eingeholt - innerpsychologische konflikte
gestern kam alles wieder. und das dumme daran ist, dass ich absolut nicht weiß, warum oder woher. in einem moment habe ich noch gelacht und im nächsten moment habe ich geheult. übergangslos.
was war passiert? ich weiß es nicht. habe noch mit alex gequatscht, er ging mir irgendwie tierisch auf den zeiger. seine altväterlichen belehrungen, seine quäkige stimmlage und meine müdigkeit waren keine gute kombination. hab das gespräch dann fürs erste unterbrochen und ab da ging es ziemlich schnell ziemlich tief abwärts.
ich fange an, zu zittern, mir ist kalt und heiß gleichzeitig, mir bricht der schweiß aus. fühlt sich an, wie eine panikattacke, aber irgendwas ist anders diesmal. ich versuche, nicht weiter nachzuspüren, ich will mich ablenken. beschließe, schon mal meine sachen für den sonntag zu packen, nehme mir wahllos kleiderhäufchen aus dem schrank und schmeiße alles relativ ungeordnet in die tasche. nehme wieder sachen raus und lege andere hinein. und so weiter. ich bekomme einfach diese verdammte tasche nicht gepackt! lasse die tasche in ruhe, entfalte einen umzugskarton und versuche, mich daran zu erinnern, was sonst noch wichtig wäre. greife mir einfach alles, was ich letztes mal auch dabei hatte, auch wenn ich weiß, dass ich das zeug schon beim letzen mal nicht gebraucht habe. bleibe vor dem karton stehen und starre ihn dumpf an. eine minute, vielleicht zwei oder drei stehe ich so da, mit büchern und ladegeräten in den armen und starre den karton an. lasse mich davor auf die knie sinken, lasse den krempel aus den armen auf den boden gleiten und halte mich am kartonrand fest. keine ahnung, warum. habe das gefühl, gleich schreien zu müssen.
so geht das nicht weiter. nehme mein handy und rufe micha an. er nimmt ab, ich freue mich. aber nur kurz, er sagt mir nämlich, dass er heute keine lust hätte zu reden und dass er sowieso gerade besuch hätte. natürlich weiblich. ich sage, dass das in ordnung ist, wir legen auf. zünde mir mit extrem zittrigen händen eine zigarette an und warte vergeblich auf die erleichterung, die normalerweise immer eintritt, wenn ich den ersten zug nehme. wahrscheinlich bin ich kurz davor, auf dem küchenstuhl vor und zurück zu schaukeln. der druck wird unerträglich. gehe ins bad und mache mich bettfertig, es ist 21uhr wohlgemerkt. wünsche meiner mutter eine gute nacht, gehe wieder nach oben und fürchte mich davor, die tür hinter mir zu schließen.
sitze auf dem boden und weine. habe meinen kopf auf meine knie gelegt und kralle mich in meinen haaren fest. es wird immer schlimmer. fühle mich mittlerweile jenseits von allem. beiße mir in den arm, auf der einen seite um nicht laut loszuheulen, auf der anderen seite um den druck ein wenig zu mindern. traue mich inzwischen nicht mehr, mich zu bewegen, weder geistig noch körperlich. habe das gefühl, dass ich sonst total die kontrolle verlieren könnte. ich will es aussitzen, will versuchen, diesen gefühlstsunami über mir hinwegfegen zu lassen.
habe mich inzwischen auf den boden gelegt. wurde von meiner psyche besiegt, ich schäme mich dafür. ich presse mir ein paar taschentücher auf den unterarm, das einzige, was ich gerade zur hand habe. beschließe, mein nachtlager zu wechseln, um ab da an stündlich aufzuwachen. der wecker klingelt, ich lag schon lange vorher wach. trotzdem will ich nicht aufstehen. ich will überhaupt nie mehr aufstehen. mache mich wiederwillig fertig und gehe zur arbeit. frau gruber lässt mich für ein paar stunden alleine, ich lasse meinen kopf hinter dem computer auf den tisch sinken und weine. schon wieder.
