häää?

23.02.2011 um 21:18 Uhr

eingeholt - innerpsychologische konflikte

gestern kam alles wieder. und das dumme daran ist, dass ich absolut nicht weiß, warum oder woher. in einem moment habe ich noch gelacht und im nächsten moment habe ich geheult. übergangslos.

was war passiert? ich weiß es nicht. habe noch mit alex gequatscht, er ging mir irgendwie tierisch auf den zeiger. seine altväterlichen belehrungen, seine quäkige stimmlage und meine müdigkeit waren keine gute kombination. hab das gespräch dann fürs erste unterbrochen und ab da ging es ziemlich schnell ziemlich tief abwärts.

ich fange an, zu zittern, mir ist kalt und heiß gleichzeitig, mir bricht der schweiß aus. fühlt sich an, wie eine panikattacke, aber irgendwas ist anders diesmal. ich versuche, nicht weiter nachzuspüren, ich will mich ablenken. beschließe, schon mal meine sachen für den sonntag zu packen, nehme mir wahllos kleiderhäufchen aus dem schrank und schmeiße alles relativ ungeordnet in die tasche. nehme wieder sachen raus und lege andere hinein. und so weiter. ich bekomme einfach diese verdammte tasche nicht gepackt! lasse die tasche in ruhe, entfalte einen umzugskarton und versuche, mich daran zu erinnern, was sonst noch wichtig wäre. greife mir einfach alles, was ich letztes mal auch dabei hatte, auch wenn ich weiß, dass ich das zeug schon beim letzen mal nicht gebraucht habe. bleibe vor dem karton stehen und starre ihn dumpf an. eine minute, vielleicht zwei oder drei stehe ich so da, mit büchern und ladegeräten in den armen und starre den karton an. lasse mich davor auf die knie sinken, lasse den krempel aus den armen auf den boden gleiten und halte mich am kartonrand fest. keine ahnung, warum. habe das gefühl, gleich schreien zu müssen.

so geht das nicht weiter. nehme mein handy und rufe micha an. er nimmt ab, ich freue mich. aber nur kurz, er sagt mir nämlich, dass er heute keine lust hätte zu reden und dass er sowieso gerade besuch hätte. natürlich weiblich. ich sage, dass das in ordnung ist, wir legen auf. zünde mir mit extrem zittrigen händen eine zigarette an und warte vergeblich auf die erleichterung, die normalerweise immer eintritt, wenn ich den ersten zug nehme. wahrscheinlich bin ich kurz davor, auf dem küchenstuhl vor und zurück zu schaukeln. der druck wird unerträglich. gehe ins bad und mache mich bettfertig, es ist 21uhr wohlgemerkt. wünsche meiner mutter eine gute nacht, gehe wieder nach oben und fürchte mich davor, die tür hinter mir zu schließen.

sitze auf dem boden und weine. habe meinen kopf auf meine knie gelegt und kralle mich in meinen haaren fest. es wird immer schlimmer. fühle mich mittlerweile jenseits von allem. beiße mir in den arm, auf der einen seite um nicht laut loszuheulen, auf der anderen seite um den druck ein wenig zu mindern. traue mich inzwischen nicht mehr, mich zu bewegen, weder geistig noch körperlich. habe das gefühl, dass ich sonst total die kontrolle verlieren könnte. ich will es aussitzen, will versuchen, diesen gefühlstsunami über mir hinwegfegen zu lassen. 

habe mich inzwischen auf den boden gelegt. wurde von meiner psyche besiegt, ich schäme mich dafür. ich presse mir ein paar taschentücher auf den unterarm, das einzige, was ich gerade zur hand habe. beschließe, mein nachtlager zu wechseln, um ab da an stündlich aufzuwachen. der wecker klingelt, ich lag schon lange vorher wach. trotzdem will ich nicht aufstehen. ich will überhaupt nie mehr aufstehen. mache mich wiederwillig fertig und gehe zur arbeit. frau gruber lässt mich für ein paar stunden alleine, ich lasse meinen kopf hinter dem computer auf den tisch sinken und weine. schon wieder.

  

16.02.2011 um 22:59 Uhr

episoden einer ehe

Beim heutigen Beratungsgespräch sitzen Frau Gruber und mir ein Pärchen vom Schlage "Ingrids Woche & Klaus" gegenüber, die sich auch im Aussehen auffallend ähneln. Es geht um eine Vorsorge, wir sind an einem Punkt, an dem jeder seine eigene Vorstellung von der Bestattung zum Besten gibt. Das heißt, Klaus versucht es, aber Ingrid fällt ihm immer ins Wort. Das geht eigentlich schon das ganze Gespräch über so. Irgendwie sind wir dann aufs Thema Grabmale gekommen und Klaus will gerade erzählen, dass er sich so eine Art Provisorium aus Holz gebaut hätte, dass er bei irgendeinem Verwandten anstelle des Grabsteines hingestellt hat, bis dieser final gesetzt wird. Er würde gerne ausführlicher werden, aber Ingrid fährt ihm über den Mund:"Ach, du mit deinen Ideen schon wieder!"  "Jetzt lass mich doch auch mal was sagen!"  "Ach...!"  Klaus senkt leicht den Kopf:"Nie darf ich was sagen..!"

  

15.02.2011 um 23:20 Uhr

herzig

Valentinstag ist nicht so mein Ding. Weil ich eigentlich nicht finde, dass man sich von den Gewerbetreibenden der Floristik, Schokoladenhersteller und Kartenindustrie vorschreiben lassen sollte, an welchem Tag im Jahr man dem Menschen seiner Wahl huldigen sollte. Zelebriert habe ich ihn auch noch nie, bisher war ich nie in der Situation, an einem Valentinstag in einer Beziehung zu sein. Obwohl, das stimmt nicht, aber mein letzter Freund hat diesen Tag jedesmal geflissentlich ignoriert und für mich war das in Ordnung so.

Und trotzdem warte ich irgendwie auf irgendwas. Vielleicht ist das auch normal, wenn man verliebt in jemanden ist und es hat gerade Valentinstag. Jedenfalls sitze ich gestern am Schreibtisch, schaue in meine Unterlagen und warte schon den ganzen Tag über auf irgendwas. Ich bin von Anfang an nicht davon ausgegangen, dass Micha sich ausgerechnet deshalb meldet, weil sich gerade überall in Fernsehen, Radio, Zeitung oder Werbung Herzen, Pärchen und Blümchen tummeln. Trotzdem bin ich irgendwie ein wenig enttäuscht.

Ich bin gerade dabei, eine Mecker - SMS an Juliane zu schreiben, a la "Dieser Arsch, meldet sich einfach nicht, es ist aus, Hochzeit is abgesagt" und will sie verschicken, da klingelt das Handy. Ich schaue dumpf aufs Display und sehe ein Foto an- und ausblinken. SEIN Foto!!!! Oha! Ich spüre kurz hysterisches Gelächter in mir aufsteigen, unterdrücke den Impuls, wie wahnsinng auf und ab zu hüpfen und gehe ans Handy. "Hallo", sage ich freundlich aber undurchsichtig. Er soll nicht merken, dass ich gerade wegen ihm ausraste. Er begrüßt mich und wünscht mir gleich danach einen fröhlichen Valentinstag. Boah, ey! Ich merke, wie mir die Röte ins Gesicht schießt, Gott sei Dank sieht mich gerade niemand. Mit Mühe kann ich mich davon abhalten, ins Stottern abzudriften, bedanke mich und sage ihm, dass ich mich darüber freue. Blöde Verlegenheit. Er erzählt mir, dass er gerade mit seinem Bruder telefoniert hätte und er mich nur mal schnell zwischen Schnitzel und Naturdoku einparken wollte. "Nicht schlimm" denke ich mir, immer noch total berauscht vom Wahn. Er erzählt mir, dass er noch seine Trauerrede üben müsste und liest sie mir vor. Ich bin überrascht von der Tatsache, dass er auch ernst sein kann. Natürlich kenne ich seine ernste und nachdenkliche Seite, ich weiß, dass nicht jedes Lächeln an ihm echt ist. Aber diese Ernsthaftigkeit steht ihm auch beruflich gut. Mir gefällt seine Rede. Am Ende des Telefonats sagt er noch:"Auch, wenn du das als aufgesetzt empfunden hast, glaub mir, es kam von Herzen!" 

Ich freue mich immer noch darüber, dass er an einem so dämlichen Tag an mich gedacht hat... 

13.02.2011 um 21:48 Uhr

der wahn...

...hat mich wieder.

Normalerweise kümmere ich mich nicht besonders um mein Aussehen. Also, nicht, dass es mir egal ist, wie ich herumlaufe und so, aber ich bin wirklich kein Körperkultist. Alles in allem bin ich wie ein IKEA-Regal, dass von einem absoluten Laien aufgebaut wurde - hier und da fehlt etwas, dort was improvisiert und da was dazuerfunden. Nicht schön, aber zweckmäßig. Ein Zustand, der mich schon ein Leben lang begleitet (das ist gelogen, die ersten sechs, sieben Lebensjahre war ich ein wirklich hübsches Kind!) und an den ich mich gewöhnt habe.

Im Moment ist es aber so, dass ich ziemlich arg auf mich achte, da ich mit dem Gedanken konform gehe, mit einem gewissen Jemand per Du zu werden. Und es kommt natürlich, wie es kommen muss; mein Körper erinnert sich daran, dass er schon länger keinen Rabatz mehr gemacht hat und denkt sich "Reform, Reform!". Da wir bereits aus der Politik wissen, dass "Reform" im Allgemeinen "Veränderung" und nicht "Verbesserung" bedeutet und aus diesem Grund auch völlig offen ist, ob diese Veränderung jetzt ins Gute oder ins Schlechte tendiert, brauche ich nicht weiter zu erklären, dass diese Reform mich nicht über Nacht in eine Prinzessin mit Kürbiskutsche und Glaspantoffeln und sprechenden Tieren verwandelt hat.

Eher hat mich die Reformfee quasi über Nacht mit blühenden Landschaften beschenkt. Ich hatte vor vielen Jahren einmal fiese Akne, die sich aber nach einem zweimaligen Hautarztbesuch und einer strikten Behandlung mit diversen Cremes und Tabletten gut unter Kontrolle bringen ließ. Unter einem Anflug von Nostalgie scheint meine Haut sich wohl irgendwie wieder wie mit 14 anfühlen zu wollen und hat sich diesen Wunsch erfüllt. Glücklicherweise nicht im Gesicht, dafür aber auf dem Rücken. Gott sei Dank hat mein Hautarzt erst im Juni wieder freie Termine, so kann mein Rücken noch lange in Erinnerungen schwelgen. Ich behandle mich jetzt autodidakt mit einer Suspension, die knapp an der Rezeptpflicht vorbeigerauscht ist, mit ersten kleinen Erfolgen.

Dazu gesellt sich die erblich bedingte Bindegewebsschwäche, die mir dekorative Besenreißer in den schmückenden Farben blau und violett ausschließlich auf dem linken Unterschenkel zaubert. Wenn ich mit einem Stift die Verästelungen nachziehen würde, würde ich wahrscheinlich die Flussläufe von Deutschland, Österreich und Polen darstellen können (neue Idee zum Broterwerb: als stille Karte an den hiesigen Schulen dieser Umgebung arbeiten!). In meinem festen Irrglauben an eine gesunde und aktive Lebensweise dachte ich mir:"Machste Sport, so'n bisschen Radfahren, Inlinern und Schwimmen,da wird die Sache bestimmt wieder besser..."  Und nun stelle ich fest, dass sich die kleinen Mistviecher seitdem verschlimmert haben. Yay.

Ich habe seit langem wieder gemeine Probleme mit meinem Äußeren, weil mich dieser Mist einfach verunsichert. Das liegt zum großen Teil daran, dass ausgerechnet Micha derjenige ist, in den ich mich verliebt habe. Er ist so viel anders als ich, was die äußere Erscheinung angeht. Sonst waren ja eher die schüchternen, ruhigen, langhaarigen, stark untergewichtigen oder stark übergewichtigen Mattenschwinger dieser Welt meine Partnerprinzen. Und im Kontrast dazu steht jetzt Micha. Extrovertiert, selbstbewusst, durchtrainiert und akkurat. Er scheint nichts an sich dem Zufall zu überlassen. Er lässt das nicht raushängen, ist nicht eingebildet oder so. Aber ich habe das Gefühl, dass es ihm irgendwann unangenehm werden könnte, dass wir uns äusserlich so arg unterscheiden. Ich meine, jemand wie er ist halt ein Frauenmagnet. Und leider sind es nicht nur pummelige, fetthaarige Hausfrauen, die Anbiederungsversuche unternehmen. 

Und deswegen versuche ich, mich optisch ein wenig aufzuwerten. Da dachte ich also:"Naja, holste dir mal neue Klamotten...". Schlechte Idee. Eigentlich wollte ich nur eine Jeans, eine ganz normale dunkle Hose ohne Schnickschnack. Selbst im zehnten Laden gelang es mir nicht, etwas anderes als irgendwelche Röhren oder "Jeggings" (gruselig, ganz gruselig!) ausfindig zu machen, auch fand ich die dort angebotenen Größen äußerst bedenklich. Entweder gab es die Beinkleider in Größen, bei denen ich gerade mal mit dem Unterschenkel reingepasst hätte (ich habe Kleidergröße 36!!!) oder aber es gab diese Größe, dazwischen nichts mehr und dann fing es ab 46 wieder an. Eine Verkäuferin versuchte mir, eine dieser Slims als passend anzudrehen. Ich habe dem nur entgegnet, dass ich leider keinen Tannenbaumtrichter daheim habe und bin gegangen. Beim rausgehen sehe ich drei Frauen nebeneinander an der Kasse - allesamt mit in die Stiefel gesteckten Slim-Fit-Jeans...

Ich habe eine Bitte an alle Frauen, die das hier lesen:

Hört BITTE BITTE BITTE damit auf, der ohnehin verqueren Modeindustrie Anreize zu liefern, NOCH MEHR dieser unsäglichen "Slim Fit" - Jeans zu produzieren und so die normalen Hosen für normale Frauen mit normalen Körperbau vom Markt zu verdrängen! Kauft sie einfach nicht mehr! Zieht euch Röcke an oder Kleider oder Malerhosen, mir egal, aber bitte zwingt mich durch euer finanzielles Zutun nicht mehr dazu, diese ganze Rotze aus Ermangelung an Alternativen auch noch mitmachen zu müssen. Ich danke euch!  

  

10.02.2011 um 22:45 Uhr

aus zweiter hand

Momentan läuft alles sehr ruhig und entspannt auf der Arbeit. Im Prinzip habe ich in der jetzigen Woche nichts weiter gemacht als Finanzkram, Rechnungen, Überweisungen und all sowas Spannendes.

Heute kamen die Angehörigen von dem Mann, dessen Gewicht vor geraumer Zeit beinahe eine Amputation einer meiner Mittelfinger zur Folge hatte. Ein Paar Mitte vierzig aus Bayern, das den langen Weg extra auf sich genommen hat um zu erben sich um die Beisetzung des Mannes zu kümmern. Ich habe keine Ahnung, in welchem Verwandtschaftsverhältnis genau diese Leute zueinander standen, auf jeden Fall sind das jetzt die nächsten Angehörigen und sitzen nun vor Thomas und mir. Thomas redet, ich schreibe. Da fragt die Frau, natürlich nur interessehalber, ob der Herzschrittmacher des Verstorbenen entfernt wurde. Thomas hat keine Ahnung, ich frage, wie alt denn in etwa der Schrittmacher sei. Der Mann antwortet, dass dieser auf keinen Fall älter als zehn Jahre ist, ich nicke und sage: "In dem Fall muss er wohl mit eingeäschert worden sein." "Aber der ist doch aus Metall oder so...", beginnt die Frau. "Das Material ist nicht das Problem, es geht um die Batterien. Die alten Herzschrittmacher wurden früher mit anderen Batterien betrieben als heute und das hat dann immer Probleme bei der Kremierung verursacht..", umschreibe ich vorsichtig das Thema, "Aber dieser zählt nicht mehr dazu." "Oh.", macht die Frau, sie wirkt enttäuscht.

Einige Stunden später tippe ich die neuen Preistabellen in den Computer. "Du, Thomas..ich glaube, ich weiß, was die wollten, als die nach dem Schrittmacher gefragt haben.."  "Was denn?"  "Also, auf mich haben die den Eindruck gemacht, als hätten die in Gedanken bereits den Kurs für Second-Hand-Schrittmacher bei der Versicherung berechnet.."  Thomas lacht schallend:"Ja, genau das gleiche habe ich auch gedacht!" Wir grinsen beide und fragen uns wohl zeitgleich im Stillen, was Altmetall - Alfred ein paar Querstraßen weiter wohl dazu sagen würde... 

08.02.2011 um 23:07 Uhr

wirkung des wandels

Ich habe es getan. Ich war tatsächlich bei der Haarfee und habe mir die Haare SCHNEIDEN lassen. Kein Witz. Ja, klingt erstmal ziemlich unspektakulär, aber mein Haupthaar ist mir heilig und sowas wie eine Schere berührt allenthalber mal seine Spitzen. In letzter Zeit war ich aber immer unzufriedener mit mir und meinem Äußeren ("in letzter Zeit" ist gut, höhöhö) und strebte nach Veränderung. Also, keine Allround-Vorher-Nachher-Veränderung, nur ein kleines Feintuning.

Ich sitze also im Stuhl bei der Friseurin meines Vertrauens und schaue mir Bildchen in einem etwas klebrigem Frisurenkatalog an. "Also, ich finde deine Haare wirklich schön, eigentlich würde ich nichts daran machen...aber ein Pony würde dir ziemlich gut stehen!", flötet es mir von rechts oben ins Ohr. Aha, ein Pony also. Überlegenswert, der würde meine nicht gar geringe Stirn ein wenig kaschieren. Ich suche nach vergleichbaren Frisuren, die meinem aktuellen Haarzustand gleichen. Ich finde etwas, patsche mit dem Zeigefinger darauf. "Das da sieht gut aus!" sage ich. Sie macht sich ans Werk und während ich gebetsmühlenartig "Bitte nicht zu kurz" vor mich hin chante, ziehen an meinem inneren Auge plötzlich Horrorvorstellungen vorbei, die mich mit einer Frisur zeigen, die in einer ganz bestimmten Jugendbewegung unserer Zeit nicht selten sind (ein großes "Sorry" an alle Emos, die das hier lesen, ist nichts Persönliches. Wirklich.). 

Nach einigen Minuten traue ich mich zum ersten Mal, die Augen wieder zu öffnen. Und bin überrascht. Ich stelle fest, dass ich gar nicht wie ein Emo aussehe. Ich sehe aus wie ich, nur irgendwie upgedatet. "Nina 1.1" sozusagen. Es gefällt mir. Ich finde, dass meine doch etwas seltsame Gesichtsform so vorteilhafter daherkommt. Ich freue mich.

Seit Samstag lebe ich nun schon mit der neuen Frise, und ich finde es immer noch nicht scheiße. Das ist gut. Heute habe ich sogar ein nicht geringes Trinkgeld erhalten und die Frau von der Apotheke hat mir Süßigkeiten geschenkt. Liegt bestimmt an den Haaren!  

03.02.2011 um 22:40 Uhr

me versus television

habe mal wieder gegen das fernsehprogramm abgeloost....

01.02.2011 um 00:25 Uhr

gemeinsam...

....haben wir wieder viel gelacht. Doch habe ich nicht dazwischen ein Weinen vernommen? Mir ist nach weinen zumute gerade. Weil ich weiß, was in dir vorgeht und womit du kämpfst.

Heute Nacht werde ich für uns beide heulen.

31.01.2011 um 23:54 Uhr

vertrauen

Stimmung: erlöst, erhellt, nachdenklich
Musik: samsas traum "Janis' Lied"

Wir haben wieder geredet, Micha und ich. Und endlich verstehe ich. Und ich weiß, dass es nichts mit mir zu tun hat.

Wir sind uns ähnlich, trotz allem oder gerade deshalb merke ich das immer mehr. Ich danke dir für dein Vertrauen.

28.01.2011 um 20:33 Uhr

der hässliche nackte arsch des karmas - die drölfzigste

Es gibt Tage im Leben, da ist man der festen Überzeugung, dass es irgendwo in diesem Universum eine geheime Macht gibt, die es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, einem regelmäßig den entblößten Arsch des Schicksals ins Gesicht zu halten. So einen Tag gab es wieder einmal bei mir, heute.

Ich sitze gemütlich im Drehstuhl von Frau Gruber, höre Rainald Grebe ("Der Präsident") im Hintergrund und recherchiere im Netz über mögliche Arbeitgeber, wenn ich nächstes Jahr meine Ausbildung fertig habe. Und was sehe ich?? Einer der namhaftesten Bestatter dieses Landes sucht seit neuestem einen Azubi. Natürlich genau in dem Bundesland, welches ich im Februar vergangenen Jahres verlassen habe (nach einem ungefähr halbjährigen Aufenthalt), in dem ich genau nach SO EINER STELLE GESUCHT HABE!!!!! Natürlich ist es reine Ironie, dass ich vor drei Monaten noch eine Reportage über diesen Menschen gesehen habe und dass die gesamte Klasse sich im Anschluss daran in Lobhudeleien über dessen Arbeit erging. Ich hätte mir Beine und Arme ausgerissen, um in so einem Betrieb unterkommen zu können! Gut, ohne Arme und Beine in der Bestattung tätig sein zu wollen, ist irgendwie illusorisch...es sei denn, man sitzt nur im Büro, besitzt ein Headset mit automatischer Rufannahme und einen sprachgesteuerten Computer. Und wenn man dann noch dazu in der Lage ist, einen Stift mit dem Mund zu führen und....aber darum geht es jetzt nicht.

Während ich darüber nachdenke (und mich innerlich tiersich über das beschissene Timing ärgere), bekomme ich einen Anruf von Frau Gruber, dass ich auch die nächsten fünf Stunden alleine im Büro verbringen werde...irgendwas mache ich verkehrt.. 

24.01.2011 um 21:10 Uhr

tschüss, wochenende!

Soviel zu meinen Plänen, mich am Samstag ganz untypisch mal dem Shoppingwahn zu ergeben...

Übers vergangene Wochenende sind überraschend vier neue Sterbefälle dazugekommen, die wollen jetzt natürlich alle bearbeitet werden und auch die von vergangener Woche sind noch nicht abgeschlossen. Im Klartext heißt das, dass ich ab morgen jeden Tag eine Beisetzung habe, am Samstag sogar zwei. Und weil die Wochenend - Bestattungen katholisch sind, bedeutet das, dass ich vor 17Uhr garantiert nicht nach Hause komme. Thomas und ich haben uns heute regelrecht überschlagen vor Begeisterung.

Ansonsten war der Tag heute ziemlich ruhig. Leider hat sich Thomas etwas vertan in der Einschätzung des Gewichtes unseres neuen Falls. "Keine Sorge, Nina, den kenne ich. Der wiegt nicht viel!", sprachs, als er die Tür der Kühlzelle im Krankenhaus öffnet. Ich schaue hinein und frage: "Meinst du wirklich..?"  "Oh.." macht er, als er sieht, was ich meine; anscheinend ist es schon ein wenig her, seit Thomas den Mann das letzte Mal gesehen hat. Vor uns liegt ein in ein Laken gewickelter Körper, der die Kammer so ziemlich ausfüllt, ich mag an seine Theorie nicht so recht glauben. "Ach, das schaffen wir schon.", sagt er, kontrolliert aber nochmal vorsorglich den Zettel an der Tür und öffnet sicherheitshalber auch noch die verbleibenden Kühlzellen. Nichts zu machen, der Verstorbene ist der Richtige und so bereiten wir das Einsargen vor. Thomas schiebt den Hebewagen vor die Zellentür, ich ziehe das Zellenblech mitsamt dem Verstorbenen auf den Hebewagen. Ja, dieser Mann wiegt einiges und so kommt es, dass es beim Weiterziehen stockt. Ich versuche, durch eine Kombination aus drücken und ziehen die Blockade zu lösen, dabei gerät mein rechter Mittelfinger zwischen dieses Blech und den Hebewagen und wird eingeklemmt. Ich möchte schreien, darf ich aber nicht. Nachdem wir es endlich geschafft haben, mich aus meiner Fingerfalle zu befreien, kleiden wir den Mann um und wollen einsargen. Da der Verstorbene wie gesagt einiges mehr an Gewicht hat als ursprünglich angenommen, gestaltet sich dies als etwas problematisch, zumindest für mich und meine Kinderhände. Unter Einbuße der Gesundheit meiner Rückenwirbel schaffen wir es schließlich doch noch. Ein letztes Mal zum Horst mache ich mich, als ich den Sarg in das Auto schieben will und es - wieder einmal - stockt. Amüsiert beobachtet Thomas meine vergeblichen Versuche, daran etwas zu ändern, dann hilft er mir doch noch. Nett. 

Ich will zum WSV....  

23.01.2011 um 17:35 Uhr

mit dem zaunpfahl gewinkt?

Vergangene Nacht träumte ich einmal mehr von Micha. Daraufhin schicke ich ihm eine SMS mit der Bitte, künftig meinem Traumleben fernzubleiben, da die Ernüchterung beim Aufwachen richtig fies sei.

Er ruft an, wir machen die üblichen Späße. Ganz kurz wird es halb ernst, er macht Andeutungen über unsere Beziehung zueinander und dass er das alles recht kompliziert findet. Leider (vielleicht ist es aber auch irgendwie besser so) wechselt er das Thema und meint, er müsse dringend wieder anfangen, zu lernen. Seit dem Praktikum ist alles wie vergessen, ich sage ihm, dass es mir da ganz ähnlich geht. Wir werden wieder lustig und lachen über alles mögliche. Dann erzählt er mir, dass er vor kurzem noch Verdis "Requiem" irgendwo gesehen hätte und dass ihn das alles so beeindruckt hat, dass sich das ein oder andere Tränchen aus dem Auge stahl. Er wird übergangslos wieder ernst und sagt mir, dass er es in solchen Momenten immer schade findet, dass es niemanden gibt, mit dem er eben diese Momente teilen kann. Ich sage ihm, dass sein neues Übergangsquartier an einem perfekten Standort für diverse Konzerte liegt und er sich so keine Sorgen über fallende Decken auf seinen Kopf machen muss. Micha findet das nicht, denn:"Aber alleine da hingehen macht irgendwie keinen Spaß.." Er fragt mich, wie ich das mache, ich antworte ihm, dass ich zumindest die Konzerte besuchen gehe, von denen ich weiß, dass sie hier längere Zeit nicht mehr aufgeführt werden. Ich bestätige aber seine Theorie, indem ich anmerke, dass es tatsächlich etwas komisch ist, wenn das Ereignis vorbei ist und man niemanden hat, mit dem man darüber reden kann, bzw. von den Daheimgebliebenen Unverständnis erntet, wenn man erzählen will, was man erlebt/empfunden hat.

Nach dem Telefonat hing irgendwie die unausgesprochene Idee im Raum, ruhig mal zusammen in eine Aufführung zu gehen..jedenfalls checke ich seitdem Konzerttermine ab März... 

22.01.2011 um 22:07 Uhr

ohne worte...

Es kommt selten vor, aber es gibt Dinge, zu denen auch mir nicht mehr viel einfällt.

Alex hat heute den absoluten Ober-Vogel abgeschossen, um nicht zu sagen er hat mit Kanonen auf Spatzen gezielt und er hat getroffen.

Alex und ich warteten schon seit geraumer Zeit voller Vorfreude auf die neue Sopor-Platte. Wie ganz am Anfang meines Blogs erwähnt, wurde seine Bestellung allerdings auf wundersame Weise geklaut verschlampt und so musste er bange Monate des Wartens auf sich nehmen, um eine neue Scheibe zu ergattern (viel Hickhack mit dem Mailorder bzw. der Frage, ob es überhaupt noch limitierte Auflagen auf Lager gibt, die eventuell storniert wurden, da sie offiziell als ausverkauft galten).

Gestern wr es dann endlich so weit - der Postbote war brav, die Bestellung kam an und Alex war selig.

Heute bekomme ich einen total geknickten Alex zu Gesicht, ich frage, was los ist und er druckst vor sich hin. Er erzählt mir, dass er gestern Abend noch bei seinem Kumpel war (mit der CD im Schlepptau) und die CD seit gestern weg ist. "Wie 'weg'??" "Naja, weg halt...ich habe sie wohl irgendwo aufm Heimweg verloren...."

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass der liebe Alex öfters mal Dinge verliert. Schals, Mützen, Regenschirme, Geldbörsen, Handys, Krankenkassenkarten, Bücher....alles schon dagewesen.

"Und du bist sicher, dass du sie nicht beim Tom hast liegen lassen?"

"Da war ich heute morgen nochmal, da ist sie nicht! Aber er meinte, ob es nicht möglich sein könnte, dass ich unterwegs nicht irgendwo angehalten hätte, um mir ne Kippe zu drehen und sie dann irgendwo abgelegt und vergessen hätte..."

"Ist es möglich?"

"..."

"Alex..Wenn du davon ausgehst, dass das so ist...was machst du dann noch hier und suchst nicht danach? Hast du etwa vergessen, wann du wo lang gekommen bist??"

"..."

"Sag mal, warst du wieder betrunken?!"

"*murmelt*"

"Alex, das ist jetzt bitte nicht wahr, oder?"

Da hat der Volltrottel doch tatsächlich im Suff etwas verloren, auf das er MONATELANG gewartet hat. Ich spiele mit dem Gedanken, ihm zum Geburtstag einen Brustbeutel zu schenken...

21.01.2011 um 20:17 Uhr

blöd...

verliebt in dich zu sein ist wie die ganze schachtel mon cherie leer zu essen.....obwohl man schon vorher weiß, wie schlecht es einem danach geht, tut man es trotzdem...

19.01.2011 um 21:15 Uhr

wichtig

Musik: The Other - Hyde Inside

Mir ist aufgefallen, dass ich neben all den Michas und Carstens und Pauls dieser Welt eine ganz wesentliche Person noch gar nicht näher erwähnt habe, obwohl sie es ganz klar verdient. Dies hole ich hiermit nach.

Juliane. Juliane ist meine Klassenkollegin und irgendwie ist sie wohl auch meine Freundin. Kennengelernt haben wir uns im September des vergangenen Jahres. Anfangs konnte ich nicht viel mit ihr anfangen, sie war immer recht verschlossen und distanziert und machte auch sonst den Eindruck, dass sie mit uns anderen nicht so arg viel zu tun haben möchte. Da ich mich meinerseits auch ein wenig abgekapselt hatte, hatten wir nicht viele Berührungspunkte miteinander.

Im Laufe der zweiten Schulwoche tauten wir beide etwas auf, das lag mitunter wohl auch daran, dass unsere Klasse verhältnismäßig klein ist und man sich so irgendwann miteinander beschäftigen MUSS. Eines Tages saßen wir gemeinsam in der Mittagspause auf einer Bank und unterhielten uns. Wir entdeckten, dass wir beide die gleichen Ängste und Unsicherheiten bezüglich der Schule und unseren Mitmenschen hatten, das gleiche Nicht - Selbstbewusstsein. An diesem Tag haben wir dann auch unseren Altersunterschied schnell vergessen (sie könnte meine Mutter sein, sie hat auch einen Sohn in meinem Alter).

Im Laufe der Zeit lernten wir uns besser kennen, erzählten uns gegenseitig Dinge aus unserer Vergangenheit (die sich in einer ähnlichen Form auf uns ausgewirkt hat) und was wir uns für unsere Zukunft wünschen. Wir entdecken, dass wir denselben Humor haben, dass wir dieselbe Art von Menschen scheiße finden und dass wir sogar einen kompatiblen Musikgeschmack haben. Wir mögen den gleichen Radiosender (Klassik, Jazz und Globales - zusammen mit Micha bilden wir das Dreieck des guten Geschmacks, höhö), aber wirklich überrascht war ich, als ich beim Stöbern durch ihre CD-Tasche im Auto über echten Metal gestolpert bin. "Manchmal brauche ich das einfach.." war ihr Kommentar dazu.

Ich glaube, ein richtiges Vertrauensverhältnis wurde an dem Tag aufgebaut, als wir zusammen mit Carsten und Volker zum Sightseeing und Shoppen in eine andere Stadt gefahren sind. Wir saßen zusammen im Auto und haben auf die beiden Männer gewartet. Wir hörten eine CD und sie erzählte mir, dass ihr Mann zu diesem Lied beerdigt wurde. Sie hatte bereits erwähnt, dass ihr Mann vor elf Jahren starb, beschrieb aber nie die näheren Umstände. Ich wollte auch nicht danach fragen. Und dann beginnt sie, mir die Geschichte zu erzählen. Dass er sich das Leben genommen hat, weil er mit der Scheidung nicht zurechtkam. Dass ihr Sohn ihr lange Zeit die Schuld dafür gab, dass sie sich die Schuld dafür immer noch gibt. Von den Albträumen, die sie seitdem regelmäßig hat.

Das klingt jetzt alles ziemlich düster, aber wir hatten an diesem Tag trotzdem noch eine Menge Spaß zusammen. Und das bewundere ich an ihr. Dass sie trotz all dieser Dinge, die ihr im Leben passiert sind, ihren Humor nicht verloren hat und dass sie den Mut gefunden hat, ein neues Leben anzufangen, mit neuem Partner, neuem Wohnort und neuem Job. Generell ist sie eine Frau der Tat, während andere noch darüber reden, nimmt sie die Dinge in die eigene Hand. Ich bewundere ihre Selbstständigkeit, ich wünschte, ich könnte auch etwas mehr wie sie sein.

Jedenfalls reden wir seitdem über alles. Und mit alles meine ich ALLES. Sie weiß auch, was mit mir "los" ist, macht sich stellenweise Sorgen um mich, weiß aber auch, dass ich das irgendwie schon schaffe. Während der Praktikumszeit telefonieren wir einmal die Woche und tauschen Neuigkeiten aus. Ihre Stimme (und ihr lustiger hessischer Dialekt!) beruhigt mich und gibt mir ein Gefühl von Normalität. Sie ist auch von Anfang an dabei, als das mit Micha und mir losgegangen ist. Seitdem fiebert sie mit, leidet mit mir, freut sich mit mir und gibt mir Ratschläge.

Alles in allem sind wir tatsächlich sowas wie Freunde geworden. Ich freue mich darüber, dass ich jemanden in der Schule gefunden habe, der so ist, wie sie ist.

18.01.2011 um 21:38 Uhr

Mögen....

Im spätabendlichen Gestern hatte ich wieder einen Grund, mich wie ein verliebtes Schulmädchen zu fühlen.

Micha ruft an, unterm Strich reden wir gute drei Stunden miteinander, bis mein Akku schlapp macht (verdammtes Dreckshandy, blödes...). Eigentlich reden wir über nichts Spezielles. Wir fangen mit Gesprächen über die Wahrnehmung, die Realität und die Wahrheit (für uns beide sind das irgendwie zwei unterschiedliche Dinge) an, ziehen und verwerfen Verbindungen und fangen wieder von vorne an. Natürlich gelingt es uns nicht, dabei dauerhaft ernst zu bleiben, irgendwann kichern und giggeln wir nur noch (ein wenig hysterisch) und beglücken uns gegenseitig mit Doppeldeutigkeiten, was uns noch mehr zum Lachen bringt. Ich fühle mich warm und gut, hier kann ich ungestraft doof sein. Wahrscheinlich hat es auch Vorteile, wenn man diverse Geisteskrankheiten teilt. Natürlich denke ich daran, wie es sein wird, wenn wir uns im März wiedersehen. Ob wir dann auch noch so einen ungezwungenen Umgang miteinander haben oder ob unsere Annäherung auf räumlicher Distanz etwas verändert hat. Und zum ersten Mal habe ich diesen Gedanken ganz ohne Sorgen. Seit gestern habe ich das Gefühl, dass wir tatsächlich eine Art Verbindung zueinander aufgebaut haben, die zwar noch frisch aber dafür auch massiv ist. Am Ende stellen wir fest, dass wir ziemlich kopfkrank sind, dass uns lieber niemand zuhören sollte und dass sich unsere Welten unter der Oberfläche sehr ähneln (seine Worte).

Natürlich traue ich mich nicht, ihm zu SAGEN, dass ich ihn mag (mittlerweile mehr als das), das hole ich feige per Textnachricht nach und bekomme ein Ebenso.

Mein Praktikum deprimiert mich stellenweise, den ganzen Tag mache ich nichts weiter als irgendeinen Bürokram. Ich habe den Eindruck, dass ich nicht voran komme, dass ich einfach nichts wichtiges dazulerne. Ich habe die leise Hoffnung, dass es den anderen auch nicht sehr viel anders geht im Moment...

17.01.2011 um 21:07 Uhr

Der Dialog des Tages!

Heute Mittag beim Beratungsgespräch. Mir gegenüber sitzen ein Mann und seine Tochter, die wissen wollen, wie sie die Beerdigung eines älteren Mannes ausrichten sollen. Der ältere Herr war recht betagt aber doch plötzlich von uns gegangen und die beiden Leute waren sozusagen die Bevollmächtigten, auch schon zu Lebzeiten des Mannes (Familie gab es keine mehr, nur ein paar Neffen und Nichten, die aber seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr zu dem alten Mann hatten).

Wir sind bereits an dem Punkt, an dem die Trauerfeier fertig ausgerichtet ist.

Mann: "Wo sollen wir denn danach essen gehen..? Ich meine, so viele Leute kommen ja nicht, da können wir kein ganzes Lokal buchen....."

Tochter (im Brustton der Überzeugung): "Gehen wir doch ins Burger King!"

Das waren Leute nach meinem Geschmack. Wo es dann zur Sargauswahl ging, fragt die Tochter: "Wo haben Sie denn die teuren Modelle?" Während ich mir sowas wie "YEAHHHHHH!!!" denke, behalte ich mein Pokerface und führe sie zu dem teuersten Modell, dass wir in der Ausstellung haben (ich dachte mir, wenn ich ganz hoch anfange, kommen wir zu einer gesunden aber auch ertragreichen Mitte). Ich erkläre ihnen die Holzart, Besonderheiten usw, da kommt es von der Tochter: "Gut, den nehmen wir!". Innerlich schläft mir das Gesicht kurz ein, ich möchte ihnen noch kurz ein paar Details zeigen, da sagt die Tochter zu mir: "Sie müssen sich nicht rechtfertigen, das passt schon!"

Sie erklärten mir dann, dass der ältere Herr einen relativ hohen Nachlass hat, den sie nur für die Beerdigung auszugeben zu gedenken und sie deshalb auch relativ hochpreisige Sachen erwerben möchten. Mir soll es recht sein...

11.01.2011 um 21:38 Uhr

Höflichkeit ist eine Zier....

...doch leider ist sie irgendwie aus der Mode gekommen.

Folgende Situation heute Mittag auf der Arbeit; Thomas und ich sitzen in der Küche. Aus dem Nichts heraus tönt es plötzlich vom Küchentisch gegenüber: "Mädel, lass dir mal die Zähne machen!"

Sonstige

Während mir innerlich die Kinnlade herunterkracht und ich mich davon überzeuge, NICHT zu träumen, murre ich Thomas entgegen: "Klar. Sonst noch etwas?"

Da sitzt mir also ein Endfünfziger mit ungepflegter Frisur, ungepflegtem Bart und Spitzbauch gegenüber, der mir zu einer Zahnkorrektur rät, so völlig unverfänglich. Dann erklärt er mir, dass er, seit er seine Frau kennt (Zahnarzthelferin) genau auf sowas achtet. Und versucht mir auszurechnen, welche Zahnversicherung ich wie lange abschließen müsste, um wieder "normal" zu sein. Ich kläre ihn auf. Darüber, dass ich schon ziemlich lange genau so aussehe. Dass es keine ansteckende Krankheit ist. Dass ich mir die Zähne trotzdem brav putze und ich seit etwa zweieinhalb Jahren nicht mehr zum Bohren musste, meine Zähne also folglich gesund und funktionstüchtig sind. Dass ich mich nicht so gemacht habe, was bedeutet, dass ich mir das nicht ausgesucht habe. Dass es den ein oder anderen Mann bisher nicht davon abgehalten hat, mit mir zusammen zu sein. So muss er sich auch keine Sorgen darüber machen, dass ich möglicherweise völlig unverheiratet und geächtet von der Gesellschaft existieren muss. Und dass mir noch gut hundert andere Unzulänglichkeiten an mir einfallen, die schwerer wiegen, als ungerade Zähne und die einer dringenderen Behandlung bedürfen. Und dass ich die Kohle lieber in den wunderschönen Kia Magentis investieren würde, als mir davon auch nur einen einzigen Zahn zurechtrücken zu lassen.

Natürlich hätte ich auch nur tumb zurückschlagen und davon anfangen können, dass ich wahrscheinlich die einzige Person dort mit einem normalen BMI bin und ein wenig Sport ihm auch nicht schaden würde. Aber da Gelasseneheit die höfliche Form der Verachtung ist, habe ich es dabei bewenden lassen.

Und weil es dem ein oder anderen elementar wichtig zu sein scheint, sich mit den dentalen Asymmetrien von anderen Leuten zu beschäftigen, tue ich ihnen einen echten Gefallen. Ich kann es einfach nicht ertragen, wenn ich daran denke, dass man ihnen den Gesprächsstoff entzieht...und aus diesem Grund lasse ich meine Zähne so, wie sie sind. Cheers!

09.01.2011 um 00:04 Uhr

Überraschung

Es geschehen noch Zeichen und Wunder am samstäglichen Abend. Vorhin ruft Micha an. Wir haben einige Stunden zuvor schon einmal kurz miteinander gesprochen, natürlich nichts ernstes. Nur Flax. Zuerst einmal war ich sehr überrascht und habe mir eine Ausrede einfallen lassen müssen, um Alex kurz abzuwimmeln (akuter Durchfall...).

"Mädchen!", sagt Micha überraschend kleinlaut. "Wie kann ich dir weiterhelfen?", frage ich unbeabsichtigt fröhlich (jaah, mit so einer plötzlich auftretenden Ladung Endorphine muss man erstmal fertig werden...). Er druckst kurz herum. "Also, eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass ich irgendwie voll das schlechte Gewissen habe..." Ich muss kurz auflachen. Das ist sehr unpassend, ich weiß. Aber ich konnte nicht anders. Denn mir fiel zu diesem Zeitpunkt wirklich nichts ein, wofür er ein schlechtes Gewissen haben sollte. Und so ein spontaner Anfall von schlechtem Gewissen hat irgendwie was komisches. Er findet das offenbar nicht, ist kurz aus dem Konzept gebracht und macht dann weiter: "Eigentlich wollte ich dir sagen, dass ich im Prinzip gar nicht so bin! Ich kann auch anders und ich weiß, dass das oft gar nicht den Eindruck macht und dass ich meistens ziemlich derbes Zeug ablasse. Und ich merke es dann gar nicht, wenn ich mich dann wie ein Arschloch benehme..."  "Das sage ich dir dann doch!", versuche ich ihn zu trösten. Ich muss lächeln und merke, wie ich leicht rot werde. "Naja, jedenfalls hat mich das gerade die ganze Zeit beschäftigt und ich wollte mich dafür bei dir entschuldigen!" Ohhhh....ich könnte ihn knuddeln! Ich sage: "Ach, ich kenne deinen Humor doch. Das nehme ich dir nicht übel..."  "Mit dir kann ich einfach nicht normal reden!"  Moment mal, was?? "Was?", versuche ich die Zweifel an meinem Kommunikationsvermögen abzuwehren, "Wie meinst du das denn? Ich bin nicht dieses unter Vormundschaft stehende Es aus Little Britain!" Er lacht. "So meine ich das gar nicht! Du bist einfach zu lustig, da breche ich dann manchmal einfach aus."  Wir witzeln noch eine Weile herum und verabschieden uns dann voneinander. Ich bin mir sicher, dass diese Entschuldigung zu 60% dazu gedacht war, das strahlende Bild, das er mir von sich zu vermitteln sucht, zu erhalten bzw. es nicht angekratzt zu wissen. Ich fand es trotzdem nett...

07.01.2011 um 22:19 Uhr

Fragmente aus dem Alltag...

Papa: "Kind, bist du depressiv?"

Ich: "...."

Papa: "Dann gehst du am besten nachher gleich auf den Zimmer, sonst steckst du den Hund noch an. Der ist gerade wieder normal geworden...!"


Heute habe ich eine Anzeige von einem Hustensafthersteller in einer Illustrierten gesehen. Eine Telefonnummer, wenn man die wählt, kann man so in den Hörer hineinhusten und die sagen einem dann, welche Art von Husten man genau hat.................