Hilflosigkeit
Stimmung: müde
Musik: keine
Hm....
heute kamen Angehörige zu Besuch. Es ist ja Weihnachtszeit im weitesten Sinne noch....
Und der Sohn,der bei seiner Mutter sitzt und eher hilflos sich umschaut,anstatt ihr das Essen zu reichen...Ich kann es nachvollziehen.Ich versuche ihm nahe zu bringen,das ich ihn verstehen kann und er kein schlechtes Gewissen haben muss. Sie sei ja hier,weil es wirkich alle überfordern kann in der häuslichen Pflege. Demente KANN man nicht auf Dauer zu Hause pflegen!!!
Die starke Frau in seinem Leben liegt kümmerlich im Rollstuhl und ist nicht mal mehr in der Lage,selber zu essen. Kaum erträglich scheint mir für manche Angehörigen der Zustand,der sich aus der fortgeschrittenen Demenz ergibt und zeigt. Nur Wenige haben die Kraft und Stärke,dieses mit zu erleben und da zu bleiben.
Die Tochter,die zweimal die Woche kommt und ihrer Mutter aus der Zeitung vorliest,die während dessen noch in den Krigsjahren "lebt" und ständig Parolen aus dieser Zeit zitiert- kann man das ertragen? Die andere Tochter, die ihre Mutter mit ihrer Schwester im Wechsel zweimal in der Woche besucht und wirklich daran interessiert ist, das es ihr an nichts fehlt. Ein liebesvoll eingerichtetes Zimmer mit Anweisung,das der Fernsehsessel morgens zum Fenster gedreht werden soll und Abends wieder zum TV Gerät zurück....Diese Frau hat sich diese Zuneigung und beständige Fürsorge anscheinend im Leben erdient bei ihren Kindern und sie scheinen stark genug dafür,ihre Mutter auf diesen letzten Weg zu begleiten. Ich bewundere diese Frauen.
Ich begleite und versuche die Würde dieser Menschen zu erhalten. Und merke dennoch,das die Grenzen auch bei mir als "Nicht-Angehörige" da sind. Diese Menschen leben in den "Floskeln" und in dem,was sie nie vergessen- sich selber aber kennen sie nicht mehr. Schauen sie morgens ind en Spiegel,bitte ich sie, der Frau/dem Mann dort das Gesicht zu waschen......
Ja...Demenz -"Ohne Geist" ..Und ich bin der Geist, der hilft,wo nichts mehr ist. Das letzte ,was geht ,ist der Atem. Das letzte was bleibt ,ist die Scham. Und gerade da brauchen sie Hilfe und müssen Dinge über sich ergehen lassen,die ihnen von Kindesbeinen an eher unter "versteckten" Bedingungen nahegebracht wurden. Sich waschen, auf die Toilette gehen- nie mehr machen sie das allein,weil sie gar nicht wissen,was ein Waschlappen ist. Aber sie wissen,das dieser Bereich eigentlich ihr ureigenster ist,den sie nun "teilen" müssen.
Die Angehörigen sehen den Verfall des geliebten Menschen. Und sie kommen damit nur schwer zurecht.
Ich denke,das keine Vorwürfe angezeigt sind. Täglich bin ich viele Stunden mit diesen Menschen zusammen und muss mich jeden Tag aufs Neue bei ihnen "bekanntmachen" und sie müssen mir vertrauen. Was kann ich mehr tun,als ihnen den Augenblick ,in dem sie gerade verweilen ,so wenig "geistlos" zu gestalten und ihnen das Gefühl geben,Mensch zu ein,auch wenn sie wahrscheinlich nicht mal das mehr wissen....
Das macht die Angehörigen hilflos....

sehr schöne Einträge die doch vieles an dieser Problematik der Demenz aufzeigen.
Wir alle wissen nie, ob sie uns nicht auch einmal treffen kann, wünschen tut sich dieses sicherlich keiner.
Werde mal einen Link hierher setzen.
Liebe Grüsse
sternenschein
wo ist es wo man Demenzkranke so behutsam umsorgt? *lächel* Selten so zu finden - und leider gibt es viel zu wenige wie dich!
"...ich machte sie dann sauber. Beim Waschen war sie plötzlich wieder voll da. Sie schämte sich dafür wo ich sie anfasste, Tränen liefen ihr übers Gesicht..."
Worte einer Tochter. Die Mutter an Demenz und Parkinson erkrankt.