacht mondhell war und nur ab und zu ein dünnes Band aus Wolken durch den Wind angetrieben am vollen Mond vorbeizog. Es war kühl, aber noch nicht frostig. Erstaunlich dafür, dass schon Mitte November war. Lange blickte ich nur schweigend auf die große Fläche verschiedener Grautöne, in deren Form sich ein abgeerntetes Feld vor mir weit erstreckte.

Mittlerweile war das Badewasser lauwarm geworden. Es störte mich nicht. Ich hatte jene Nacht wieder lebendig vor Augen, was wollte ich mehr? Ich bin immer wieder froh, diese Momente noch lebhaft in mein Gedächtnis zurückrufen zu können, wann immer ich das möchte. Traurig erscheint mir die Gewissheit, dass es heute nur noch Träume sind - vor nur 4 Jahren war es meine Realität. Manchmal frage ich mich, was mich daran hindert, mir diese Dinge, die ich immer liebte, einfach zurück zu holen. Ja, wieso packe ich nicht einfach meine Sachen - und gehe?

28.10.2013 um 02:26 Uhr

Abends

von: Ancarion   Kategorie: Allgemeines

Nach einem Tag voller Begegnungen überkommt mich oftmals die Sehnsucht. Die Sehnsucht, Augenblicke mit einem anderen Menschen zu teilen, intensive Momente mit jemandem, von dem ich das Gefühl habe, dass er oder sie fähig ist, wirklich tief zu fühlen.

Ich erinnere mich gut an einige Personen, mit denen ich solche glücklichen Momente teilen konnte. Seien es auch nur Stunden gewesen, oder Tage, oder - ein Glücksfall - auch etliche Jahre. Ich weiß, dass ich diese Empfindungen einfach benötige. Dass ich mich nicht nur gelangweilt, sondern wirklich unglücklich fühle, wenn ich erahne, dass um mich herum bloß Seichtheit dominiert.

Ich möchte mit Sicherheit nicht herablassend erscheinen, aber ich merke es gut, wenn beispielsweise bei Kolleginnen nichts den Kopf füllt, außer triviale Un-Gedanken über Mode, Diäten und Getratsche. Und wenn die Herren Kollegen außer über Fußball oder Autos auch nichts zu sagen haben. Selbst, wenn ich etwas Wissenschaftliches erwähne, wundern sie sich nur, wieso ich mich für "so etwas" denn interessieren würde. Der Gedanke, dass es lohnenswert sein könnte, seinen Geist auch mal mit mehr als nur mit trivialen Themen zu beanspruchen, kommt ihnen nicht.

Und immer, wenn ich mal wieder den exaltierten Redeschwall einer solchen Person schweigend erdulde, drifte ich mit den Gedanken ab. Zu Menschen, mit denen ich mich sogar verbunden fühle, wenn wir nur schweigend nebeneinander sitzen. Ich spüre unsere Verbindung schon aus der Gewissheit heraus, dass in diesem Menschen in dem Moment etwas Tiefes vorgeht. Etwas Großes, Bewundernswertes, das im Schweigen noch mehr Bedeutung hat als fünfhundert Worte, die über Nichtigkeiten verloren werden.

15.10.2013 um 05:42 Uhr

Vergangene Sommer

von: Ancarion   Kategorie: Erinnerungen

Ich sitze am Fenster, draußen huschen schattenartige Nebelfiguren vorbei, vom Wind immer und immer wieder in eine neue Form gebracht. In meinem Hirn spuken die Erinnerungen an vergangene Sommer. Oft wollte ich sie vergessen, und dass ich nie mehr ein Wort davon erwähnen wollte, das hatte ich immer fest beschlossen.

Zu weit entfernt liegt alles, erscheint wie in einem fiebrigen Traum, in dem ich durch die Augen eines Fremden sehe, den ich weder kenne, noch verstehe. Wann immer ich dies feststelle, wundere ich mich darüber, wer ich eigentlich geworden bin. Das Leben damals war nicht schlecht; das heute ist es auch nicht. Aber es ist erstaunlich, wie grundverschieden sie sind.

Zwar habe ich mich immer nach der "großen, wahren, einen Liebe" gesehnt, aber ich muss zugeben, ich hatte insbesondere Spaß am Verführen. Noch heute fühle ich mich lebendiger, wenn ich daran zurückdenke, wie ich sehr bedacht und erstaunlich erfolgreich mein Ziel erreicht habe. Ein ungewöhnlicher Abend, beeindruckende gemeinsame Erlebnisse, letztendlich nur noch eine zufällig wirkende Berührung. Mal die Hand gestreift - Reaktion abgewartet - wäre sie zurückgewichen, wäre mir schon eine Ausrede eingefallen. Brauchte ich allerdings eher selten. Wie oft sie direkt näher an mich rückten, meine Hand ergriffen, den Arm um sich legen ließen, oder ihren Kopf an meine Schulter lehnten... Auch extremere Reaktionen kamen in beide Richtungen vor.

Von Ausnutzen kann keine Rede sein. Nein, ich habe nie jemanden aus Eigennutz umgarnt. Die Male, die es in meinem Leben vorkam, war es tatsächlich Liebe. Oder eher ernst gemeinte Faszination, denn kann man nach so kurzer Zeit überhaupt schon von Liebe sprechen? Letztere entwickelte sich mit der Zeit, im Idealfall. Es kam vor. Manchmal verlief es auch vorher schon wieder im Sand. Was bleibt, sind die Erinnerungen an viele Abende. Einige mit Männern, einige mit Mädchen. Alle waren angenehm - wobei ich zugeben muss, dass es bei Mädchen doch ein wenig mehr Spaß machte. ;)

Ich weiß nicht genau, was mich nun wieder gedanklich daran fasziniert. Was aus diesem Blog wird, weiß ich ehrlich gesagt selber noch nicht. Aktuell sind da nur die Erinnerungen.