Emotionen und Irritationen - satirisch kommentiertes Zeitgeschehen von Anhalli

01.11.2009 um 16:41 Uhr

Ist ein erarbeiteter Ruin wirklich 15 Milljönchen wert?

Stimmung: irgendwie fassungslos

Man hört wieder viel von Managern in den letzten Tagen. Gerade hat der aufmerksame Bürger Ackermann verschmerzt, der ab und zu in den Medien seinen Senf zu den heiklen Fragen aus der schönen Welt des Mammons geben darf. Unsereins denkt auch nicht tagtäglich an die Millionen, die diese Energiebündel der Wirtschaft abgreifen. Unsereins muss arbeiten, und an einem Tag von 10 macht diese Arbeit mitunter auch mal Spaß. Meistens jedoch nicht, und schon gar nicht wegen des Geldes und der Nichterfüllung der Wünsche durch selbiges. 

Es dreht sich alles nur ums Überleben und die Zukunft. 

Aber so kommt manch ein Arbeitnehmer auch nicht auf blöde Gedanken wie z.B. die Anzettelung einer Revolution. Er hätte ja nicht mal mehr die Kraft, einen Stein zu heben. Soll'n se doch machen. Lass se doch, hat doch eh keinen Zweck.

Gibt es so etwas wie ein "Gier" Gen? Kann man sich das Gewissen operativ entfernen lassen? Auf Kosten des Steuerzahlers? Jau, das wär gut.

Gewissen, Schuldgefühle, Mitgefühl, Moral - wer braucht das in der Neuzeit? Gut, wenn diese Relikte aus biblischer Zeit endlich abgeschafft werden, und wieder das Gesetz "der Stärkere siegt", allein gültig ist. Die Anfänge davon spüren wir schon. 

Natürlich muss ein Kopf, der für ein Riesenversandhaus denkt, leer sein, ihn darf nur die Gier treiben, sonst nichts, würde er sich Fragen stellen, wäre alles aus. Nur nichts hinterfragen, nicht zweifeln und schon gar nichts bereuen. Noch 5000 Arbeitslose mehr, egal, die Agentur hat auch Kataloge, in den geblättert werden kann. Maßnahmenkataloge. Nehmen wa die für ein Euro die Stunde? Oder die mit dem Anfahrtsweg von 100 Kilometern? Nehmen wa die mit dem sechsten PC Einführungskurs?

Gibt es auch Arbeitsstellen, die ein Arbeitnehmer für 1400 brutto ruinieren darf? So richtig ruinieren? Bis zur Pleite?

15 Millionen - Sekt und Kaviar. Dolce Vita. So kann es weitergehen.

15.08.2009 um 20:32 Uhr

Master für alle - bitte mit abstimmen

 

master für alle,   http://www.tagesschau.de/sommerinterview122.html

 

link anklicken, Frage von humbolt (Herr Westerwelle, wieso nehmen die Parteien nicht den bundesweiten Bildungsstreik und die aktuelle Petition "Master für Alle" ernst?) lesen und abstimmen. Danke. 

 

Wer mehr Infos möchte, für den habe ich noch einen LInk http://www.masterfueralle.de/position

09.01.2009 um 18:48 Uhr

Schulden dank Arbeit

Stimmung: na wie wohl

Böse Geister gibt es doch, und sie lassen einen nicht in Ruhe, weil sie nicht wollen, dass man sein Leben in den Griff kriegt. Schröder hat sie herbeigerufen, sie unterstehen in Vertretung A. Merkel und P.Hartz und haben sich in der Agentur für Arbeit eingenistet und treiben von dort aus ihr Unwesen.

Seitdem ich arbeite, ging (Vergangenheitsform) es kontinuierlich aufwärts, tja bis nach Weihnachten, als die ersten Briefe wieder eintrudelten.

Rückforderungen der Agentur für Arbeit.

Wenn jemand über ein Jahr von ALG 2 gelebt hat, zwischendurch nur eine Stelle von drei Monaten hatte, und nur in diesen drei Monaten etwas mehr Geld, dann kann er natürlich wohl kaum etwas ansparen.

Dabei sollte jeder gewappnet sein auf den großen Moment, an dem die Zusage eintrudelt. Arbeit. Arbeit. Arbeit. Denn Arbeit kostet erstmal Geld und zwar nicht wenig.

Da ist ein voller Tank vonnöten, um die Stätte des Glücks auch täglich erreichen zu können. Und zwar einen Monat lang bis zum ersten Gehalt.

Da sind (vielleicht) auch mal ein paar neue Klamotten angebracht, um nicht gleich als Outsider sein restliches Dasein dort zu fristen. ….

Und man muss fähig sein, die Blicke ertragen zu können, wenn das Outfit sich zu oft wiederholt, während sich Mitarbeiter, die schon 10 Jahre da sind, so überaus sinnvolle Dinge wie Palomaarmbänder, leisten können und nicht wissen, wohin mit ihrer Kohle. Soll's ein neues Auto sein, oder tut es der "neue, alte" vielleicht noch ein Jahr. Ach, wann könnte man denn endlich mal wieder zum Friseur? Ist ja erst vier Wochen her. Shoppen, shoppen, shoppen. Billig fliegen, nee, zu viele Prolls unterwegs…. Das sind Gespräche, die aus einer anderen Welt zu kommen scheinen.

Auto – ja, ein nettes Thema. Meins ist 18 Jahre, und hat keinen TÜV.

Ich wollte es damals gerade mit einem Freund in einer Selbsthilfewerkstatt reparieren, und gab uns dafür Zeit von einer Woche. Es hätte alles geklappt, Ende Oktober hätte ich die Plakette gehabt. Das perfekte Timing.

Dann kam die Zusage, und jeder ALG 2 Empfänger weiß, dass er von heute auf morgen anfangen muss, da nützt kein Arzttermin, Urlaub sowieso nicht *ha,ha,*, kein kaputtes Auto, nichts. Man muss anfangen.

Pech nur, wenn der 1.Arbeitstag nicht der Erste des Monats ist….. Dann muss die Arbeitsagentur erstmal aushelfen, damit man bis zum ersten Gehalt überleben kann.

Dieses Geld will sie natürlich zurück, und sie fordert es in einem dreisten Schreiben auch zurück, als unrechtmäßig bezogene Leistung . Schon wegen dieser dreisten Formulierung würde ich dort am liebsten die Türen eintreten. Außerdem würde ich gern Ideen hören, wie man ohne deren Geld sonst einen Monat klarkommen sollte.

Sie will auch das Geld aus der Zeit zurück, als ich die Stelle für drei Monate hatte. Wieder das Pech, dass ich nicht am 1. anfing. So bin ich jetzt locker bei 1000 Euro Schulden angelangt, die ich nicht hätte vermeiden können. Vielleicht mithilfe eines Sparstrumpfs unterm Bett oder reicher Verwandten, dann hätte ich auf die Leistung zur Überbrückung bis zum Ende des Monats sch***** können.

25.07.2008 um 16:56 Uhr

Der Heiligenschein fürs Väterchen


 

Das ist nun ausnahmsweise mal keine Satire oder doch?

Ein paar russische Kommunisten möchten, dass Josef Stalin, auch liebevoll Väterchen genannt, von der orthodoxen Kirche heilig gesprochen wird. Doch durch welche Taten er sich besonders profiliert?

Wer war der Mann, von dem Josip Tito sagte, er "sei der größte Verbrecher der Geschichte"?

 

  • Enteignungen, Zwangsumsiedlungen in andere Provinzen und Deportationen in Straflager
  • Zwangskollektivierung der Landwirtschaft
  • Hinrichtungen von Millionen Menschen, Strafverfolgungen ohne Urteil. Sogar sein eigener Sohn wurde als Landesverräter hingerichtet
  • Viele Gebäude im Stile Stalins, der so genannte Zuckerbäckerstil, zieren noch die russischen Städte. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten
  • Straßen, Städte trugen zwangsweise seinen Namen, überall verewigte er sich mit Büsten und Denkmälern

 

Die orthodoxe Kirche ist entsetzt, gerade Gläubige hatten unter dem Stalinregime besonders zu leiden.

Russland hat seine Vergangenheitsbewältigung noch nicht in Angriff genommen.

 

Da dreht sich mir der Magen um.

 

 

06.06.2008 um 17:21 Uhr

Das Finanzamt hat Chili im A****.

 

Mit außergewöhnlicher Schärfe behandelt das Finanzamt Autofahrer in ihrer Funktion als Steuerzahler. Der Betrag für die Steuer wird neuerdings nur noch im Lastschriftverfahren abgebucht.

Das Finanzamt schöpfte bei mir leider ins Leere. Das kam so:

 

Weil ich Ärger mit einem Hoster und anderen habe, die immer Beträge vom Konto abbuchen, obwohl ich die Ermächtigung schon längst widerrufen habe, beschloss ich, nun endlich mal ein neues Konto zu eröffnen, was ich schon länger vorhatte.

Da eine Stornierung bei der Post mitunter ein Tagesjob ist, weil man nicht mehr durch die Warteschleifen kommt, und weil mir die *Post aus verschiedenen anderen Gründen bis zum Hals raus hängt *, wollte ich zu  einer anderen Bank.

Leider läuft das momentan alles noch so richtig, es war kein Cent auf meinem Postscheckkonto mehr und auf dem Bankkonto nicht sofort, bzw. konnte ich dem Finanzamt auch nicht mehr früh genug den Kontowechsel mitteilen. 

Interessiert natürlich das Finanzamt keinen Deut, gnadenlos und unbarmherzig geht man dort zu Werk. Die sind weder bereit, die Summe zu stunden, oder Teilbeträge zu ermöglichen. Zeit schinden ist auch nicht. Wer ein Auto fährt, muss dafür bezahlen, und zwar sofort. (Dieses Statement hat auch gleich einen Nebeneffekt: Ein Armer kann sich kein Auto leisten, verpestet ergo nicht die Umwelt und nimmt den anderen nicht das kostbare, immer knapper werdende Benzin weg.)

Aber das einem gleich ein paar Tage nach der erfolglosen Abbuchung eine Vollstreckungsankündigung, kein Mahnbescheid, nein, eine Vollstreckungsankündigung mit Gebühren ins Haus flattert, das ist erfreulich. Zucht und Ordnung im Ländle. Klar, unsereins  ist ja auch ein Betrüger. Er ist nur ein kleines Licht unter den Großen, eben kein Zumwinkel und auch kein Ackermann.

Aber ein kleines Licht muss gelöscht werden, und ein großes darf weiter leuchten.

 

Warum macht das Finanzamt einen solchen Affentanz? Es gibt Leute, die sind auf ihr Auto angewiesen, weil sie damit z.B. zum schlecht bezahlten Job fahren müssen, den sie sonst nicht mal per Bus oder Bahn erreichen könnten. Es gibt Leute, die verdienen nicht genug, so dass die KFZ Steuer eine ziemlich große Belastung ist. Die wissen doch selbst, dass sie diese sowieso bezahlen müssen, und ansonsten das Fahrzeug zwangsabgemeldet wird.

Es gibt Leute, die ringen sich jeden Euro für ihr Auto ab, weil sie es brauchen. Was sollen da diese blöden Mahnverfahren oder Androhung von Vollstreckungsmaßnahmen.

 

Typisch für einen Antisozialstaat.

20.05.2008 um 10:17 Uhr

Griff in die Mottenkiste

Oder besser der Griff ins Klo. Darin spezialisiert sich die SPD gern zurzeit. 

Aus Angst, noch mehr Wähler zu verlieren, steuert sie genau auf den Abgrund zu, sie tut alles Mögliche, um noch mehr Wähler zu verlieren. Einem Patienten würde der Therapeut wohl eine Verhaltensstörung bescheinigen.

Aber wo ist der Therapeut?

Profil hätte die Partei schon beweisen können, indem sie den Dalai Lama offiziell empfangen hätte. Stattdessen traf sich Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mit ihm und erntete dafür Kritik.

Feigheit nenne ich das.

Eine solche Partei möchte ich nicht mehr an der Regierung sehen.

Der Dalai genießt große Sympathien in der Bevölkerung. Fühlen wir uns etwa vertreten, wenn alle diesen Mann meiden, wie eine ansteckende Krankheit? Noch dazu, wenn er um Hilfe bittet, für ein Volk, das leidet. Ich fühle mich nicht vertreten. Aber ich habe dazu gelernt – es geht nur noch um Globalisierung und Wirtschaft. Menschlichkeit hat keinen Platz mehr in der Politik. Nicht die winzigste Nische.  

Die „ranghohen“ Politiker wenden sich ab und flüchten in diesen Tagen an die entlegensten Orte der Welt, natürlich nur um Gutes zu tun. Merkel merkelt in Mexiko umher, man nennt sie jetzt auch das „neue Busenwunder!!!!“ Sie spricht dort über steigende Lebensmittelspreise. 

Ob man ihr den Armutsbericht aus Deutschland wohl zugefaxt hat? Oder hat sie im Anflug von geistiger Umnachtung eventuell die Völker vertauscht? Mexikaner gegen Deutsche? Weiß sie gar nicht, wo sie ist? Oder frischt sie dort ihre Rhetorikkenntnisse auf?

Nach dem Motto – viel Gerede und wenig Taten.

Zurück zur SPD. Die Hand steckt immer noch im Klo...

Die gute Gesine wird wieder aus der Mottenkiste gekramt. Gesine Schwan kann ich mir absolut nicht als Nachfolgerin von Horst Köhler vorstellen. Dann ist er sogar noch die bessere Wahl. An ihn hat man sich inzwischen gewöhnt. Was ich mit Gesine Schwan assoziiere, möchte ich hier wirklich nicht mitteilen.

Eine Frau an der Spitze ist schon wünschenswert, aber da werden doch noch andere aufzutreiben sein als Merkels oder Schwans.

Eine, die wirklich mal eine Persönlichkeit ist.

 

 

 

24.03.2008 um 10:55 Uhr

Boykott der Olympischen Spiele? Oder sich aus der Affäre merkeln

Wieder eröffnet sich auf der Welt ein Kriegsschauplatz.

Von "Krieg" wie wir ihn kennen, kann noch nicht die Rede sein, aber die Vorfälle im Tibet könnten in die Richtung eskalieren.

Bisher hat China seine Rolle als Weltmacht nur in wirtschaftlicher Hinsicht gezeigt. Müssen wir nun auch befürchten, dass das Riesenreich militärisch die Zügel an sich reißt?

Die allgemeinen Meldungen zum Konflikt:

·China droht offen mit Gewalt.

·China erklärt die Unruhen im Tibet für eingedämmt. Nachweisen kann das keiner, weil Berichterstattung nicht mehr möglich ist. Ausländische Reporter und Journalisten wurden ausgewiesen.

·China gibt Einsatz scharfer Waffen zu

Und Russland stärkt China den Rücken. Hier rächt sich, dass Russland nach dem Zerfall des Kommunismus nicht mehr als Weltmacht für voll genommen wurde. Darüber war man not so amused. Putin hatte einiges zu restaurieren. Russland ist gern auf der Seite der Stärkeren, Aktionen von Minderheiten werden im eigenen Land auch nicht anders behandelt.

Die USA sind "noch" mit ihrem Irakkrieg beschäftigt, aber ihre Position ist eindeutig – sie verurteilen die Geschehnisse in China aufs Schärfste und raten zum Dialog mit dem Dalai Lama. Ihre Interessen gelten auch Taiwan, das Unabhängigkeit von China anstrebt. Das Land, das auch im "Besitz" Chinas ist, konnte sich dennoch eine relative Eigenständigkeit bewahren. Die Wahl, die dort ansteht, wird über die weitere Zukunft entscheiden. Die Menschen dort befürchten ähnliche Ausschreitungen wie in Tibet. Die USA verstehen sich als Beschützer Taiwans und haben zur Demonstration ihrer Zugehörigkeit auch gleich Flugzeugträger in Nähe der Insel im Pazifik installiert.

Schon stehen alle auf dem Schachbrett und schieben ihre Figuren hin und her.

Die Olympiade wird zum Politikum. Sport, friedliche Wettkämpfe – der alte Geist dieser Spiele ist unwichtig, es geht dabei nur um Macht und Geld und um nichts weiter. Schon gar nicht um ein paar tote Tibeter.

Der IOC Präsident will (natürlich!!!) die Spiele retten und hält nichts von einem Boykott. Dafür gehört er schon öffentlich geohrfeigt.

Es heißt, der Dalai Lama benutze die Spiele als Druckmittel. Und wenn? Welche anderen, gewaltfreien Möglichkeiten hat er denn, um auf die ungerechtfertige Besetzung seines Landes aufmerksam zu machen?

Da ist nun einmal seine Berühmtheit in aller Welt, von der er Gebrauch machen kann. Diese beeindruckt die Chinesen jedoch nicht. Sie bezeichnen seine Friedenspolitik offen als Lüge und ihn als Demagogen.

Madame Merkel wird sich, da sie jetzt in Diplomatie so gut bewandert ist, und lieber Küsschen hier und Küsschen dort verteilt und einheimst, aus der Affäre merkeln und abwarten. Eine klare Entscheidung oder gar eine scharfe Rüge in Richtung China wird es von der Kanzlerin nicht geben.

Seit meinem vorherigen Betrag haben schon weitere 200 000 die Petition unterschrieben. Hier noch mal der Link. AVAAZ.ORG

22.03.2008 um 09:54 Uhr

Petition - Unterstützung des Dalai Lama

Nach Jahrzehnten chinesischer Repression hat sich die Frustration der Tibetischen Menschen in Straßenprotesten und gewaltsamen Unruhen entladen. Die chinesische Regierung steht vor einer historischen Entscheidung zwischen brutaler Eskalation oder Dialog, welcher die Zukunft Tibets und Chinas bestimmen kann.

Wir können diese historische Entscheidung beeinflussen - China sorgt sich um seine internationale Reputation. Aber es braucht die schnelle Reaktion einer Masse von Menschen, um seine Aufmerksamkeit der Regierung zu gewinnen. Der tibetische Friedensnobelpreisträger und geistige Führer, der Dalai Lama, hat zu Zurückhaltung und zum Dialog aufgerufen. Er braucht die Unterstützung der Weltbevölkerung.

Unterschreiben Sie jetzt -- und erzählen Sie es weiter. 

Mehr gibt es bei AVAAZ.ORG zu lesen.

 

 

14.03.2008 um 22:22 Uhr

Surreale Welten

Stromempire Enercity

"Für ein Stück Positive Energie" lautet die Werbebotschaft. Welch ein gelungenes Statement. Ein Hoch auf den Werbetexter. Herzlich würde hier der Dalai Lama kichern.

Innovative Produkte – liest man. Ach ja, der Kanzler ist ja auch von hier. Wer hat wen kopiert? Innovativ – das war sein Lieblingswort, er benutzte es so oft, da klingelten schon die Ohren.

Mitten in Hannover in einer ehemaligen Expolokalität hat sich ein Imperium niedergelassen. Hinein muss jeder, der persönlich Fragen zum Strom hat. Wer es geschafft hat, sich am Café vorbeizumogeln, landet in einer Wartegalerie mit Wänden, die mit Werbung zugeklatscht sind und einem Großbildfernseher, auf dem natürlich weder Spielfilme noch Pornos laufen. *ätsch.*

Gern lässt sich der Verbraucher in diesem Glastempel durch aufmunternde Slogans überzeugen, dass nur er am Klimawandel noch was drehen kann. Denn wer sonst? Die Zeiten, in denen es Vorbilder gab, sind passé. Dieser monströse anonyme Kasten mit seinen roboterähnlichen Gestalten ist keins. Er ruft im Gegenteil noch zu mehr sinnloser Verschwendung auf.

Jeder muss sich also selbst sein eigenes "Denk-mal" sein.

Man möchte meinen, dass es bei soviel Gigantomanie den Kaffee umsonst gibt. Aber diese Serviceleistung fehlt. Schade, der dumme Verbraucher hätte doch gar nicht gemerkt, wenn ihm der Kaffee auf die nächste Stromrechnung gesetzt worden wäre *smile* .

Unten im Café stimmen Latinorhythmen im Winter auf den heißen Sommer ein, man möchte sich freimachen und voll der Lebenslust frönen. Iss ja möglich, dank der Stromkonzerne kann sich jeder sein Hawaii nach Hause holen.

Ein Lob auf diese Kuschelwelt, in der es so banale Probleme wie Frost und Kälte und die nächste Stromrechnung gar nicht gibt.

In dieser Welt fühlt sich einer dieser Kunden auch höchst unwohl. Er ist im zementverschmierten Maurerhabit erschienen. Wie kann er nur?

Er hätte sich doch gefälligst umkleiden können, oder befindet sich ein Designeranzug nicht in seinem Kleiderschrank? Muss es wirklich sein, dass einem auch an diesem paradiesischen Ort die Geringverdiener begegnen? Können die nicht durch eine Umgestaltungsschleuse geführt werden?

Ein solches Empire muss in Stand gehalten werden wie ein englisches Schloss mit seinen 100 überflüssigen Zimmern. Der Traum von Glas muss zur Freude einer jeden Hausfrau, die sich keinen Fensterputzer leisten kann, dargeboten werden.

Die Bedienung der Kunden erfolgt nach dem Nummernsystem. Auch wenn nur drei von ihnen in der Wartegalerie sitzen und auf den Bildschirm starren, und auch aus dem Büro keiner kommt, so will es doch nicht recht voran gehen. Ein Blick auf die Uhr lässt weder auf Frühstücks- noch auf Mittagspause schließen, und kurz vor Feierabend ist es auch nicht.

Das Publikum vermehrt sich, aber drinnen passiert nichts. Wie schön, dass es in dieser hektischen Zeit noch so ruhige, meditative Orte gibt.

Eine halbe Stunde nimmt man gar nicht wahr.

Fast 20 Plätze befinden sich im Großraumbüro, von denen nur ein Viertel besetzt ist. Wo sind denn alle nur? Im Urlaub oder schon in Rente? Sind die restlichen Plätze potemkinsche Dörfer?

Transparenz wohin man schaut. Fast wie Frontcooking. Nur die Buchführung und die Preiserhöhungen sind sicher davon ausgeschlossen. Aber wen interessieren schon nüchterne Zahlen?

Alles passt zu einer Welt, in der Schein alles ist.

Von Schreibtisch zu Schreibtisch flitzende Mitarbeiter sollen wohl den Eindruck von Geschäftigkeit erwecken. Nur dem wachsamen Auge entgeht nicht, dass hier alles nur im Zeitlupentempo passiert. Dies könnte natürlich auch ein Baustein innerhalb des Meditationsprogramms sein.

Schwarze Anzüge, weiße Hemden und schwarze Westen vermitteln ein Bild von Seriosität und täuschen eine Weile darüber hinweg, dass der Berater, der sich uns zugeordnet fühlt, leicht durch den Wind wirkt. Geordneter wirkt da schon die Fotogalerie seiner Familie, die sich auf dem Schreibtisch aufstellt.

Immer öfter hat man an solchen Orten den Eindruck, gar nicht mal so dumm zu sein, weil man die Hälfte von dem, was einem erzählt wird, auch schon weiß. Hauptsache, das Lächeln sitzt.

Nun stellt sich als Problem heraus, dass der Vormieter keinen Strom zahlte, und sogar polizeilich gesucht wird. Aus diesem Grund ist der neue Mieter erstmal ein bis zwei Tage, oder bei Wochenende sogar noch länger ohne Strom. So einfach kann der nicht wieder angeklemmt werden, schließlich muss dafür jemand kommen.

Aber was macht das schon.

24.02.2008 um 19:35 Uhr

Huch, wo bin ich hier

 

Eine Einrichtung der Erwachsenenbildung ist eine lustige Angelegenheit, um es mal frei heraus zu sagen.

Sitzt du nicht dorten, sitzt du eben hierten, also entweder sitzt du auf der einen Seite oder auf der anderen. Winner oder Loser.

Falls du einen Zeitvertrag hast, sitzt du eine Zeit lang auf der richtigen Seite, sprich du bist durch Arbeit ein "geachtetes" Mitglied der Gesellschaft,  bist ein Winner,

Danach bist du vielleicht wieder eine Weile arbeitslos, weil das Geld für neue "wahnsinnig" sinnvolle Maßnahmen der Statistikenverschönerung nicht mehr reicht. Aber da die jetzige Politik nicht möchte, dass jemand arbeitslos ist, wird sie schnell wieder passende Maßnahmen oder Projekte finden und Gelder auftreiben.

Sie tragen alle wunderschöne Namen: fit für den Job, (den fiktiven), Clearing, *ärrhhh*, 40 plus, 50 plus, sicher auch bald 67 minus, oder 100 halb, oder Ü 60. Und keine weiß, ob das Ü für Party über 60 steht oder für Überraschung!! Aber vielleicht ist die Überraschung auch 'ne Party.

Abkürzungen, die kein Mensch versteht. BPW, ÜWE, AQV, BJG , ABH , ETC (et cetera, Anm. von mir)

Den Erfolg der Maßnahmen streite ich nicht ab. Immerhin bin ich selbst das beste Beispiel. Die Erfolgsquote ist höher als erwartet, aber höchstens 3-4 Teilnehmer pro Maßnahme finden dadurch Arbeit.

Nichts gegen den Job, immerhin besser als mit einer schlechter qualifizierten Arbeit eine Treppe tiefer zu steigen und nicht mal 2/3 Drittel des branchenüblichen Gehalts zu erhalten. Ich bin auch sehr motiviert,

den Menschen auf der anderen Seite, also auf der Loserseite, immer wieder einzubleuen, dass es genug Arbeit gibt, wenn man sie denn finden möchte. *gut gelogen*

Es ist ein abstrakter, künstlicher Arbeitsmarkt entstanden, der mit sich selbst in Symbiose lebt.

Ohne die Umstrukturierung der Arbeitslosenpolitik samt Hartz IV wäre er nicht möglich.

Die Bildungseinrichtungen und Maßnahmeleiter leben von den Arbeitslosen und verdienen *iss halt so* das Doppelte. Ohne Arbeitslose keine Bildungseinrichtungen, und sie schießen wie Pilze aus dem Boden. Finanziert von einem kranken Sozialsystem. Ein gesamter Berufszweig bleibt so von Massenentlassungen verschont und trägt sich inzwischen so - die Sozialpädagogik.

Arbeit, ich meine richtige Arbeit, die zum Anfassen, so richtig nützliche Arbeit ist dadurch bisher nicht entstanden. Nur eine Art von Rotationsprinzip. Mal hier, mal dort. Mal oben – mal unten.

Und die Firmen machen sich derweil wech ins Ausland. Wech scheinen auch die Politiker zu sein die diesen Wahnsinn stoppen können.

Wird das jetzt unsere Zukunft sein?

17.02.2008 um 21:53 Uhr

Nicht nur hier gibt es grausame Eltern und Großeltern

 Jeder Kindermord ist auf seine Weise erschütternd. In manchen Fällen kann aber das Weiterleben auch grausam sein, und vielleicht wäre der Tod die Erlösung gewesen. 

Wie muss es sich anfühlen, mit 24  Nadeln im Körper zu leben? Ein chinesischer Großvater stach 24 Nadeln in den Körper seiner kleinen Enkelin, um sie zu töten. Der Grund – sie war nur ein Mädchen. (Quelle: Der SPIEGEL)

Das Drama passt ungefähr in die Zeit der chinesischen Familienpolitik, in der mehr als ein Kind pro Familie sanktioniert wurde. Da fragt man sich ohnehin, wie viele Mädchen in China getötet wurden, da Jungen einen höheren Stellenwert hatten. Dabei war es in ländlichen Gegenden durchaus erlaubt, ein zweites Kind zu bekommen, wenn das erste Kind "nur" ein Mädchen war. Aber Kinder kosten überall Geld, und da war die Beseitigung die kostengünstigere Alternative.  

Die Mutter des Mädchens wusste davon nichts, weil die Tochter für ein paar Tage bei den Großeltern war. Die inzwischen über 50jährige fragte sich immer wieder, warum die Tochter in ihrer Kindheit soviel schrie und als Erwachsene ständig Schmerzen hatte. Zufällig wurden die Nadeln bei einer Röntgenaufnahme entdeckt. Wie unvorstellbar grausam ist für einen mitfühlenden Menschen schon die Vorstellung, dass jemand Nadeln in den Körper eines schreienden, wimmernden Kindes sticht. Nadel für Nadel, Minute für Minute.  

Welche Gedanken, welche Motive steuern solche Menschen? Es kann nur die Lust am Foltern sein, denn sonst würden sie dem unerwünschten Nachwuchs einen schnellen, schmerzlosen Tod bereiten. Oder meinen sie, weniger schuldig zu sein, wenn sie den Tod nicht unmittelbar herbeiführen? Sie verursachen nur das Leiden, nicht aber den Tod selbst. Sind sie der Meinung, dass nur ein Gott Recht über Leben und Tod hat? Sie selbst aber nur Handlanger sein dürfen? Welche bigotte Moral!!

Vielleicht war in diesem Fall auch die Angst vor den Folgen eines direkten, sofort nachweisbaren Mordes größer.  Das chinesische Strafrecht duldete sicher auch keine Kindstötungen zur damaligen Zeit.  Die Rechnung des Großvaters ging nicht auf, das Mädchen überlebte. Noch immer sind Nadeln in ihrem Körper, einige wurden bereits herausoperiert, einige sind mit Organen verwachsen und können nicht entfernt werden. Auch das restliche Leben wird für diese Frau nicht schmerzlos sein.  Immer noch gibt es Orte auf der Welt, an denen die Geburt eines Mädchens das Allerletzte ist. Das macht mich wütend. Was wäre eine Welt ohne Mädchen? Ohne Frauen? Wer würde die Kinder gebären?Ohne Frau würde auch kein einziger Mann leben.

15.02.2008 um 21:46 Uhr

In Oasen lebt das Geld nicht schlecht

An manchen Orten auf der Welt lebt das Geld nicht schlecht, auch wenn drumherum nichts als Wüste oder Berge sind.

Das Geld hat hier seine Ruhe und kann sich vervielfachen, denn Fortpflanzung und Arterhaltung sind nicht nur Lebensinhalt der organischen Lebewesen. Im Gegenteil, Geld hat die Eigenschaft, dass es sich gern zu Geld gesellt und sich dann vermehrt. Ab und zu kommt sein Besitzer vorbei und wäscht es. Denn Geld stinkt schnell, und darunter leidet es.

Einsamkeit mag es nicht.

Trubel braucht es nicht, es will nur unter sich sein. (Man weiß also nicht, was das Geld so treibt oder ausheckt, denn es dringt ja nichts nach außen und die Hüter des Geldes, jene organischen Wesen auf zwei Beinen sind ebenso verschwiegen. Über die Menge hüllen sich alle in Schweigen, ob es Millionen oder Milliarden oder gar Trilliarden sind, soll keiner erfahren, besonders die organischen Wesen nicht, die in diesen tristen Gebäuden, auch Finanzämter genannt, ihr Unwesen treiben und die größten Feinde der klimpernden Münzen und knisternden Scheine sind.

Nur ein paar Weise wissen, dass Papier und Metallschrott völlig nutzlos sind, keinen Hunger stillen, keinen Durst löschen und auch nicht heilen können. Dennoch hat der Zaster schon längst die Weltherrschaft an sich gerissen, er ist wichtiger als Menschenleben, wegen ihm bringen sich Menschen um, wegen Mangel an ihm verhungern Menschen und manche führen aus Mangel ein Dasein, das jeder Würde entbehrt. Aber das wissen eben nur die Weisen, und die tun dem Geld nichts.

Eines der schönsten Steuerparadiese ist Liechtenstein, ein winziges Land in einer bizzaren Bergwelt. Kaum einer würde es kennen, oder für wichtig nehmen, wenn dort nicht die Hüter des Geldes säßen.

Die Besitzer des Geldes, nennen wir sie bloß nicht Verbrecher, sondern … *grübel* Sportler. Sportler sind's, die den Kick suchen wie Bungeespringer oder free climber, wenn sie Millionen an ihren Erzfeinden vorbei in die Oasen schaffen. Das ist Nervenkitzel pur.

Diese Sportler müssen weite Wege in Kauf nehmen, wenn sie ihr Geld besuchen wollen, das ist der Nachteil. Verständlicherweise wollen sie schnell zu ihrem Besitz, und da bietet sich aus Kostengründen heutzutage das Flugzeug an. Doch leider ist jeder Liter verbrauchter Treibstoff schädlich für die Umwelt, und man muss auch an Zeiten denken, in denen das Öl nicht mehr aus dem Boden sprudelt.

Nicht nur, weil das Öl versiegt, und die Sportler dann ihr Geld mit Eselskarren zu ihren Oasen ins Gebirge schaffen müssten, sondern auch, weil das Geld im Land langsam verschwindet. Wenn alles in den Oasen liegt, haben wir im eigenen Land nichts mehr, und eine bedauernswerte Bevölkerungsschicht, auch Politiker genannt, weiß nicht mehr, wovon sie das arme Volk ernähren soll. Selbstlosigkeit ist hier oberste Prämisse – an ihr Volk denken die Politiker natürlich zuerst, erst dann an sich.

Also wäre es doch sinnvoller, die Oasen direkt im eigenen Land zu schaffen, auf abgelegenen Inseln oder schwer zugänglichen Orten im Gebirge. Was Liechtenstein hat, haben wir auch.

Einer der Besitzer ist nun erwischt worden, ein Herr Zumwinkel, er soll aber "nur" eine Million abgezwackt haben. Das ist bescheiden und seinem Ruf als Spitzensportler nicht gerade dienlich. Auf der Siegertreppe wird er daher nicht stehen. Schade.

Nun haben die Lumpen, die Erzfeinde, die in den verhassten Gebäuden sitzen, durch ihre Schnüffelei herausgefunden, dass über 1000 Sportler Milliarden an ihnen vorbeigeschleust haben. Geheime Daten von Kunden sind nach außen gelangt. Wie nur? Bei der Verschwiegenheit der Hüter. (Hoffentlich hat das Geld nicht selbst geplaudert). Die Bewacher des Geldes in dem kleinen Land sind völlig außer sich.

Furchtbar, aber meistens siegt doch das Gute in der Welt, was wollen wir überhaupt mit Finanzämtern? Diese tristen Gebäude wollen das Geld auch nur für sich, für Straßen z.B. die ins Nichts führen oder Subventionen oder nutzlose Bauten. Das Geld möchte hier überhaupt nicht sein, an diesem Ort bekommt es Depressionen.

Finanzämter sind die überflüssigsten Einrichtungen des Landes. Sie sind bei Reich und Arm gleichermaßen unbeliebt, und es macht allen einen Heidenspaß, sie zu betrügen.

Eine Logik ist nicht zu erkennen, der eine landet für seine sportliche Leistung hinter Gittern und wird als Gauner bezeichnet, der andere verschwindet schnell in die Karibik und ist ein Held.


25.01.2008 um 19:53 Uhr

Wenn die Gier nicht nachlässt-Raubtierkapitalismus

Stimmung: weder noch

Schlagzeilen der letzten Tage:

Nokia macht 7,2 Milliarden Gewinn, aber die Löhne der Mitarbeiter sind der Firma zu hoch, weswegen das Werk in Bochum geschlossen werden und in Rumänien wieder geöffnet werden soll.

Das bringt sogar die CDU in Fahrt, denn Nokia hatte keine Bedenken, Fördergelder in Höhe von 60 Millionen anzunehmen. Diese will die CDU jetzt zurück. (Für den nächsten Wahlkampf vielleicht? Für 4-5 Millionen Arbeitslose wären das 12 -15 Millos)

"Der Gewinn würde reichen, um uns 100 Jahre Lohn zu zahlen", entrüsten sich die streikenden Mitarbeiter von Nokia. Bei Demos fliegen die Handys durch die Gegend und werden demonstrativ zerstört.

Zynischerweise bietet Nokia den Mitarbeitern dann auch noch den Umzug nach Rumänien an, als sei es eine der leichtesten Übungen, sein gesamtes soziales Umfeld mal eben zu verlassen.

Wie stellen sich Firmenchefs Alternativen vor? Sollen deutsche Mitarbeiter zu rumänischen Löhnen schuften? Ist das das Ziel der Raubtierkapitalisten?

Hier der Link zu einem gut geschriebenen Artikel: /Mit_Nokia_nach_Rumaenien__und_dann_nach_Sibirien

 

Was macht eine Firma mit diesem Gewinn? Wahrscheinlich verteilt sie ihn in der Personalspitze, wäre auch nichts Neues.

Die nächste Schlagzeile :

4,5 Milliarden Verlust hat die französische Bank Société Générale zu verzeichnen.

Zuerst wurde ein Börsenhändler für schuldig erklärt. Inzwischen glaubt man nicht mehr an einen einzigen Schuldigen.

Hier der Link: Der_Mann_der_fuenf_Milliarden_Euro_verzockte.

Diese Schlagzeilen könnte ich noch tagelang fortsetzen. In der Provinz passiert nichts anderes, nur die Dimensionen sind anders. Es geht nicht um Milliarden, aber um Tausende und Hunderttausende, manchmal um Millionen. Schon in meiner unmittelbaren Nähe befinden sich zwei Seniorenresidenzen!!, in denen aber keine Senioren residieren, sondern abgezockt werden. Von den monatlichen Einnahmen können sich die Heimleitungen Paläste in die Landschaft setzen, deren Baukosten die Millionengrenze erreichen, während die Mitarbeiter mit den geringsten Löhnen abgespeist werden. Sie haben Wechseldienst, Schichtdienst und Wochenenddienst, werden rumkommandiert, gemobbt und was weiß ich nicht alles und sollen dennoch freundlich zu den Alten sein.

Nirgendwo sonst hier in der Gegend ist die Fluktuation des Personals so hoch, und die Arbeitsagentur veröffentlicht die Stellen nur noch anonym.

Wodurch entsteht diese Gier? Etwa durch die tägliche Spielerei mit Zahlen und Milliönchen?

Der Raubtierkapitalismus hat längst die Welt unter seiner Fuchtel.

06.01.2008 um 11:59 Uhr

DU bist Deutschland – wie konnten wirs vergessen

Du machst uns wahnsinnig – vor Glück

Eine dicke Spinne beim Aufschlagen meiner Fernsehzeitung hätte mit Sicherheit eine ähnliche Reaktion hervorgerufen. Nein, es war aber nur dieses Bild, was mich wahnsinnig machte. Dabei sind Bild und Text noch harmlos.

Andere sind nur peinlich und so verlogen, dass mir graust.

Sie werden wahrscheinlich wieder lachen über uns im Ausland, und man täte gut daran, für ein paar Monate auszuwandern.

Diese verlogene Kampagne wird erneut gestartet, ich begreife es kaum.

Beim ersten Mal hatte sie noch die Funktion, uns armen jammernden Deutschen Mut zu machen, damit wir uns mal wieder aus dem Schlamm nach oben wühlen in die gefühlte Sicherheit. Eine Pseudosicherheit, in der es allen gut geht, so wahnsinnig gut. So gut, dass wir mal wieder erhobenen Kopfes dahinschreiten können.

Du bist Deutschland – du bist Kanzlerin, du bist Papst. Du bist dies, du bist das.

Der erneute Medientsunami überfällt uns alle ungefragt : TV –Spots, Radiospots, Anzeigen in Zeitungen, Plakate, Spots im Kino, wir werden wir dem Spektakel nicht entgehen können.

Dieses Mal soll die Aktion für mehr Kinderfreundlichkeit sorgen und große Gefühle wecken und natürlich endlich für steigende Geburtenraten sorgen. ….

(die 35 Millos dafür waren wahrscheinlich das eingesparte Elterngeld wegen mangelnder Zeugungslust der deutschen Staatsbürger)

Wen soll diese Kampagne beeindrucken?

Wen soll dieser Spruch (Beispiel unten) davon abhalten, sein Kind verhungern zu lassen?

Wen soll dieser Spruch ermuntern, überhaupt Kinder zu bekommen?

Du stinkst.

Wenn wir deine Windeln wechseln. Wenn du wieder stundenlang in der Matschepampe gebadet hast. Wenn du uns zeigst, dass man auch in Minkas Katzenklo spielen kann. Mag ja sein, dass andere das stört.

Uns nicht.

Uns nicht? Nein? Wird hier im Namen aller Eltern gesprochen? Auch im Namen derer, die überhaupt keine Lust haben, Windeln zu wechseln, bei denen das Geschrei der Babies innerlich einen Schalter umlegt, so dass sie Lust bekommen, die kleinen süßen Marathonschreier und Zwerge so lange zu prügeln, bis sie entweder halbtot sind oder nie wieder schreien?

Diese Eltern erreicht eine solche Kampagne weder mit solchen Bildern, noch mit solchen Texten.

Diese Kampagne spricht nur Eltern an, die sich (man sehe sich die Kinder an) im gesunden Mittelschichtniveau bewegen. Dort, wo Oma oder Opa zur Stelle sind, wenn’s mal brennt, und dort, wo es auch noch das neue Fahrrad zu Weihnachten gibt (aber nicht von ebay).

Überhaupt wird mit dem "Wir" die intakte Familie vermittelt, das solidarische Wir, und wo bleiben die Alleinerziehenden? Die das alles doppelt empfinden müssten? Als Mutter und Vater in einer Person.

Und überhaupt ist Glück für alle Beispiele der falsche Begriff.

Windeln wechseln, Kinderschreien (besonders das Unaufhörliche), Dreck machen, also glücklich macht das nicht.

In diesem Sinne für die nächsten Wochen:

Augen zu und durch.

28.12.2007 um 12:29 Uhr

Die Wahl der Qual

Stimmung: gelassen, heiter

Wieder flattern in diesen Tagen die Wahlbenachrichtigungen ins Haus. Es heißt also am 27 Januar 2008 wieder zur Urne zu gehen. Zur Landtagswahl in Niedersachsen

Zwei brisante Themen haben sich die SPD und die GRÜNEN auf die Fahne geschrieben. Nanu, haben die nach ihrer sozialen Totalentgleisung mit Schröder und Fischer zu ihrem Ursprung zurückgefunden? Schön wäre das.


- Mindestlohn

- Abschaffung der Studiengebühren

Da ich indirekt selbst betroffen bin, weil ich sehe, wie sehr meine Tochter ihr Geld zusammenkratzen muss, um diese Studiengebühren bezahlen zu können, und wenn ich dabei meine eigene Hilflosigkeit gezeigt bekomme, weil ich ihr nichts dazu geben kann, dann werde ich schon manchmal wütend.

Bei Abschluss ihres Studiums weiß sie nicht, ob sie einen Arbeitsplatz hat. Sie weiß nur eins: sie ist hoch verschuldet und muss Jahre für dieses Geld arbeiten.

Mit der Einführung der Studiengebühren brauchte es keine Eliteunis mehr, und es grenzt an Zauberei, wenn Kinder aus einkommensschwachen Familien überhaupt noch studieren können. (sie können nicht, und das war ja auch das Ziel : Reich und arm zu trennen)

Rechnerisch ist es jedenfalls unmöglich. Woher sollen diese 500-700 Euro für die Studiengebühren (die sind in Hannover besonders hoch) und noch mal 200 für die Semestergebühren kommen?

Das Studiensystem Bachelor und Master ist inzwischen so kompakt, dass manch einer der Studierenden so mit Lernen beschäftigt ist, dass er unmöglich nebenher jobben und schon gar nicht "gammeln" kann. Mit dem lustigen Studentenleben ist es schon lange vorbei. Zwangsläufig wird sich der Student für den Kredit entschließen.

Es grenzt auch an Zauberei, wenn ein Student aus diesem "teilweise geborgten" Cocktail aus Bafög und Kindergeld (auch nur bis 25) überhaupt die steigenden Mieten und den Lebensunterhalt bestreiten kann.

Das Semesterticket sorgt zwar für die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Bundesland, aber es wurde mit der Zahlung der Gebühren erworben. Umsonst ist da also nichts. Außerdem müssen auch Fachbücher und Lernmaterialien gekauft werden.

Eine sofortige Erhöhung des Bafögsatzes ist angebracht und eine längere Zahlung des Kindergeldes.

Meiner Meinung nach muss Bildung für alle kostenlos sein.

Die Einführung des Mindestlohnes halte ich für dringend erforderlich. Ohne Wenn und Aber.

Wenn dann noch Klimaschutz, Tierschutz, Nachbesserung bzw Abschaffung von Hartz 4 etc. Programmpunkte sind, dann werden die beiden Parteien auch für mich wieder attraktiver.

Verlieren können sie eh nichts mehr.

 

 

Dazu habe ich eine neue Umfrage gestartet, und ich freue mich über rege Beteiligung.

 

 

 

07.10.2007 um 10:14 Uhr

Stoppt endlich Müntefering

Was ist eigentlich mit Münte los?  Strebt er irgendwelche Rekorde an? Vielleicht den als unbeliebtester Deutscher? Vermutlich bekommt ihm die Rolle als Prinzgemahl (Vizekanzler) nicht.

Angela fliegen die Sympathien nur so zu, sie trifft Persönlichkeiten, die schon zu Lebzeiten Heilige sind, während Münte nur mit negativen Aktionen Aufmerksamkeit erregt. Wie  bei einem Kind, dass einem psychologischen Gesetz folgt: negative Beachtung ist besser als gar keine Beachtung.

Der Mann gehört nun wirklich nicht mehr in die SPD, solche Opis sollten sich um ihre Enkel kümmern. Was will sich der noch alles auf die Fahne schreiben? Rente mit 80? Kein ALG2 mehr für alle unter 30? BAföG komplett streichen?  Es wird Zeit, dass sich die SPD mal wieder neu definiert.

Diese Partei ist inzwischen unsozialer als die CDU. Selbst die greifen Becks Vorschlag auf, das Arbeitslosengeld 1 für Ältere länger zu zahlen.

Geistert der Polterkanzler noch immer in den Köpfen der Sozialdemokraten herum? Ist ihm seine alte Partei schuldig, seine Fehler dauerhaft weiter zu machen? Der gewünschte Erfolg von Hartz 4 hat sich nicht eingestellt, aber die SPD ist ja der gegenteiligen Meinung. Armut und zwanghaftes Entfernen aus der Gesellschaft können kein Erfolg sein, und für dieses Ergebnis sollte eine sozialdemokratische Partei sich schämen.

 

  

25.09.2007 um 20:30 Uhr

Bravo Angela

Soll sich Angela Merkel in der Funktion als Bundeskanzlerin von einem anderen Land vorschreiben lassen, wen sie empfängt?

So hat der Besuch des Dalai Lama in China Empörung ausgelöst. Man wirft Merkel Einmischung vor. Die Gefühle des chinesischen Volkes seien verletzt worden. China sagte daraufhin Termine mit deutschen Politikern ab.

Sollen wir als Staat also die Besetzung des Tibets gutheißen, indem wir das Oberhaupt der Tibeter auf Chinas ausdrücklichen Wunsch wieder ausgeladen hätten?

Dann könnten wir genauso gut sagen, der Einmarsch der Russen in Ungarn, Polen und die Gründung der Sowjetunion sei völlig rechtens gewesen.

Die Anbiederei bei den Chinesen hatte Schröder schon drauf. Menschenrechte waren da unwichtig, es ging nur um die Wirtschaft.

Brauchen wir die Chinesen als Wirtschaftspartner wirklich?

Wollen wir noch mehr Gift im Spielzeug und Klamotten? Klamotten, die von Menschen genäht werden, die während ihrer Arbeitszeit nicht sprechen und kein Wasser trinken dürfen, damit sie nicht auf Toilette gehen müssen. Menschen, deren Arbeitsplatz oft zugleich auch "Wohnstätte" ist.

Und brauchen wir wirklich "Biogemüse", das für unsere starke Nachfrage in China produziert wird; wie im Spiegel Nr. 36 zu lesen war. Hatten wir nicht inzwischen genug Skandale, die uns langsam wieder von der "Geiz ist Geil“ und Quantität statt Qualität Mentalität wegführen? Der Verbraucher hat dies gerade wieder erkannt und ist auf dem richtigen Weg. Und da soll er ständig von einer Welle aus massenproduziertem Dreck überrollt werden?

Die Persönlichkeit des Dalai Lama ist aus dem Weltgeschehen nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile heißt es, er sei beliebter als der Papst.

Dass die Chinesen bei seinem Anblick nicht vor Freude in die Luft springen ist klar.

Das Gesicht muss Schuldgefühle wecken. An die gewaltsame Besetzung des Tibets. Fast die gesamte tibetische Kultur wurde vernichtet, Bauten und Klöster zerstört, vom Völkermord ganz zu schweigen. In den tibetischen Städten wurden Chinesen angesiedelt, und dadurch wurden die Tibeter eine Minderheit im eigenen Land.

Der Dalai Lama verhält sich friedlich, wenn er anklagt, dann friedlich, wie es für den Buddhismus typisch ist. Dieses Verhalten weckt noch mehr Hass und Verachtung in China, weil es von "wahrer Größe" und Weisheit spricht.

Merkel sollte jetzt nicht den Fehler machen und dieses Treffen als "rein privat" herabqualifizieren. Sie muss dazu stehen, dass sie mit dem geistigen Oberhaupt der Tibeter auch politische Gedanken ausgetauscht hat. Die Reaktionen in den verschiedenen Pressen sind daher auch durchweg positiv. Man ist voll des Lobes für die Kanzlerin.

Angie ist in ihre Rolle hineingewachsen, auch sie darf Fehler machen. Aber mit den meisten ihrer Vorgänger kann sie allemal mithalten. Gegen Schröder ist sie Erholung pur. Zudem auch glaubwürdiger.

23.05.2007 um 21:34 Uhr

Die Kraft des Einzelnen


Was kann der Bürger, der Mensch, der Einzelne in diesem Staat überhaupt noch ausrichten? Muss er alles über sich ergehen lassen, oder hat er eine Stimme, die auch gehört wird?

Bei vielen Dingen würde ich das glattweg verneinen, was bewirken z.B. Protestmails gegen Käfighaltung, Genfood, Tierversuche oder umweltfeindliches Handeln?

Was bewirkt ein Auflehnen des Einzelnen gegen Hartz vier? Nichts. Er macht sich nur noch mehr Probleme.

Aber als Konsument ist der Einzelne wie ein Zahnrad in einer Maschinerie, und wenn er abspringt, dann funktioniert auch die Maschinerie nicht mehr.

Leicht ist das Abspringen nicht, denn heutzutage zählt nicht "billig will ich", sondern "billig muss ich".

Das magere Budget zwingt nun mal zu Einkäufen bei Lidl, Aldi und Penny, und jeder denkt bei der Nahrungsbeschaffung erstmal an sich und die Seinen und nicht an gestresste Verkäufer, niedrige Löhne, Mobbing, Arbeitsüberlastung und und und.

Dass Billigeinkäufer dadurch eine Spirale ohne Ende in Gang setzen, ist nicht jedem bewusst – denn wie wir wissen, sind die Arbeitsbedingungen bei genannten Discountern nicht die Besten und werden durch die Tiefpreise auch nicht besser. Irgendwer muss für den Gewinn sorgen. Discounter sind ja keine karitativen Orte, die aus purer Nächstenliebe existieren.

Wen interessiert inzwischen noch, ob diese Discounter alle kleinen Einzelhandelsgeschäfte weggefegt haben?

Der nächste Großangriff der Discounter ging auf die Nische Bio/ Öko. Produkte aus kontrolliertem Anbau standen plötzlich mit im Sortiment. Auch diese sind für den kleineren Geldbeutel angelegt,, obwohl die meisten Sachen für manche trotzdem noch zu teuer sind.

Und ob das wirklich immer alles Bio ist? Optisch wirkt die Ware genauso wie herkömmliche behandelte, chemisch gedüngte, die Tomaten sind noch nach Wochen rot und knackig und wollen leider Gottes nicht vergammeln… Man gehe da nur zum Spaß in einen Bioladen, Obst und Gemüse sind immer kleiner, runzeliger und glanzloser als in anderen Märkten.

Nicht zu vergessen, dass EU Norm auch viele „kleine“ Freiheiten lässt, Schadstoff ist nicht gleich Schadstoff, in einem Land belasten schon 10mg, während der europäische Mensch wohl mehr abkann, vielleicht sogar 100mg….

Ob die Rechnung der großen Discounter aufging, will ich nicht beurteilen, die Bioläden gibt es nach wie vor, inzwischen gibt es auch Biodiscounter, in denen alles genau so abläuft, wie in normalen Discountern, nur dass die Ware eben Bio ist. Dort gibt es keine besseren Löhne, und die Arbeitsbedingungen sind auch nicht rosafarbene Wattewelt.

Hier sieht man aber die altbekannten Freaks aus den vergangenen Zeiten, die in Birkenstock, Pluderhosen und Inkamütze gekleidet, ihren Einkauf tätigen, also treiben die sich nicht bei Aldi, Minimal und Edeka herum, um ihre Bioware zu kaufen. Das könnte ein Zeichen von Konsequenz sein.

Nun hat Lidl noch eine Marktlücke entdeckt, Transfair, und das ist das eigentliche Thema meines Eintrags hier.

Transfair ist im Ursprung eine ideologische, ethische Angelegenheit, von Kirchen organisiert, um einer Welt entgegen zu treten, die ungerecht und unfair ist. Eine Welt, die in arm und reich teilt, die Reichen beuten die Armen aus, um im Luxus zu schwelgen, während die Armen nicht mal überleben können.

Die Globalisierung reißt den Graben noch tiefer, und sie reißt ihn in jedem Land. In einer Unterhaltung sagte gestern jemand zu mir: „Globalisierung heißt, dass auf der Welt alle armen Menschen gleich arm und alle Reichen gleich reich sind.“

Sind wir davon noch so weit entfernt? Ich meine nicht, und deswegen habe ich auch den vorherigen Artikel geschrieben.

Kann ein Warendiscounter wie Lidl Transfairprodukte anbieten, wenn die Arbeitsbedingungen dort an Lohnsklaverei erinnern? Und verliert die Organisation Transfair, deren Aufgabe die Kontrolle und Einhaltung von Kriterien und Standards des Fairen Handels ist, nicht auch ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie Ladenketten unterstützt, deren Mitarbeiter alles andere als fair behandelt werden?

Wird mit zweierlei Maß gemessen? Ist der Mitarbeiter bei Lidl anders zu betrachten als der Indio in Brasilien, nur weil der Erstere (noch) nicht in einer Wellblechhütte lebt?

Bekommen die Erzeuger der Waren in ihren Ländern weiterhin korrekte Preise oder werden sie einfach überrannt? Möglichkeit 2: Lidl zahlt den Bauern, Erzeugern oder Kooperativen die fairen Preise, und zieht sie hier von den Löhnen der Mitarbeiter ab!!!

Man stelle sich nur einmal vor, es gäbe einen Tag des „Konsumboykotts“. (80% der Verbraucher würden bewusst einen Tag auf jeden Einkauf verzichten.) Die Kassen würden nicht klingeln, die Verluste gingen in die Tausende. Irgendwo muss der kleine Anfang mal gemacht werden.

Unsere einzige Chance ist Boykott. Wer Kaffee aus fairem Handel kaufen will, sollte ihn nicht bei Lidl kaufen, sondern im Weltladen, in welchen die Menschen, die dort (ehrenamtlich) arbeiten, ihre gesamte Energie stecken.

Die Weltläden informieren über die Bedingungen in den ärmeren Ländern, über Einzelschicksale, über Erfolge und Misserfolge. Kaffee, Kakao und Schokolade sind die Verkaufsmagneten der Weltläden, viele der anderen Waren sind Mitläufer.

Der Verkauf ist nur ein Teilaspekt des Konzepts. Das Engagement wird auch vor Ort geleistet. Es wird auch von diesen engagierten Mitarbeiten vor Ort kontrolliert und verhandelt. Es wird dort mit den Erzeugern gelacht und geredet, oftmals ist eine persönliche Korrespondenz weit über den Handel hinaus entstanden. Aus Spendengeldern werden Schulen gebaut, die Kinder schicken selbst gemalte Bilder.

Das alles bietet kein Discounter. Lidl's Kaffeebohnen erzählen keine Geschichte, aber sie könnten schon bald die Ursache dafür sein, dass auch die Weltläden verschwinden.

13.05.2007 um 16:54 Uhr

Faire Arbeit - eine Vorstellung davon (keine Satire)

Meine Vorstellung über eine faire Arbeit hat sich aus dem Konzept des fairen Handels entwickelt. Transfair –Produkte kennt inzwischen wohl jeder, der eine oder andere, der sie sich leisten kann, wird sie auch kaufen.

Man möge mich jetzt nicht falsch verstehen, wenn ich behaupte, dass Europa und besonders Deutschland gern das karitative Element der Politik über den Teich verlegen. Unzählige Gelder fließen in unzählige Produkte.

Es ist für mich keine Frage, dass Menschen in ärmeren Ländern einen gerechten Lohn für ihre Arbeit bekommen. Sie erhalten sogar weit mehr, nämlich soziale Unterstützung oder Investitionshilfen, damit sie Maschinen kaufen können. Dahinter kann ich 100%tig stehen.

Auch Kinderarbeit wird weitgehend durch solche Projekte eingedämmt, und wenn Kinder die Arbeit wirklich machen müssen, z.B. weil die Familie sonst verhungert, dann werden sie gerecht bezahlt und dürfen am Nachmittag eine Schule besuchen, die regelrechte Ausbeutung entfällt somit.

Nur eins verursacht mir langsam ein Kratzen im Hals. Sollten Europa und besonders Deutschland nicht baldigst Ordnung im „eigenen Stall“ schaffen? Faire Arbeit und faire Bezahlung sollten auf der Liste ganz weit oben stehen.

In Europa steigt die Armut an. Manche Länder (Albanien, Ukraine, Rumänien) waren schon immer arm. Oder hat Armut für die Politik etwas so Exotisches, dass die Bekämpfung nur überm Teich stattfinden kann?


Soweit müssen wir nicht schauen, bleiben wir doch in Europa und im eigenen Land. Die Armut nimmt zu und gleichzeitig die Ausbeutung. Reiche europäische Länder (oft sind sie das nur nach außen hin, wie man gut am eigenen Staat sieht) wirken wie Magneten auf die Menschen der ärmeren Länder, nur wegen Arbeit strömen sie in Scharen aus. Nur was finden sie? Ausbeutung, Mindestmindestlöhne, leere Versprechungen und oftmals sogar gar kein Geld für ihre Arbeit, denn sie wurden schlichtweg „verarscht“ und geködert.

Es wird tatsächlich Zeit für das Projekt „faire Arbeit“ in Europa, damit wir gar nicht erst dahin kommen, wo südamerikanische, afrikanische oder andere ärmere Länder sind. Nicht nur die Einführung des Mindestlohns löst die Probleme. Er ist nur ein Aspekt in einem dringend notwendigen Konzept.

Zurzeit lerne ich, obwohl ich mich in einer REHA Maßnahme und nicht in einer regulären Erwerbstätigkeit befinde, das Arbeitsleben mal wieder von seiner üblen Seite kennen, auch aus den Schilderungen meiner Kollegen.

Eine Kollegin hat gerade OP’s hinter sich und Rückenprobleme. Stehen die Arbeitgeber deswegen Schlange? Im Praktikum testet sie sich selbst aus, aber die Arbeitgeber haben es nicht nötig, sie in Watte zu packen. Im richtigen Arbeitsleben wird sie das schon bald noch deutlicher spüren.

Eine Teilnehmerin mit einer schlimmen Augenkrankheit kann ihre Arbeit im Büro nicht mehr ausführen. Nach der Maßnahme wird sie in der Produktion einer Keksfabrik arbeiten. Die Zusage hat sie schon.

Ein Teilnehmer(Tierarzt und später Tierheimleiter) wird gerade systemtauglich gemacht. Der Mann, der immer Chef war, wird nun vielleicht auch in einem Laden Hundefutter verkaufen, *lach*, den Witz konnte ich mir jetzt nicht verkneifen.

Auf jeden Fall wird er so lange bearbeitet, bis er sich unterordnen lernt.

Schlechte Beispiele? Ich glaube nicht.

Ist es das? Ist das eine erfolgreiche Maßnahme? Für die Maßnahmeleiter bestimmt.

Dabei werfen sie gern mit Begriffen um sich wie „psychosoziale Betreuung“, stufenweise Heranführung an die Belastbarkeit und so weiter.

Dann gibt es noch die Stellen, die ohnehin keiner haben will und die manche nehmen müssen. Entweder setzen sie sich selbst unter Druck oder sie werden unter Druck gesetzt. Da gibt es zum Beispiel die Stelle als Hauswirtschafterin in einem Altenheim, die alle vier, fünf Monate wieder neu ausgeschrieben wird, weil die Chefin aus ihren Mitarbeitern Wracks macht.

Warum unterstützt die Arbeitsagentur ein solches Treiben? Warum vermittelt sie immer wieder solche und ähnliche Stellen? Wie Hunde an einer Fährte kleben auch private Vermittler an solchen Stellen. In Aussicht der netten Provision, die man fast im Schlaf verdienen kann, lässt auch hier das Menschliche demütig zurücktreten. Fürsorgepflicht ist leider hier nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Und es wird immer schwerer, solche Stellen abzulehnen, durch die ein Arbeitnehmer ganz offensichtlich psychisch und physisch krank wird.


Neben der fairen Arbeit sollte es auch eine „beschützte“ Arbeit geben. Eine Kontrolle der Arbeitsstellen und eine Anlaufstelle für die Problematik der Arbeitnehmer.

06.05.2007 um 17:13 Uhr

Mit der RV in den Ruin Teil 2

Leider gibt es eine Fortsetzung dieser Posse. Teil 1 hier

Der Stapel meiner Bescheide hat inzwischen die Höhe von ca. 2 cm erreicht und kommt von drei Behörden.

Ein paar Bröckchen in Form eines Vorschusses wurden mir zugeworfen, allerdings eignet der sich nur zum Löcherfüllen. Das ist nur Geldhinundherschieberei und irgendwann fehlt genau das Geld des Vorschusses. Es handelt sich nicht um eine Arbeitsstelle mit einem gesunden Monatseinkommen, bei der man eben mal kurz den Gürtel etwas enger schnallt für einen Monat, sondern um eine Zahlung in Höhe von ALG 2, bei der nach dem Gürtel enger schnallen wirklich nur das langsame Hungern kommt, wenn nicht zuvor schon der Strom abgeklemmt wurde.

Ich bekomme das Geld ja, die Bescheide liegen vor, allerdings von drei verschiedenen Ämtern, RV, Agentur für Arbeit und Landkreis.

Der Landkreis zahlt plötzlich einen Mietzuschuss, obwohl im ersten Bescheid von einem Anspruch darauf nicht die Rede war.

Meine Rechnung ist einfach, dabei bin ich im Kopfrechnen eher schwach, um es humorvoll auszudrücken. Mein kleines Gehirn hat also folgendes herausgefunden – wenn jemandem im April Miete + Lebensunterhalt in Höhe von z.B. 600 Euro zustehen, und diese auch von der Agentur und Landkreis gezahlt werden, dann muss auch im nächsten Monat, obwohl sich in den Verhältnissen nur der Zahlmeister geändert hat, diese Summe wieder zur Verfügung stehen, egal woher sie kommt.

Es kommen aber Bescheide, in denen steht einmal, dass ich keinen Anspruch mehr habe(Arbeitsagentur), dann kommt ein Bescheid vom Landkreis, dass mir auch kein Mietzuschuss mehr zusteht. Dazwischen platzt ein Bewilligungsbescheid von der RV, die mir seit 2 ½ Monaten erst ein Drittel des zustehenden Geldes überwiesen hat.

Plötzlich kommt dann ein Bescheid, dass mir ein Mehrbedarf zusteht, und plötzlich ist auch der Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung wieder mit dabei, und zur Krönung kommt dann gestern ein Brief vom Landkreis, mit der Botschaft, dass ich auch noch Mietzuschuss erhalte. 6 Seiten, in denen einmal steht, dass mir 113 € zustehen, die wiederum im Monat April verrechnet werden. Die entstandene Zahlung von 436€ wird im Mai mit 11 Euro verrechnet und im Juni mit 25 €!!! Zugeordnet werden dem Empfänger (mir) dann wieder 113€ für März, und je 50€ für April und Mai, ausgezahlt werden dann 38 € (?). Für jeden Monat ein anderes Rechenbeispiel. Von welchem Einkommen gehen die überhaupt aus. Laut einzigem Bescheid von der RV ist es sogar um 30€ geringer als ALG 2. Raucht euch auch der Kopf? Dann geht es euch wie mir.

Wohin sind diese netten Beträge verschwunden, mit denen multipliziert, dividiert, subtrahiert und addiert wurde? Oder ist das Algebra? Nein, da verschwindet eigentlich nichts, alles kann mit einer Gegenprobe jederzeit bewiesen werden.

Es steht da was von „übersteigendem“ Einkommen und „Einkommensüberhang“, Begriffe, die ich ohne Zuhilfenahme eines Fachwörterbuchs leider nicht übersetzen kann.

Vielleicht glaubt mir auch keiner mehr oder hält mich für bescheuert, weil ich das alles nicht eher hinterfragt habe. Ich war felsenfest der Ansicht, nun würde sich allein und ausschließlich die RV um meine Person und mein Einkommen kümmern. Die Leistungen würden mir als Übergangsgeld zukommen, davon wären Miete und Lebensunterhalt gedeckt.

Beim genauen Betrachten des gestrigen Bescheides sah ich dann, dass ich schleunigst den Mietzuschuss weiter beantragen muss und zwar bei der Agentur. Für diese Information wäre ich zu einem früheren Zeitpunkt auch sehr dankbar gewesen.

Meine vage Vermutung geht in die Richtung, dass sie dafür gern einen korrigierten Bescheid von RV bekommen möchten, um die Höhe des Einkommens ersehen zu können. Nur habe ich den noch nicht. Dann wird mir vielleicht die RV wieder mitteilen, dass sie einen Bescheid der Agentur benötigt, um das Übergangsgeld neu berechnen zu können, denn mit dem errechneten Mehrbedarf wird auch die Höhe des Übergangsgeldes sich ändern.

Ein munteres Trio, diese drei Ämter. Spielen sich gegenseitig die Bälle zu, der eine zieht beim Anderen was ab, der andere packt es sich selbst wieder drauf, die Agentur holt sich die Miete vom Landkreis, lässt sich von der RV erstatten, und ein normaler Mensch kann solche Bescheide und das sinnlose Treiben nicht mehr verstehen. Selbst, wenn man dort anruft, ist keiner in der Lage, in diese Zettelwirtschaft irgendeine Transparenz zu bringen.

So viel zum Thema Vereinfachung der Verwaltungsprozedere der Ämter bei deren Leistungen. War dafür Hartz Vier nicht ursprünglich eingeführt worden? Zur Vereinfachung und Entlastung? Wollte nicht auch jemand die Steuererklärung auf Bierdeckel schreiben? Vielleicht passt es nicht zu uns Deutschen, die Dinge zu vereinfachen, vielleicht muss alles so kompliziert wie möglich sein. Trübe Gedanken wollen sich schließlich auch irgendwie ernähren, sie könnten ja sonst aussterben.

Nicht, dass ihr denkt, ich würde jammern wollen oder womöglich Existenzängste haben und deswegen schreiben. Ich möchte nur, dass ihr was zum Lachen habt, wo es doch so wenig zu lachen gibt im täglichen Überlebenskampf. Ich sage mir immer, solange Gras und Brennnesseln im Garten wachsen, ist der Mensch nicht verloren….

Manchen, die arbeiten(im Sinn von regulärer Erwerbstätigkeit, Anm.), geht es auch nicht besser. Die haben vielleicht mehr Geld, aber dafür kommt der Leidensdruck woanders her.